Chancen und Risiken für 2018

Die Konjunktur nimmt vor allem in Europa Fahrt auf, Öl- und Rohstoffpreise steigen. Daraus resultiert eine Reihe von Chancen bei gleichzeitigen Risiken.

Pünktlich zum Jahresauftakt drohte Nordkoreas Diktator Kim Jong-un mit einem Atomwaffenangriff, während im Iran die Unruhen toben. Der Goldpreis ist binnen eines Monats um 3,7 % gestiegen und Goldminen-Titel stiegen entsprechend stärker. Zahlreiche Goldminen-Unternehmen verfügen auf dem aktuellen Goldpreis-Niveau über weiteres Aufholpotenzial, das besonders bei südafrikanischen Minentiteln groß ist, nachdem Delegierte der Regierungspartei ANC den wirtschaftsfreundlichen Multimillionär Cyril Ramaphosa zum neuen Parteivorsitzenden wählten, der nun auch über gute Chancen verfügt, Jacob Zuma 2019 als Präsident abzulösen. Das bietet spekulative Chancen für südafrikanische Minentitel wie Harmony Gold (ISIN: ZAE00 0015228), die mit einem Kurs/Buchwert-Verhältnis von 0,34 und einem Kurs/Cash-Flow-Verhältnis von 2,4 regelrecht ausgebombt erscheint, oder die größeren Minen AngloGold Ashanti (ZAE000043485) und Gold Fields (ZAE000018123). Letztere erzielt den Löwenanteil ihres Cash Flows in Australien und ist um nachhaltiges Wirtschaften bemüht.

Im Verlauf des Jahres ist infolge geopolitischer Spannungen immer wieder mit steigenden Edelmetallpreisen zu rechnen, was generell positiv für diverse Goldminen-Fonds und -ETFs wäre. Vor allem die russischen Präsidentenwahlen am 18. März und 8. April (Stichwahl) könnten zu turbulenten Ereignissen führen.

Infolge der starken globalen Konjunktur ist im laufenden Jahr mit weiter steigenden Öl- und Rohstoffpreisen zu rechnen. Das ist gut für Ölwerte wie Royal Dutch Shell  (GB00B03M LX29), Total (FR0000120271) und Marathon Oil (US5658491064), Ölfeldausstatter wie Halliburton (US40 62161017), Schlumberger (AN806857 1086)  und Transocean (CH004826 5513) oder Minenkonzerne wie Norilsk Nickel (US55315J1025), BHP Billiton (AU000000BHP4) oder Rio Tinto (GB0007188757). Darüber hinaus sollten generell Aktien rohstoffreicher Schwellenländer profitieren und „Rohstoffwährungen“ wie Russischer Rubel sowie Südafrikanischer Rand bieten Gewinnchancen.

Auf der anderen Seite bedeuten steigende Energie- und Rohstoffpreise inflationäre Impulse. Sollten diese stärker als erwartet ausfallen, dann müssen die Zentralbanken ihre bisherige Geldpolitik überdenken. In diesem Zusammenhang sollte der am 4. Feber stattfindende Führungswechsel an der Spitze der Fed im Auge behalten werden. Voraussichtlich wird Donald Trumps Wunschkandidat Jerome Powell an diesem Tag Janet Yellen als Fed-Präsident ablösen. Zwar gilt er als Vertreter einer moderaten Geldpolitik, doch Entscheidungsmuster können sich in solchen Spitzenpositionen verändern. Zudem droht in den USA aufgrund der niedrigsten Arbeitslosigkeit seit Dezember 2000 Lohninfla­tion. Schnellere und stärkere Zinsanhebungen als erwartet sind ein Risiko, das von der Fed ausgeht. Laut CME FedWatch Tool liegt aktuell  die vom Markt erwartete Wahrscheinlichkeit von Leitzinsanhebungen auf 1,75 bis 2 % bis zur Fed-Sitzung am 19. Dezember 2018 (derzeit 1,25 bis 1,50 %) bei 35,3 %.

Auch bleibt abzuwarten in welchem Tempo und Ausmaß die Fed ihre Bilanzsumme schrumpfen bzw. ihre Staatsanleihenbestände abbauen wird. Es ist nämlich ein Abbau der Bilanzsumme von 4,5 auf 2,5 bis 3 BioUSD angepeilt. Staatsanleihenverkäufe der Fed drohen die Renditen nach oben zu treiben, während in Europa das Tempo des Rückzugs der EZB aus ihrer expansiven Geldpolitik einen Unsicherheitsfaktor darstellt. Das Crashrisiko bei Staats- und Unternehmensanleihen der entwickelten Industrieländer sollte nicht unterschätzt werden. Kommt es dazu, geraten auch Aktien unter Druck.                

Autor: Michael Kordovsky (redaktion@boersen-kurier.at)

Auf Facebook teilen Diesen Artikel teilen