Chancenreich
Marius Perger

Dass die Wiener Börse niedriger bewertet ist als die meisten westeuropäischen Marktplätze, ist eine Tatsache. Das hat eine Reihe von Ursachen, die dem österreichischen Aktionär wohl bekannt sind. Während andere Indizes längst weit über dem Niveau von vor der Finanzkrise notieren, ist der ATX von seinem All time high noch meilenwert entfernt. Genau das könnte sich nun aber als Chance entpuppen, wie RCB-Chefanalyst Bernd Maurer kürzlich sagte: „Der Abschlag muss eigentlich nicht zweistellig sein.“ Als Treiber für den Heimmarkt ortet der Experte die verbesserte Wahrnehmung für Osteuropa („das Interesse kommt zurück“) und die Unternehmensergebnisse, die zuletzt mehrfach über den Erwartungen ausfielen. Steigerungen des ATX seien sogar eher aufgrund des Gewinnwachstums als durch eine Ausweitung der Bewertungsrelation zu erwarten. Wichtig: Bis jetzt ist noch nicht alles Positive in den Schätzungen vorweggenommen. „Gut Ding braucht Weile“, aber „Ende gut, alles gut“, zeigt sich Maurer für Wien sehr optimistisch. Damit es dazu kommt, muss aber natürlich auch das Umfeld stimmen. Börse-Chef Christoph Boschan merkte bei derselben Gelegenheit an, dass sich Österreich mit der De-facto- Schließung des Dritten Marktes, der Erhöhung der Dividenden- KESt und als „Speerspitze bei der Transaktionssteuer“ zuletzt nicht gerade kapitalmarktfreundlich gezeigt habe, ortet aber derzeit Gesprächsbereitschaft bei der Politik (siehe auch unsere Titelstory). Dann gibt es vielleicht auch einmal ein neues All time high des ATX - man wird ja noch träumen dürfen. (22.06.2017)

Marius PERGER , HERAUSGEBER