Zinsschritte
Marius Perger

Die USA sind auf dem Weg zurück in die Normalität. Dort, wo mit Fannie Mae und Freddie Mac, mit Lehman Brothers und AIG vor fast zehn Jahren die Finanzkrise begann, werden die Zinsen im Lauf dieses oder des nächsten Jahres wieder ein halbwegs normales Niveau erreichen. Gute Konjunktur- und Arbeitsmarktdaten sowie das Erreichen der Inflationsziele machen lockere Geldpolitik und Nullzinsen überflüssig. Und wie sieht es in Europa, besser: in der EU, aus? Immerhin: die Inflationsraten haben auch hier das Wunschniveau der Experten erreicht, was manche schon als Grund für Zinserhöhungen sehen. So einfach dürfte es allerdings nicht sein. In den vergangenen Jahren hatten sinkende Energiepreise die Teuerungsrate nach unten gedrückt; bereits ein Gleichbleiben, umso mehr aber eine Verteuerung von Öl, Strom & Co führt zu einem Anziehen der Inflation. Höhere Energiepreise mögen für Ölkonzerne und einige andere günstig sein, aber nicht unbedingt für den Großteil der Wirtschaft. Viel eher ersticken sie das immer noch zarte Pflänzchen Konjunkturerholung. Was in Europa natürlich auch eine Rolle spielt: die großen Unterschiede in der wirtschaftlichen Lage zwischen einzelnen Ländern. Manchen würde eine Zinserhöhung gut tun, anderen schaden. Europas Währungshüter haben es wahrlich nicht leicht. Das macht die Sache auch für Anleger kompliziert. Die USA dürften in ihrer Geldpolitik berechenbarer sein als die EU, die auch auf diesem Gebiet auf (zu) viele nationale Befindlichkeiten Rücksicht nehmen muss. Nicht immer zum Vorteil ihrer Bürger. (23.03.2017)

Marius PERGER , HERAUSGEBER