Chancen in der Konsolidierungsphase nutzen

Nach einer kräftigen Korrektur an den weltweiten Finanzmärkten sind längere Seitwärtsphasen durchaus möglich. Selbst in diesen Situationen können Anleger mit Inline-Scheinen profitieren.

Wie rasch die jüngste Börsenkorrektur von Anlegern letztendlich verdaut sein wird, das lässt sich freilich kaum einschätzen. Larry Hathaway, Chefökonom bei GAM, meint jedenfalls: „Wir halten es für verfrüht, das Ende der Hausse auf den Aktienmärkten einzuläuten. Das Marktumfeld ist noch immer von einem starken, globalen Wachstum und steigenden Gewinnen geprägt, insbesondere in Europa, den Schwellenländern und in Japan.“ Dies dürfte Hathaway zufolge weitere Kursgewinne unterstützen. Allerdings trete man in eine neue Phase ein, die durch mehr Volatilität und weitere Korrekturen gekennzeichnet sein werde.

Doch einerlei, ob es noch zu einem weiteren Abschwung kommen wird, oder die Hausse sich bald fortsetzt, gibt es dazwischen oftmals erst einmal eine Konsolidierungsphase. Das mag zwar für jene Anleger ärgerlich sein, die bereits neue Trends suchen. Doch es gibt auch Produkte, die von einer Seitwärtsphase profitieren.

Gemeint sind sogenannte Inline-Optionsscheine. Diese gibt es auf unterschiedliche Indizes, einzelne Aktien, Währungen und Commodities. Tatsächlich wird ein Großteil der „Inliner“ - wie sie auch bezeichnet werden - auf die bekanntesten Basiswerte wie etwa dem DAX, dem Währungspaar Euro/Dollar oder Rohstoffe wie Öl und Gold gekauft, meint Stefano Angioni, Zertifikateexperte bei der Société Générale: „Aber auch die DAX30-Aktien sind beliebte Basiswerte.“

Risiken auch verstehen!

Allerdings muss man sich die Funktionsweise dieser Produkte genauer ansehen, um sowohl die Vorteile als auch die Risiken zu verstehen. Schließlich sind Inliner mit einer oberen und unteren Barriere ausgestattet. „Solange der Kurs des Basiswerts zwischen diesen Barrieren liegt, erhält der Anleger am Laufzeitende in der Regel 10 Euro“, führt Anouch Wilhelms von der Commerzbank aus. Wird hingegen eine der beiden Barrieren berührt, bzw. über- oder unterschritten, verfällt der Inliner wertlos.

Damit wird auch schnell klar: Inliner eignen sich für Anleger, die nicht nur von Seitwärtsmärkten ausgehen, sondern auch eine klare Meinung zu der erwarteten Schwankungsbreite des Basiswerts haben, wie Angioni hinzufügt. Auch ließe sich das Risiko eines Totalverlusts begrenzen: „Schließlich können sich Anleger, je nach Auswahl der Barrieren, eher defensiv positionieren.“

Doch was genau ist damit gemeint? Je weiter entfernt die untere und die obere Barriere vom Kurs des Basiswertes beim Kauf entfernt ist, desto geringer ist das Risiko, dass diese während der Laufzeit berührt werden könnten. Allerdings kosten dann auch die Inliner mehr als jene Scheine, bei denen die Barrieren sehr nahe am Kurs des Basiswertes liegen. Und dann bleibt auch zu Laufzeitende von den 10 Euro weniger übrig - sofern das Zertifikat vorher nicht ausgestoppt wird.

Auch die Laufzeit spielt eine wesentliche Rolle. Je länger ein Schein läuft, desto höher ist das Risiko, dass eine der Barrieren tangiert wird. „Die meisten Anleger bevorzugen daher eine Laufzeit von rund drei bis vier Monaten“, resümiert Angioni.

Ein Beispiel ist der Inline-Optionsschein der Commerzbank auf den Euro/Dollar-Wechselkurs (ISIN: DE000CV 7NHK2). Hier liegen die Barrieren bei 1,147 USD und 1,353 USD. Bewertungstag ist der 4. Juli 2018. Auch auf das Rohöl kann man setzen, etwa mit folgendem Inliner der Société Générale (DE000SC3GWU8). Die obere Barriere liegt bei 75 USD, die untere bei 42,5 USD. Der Bewertungstag ist am 8. Juni 2018. Auch auf den DAX kann man beispielsweise mit einem Inliner der Société Générale (DE000SC8SN40) setzen. Hier liegt die obere Barriere bei 13.700 Punkten, die untere Barriere bei 7.100 Punkten. Der Bewertungstag ist am 20. Juli 2018.

Freilich gibt es noch zahlreiche andere Varianten, sowohl bei den Barrieren - aber auch beim Basiswert. Wie viel Risiko Anleger sich dabei zutrauen, das müssen sie allerdings selbst entscheiden.

Autor: Mag. Raja Korinek  (redaktion@boersen-kurier.at)

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