Bitte warten

„Coming soon“ schreibt die Wiener Börse über den neuen „direct market“ auf ihrer Homepage. Man habe alle Vorbereitungen für das neue Segment getroffen und könnte sofort starten, heißt es vonseiten der Börse. Für den österreichischen Kapitalmarkt wäre das auch essenziell, würde dieses Einstiegssegment doch vermutlich eine ganze Menge heimische Unternehmen anziehen, die auf der Suche nach Risikokapital sind. Und für Anleger würde es endlich auch hierzulande wieder ein frisches Angebot geben. Was fehlt, ist „nur“ noch die gesetzliche Öffnung des Dritten Marktes für Inhaberaktien. Da gibt es zwar seitens der derzeitigen Bundesregierung Absichtserklärungen (was eigentlich schon erfreulich ist angesichts des Desinteresses früherer Regierungen für den Kapitalmarkt), allein: geschehen ist noch nichts in diesem Zusammenhang. Irgendwie ist das erstaunlich, wenn man an das Tempo denkt, mit dem andere Reformvorhaben derzeit durchgepeitscht werden. Vielleicht sind aber einfach nur zu wenige Kapazitäten übrig geblieben, vielleicht haben die Neuregelungen von Krankenkassen und Arbeitszeit alle verfügbaren Kräfte gefordert. Und jetzt, wo das alles beschlossen ist? Als gelernter Österreicher muss man befürchten, dass jetzt einmal der EU-Vorsitz Priorität hat. Dass der Kapitalmarkt eben warten muss, wenn man die dringenden Probleme Europas in Angriff nimmt. Dabei wäre es gerade jetzt wichtig, sich um die Börse zu kümmern. Weil jetzt ein guter Zeitpunkt für Börsegänge wäre. Und nicht dann, wenn sich die Konjunktur vielleicht wieder eintrübt. (12.07.2018)

Marius PERGER, HERAUSGEBER