Versprechen

In wenigen Tagen ist Nationalratswahl. Was uns die Parteien in puncto Kapitalmarkt versprechen, lesen Sie heute in unserer Titelstory. Als gelernter Österreicher weiß man aber, dass das, was vor der Wahl versprochen wird, und das, was dann wirklich passiert, nur wenig miteinander gemeinsam hat. Und das kann viele Gründe haben. Klar ist, dass Regieren immer mehr auch zum Kompromiss wird. Die Zeiten von Alleinregierungen sind längst passé und selbst Zweier-Koalitionen gehen sich oft nicht mehr aus. Was bleibt, sind bunte Regierungen, die von mehreren, oft gegensätzlichen Partnern getragen werden und deren Politik auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner beruht - zumindest in Deutschland könnte es bald so weit sein. Und gerade beim Kapitalmarkt sind die Standpunkte erfahrungsgemäß meilenweit voneinander entfernt. Dazu kommt, dass zwar alle das Thema irgendwo auf der Agenda haben, aber so richtig wichtig scheint es ihnen nicht zu sein. Zeit genug, etwas weiterzubringen, hatten die beiden bisherigen Regierungsparteien ja. Allein, passiert ist nicht viel. Oder doch: Es wurde alles verkompliziert, noch mehr geregelt, noch weniger Anreiz zum Investieren geschaffen, vor allem steuerlich. Man muss schon ein großer Optimist sein, um zu glauben, dass nach der Wahl alles besser wird. Das heißt aber nicht, dass unser heutiger Aufmacher überflüssig wäre. Denn einerseits wissen wir jetzt, mit welchen Positionen die Parteien in die Verhandlungen gehen. Und zweitens sollten wir sie spätestens bei der darauffolgenden Wahl an ihren Versprechen messen. (12.10.17)

Marius PERGER , HERAUSGEBER