Alles hat zwei Seiten

Unbestritten: Ethik und Nachhaltigkeit werden auch bei der Geldanlage immer wichtiger. Doch ethisches Handeln ist nicht immer einfach. Zwei Beiträge im heutigen Börsen-Kurier zeigen das Dilemma auf. In unserer Titelgeschichte geht es um den aktuellen Ölpreis- Boom. Steigende Ölpreise sind für Autofahrer und - wegen der Bedeutung des Rohöls für viele Industrien - auch für alle anderen Konsumenten zuerst einmal ärgerlich. Aktionäre dagegen, obwohl sie ja ebenfalls Konsumenten sind, können sich freuen: über steigende Aktienkurse von Unternehmen der Ölindustrie. Daneben hat die Sache aber viele weitere Dimensionen: Ein hoher Ölpreis nützt der umstrittenen Schieferölindustrie, andererseits könnte ein höherer Ölpreis die Nachfrage reduzieren, was wieder für die Umwelt günstig wäre. Und schließlich machen höhere Ölpreise alternative Energieformen attraktiver und konkurrenzfähiger. Aus ethischer Sicht ist es also gar nicht so einfach zu entscheiden, was besser ist: ein hoher oder ein niedriger Ölpreis. Eine andere Frage stellt sich in unserer Topstory im heutigen „Finance & Ethics“ (Seite 21). Der Siegeszug der Lithium- Ionen-Batterien scheint nicht aufzuhalten zu sein. Vom Smartphone bis zum Elektroauto: ohne diese Energieträger geht heute nichts mehr. Und was - wie das Elektroauto - als nachhaltige Alternative gilt, könnte auch einen großen Haken haben. Denn Lithium scheint dabei zu sein, sich zu einem Konfliktrohstoff zu entwickeln. Sowohl als Konsument als auch als Anleger sollte man sich dieser Probleme jedenfalls bewusst sein. (17.05.2018)

Klaus SCHWEINEGGER , HERAUSGEBER