Was heute anders ist

Mit der Pleite des Bankhauses Lehman hat vor zehn Jahren die größte Krise seit den 30er- Jahren des 20. Jahrhunderts begonnen. Die Erinnerung an dieses Ereignis war in den letzten Tagen in den Medien allgegenwärtig, auch wir haben uns schon in der vorigen Ausgabe damit beschäftigt. Und in der Vorwoche diskutierte eine hochkarätige Runde in der OeNB ( Bericht S. 13) auch über die Konsequenzen, die daraus gezogen wurden. Nationalbank-Vizegouverneur Andreas Ittner betonte dabei, dass man das System nicht so umbauen könne, dass es unverwundbar wird. Müssen wir uns also auf eine neue Krise einstellen, mit ähnlichen oder noch schlimmeren Folgen? Gefahren gibt es ja zur Genüge: von den Schattenbanken bis zu den unregulierten Bereichen von Bitcoin & Co. Dazu kommt, dass die Bankenkrise zu einer noch höheren Konzentration des Sektors geführt hat. „Too big to fail“ habe sich dadurch sogar noch verschärft, warnte Gouverneur Ewald Nowotny. Man habe die Brandschutzvorschriften verbessert und die Feuerwehr besser ausgestattet; jetzt hoffe man, für die nächste Krise besser aufgestellt zu sein, zeigte sich FMAChef Helmut Ettl vorsichtig optimistisch. Und für Ittner ist es wichtig, darauf zu schauen, dass Standards aufrecht erhalten und die selben Fehler nicht noch einmal gemacht werden. Auch wenn Banken heute besser auf Krisen vorbereitet sind: Ein Vertrauensverlust wie vor zehn Jahren kann jederzeit wieder eintreten. Und dann wären die Schutzfunktion des Staates und die Notenbanken nicht zu ersetzen, ist Nowotny überzeugt. Hoffen wir, dass wir sie nicht brauchen. (20.09.)

Marius PERGER, HERAUSGEBER