Weitere Fantasie für Aktionäre

Eine Senkung der Körperschaftssteuer (KÖSt) wurde bereits 2016 in den Raum gestellt. Die Entwicklung in Europa wird die Debatte demnächst in Wien wieder anheizen.

Nach dem Vorpreschen einzelner EU-Mitgliedsstaaten, die Gewinnsteuern der Kapitalgesellschaften (GmbH, AG) zu kürzen, gewinnt diese Forderung am Kontinent generell an Gewicht. Entsprechende Anreize, Investitionen und bedeutende Arbeitgeber ins Land zu locken, nähern sich trotz Widerständen einer realen Umsetzung. Denn: Wurde Irland bis zum Vorjahr bezüglich der „Dumping-Strategie“ noch aus Brüssel gegeißelt, riecht es zusehends nach einem Paradigmenwechsel.

Druck von allen Seiten
Getrieben wird die Kursänderung durch Faktoren, die EU-Gremien nicht oder kaum zu beeinflussen imstande sind. So ist die Trump-Administration gerade dabei, einen Weg zu ebnen, die angekündigten Steuererleichterungen für US-Unternehmen durchzusetzen. Immer klarer wird: Die Verantwortlichen für den US-Haushalt nehmen dazu gar Einnahmenkürzungen von mehr als 2 BioUSD über die kommenden Jahre in Kauf. Schlüssig ist, dass Aktionäre und Fondsgesellschaften die Perspektiven steigender Gewinne der börsennotierten Gesellschaften erkennen. Seit der Ankündigung der „Tax Cuts“ und der US-Wahlschlacht vor elf Monaten verzeichneten US-Anleger (anhand des breiten S&P 500-Aktienindex) eine durchschnittliche Wertsteigerung von 20 %. Durch die nun nahende Realisierung des Vorhabens bekam die Hausse nun einen zusätzlichen Schub. Seit sich in Frankreich die Wahl des als Marktwirtschaft-freundlich geltenden Emmanuel Macron zum Staatspräsidenten Ende April abzeichnete, lockert sich bald die Steuerschraube auch in der zweitwichtigsten Volkswirtschaft der Union. Macron gab eine um 8 % reduzierte KÖSt (auf 25 %) in seine Zielvorgabe ein. Der Pariser CAC 0 steht nun rund ein Zehntel höher.

Aggressive Anwerbung
Osteuropäische Staaten setzen diese Anreize seit geraumer Zeit ein: Tschechien, Slowenien (19 %) und die Slowakei (21 %) locken hier noch mit moderaten Sätzen. Polen (15  bzw. 19 %) hat mit einer aggressiveren Anwerbung wirtschaftliche Erfolge zu verzeichnen, Rumänien frohlockt mit einer KÖSt-Quote von 16 %. Zu Jahresbeginn heizte Budapest diesen Steuerwettbewerb verstärkt an: So schuf die ungarische Regierung mit einer einheitlichen Absenkung des Staatszugriffs auf 9 % eine regelrechte „Kluft“ zu den fiskalischen Gegebenheiten seiner westlichen Nachbarn. Vor allem die Großindustrie wird von den Magyaren nun massiv angelockt. Irland (12 %) und Zypern (12,5 %) werden dabei noch klar unterboten. Nur Bulgarien hat mit (5 bzw. 10 %) zum Teil eine noch attraktivere Schwelle eingeführt. Der ungarische BUX steht unterdessen nicht weniger als 23 % höher als zu Weihnachten.

Sogar Rot-Grün senkt
Sogar Schwedens rot-grüne Regierung unter Magdalena Andersson hat im Sommer (nach einer Herabsetzung 2013) ein weiter auf 20 % reduziertes KÖSt-Niveau (-2 %) ins Spiel gebracht. Im Jahre 2012 wurde die Besteuerung in finnischen Gefilden schon von 26 gering auf 24,5 % geschmälert. Auch das Hochsteuerland Dänemark liegt mit 22 % bereits deutlich unter österreichischen Verhältnissen (25 %).

Einzig Belgien, Frankreich, Norwegen und teilweise Italien nagen derzeit in Europa noch kräftiger an den Gewinnen als der heimische Fiskus. Von West bis Ost (Deutschland 15 % + 5 % Solidaritätszuschlag) wird  das wirtschaftliche Umfeld hingegen stets attraktiver. Aktionären österreichischer Firmen bleibt die Hoffnung auf weitere Kursgewinne durch neue Vorstöße zur KÖSt-Reduktion.             

Autor: Roman Steinbauer (redaktion@boersen-kurier.at)

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