Die Gewinner unter den Autoaktien

Der verbale Schlagabtausch um Zollbarrieren und fragilere Euro-Perspektiven hinterließ Spuren bei den deutschen Kfz-Herstellern. Fiat-Chrysler-Aktionäre entpuppen sich als Gewinner.

Die Abgabewelle der Automobil-Flaggschiff-Aktien im DAX war im Verhältnis zum Index ausgeprägt. So speckten BMW (ISIN: DE000519 0003) seit dem Jahreshoch um 10 %, Daimler (DE0007100000) um 17 % und die VW-Papiere (Vorzüge: DE0007664039) um 14 % ab. Nicht mehr als eine Delle erlitten die französischen Vertreter Peugeot (FR0000121 501) und Renault (FR0000131906). Die Dividendenpapiere des Fiat- Chrysler-Konzerns (NL0010877643) notierten erst kürzlich auf Rekord­niveau. Investoren wittern in den USA im Zuge höherer Importzölle für Chrysler-Produkte anziehende Absätze, während sich die ohnedies geringen Alfa-Romeo-US-Käufe kaum auswirken werden.

Einen Zusatzschub für Fiat-Valoren gab es zuletzt, als Konzernchef Sergio Marchionne seinen ambitionierten 5-Jahresplan vorstellte. Demnach setze man nun erstrangig auf die ertragsstarken Nischenmarken Jeep, Alfa, Maserati und die Dodge-RAM-Serie. Seit dem Zusammenschluss von Fiat und Chrysler im Herbst 2014 stieg der Wert der Aktie um 350 % und führt damit die Gewinnerliste der Branche an.

Die überproportionale Abstufung deutscher Automobilwerte ergibt sich aus Bedenken einer zweiten US-Importzollwelle (als Retourkutsche zu EU-Gegenmaßnahmen zu höheren Stahlzöllen). Der vom US-Präsidenten genannte Spielraum, den Satz auf Pkw, Lkw und Zulieferteile von 3 % auf bis zu kolportierten 25 % anzuheben, verunsichert Europas Exportmeister beträchtlich. Der Vorsitzende des deutschen Automobilverbandes VDA, Bernhard Mattes, äußerte sich zu diesem Schlagabtausch: „Wir verstehen, dass die EU eine Antwort geben muss. Aber nun gelangt mit dem Kfz-Sektor die gewichtigste Branche ins Schussfeld zur Bekämpfung des chronischen US-Handelsbilanzdefizites“.

Lauert Italien auf die Weichwährung?

Das in der italienischen Politik angekommene Misstrauen zum Euro trübt die Perspektiven in den Autozentralen in Stuttgart, Wolfsburg und München zusätzlich. Denn die Instabilität des Euro-Raumes steigt auch mit Giovanni Trias Absegnung zum italienischen Finanzminister. Medial wurde Tria kurzfristig als „Euro-freundlicher“ Ökonom gepriesen, doch real bekundete er bereits synchron mit dem nicht designierten Paolo Savona vor Monaten seine Abneigung zur Währungsmitgliedschaft.

Ist ein Austritt Italiens aus dem Euro derzeit auch nur ein gedankliches Planspiel - ein drohender Wettbewerbsnachteil für die Autohersteller nördlich der Alpen nistet sich bei Investoren im Hinterkopf ein. Eine neue „leichte“ italienische Währung würde auf die Ergebnisse im deutschen Exportgeschäft drü­cken. Die Exportquote der dominierenden Branche in Deutschland liegt bei Personenwagen bei 78 %, jene der Lkw bei 76 %. Davon wurden im Vorjahr mehr als 312.000 Pkw in das Apenninenland ausgeführt (+2,1 %), das sind 10 % mehr als jene Stückzahl, die in Frankreich auf dem Markt untergebracht wird, und 23 % des Geschäftsvolumens, das Mercedes & Co in den USA lukrieren.

Unser südlichstes Nachbarland stellt somit nach Großbritannien den wichtigsten Abnehmerstaat der germanischen Kfz-Industrie in Europa dar und nimmt mehr Fahrzeuge als sämtliche skandinavischen Staaten, inklusive Finnland, auf. Insbesondere im Lkw- und Busgeschäft würde Iveco (CNH-Gruppe, NL0010545661) zu Lasten der europäischen Mitbewerber Oberwasser gewinnen, Marktanteilsverschiebungen sind in diesem Szenario unschwer zu prognostizieren.

Autor: Roman Steinbauer  (redaktion@boersen-kurier.at)

 

 

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