Landungen auf der Kurs-Hochebene

Die Ereignisse um den Standort Flughafen Wien sprechen für die etablierte Infrastruktur-Aktie. Der permanente Aufschwung der Notiz, die Bewertung und die zyklische Eigenschaft der Branche begrenzen hochtrabende Erwartungen.

Die Meldungslandschaft zur Umstrukturierung der Fluglinien und deren Standortwahl entspricht neuerdings wieder den Aktionären des Vienna International Airport.

Auch der immer noch mögliche Bau der dritten Piste im Schwechater Flugareal sowie hinaufgeschraubte Ertragsprognosen nähren erneut die Fantasie der Anteilseigner. Die erfolgte Verlautbarung zu den Verkehrszahlen für 2017 und der Ausblick für 2018 passen ebenso in das positiv besetzte Gefüge.

Im Vorjahr konnte das Passagieraufkommen der Flughafen Wien Gruppe (inkl. der Airports Kosice und Malta) um 6,9 % auf 30,9 Mio Passagiere gesteigert werden - ein neuer Spitzenwert. Das Wachstum im Cargo-Geschäft hielt nicht ganz mit, betrug aber immer-hin 1,9 %.

Satter Dividendenbringer

Für das laufende Jahr setzt das Unternehmen die Zunahme des gesamten Passagiervolumens um 5 % an (+3 % für den Wiener Standort), es soll sich ein  deutlicher Ergebnisanstieg auf mehr als 132 Mio€ dazugesellen. Erweiterungen im Bodengeschäft steuern zunehmend einen deutlichen Beitrag bei. Des Weiteren reduziert sich die Nettoverschuldung laufend und soll bis zum Jahresende auf unter 300 Mio€ zu liegen kommen.

Die Flughafen-Aktie hat seit Jahren eine eindrucksvolle Aufwärtsbewegung hingelegt. Eine Erhöhung der Dividende für 2017 wurde wiederum angekündigt. Somit hat sich die Ausschüttung seit dem Jahr 2013 (0,32 Cent/Aktie) verdoppelt. Auswirkungen der Turbulenzen um das Schicksal diverser Fluglinien und deren Drehkreuz Wien, sind in der Notiz des Dividendenpapieres im Langfrist-Chart  kaum auszumachen. Seit dem Jahre 2012 kletterte die Aktie - ohne einen Rückschlag im Ausmaß von 20 %  - stets weiter nach Oben, wohl mitgetragen von einer allgemeinen Höherbewertung der Titel im Tourismus- und Infrastruktursektor.

Erreichte Kursziele

Die Bewertung ist heute mit einem Vorwärts-KGV von 21 für das Jahr 2018 bereits anspruchsvoll.
Bernd Maurer, Head of Company Research der RCB, sieht es positiv, die drohenden Ausfälle durch den Niedergang der Air Berlin samt Niki Air nun als kompensiert zu wissen. Denn die ungarische Diskont-Fluglinie Wizz Air siedelt ab dem Frühsommer drei Maschinen in Wien an. Dazu gewährt die Lauda-Auferstehung unter „Laudamotion GmbH“ weiterhin die Auslastung. „Die Sitzplatzsteigerung durch Wizz Air wird gar ein  Wachstum von 3 bis 4 % bringen. Die jüngsten Geschäftsprognosen des Flughafens selbst befinden sich über den vorangegangenen Erwartungen“, führt Maurer überzeugt an. Vladimira Urbankova, CEE Equity Research der Erste Group Bank AG, hält das langfristige Aufwärtspotenzial für die Aktie ebenso intakt und bestätigt die Akkumulieren-Empfehlung. Bei beiden Instituten bleiben aber die ausgegebenen Kursziele mit 36,50  bzw. mit 37 € unverändert.

Der Streubesitz der Aktien ist durch die bestehende Eigentümerstruktur mit 10 %  äußerst gering. Dieser dünne „free float“ kann in einer depressiven Börsenphase aber entsprechend starke Kursabschläge nach sich ziehen.

Der australische IFM Global Infrastructure Fund hält über seine Tochter IFM Airports Group Europe
S.à r.l. 38 % der Anteile, das Land Niederösterreich und die Stadt Wien jeweils 20 %. Ein Zehntel der Aktien befinden sich zudem in einer Mitarbeiter-Beteiligungsprivatstiftung.

Autor: Roman Steinbauer  (redaktion@boersen-kurier.at)

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