Aktien zu Schnäppchenpreisen

Die jüngsten Einbrüche bei Zumtobel, Wolford und DO & CO ebneten den Weg zu günstigen Einstiegschancen. Ebenso ist die BAWAG besser als ihr Börsenstart.

Es gibt zwei Gruppen antizyklischer Chancen, nämlich Aktien, deren Rückschläge auf klar definierte Ereignisse zurückzuführen sind, oder die ungünstigen Marktkonstellationen und/oder Managementfehlern zum Opfer fielen. Letztere brauchen häufig länger für eine Trendwende. Ereignisbedingt unter Druck gerieten die BAWAG Group und DO & CO. Das Geschäftsklima zwischen österreichischen und türkischen Firmen hat sich verschlechtert, die Türkische Lira wertete massiv ab und DO & CO kam bei einem neuen Auftrag nicht mehr zum Zug. Am Istanbuler Großflughafen arbeiten die Turkish Airlines mit einem DO & CO-Konkurrenten aus Singapur zusammen. Entsprechend die Kursentwicklung, zumal die Türkei zuletzt über ein Viertel des Umsatzes beitrug: Seit ihrem Hoch 2016 hat sich die Aktie bereits mehr als halbiert. Die Chancen auf eine Bodenbildung bei teils volatiler Seitwärtsbewegung stehen gut.

Unschuldig unter Druck geriet die fundamental solide BAWAG Group. Nachdem beim IPO die Gewinne ausblieben, machten zahlreiche Anleger Kasse. Per 24. 11. gab es bereits rund 13 % „Discount“ auf den IPO-Preis (letzter Kurs: 41,85 Euro). Die BAWAG erwartet für das Gesamtjahr ein Ergebnis vor Steuern von mehr als 500 Mio Euro. Dem steht eine Marktkapitalisierung von nur noch 4,19 Mrd Euro gegenüber. Damit wäre die mit einer CET1-Quote von 16,2 % grundsolide Bank bereits attraktiv bewertet.

Einige kritische Entwicklungen im für 2018 erwarteten Marktumfeld hingegen versetzten trotz hervorragender Zahlen die Lenzing-Aktie in einen kurzfristig starken Abwärtstrend. Binnen drei Monaten liegt der Aktienkurs bereits 29 % im Minus. Baader-Bank-Analystin Laura Lopez Pineda verweist hingegen auf Lenzings einzigartige Position am Fasermarkt und bestätigt die Kaufempfehlung (Kursziel: 151 Euro). Zu einem Kurs von 99,60 Euro wäre Lenzing auf Basis der Baader-Schätzung mit einem Forward-KGV 18 von 9,7 (leichter Gewinnrückgang) bewertet. Fazit: Das 1. Quartal 2018 und/oder Bodenbildung abwarten!

Bei Zumtobel haben die Anleger die Gewinnwarnungen langsam satt. Am 15. 11. war es wieder soweit: Gewinn- und Umsatzprognosen für das laufende Geschäftsjahr mussten nach unten angepasst werden: Der Vorstand erwartet nun ein bereinigtes EBIT von 50 bis 60 Mio Euro (Vorjahr: 72,4 Mio Euro) und einen Umsatzrückgang von rund 5 %. Bisher waren jeweils leichte Zuwächse vorhergesagt worden. Ein intensiverer Preiswettbewerb im Leuchten- und Komponenten-Geschäft und vermehrte Projektverschiebungen in Großbritannien waren die Ursache. Alleine am 16. 11. verlor die Aktie 20,9 % an Wert und es keimten Mediengerüchte über Unstimmigkeiten in den Führungsetagen auf. Beim Aktienkurs sollte auf aktuellem Niveau eine Bodenbildung abgewartet werden.

Ein kräftiger Rebound setzte zuletzt hingegen bei Wolford ein, wo ein Kernaktionärswechsel bevorsteht und strukturell hohe Kosten nun konsequent reduziert werden, nachdem das 1. Quartal 2017/18 (Mai bis Juli 17) noch immer tiefrot war. Zwar verzeichneten gegenüber dem Vorjahreszeitraum das Retail-Geschäft und auch das Whole-sale-Geschäft Umsatzanstiege von je 6,0 bzw. 2,2 %, doch das operative Ergebnis war noch immer mit -7,22 Mio Euro (Vorjahreszeitraum: -8,08 Mio Euro) tief im roten Bereich.

Zwar steuert das Management dieser Entwicklung mit Kosteneinsparungen entgegen, doch erst 2018/19 erwartet Wolford wieder ein operativ positives Ergebnis. So richtig frischen Wind (Kapitalerhöhung, eventuell stärkere strukturelle Eingriffe und völlig neue Marketing-Konzepte) wird wohl erst der neue Kernaktionär reinbringen. Genau darin liegt derzeit die Chance.

Autor: Michael Kordovsky (redaktion@boersen-kurier.at)

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