„An den deutschen Aktien führt kein Weg vorbei“

Trotz der jüngsten Rücksetzer sind Experten guter Dinge, dass der positive Trend des DAX anhält. Steigende Unternehmensgewinne sollten den negativen Währungseinfluss ausgleichen.

Das neue Jahr hatte für den DAX denkbar gut begonnen. Ende Jänner erreichte der deutsche Leitindex einen neuen Rekordstand von rund 13.600 Punkten. In einer ähnlichen Tonart könnte es im weiteren Jahresverlauf weitergehen - zumindest erwarten das die Experten der Deutsche Asset Management.
„Wir gehen davon aus, dass der DAX 2018 die Marke von 14.000 Punkten überschreiten wird“, sagt
Tim Albrecht, Leiter DACH-Aktien. Nachsatz: „An deutschen Aktien führt weiter kein Weg vorbei.“

Moderate Bewertungen

Auch bei der Raiffeisen KAG ist man optimistisch, dass sich die positive Entwicklung weiter fortsetzen könnte. „Man darf nicht vergessen, dass die Kursanstiege anderswo noch höher ausgefallen sind“, meint Bernd Kiegler, Fondsmanager im Team „Aktien entwickelte Märkte“, zum Börsen-Kurier. Gegenüber den USA sei der Bewertungsabschlag groß. So werde für den DAX 2018 ein KGV von 13x erwartet, beim S&P 500 wären es rund 18x.

„Es spricht eigentlich nichts dagegen, dass sich die aktuelle Konjunkturerholung in Deutschland und der EU weiter fortsetzt“, so Kiegler. Die Gewinnerwartung der DAX-Unternehmen für 2018 sei mit einem Plus von 10 bis 11 % nicht übermäßig ambitioniert. „Angesichts weiter steigender Unternehmensgewinne sind die Bewertungen deutscher Aktien weiterhin moderat“, meint Albrecht. Er verweist zudem auf durchschnittliche Dividendenrendite der 30 DAX-Konzerne von rund 3 %. „Im anhaltenden Niedrigzinsumfeld verdeutlicht das die Attraktivität deutscher Aktien“, so Albrecht.

Kiegler räumt aber ein, dass die EZB mit einer zu frühen Zinsanhebung den Wirtschaftsaufschwung abwürgen könnte. „Dagegen spricht, dass sie - anders als in der Vergangenheit - zuletzt sehr vorsichtig vorgegangen ist.“ „Nicht unbedingt hilfreich“ sei jedoch der starke Euro. Allerdings gehöre eine starke Währung zu einer sich erholenden Wirtschaft dazu bzw. sollten die Unternehmensgewinne den negativen Währungseinfluss ausgleichen. „Die Historie hat gezeigt, dass sich Zinserhöhungen auf Basis von gutem Wirtschaftswachstum meist positiv auf Aktien auswirken“, macht sich Jürgen Hackenberg, Leiter Aktien Europa bei Union Investment, auch für den Fall, dass die Zinsen steigen, keine großen Sorgen.

Als „spannend“ schätzt Hackenberg aktuell den Chemiesektor ein. Dort sehe man, dass Unternehmen wie BASF (ISIN: DE000BASF111) und Bayer (DE000BAY0017) in eine Marktphase kommen, wo Nachfrage und Angebot ausgeglichener wären. „So sind die Kapazitäten nicht mehr zu hoch und auch der Preisdruck lässt nach.“ Etwas heruntergeschraubt habe man dagegen die Wachstumserwartungen für den Automobilsektor - punkto Auto-Absätzen sollte er sich 2018 etwas ruhiger entwickeln. „Ein Thema, das die Unternehmen beschäftigt, ist, was die Entwicklung in Richtung E-Mobility kostet“, so Hackenberg.

Während sich Kiegler bei der Deutschen Bank (DE0005140008) abwartend gibt, so gefalle ihm dagegen die Commerzbank (DE000CBK1001), in die man mit dem Raiffeisen-Europa-Aktien (AT0000805387) seit 2016 investiert sei. Auf die Thyssen-Krupp-Aktie (DE0007500001) könnte sich wiederum positiv auswirken, dass sich der Großaktionär Cevian für eine Abspaltung der Stahlsparte sowie für einen Merger mit Tata Steel stark mache. Das gleiche gelte auch für Siemens (DE0007236101). Der Elektrokonzern strebt bekanntlich eine Abspaltung seiner Medizintechnik-Sparte an. „Das kommt an der Börse immer gut an“, bringt es der Experte auf den Punkt.

Autor: Mag. Patrick Baldia  (redaktion@boersen-kurier.at)

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