Ziemlich gefährlich

Es gehört zu den „Segnungen“ der Digitalisierung, dass im Internet und via App Angebote und neue Produkte in praktisch allen Branchen wie die sprichwörtlichen Schwammerln aus dem Boden schießen - natürlich auch am Kapitalmarkt. So genannte „FinTechs“ sind dabei, die Finanzbranche zu revolutionieren. Neue Ideen, neue Techniken sind für die Branche gerade nach der Finanzkrise wichtig, wahrscheinlich (über)lebensnotwendig geworden. Das gilt nicht zuletzt auch für Anlageprodukte - der Bedarf ist jedenfalls vorhanden. Kein Wunder, dass auch jede Menge unseriöse Anbieter diesen Bedarf ausnützen. Versprechen wie eine 1.000-%- Kurschance oder zweistellige Renditen pro Jahr haben aber immerhin den Vorteil, dass sie sich selbst demaskieren - nur jene können darauf hereinfallen, die in grenzenloser Gier blind sind. Gefährlicher sind eigentlich seriöse, aber hochkomplexe Produkte in Kombination mit oft aggressiver Werbung. Das beginnt schon beim viel gelobten Crowdfunding - mittlerweile gibt es die ersten Firmenpleiten, vielen Anlegern wird erst dann bewusst, welches Risiko sie da eingegangen sind. Extrem wird es aber, wenn in Fernsehspots vom „Spaß beim Trading“ die Rede ist und behauptet wird, dass „jetzt jeder super easy an den Märkten investieren kann“ - sich dahinter aber Hochspekulatives versteckt: CFDs, Hebelprodukte und Fremdwährungsgeschäfte. Da sind Enttäuschungen und persönliche Katastrophen vorprogrammiert - und ein immenser Imageschaden für den Kapitalmarkt! (17.08.2017)

Marius PERGER , HERAUSGEBER