Der Kapitalmarkt ist männlich, aber Frauen sind die besseren Trader

Am Kapitalmarkt sind mehr männliche Teilnehmer aktiv als weibliche. Trotz dieses Ungleichgewichts gibt es Studien, dass Frauen die besseren Trader sind.

Laut einer Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) aus dem heurigen Jahr nehmen 15 % der Frauen (in Deutschland, Anm.) am Kapitalmarkt teil. Das heißt: sie investieren in Derivate, Fonds, Aktien usw. Von den Männern im Nachbarland sind hingegen 22 % am Kapitalmarkt aktiv beteiligt.

 „Zu wenig selbstbewusst“
Das Brokerhaus GKFX liegt laut eigenen Angaben mit seinem Anteil an weiblichen Tradern zwar über dem Durchschnitt, dennoch meint Österreich-Chef Arkadius Materla in diesem Zusammenhang, dass sich Frauen aktiver einbringen sollten. Als Gründe führt er auch Studien an, die zeigen sollen, dass Frauen oft bessere Erfolge als Männer erzielen.

„Teilweise liegt der Mangel an Frauen auch an ihnen selbst, da sie generell selbstkritischer und weniger selbstbewusst als ihre männlichen Kollegen sind“, ergänzt dazu die Kapitalmarktexpertin und Buchautorin Sandra Navidi.

Zahlen sprechen für sich
„Forschungen belegen, dass Frauen Risiken umsichtig verwalten, langfristig Denken, relativ unvoreingenommene Entscheidungen treffen und letztendlich häufig eine höhere Kapitalrendite erzielen“, so Navidi. Unterstrichen wird die These von einer Untersuchung von Fidelity aus dem Vorjahr: Dieser zufolge erwirtschaften weibliche Kunden im Schnitt 0,4 % mehr als Männer. Navidi: „Männer werden in der Finanzwelt oft als kompetenter wahrgenommen, was an ganz unbewussten psychologischen Mechanismen liegt und nicht zuletzt in einem immer noch patriarchalisch geprägten Gesellschaftsbild begründet ist.“

Buffett als Vorbild
Laut Materla gibt es verschiedene Gründe, weswegen Frauen erfolgreicher traden. „Einerseits meiden sie unkalkulierbare Risiken und gehen selten riskante Trades ein. Andererseits sind sie geduldig“, analysiert der GKFX-Mann. Geduld zahlt sich eben aus. Auch Warren Buffet gehört bekanntlich zu der „Buy and Hold“-Fraktion. „Eigenschaften wie Beharrlichkeit und Nervenstärke sind in der Finanzwelt eher bei Frauen zu finden“, findet Materla.

Und die Gründe, warum es weniger weibliche Trader gibt? „Sind sie zu feminin, werden sie nicht ernst genommen. Machen sie sich zu sehr männliche Verhaltensweisen, wie beispielsweise Durchsetzungsfähigkeit oder bestimmtes Auftreten, zu eigen, wird das häufig negativ wahrgenommen. Frauen werden zudem nachweislich aufgrund von tatsächlicher Leistung befördert, während dies bei Männern bereits aufgrund ihres Potenzials erfolgt“, so Navidi kritisch.

Konstant Wettbewerbsfähig
„Um erfolgreich zu traden, bedarf es eines strikten Risikomanagements. Und vielleicht sind genau dabei Frauen ihren männlichen Kollegen überlegen“, fügt Materla hinzu. Und Navidi abschließend: „Obwohl Frauen als Portfoliomanager konstant wettbewerbsfähige Ergebnisse erzielt haben, gehören sie immer noch zu einer vom Aussterben bedrohten Art.“                                 

red./ks
Foto: MG RTL D_Spreitzenbarth

 

 

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