Schwieriges Umfeld für aktive Manager im dritten Quartal

In Europa verzeichneten lediglich 31 % der aktiven Manager eine Outperformance – ein Rückgang von 24 % im Vergleich zum zweiten Quartal. Ein stabiles makroökonomisches Umfeld und niedrige Volatilität begrenzten die AlphaChancen für Aktienmanager. Aktive Fixed-Income-Manager hatten angesichts rückläufiger Zinsen am meisten zu kämpfen. (22.11.)

Aus der jüngsten Studie von Lyxor geht hervor, dass mit 31 % weniger als ein Drittel der aktiven Manager in Europa ihre Benchmark im dritten Quartal übertrafen. Dies entspricht einem Rückgang von 24 % gegenüber dem vorhergehenden Quartal. 35 % der aktiven Aktienmanager erzielten eine Outperformance. Eine Erklärung hierfür sieht Lyxor im stabilen makroökonomischen Umfeld und in der gesunkenen Volatilität, die zu einer Begrenzung der Alpha-Chancen führten. Gegenüber dem zweiten Quartal, in dem 63 % der aktiven Aktienmanager ihre Benchmark übertrafen, markiert dies einen deutlichen Unterschied. Das stabile makroökonomische Umfeld, wenig neue Impulse und eine geringe Volatilität erschwerten aktiven Aktienmanagern die Alpha-Generierung im dritten Quartal. Die Outperformance von Risikofaktoren gegenüber den Benchmarks war außerhalb von Europa, wo sich Value- und Momentum-Faktoren gut entwickelten, stark begrenzt. In Japan, den USA, den Schwellenländern und Europa haben die meisten aktiven Manager ihre Engagements in defensiven Bereichen (Low Beta und Quality) während des Berichtszeitraums erhöht oder beibehalten. Die Performance britischer Aktienfonds gab am stärksten nach. Die Manager litten hier unter ihrer Abhängigkeit von auf die Binnenwirtschaft ausgerichteten Aktien, die im dritten Quartal zurückblieben. Europäische Large- und Mid-Cap-Aktienfonds entwickelten sich besser, da 53 % der Manager eine Outperformance erzielten. Dieser Wert liegt deutlich über dem langfristigen Durchschnitt. Der Grund dafür war, dass die aktiven Manager hier erfolgreich von defensiven Wachstums- und Qualitätsaktien mit niedrigem Beta zu zyklischen Werten umschichteten, um vom Aufschwung in Europa zu profitieren. Diese Manager nutzten das Momentum von Aktien mit hohem Beta, da sich der Value-Faktor im dritten Quartal nach wie vor überdurchschnittlich entwickelte. Für Fixed-Income-Manager erwies sich das Quartal insgesamt als schwierig. Das Umfeld mit stabilen Zinsen führte dazu, dass lediglich 26 % der Manager von europäischen Staatsanleihen und 9 % der Manager von Hochzinsanleihen im dritten Quartal eine überdurchschnittliche Entwicklung verzeichneten. Manager von Hochzinsanleihen mit defensiveren Portfoliopositionen litten unter der Rallye bei den Kreditspreads. Lediglich 22 % der Manager von Unternehmensanleihen erzielten eine Outperformance.


Europäische Aktien: Gewinnwachstum sorgt weiterhin für Auftrieb

Berenberg-Fondsmanager Matthias Born setzt in seinen Anfang Oktober 2017 aufgelegten europäischen Aktienfonds Berenberg European Focus Fund und Berenberg Eurozone Focus Fund auf Unternehmen mit stabilem Gewinnwachstum. Umso mehr erfreut es ihn, dass 2017 zum ersten Mal seit Langem die Gewinne in Europa wieder kräftig zugelegt haben. Auch für das kommende Jahr erwartet er ein starkes Gewinnwachstum. Vor allem zyklischere Sektoren ziehen deutlich an. Im Fonds sind derzeit die Branchen Technologie, zyklischer Konsum, Industrie und Gesundheit bevorzugt. Diese Gewichtung ergibt sich aber aus der Einzeltitelselektion und wird nicht nach makroökonomischen Trends gesteuert. (02.11.)

In den vergangenen Jahren sind die Gewinne vieler europäischer Unternehmen nicht gewachsen. Jetzt sprudeln sie wieder. „2017 ist das erste Jahr seit Langem, in dem die Firmen wieder ordentlich verdienen. Die Gewinne haben im zweistelligen Bereich zugelegt“, sagt Berenberg-Fondsmanager Matthias Born. Da schon in den vergangenen Jahren die Aktienkurse gestiegen sind, haben sich Bewertungskennziffern wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis ausgeweitet. „Jetzt wurde von einer bewertungsgetriebenen auf eine gewinngetriebene Aktienmarktrallye umgeschaltet. Das ist eine sehr gesunde Entwicklung“, so Born.

Er rechnet auch im kommenden Jahr mit einer guten Konjunktur in Europa, sodass einem weiteren starken Gewinnwachstum nichts im Wege stehen dürfte. Das Sentiment ist sehr positiv, Stimmungsindikatoren sind auf langjährigen Hochs. „Zwar kann die Stimmung an den Börsen immer kurzfristig kippen, da auch die zuletzt starken Kursgewinne zu Gewinnmitnahmen führen können. Der unterliegende fundamentale Gewinntrend bleibt jedoch zunächst intakt“, sagt Born und empfiehlt, potenzielle Rücksetzer für Zukäufe in europäischen Aktien zu nutzen.

Katalonien und Brexit können die Aktienmärkte nicht schrecken

Als einzigen möglichen Bremsfaktor für die Gewinne sieht Born die Entwicklung des Euro. „Zum ersten Mal seit mehreren Jahren hat der Euro gegenüber vielen Währungen wie dem US-Dollar, dem Pfund Sterling und dem chinesischen Renminbi aufgewertet. Eine weitere Aufwertung könnte die Gewinnentwicklung belasten“, warnt Born. Politische Brandherde hingegen, etwa die Lage in Katalonien oder die Brexit-Verhandlungen, sieht er nicht als Bedrohung für den europäischen Aktienmarkt insgesamt. Hier rechnet er höchstens mit kurzfristigen stimmungsbedingten Kurs-rückschlägen. „Komplett ausbremsen könnte den Markt aber nur eine Gewinnrezession, und die sehen wir zurzeit nicht“, erklärt Born.

Die lokalen Märkte allerdings sind von den politischen Themen durchaus betroffen. „Spanische Aktien dürften sich erst einmal weiter volatil entwickeln“, sagt Born. In Großbritannien verunsichert der anstehende Brexit Unternehmen, die sich mit Investitionen zurückhalten, und dämpft das Konsumverhalten. „Wir sehen in Großbritannien zurzeit relativ viele Gewinnwarnungen von Unternehmen, die lokal orientiert sind, zum Beispiel Unternehmen aus dem Konsumbereich“, erläutert Born. „In unseren Fonds spielen Überlegungen über politische Entwicklungen und Währungsschwan-kungen allerdings keine Rolle. Die Diversifizierung über viele verschiedene Endmärkte reduziert ein geballtes Risiko und zudem hat es sich immer gezeigt, dass man sich von diesen kurzfristigen Störfaktoren nicht irritieren lassen sollte. Mittel- bis langfristig zählen die unternehmensspezifischen Umsatz- und Gewinntreiber.“

Günstige Bewertung spricht für europäische Aktien

Ein weiteres Argument, das für europäische Aktien spricht, ist die Bewertung. Insbesondere im Vergleich zu US-Aktien sind europäische Werte weiterhin günstig. „In diesem Jahr ist der Bewertungsabschlag auf dem gleichen Niveau geblieben. Der US-Aktienmarkt hat ein weiteres Mal eine bessere Performance erzielt als der europäische Markt“, so Born. Auch in den USA läuft die Konjunktur rund, ein schwächerer Dollar hilft vielen Unternehmen. Das kommt Borns Strategie entgegen. Er investiert zwar mit dem Berenberg European Focus Fund in Europa und mit dem Berenberg Eurozone Focus Fund in der Eurozone. In beiden Fonds fokussiert er sich aber auf global agierende Unternehmen. Daher ist für ihn eine weltweit gute Wirtschaftslage ebenso vorteilhaft wie ein Aufschwung in Europa.

„Wir sind überzeugt, dass sich die Aktienkurse langfristig an der Gewinnentwicklung orientieren. Wir setzen daher auf Unternehmen mit stabilem Gewinnwachstum“, so Born. Um dies zu erreichen, müssen sie ein robustes Geschäftsmodell mit hohen Eintrittsbarrieren aufweisen. Diese Art von Unternehmen findet er in Europa vor allem in Deutschland, Frankreich, Skandinavien, Großbritannien und der Schweiz. Im Sektorbereich wird er vor allem bei Technologie, Konsum, Gesundheit und Industrie fündig. Weniger vertreten ist der von ihm bevorzugte Unternehmenstyp unter Banken, Versorgern und Telekom-Firmen. „Gerade in Europa können nur sehr wenige Banken strukturell wachsen“, so Born. Versorger oder Telekommunikation sind zudem sehr homogene Sektoren. Die Unternehmen unterscheiden sich kaum und haben ähnliche Treiber. Als Stockpicker bevorzugt er Sektoren wie Industrie, Konsum und Technologie. Hier heben sich viele Unternehmen durch Innovationen, Marken oder besondere Geschäftsmodelle ab. „Europa ist nach wie vor eine Region, in der man starke globale Player und Hidden Champions finden kann, die durch hohe Eintritts-barrieren ihre Gewinnentwicklung langfristig absichern können.“

Lieber Luxusgüter als Autobauer und Spezialpharma als Big Pharma

Im Sektor zyklischer Konsum verzichtet Born auf Automobilhersteller und setzt stattdessen lieber auf Luxusgüterproduzenten. „Die zunehmende Regulierung hinsichtlich CO2-Einsparungen sowie der Trend zum E-Auto erfordern von den Autobauern hohe Investitionen. Das hemmt die Gewinnentwicklung. Zudem entsteht mehr Wettbewerb, da es beim E-Auto neue Anbieter gibt“, erklärt Born. Bei Luxusgütern ist nach der Durststrecke der letzten zwei Jahre wieder der langfristige Wachstumspfad intakt, der unterliegend durch den Anstieg des globalen Wohlstands untermauert wird. Zudem schaffen es hier viele Firmen, sich ihre Position durch starke Marken langfristig zu sichern.

Auch Big Pharma hat er von seiner Einkaufsliste gestrichen. „Die großen Pharmafirmen leiden unter dem ständigen Druck auslaufender Patente und dem Preisdruck durch die Gesundheitssysteme“, warnt Born und bevorzugt daher Spezialpharma- und Medizintechnikfirmen, die sich davon zum Teil besser abkoppeln können.

Den defensiven Konsumgüterkonzernen macht immer mehr lokale Konkurrenz, vor allen Dingen in den Schwellen-ländern, zu schaffen, deswegen geht Born hier sehr selektiv vor. Auch die disruptive Veränderung der Verkaufskanäle hin zu Online wirkt sich in der Branche negativ aus.


Die Finanzindustrie im Würgegriff

Börsen-Kurier-Exklusiv-Interview mit Dr. Franz Rudorfer, dem Geschäftsführer der Bundessparte Bank und Versicherung in der WKO. (28.09.)

Die Finanzbranche gehört zu den am strengsten regulierten Branchen. Unbeschadet der Aussagen des europäischen Gesetzgebers, die bestehende Regulierung zu evaluieren, sind dennoch weitere Regularien in Behandlung bzw. absehbar. Basel III, IV und V, Solvency II, III, weitere EU-Richtlinien und die nationalstaatliche Umsetzung werden hierzulande immer wieder durch „Gold Plating“, insbesondere im Bereich des Konsumentenschutzes, verschärft. Positiv zu erwähnen sind die Bemühungen der europäischen Politik sowie von Österreichischem BMF, FMA und OeNB, das Proportionalitätsprinzip in Regulierung und Aufsicht mit Leben zu erfüllen.

Börsen-Kurier: Was kommt noch auf uns zu? 

Es stehen weitere Herausforderungen an, die auch die Finanzbranche stark betreffen und zu massiven Umwälzungen führen. Das Thema „Die Digitalisierung und ihre Auswirkungen auf Banken und den Finanzsektor insgesamt“  stand zuletzt beim Europäischen Forum Alpbach im Mittelpunkt. Ein Schwerpunkt, insbesondere im Zusammenhang mit der Digitalisierung, sind Cybersicherheit und Datenschutz. Ein wesentliches Vorhaben ist es, wieder Konsumentenschutz im Sinne der Konsumenten und nicht überzogene Bürokratie im rechtlichen Ökosystem in Österreich zu verankern.

Momentan liegt ein intensiver Fokus auf der bis Jänner 2018 umzusetzenden Zahlungsdienst-Richtlinie PSD II.  Mit der Öffnung des Zahlungsverkehrs für Drittanbieter sind viele Chancen und Verbesserungen der Customer-Experience, aber auch Herausausforderungen – etwa was die Sicherheit der Kundendaten und faire Wettbewerbsbedingungen anbelangt – verbunden.

Die Digitalisierung erzeugt einen enormen Bedarf für die mit diesem Arbeitsbereich verbundenen qualifizierten Personen. Gerade für die Konsumenten bietet die Digitalisierung eine Fülle von zusätzlichen Nutzungsmöglichkeiten im Bereich der Finanzdienstleistung und noch mehr Komfort beim Banking.  Im Sinne der Kunden müssen beispielsweise Medienbrüche verhindert und etwa die digitale Unterschrift per Signpadermöglicht werden. Insgesamt braucht es ein digitalisierungsfreundliches Ökosystem, wozu durch die von BMF ermöglichte Videoidentifikation schon ein wesentlicher Beitrag erfolgte. Dies umso mehr, da die Österreicherinnen und Österreicher auch im europäischen Vergleich als besonders digitalisierungsaffin im Bankbereich gelten.

Börsen-Kurier: Welche Folgen haben insbesondere die strengen Eigenkapitalvorschriften von Basel III etc. auf KMU und Industrie?

KMU sind das Rückgrat der österreichischen Wirtschaft, das nach wie vor weit überwiegend auf Bankkredite aufbaut. Auch wenn im Rahmen der Arbeiten für die Kapitalmarktunion erfreulicherweise Impulse in Richtung zusätzliche Finanzierung über den Kapitalmarkt enthalten sind, sprechen wir hier über erst langfristig wirksam werdende Änderungen. Weshalb auch im Sinne des erfolgreichen Wirtschaftsstandortes Österreich finanzierungsfreundliche Rahmenbedingungen im Interesse von Investitionen, Arbeitsplätzen und Wohlstand in unserem Land zu sichern sind.

Die Pläne für Basel IV laufen diesem Finanzierungsbedarf auch für österr. Unternehmen teilweise diametral entgegen, dies gilt beispielsweise für Immobilienfinanzierungen und die drastisch erhöhten Eigenkapitalanforderungen für Beteiligungen von Banken an Unternehmen.

Erfreulich ist in diesem Zusammenhang der Schulterschluss von Wirtschaft, Banken und Aufsicht in Österreich. Sowohl Finanzminister Schelling als auch Gouverneur Nowotny sowie insbesondere Präsident Leitl setzen sich auf europäischer Ebene für die Sicherung der für die Kreditfinanzierung so wichtigen Rahmenbedingungen ein.

Österreich sollte danach trachten, die Bedingungen für Investitionen deutlich zu verbessern und es den Betrieben ermöglichen, die Eigenkapitalstruktur weiter zu stärken, etwa durch eine Erleichterung der Beteiligungs- und Eigenkapitalfinanzierung durch die Schaffung eines Beteiligungsfreibetrages für private Investoren und der leichtere Zugang zu Wagniskapital für innovative Unternehmen.

Börsen-Kurier: Wo sehen Sie den größten Entbürokratisierungsbedarf in der Wirtschaft?

Viel Raum für Verbesserungen besteht bei den die Banken besonders belastenden überzogenen bürokratischen Anforderungen. Oftmals sind die Anforderungen, eine Vielzahl von Ausschüssen und Sondergremien einzurichten, schon belastender als manche Eigenkapitalanforderungen. Hier bietet die Proportionalität mit Erleichterungen gerade im Meldebereich und bei den Anforderungen für die Abwicklung von Banken (Erstellung von Abwicklungsplänen) einen hilfreichen Ansatz zur Verbesserung. Im Bankenbereich werden überdies häufig Kunde und Bank mit unnötigen Vorgängen belastet, wie z.B. die Aushangpflichten für Devisen in Zeiten des Euro.


Vor der Bundestagswahl

Diese Sektoren und Themen sollten Anleger im Zuge der Wahlen in Deutschland im Blick behalten: Immobiliensektor, Energieversorger sowie Firmen mit Digitalstrategie. (19.09.)

Die Bundestagswahl steht vor der Tür: Am 24. September wird entschieden, wie Deutschlands Regierung in den nächsten vier Jahren aussehen wird. Der Ausgang der Wahl wird spannend. Zumindest verheißt das die jüngste Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid. Sowohl CDU als auch SPD verzeichnen Verluste, während FDP, Linke und AfD einen Zuwachs an Stimmen verzeichnen. Auch für Investoren ist die Zusammenstellung der Regierung im Hinblick auf ihre Portfolio-Positionen interessant. Oliver Maslowski, Fondsmanager bei GAM, verrät, welche Koalitionen er für wahrscheinlich hält - und auf welche Sektoren Anleger seiner Meinung nach ein besonderes Auge werfen sollten.

Auf Immobilien setzen

„Im Vergleich zu 2013 könnte in diesem Jahr die FDP der große Gewinner der Bundestagswahl sein. Dies könnte zu einer Jamaikakoalition (CDU, FDP und Grüne) oder schwarz-gelben Koalition (CDU, FDP) führen, auch wenn eine Fortsetzung der großen Koalition (CDU, SPD) unter Führung von Angela Merkel am wahrscheinlichsten ist“, so Maslowski. Sollte die FDP Einzug in die Regierung erhalten, könnte es zu einer Abschaffung der Mietpreisbremse kommen. Hiervon würden große Privatvermieter, also deutsche Wohnungsunternehmen wie Vonovia, LEG Immobilien oder Deutsche Wohnen profitieren. „Die Mieteinnahmen deutscher Wohnungsunternehmen liegen zum Teil unter dem Mietspiegel und indizieren somit weiteres Aufwärtspotenzial, selbst unter den Rahmenbedingungen einer großen Koalition. Die Übergewichtung des Immobiliensektors erscheint aus Risiko-Rendite-Perspektive sinnvoll“, erklärt Maslowski.

Deutsche Versorger profitieren

Die Schatten des Dieselskandals reichen auch bis zur Bundestagswahl: Bestimmte Koalitions-Konstellationen könnten laut Maslowski aufgrund der unterschiedlichen Vorstellungen zur Handhabung des Skandals von vornherein ausgeschlossen werden: „Eine Jamaikakoalition könnte an dem Thema fossile Verbrennungsmotoren scheitern, da die Grünen keine Koalition eingehen, die kein Verbrennerverbot einleitet.“ Die Elektromobilität als Alternative zu Diesel und Benzin werde zwar aktiv von den deutschen Autoherstellern umgesetzt. Eine hohe zukünftige Durchdringung von Elektrofahrzeugen erfordere jedoch den Bau vieler neuer Kraftwerke, da die Stromproduktion erheblich gesteigert werden müsse. Zudem fehlten die Kapazitäten der bis 2022 abgeschalteten Atomkraftwerke. „Somit liegt der Gedanke nahe, dass die deutschen Versorger von dieser Situation profitieren, denn auf absehbare Zeit sind fossile Energieträger unverzichtbar. Wir gewichten diesen Sektor daher über“, erklärt Maslowski. Neben den steigenden Strompreisen könnten zudem vermehrt Übernahmephantasien zum Tragen kommen. „Denkbar wäre einerseits eine europäische Konsolidierung, andererseits aber auch ein Einstieg von strategischen Investoren, wie zum Beispiel große Ölkonzerne.“

Fokus auf Unternehmen mit Digitalstrategie

Unabhängig vom Wahlausgang sieht Maslowski den Themenkomplex Digitalisierung stärker zum Tragen kommen. In Deutschland soll vor allem die Breitbandversorgung ausgebaut werden. „Fast alle Parteien sind sich einig, dass schnelles Internet Chancen im Bereich Bildung, Gesundheit, Sicherheit und Industrie bietet. Die Telekommunikationsbranche stellt dabei den Motor der Digitalisierung dar. Sie steht daher in einem starken Preis- und Technologiewettbewerb. Nutznießer sind deshalb oftmals nicht die Infrastrukturunternehmen, sondern Unternehmen mit einer klaren Digitalstrategie. Aus Diversifikationsgründen gewichten wir darum Unternehmen mit einer überzeugenden Digitalstrategie aus unterschiedlichen Branchen über, die Telekommunikationsbranche dagegen lediglich neutral“, so Maslowski.


AXA IM aktuell: Technologische und demographische Megatrends zwingen zum langfristigen Denken

Auch wenn Unternehmenslenker gerne von langfristigen Perspektiven reden, beschäftigt sich der typische CEO in der Praxis meist mit kurzfristigen Einflussfaktoren. Auch das Gros des veröffentlichten Researchs der Unternehmen reicht nur Monate oder gar Wochen in die Zukunft. (06.09.)

Für Investoren kommt es jedoch darauf an, was die Unternehmensführung heute über das Wachstum auf dem Weltmarkt von morgen denkt. Dieser Ansicht ist Matt Lovatt, Global Head of Business Development bei AXA Investment Managers:

„Erstens müssen Anleger lernen, über die Hypes hinauszudenken, die die Märkte kurzfristig antreiben. Zweiten müssen sie ihre Investments genau darauf hin prüfen, ob die Unternehmen diese langfristigen Umbrüche begrüßen und umsetzen oder ignorieren. Weder Bewertungskennziffern noch Research der Unternehmen sind dafür eine verlässliche Grundlage. Um eine tiefe, umfassende Analyse der einzelnen Unternehmen führt daher kein Weg vorbei.“

Demographischer Wandel und Technologie seien Megatrends, die die Wirtschaft ohne Zweifel über Jahrzehnte hinweg nachhaltig verändern werden, erklärt der Experte. Dennoch bedeute dies keineswegs, dass alle Firmen diesen Wandel begrüßen und die richtigen Konsequenzen ziehen.

Kurzfristige Hypes von langfristigen Trends unterscheiden Besonders am Beispiel Technologie werde jedoch deutlich, wie leicht Investoren den Hype mit dem langfristigen Trend verwechseln könnten. „Noch nie wurden Innovationen von Konsumenten und Anbietern so bereitwillig aufgegriffen wie heute, und ohne Frage ist das enorme Potenzial vieler Technologien sehr aufregend. Trotzdem weckt der Enthusiasmus in diesem Bereich mitunter Erinnerungen an die Dotcom-Blase“, stellt Lovatt fest. Es sei jedoch möglich, hinter den Hype zu blicken, und Potenziale für langfristige Entwicklungen zu erkennen. Anlegern empfiehlt er, beim Thema Technologie stets zwei Aspekte mitzubedenken: „Erstens dauert es oft länger als erwartet, bis sich eine neue Technologie in Gewinne ummünzen lässt. Das ist etwa beim 3D-Druck der Fall, tut dessen enormem Potenzial jedoch keinen Abbruch. Zweitens sind die Auswirkungen, wenn sie dann tatsächlich kommerziell erfolgreich ist, oft weit größer als ursprünglich erwartet - man denke nur daran, wie das Smartphone Arbeit und Alltag revolutioniert hat.“

Weniger Unsicherheit erkennt Mark Lovatt im Bereich der Demographie, wo zwei Verschiebungen deutlich spürbar sind. So sei die Alterung der Bevölkerung mittlerweile ein globales Phänomen, das die Wirtschaft zügig und dauerhaft verändern werde, insbesondere in Japan und Europa, aber in zunehmendem Maße auch in China und den USA. Es werde erwartet, dass die Gruppe der über 60-jährigen im Jahr 2020 über ein Ausgabenpotenzial von rund 15 Billionen US-Dollar verfügen wird. Auch der Aufstieg aus der Armut in die Mittelschicht, der sich in den Schwellenländern vollzieht, entfalte sich mit enormer Geschwindigkeit. Schätzungen zufolge wechselten dort jede Minute etwa 30 Haushalte aus der Armut in die Mittelklasse – mit direkten Folgen für Einkommen und Konsum. „Diese demographischen Umbrüche bedeuten gewaltige Verschiebungen von Kaufkraft und Wohlstand. Allerdings reagieren längst nicht alle Firmen konsequent und weitsichtig darauf. Daher wird es für Investoren immer wichtiger, zu verstehen, wie sich Unternehmen auf den Wandel der Konsumentenbasis einstellen“, betot Lovatt.

Für Anleger komme es also darauf an, hinter die Hypes zu blicken und die langfristige Wachstumsstrategie der Unternehmen zu analysieren. Das bedeute auch, die Rolle traditioneller Bewertungskennzahlen zu hinterfragen: „Wenn man in Einjahreszeiträumen denkt, spielen Bewertungen zweifellos eine große Rolle, denn sie können als Ausdruck von Hypes gelesen werden, die den Markt kurzfristig beeinflussen. Zur Berücksichtigung langfristiger Trends ist jedoch eher ein Zeitraum von zehn Jahren angemessen.“ Über diesen Zeitraum stammten rund 70 Prozent der Renditen allein aus Umsatzwachstum, wie eine Studie der Boston Consulting Group gezeigt habe. Um diese Entwicklung abschätzen zu können, setzt Lovatt auf eine andere Strategie: „Wir analysieren genau, mit welchen Strategien die Unternehmen ihre Marktanteile ausbauen können. So lassen sich die aktuellen, kurzfristigen Herausforderungen mit den demografischen und technologischen Umbrüchen, die sich in den kommenden Jahrzehnten vollziehen werden, meistern.“


Europäische Banken entwickeln sich positiv

Eine Reihe möglicher Krisen im europäischen Bankensektor ist erfolgreich abgewendet worden. Die Rettung der Monte dei Paschi und der regionalen italienischen Banken war richtig, und ein Ende der expansiven Geldpolitik der EZB bedeutet keine Gefahr für Bankensektor. (09.08.)

Die jüngsten Ereignisse im europäischen Bankenwesen haben das Scheinwerferlicht auf die Anleihen der Finanzunternehmen Europas geworfen. Während des jüngsten Policy Meetings hat das Global Investment Team von T. Rowe Price diese Entwicklungen und ihre Implikationen für den Bankensektor diskutiert.

Das Stressniveau des Bankensektors hat abgenommen

Das Team kommt zu dem Ergebnis, dass in jüngerer Vergangenheit eine Reihe möglicher Krisen abgewendet werden konnte. Santanders Akquisition des in Not geratenen spanischen Kreditgebers Banco Popular für den symbolischen Betrag von einem Euro sowie die Entscheidung der italienischen Regierung, die Monte dei Paschi die Siena zu sanieren und zwei notleidenden mittelgroßen Banken unter die Arme zu greifen, seien Beispiele von Risiken, die gut eingedämmt wurden. Diese Entwicklung sei von den Märkten positiv aufgenommen worden - als ein Zeichen dafür, dass die europäischen Aufsichtsbehörden und Mitgliedsländer effektiv mit Problemen innerhalb des Bankensystems umgehen können.

„In diesen Fällen konnte erfolgreich verhindert werden, dass die Krise sich auf andere Banken ausweitet. Das hat dazu beigetragen, die finanzielle Stabilität in Europa aufrechtzuerhalten“, sagt Steven Huber, Portfoliomanager bei T. Rowe Price und Mitglied des Global Investment Teams. „Insgesamt ist das Stressniveau im Bankensektor gesunken, was sehr positiv ist.“

Weitere Verknappung bei Senior Bonds

Für Investoren sei dabei die Erkenntnis wichtig, dass unabhängig davon, wie die Aufsichtsbehörden mit den scheiternden Banken umgegangen seien, Inhaber sogenannter Senior Bonds, also vorrangiger Schuldtitel, geschützt wurden. „Im Gegensatz dazu haben die lokalen Aufsichtsbehörden in den meisten Fällen ihre Bereitschaft unter Beweis gestellt, den Inhabern nachrangiger Schuldtitel starke Verluste zuzumuten“, sagt Steven Huber.

Wenig überraschend hätten diese Entwicklungen zu einer weiteren Verknappung an Senior Bonds geführt. Vielleicht am interessantesten sei aber die Reaktion im nachrangigen Bereich gewesen: Während die Spreads von Tier 1 und Tier 2 leicht gestiegen seien, habe es nur wenige Zeichen von Schwäche bei den niedriger klassifizierten Additional Tier 1 (AT1) sowie bei den sogenannten Coco Bonds gegeben.

„Die Performance der stark nachrangigen Schuldtitel europäischer Banken täuscht über die Tatsache hinweg, dass dieser Markt weiterhin sehr selektiv bleibt”, sagt Steven Huber. „Abweichungen zwischen den größeren, bekannteren Banken und den weniger bekannten, mittelgroßen und kleinen Häusern werden aller Voraussicht nach bestehen bleiben. Das bedeutet, dass in dieser Assetklasse eine sorgfältige Analyse und Auswahl nach wie vor entscheidend ist.“

Positive Fundamentaldaten bieten Potenzial, zusätzliche technische Unterstützung

Insgesamt seien einige positiven Fundamentalfaktoren im europäischen Bankensektor zu beobachten: Die Banken hätten eine bessere Kapitalausstattung, weniger notleidende Kredite, mittelfristig sänken sich die Rückstellungen für Prozesskosten und zudem helfe das stärkere Wirtschaftswachstum in der Eurozone. Zusätzlich könnten technische Faktoren künftig Unterstützung für Finanzanleihen liefern. Anders als viele andere Unternehmen seien europäische Banken nie Teil des Programms zum Ankauf von Wertpapieren im Unternehmenssektor (CSPP) der Europäischen Zentralbank (EZB) gewesen. Deshalb seien sie auch nicht von möglichen Kapitalabflüssen gefährdet, sollte die EZB im nächsten Jahr damit beginnen, ihre expansive Geldpolitik einzuschränken.


Wie die asiatische Finanzkrise die Schwellenländer verändert hat

Vor zwanzig Jahren stand die asiatische Finanzkrise kurz bevor. In diesem Beitrag beleuchtet Michael Hasenstab, CIO von Templeton Global Macro, wie die Reaktion der Politik vor Ort in den folgenden zwei Jahrzehnten die Schwellenländer allgemein beeinflusst hat. Und er erläutert, warum nach seiner Auffassung einige der einst unbeliebtesten Lokalwährungsmärkte mittlerweile mit die spannendsten Chancen bieten. (26.07.)

Die asiatische Finanzkrise, deren Beginn sich in diesem Monat zum 20. Mal jährt, wirkte sich bis weit in das Jahr 1998 hinein aus und warf mehrere Jahre lang dunkle Schatten auf viele Länder der Region. Seitdem spielen die Lehren aus dieser Krise bei der umfassenden Umgestaltung der Schwellenländer insbesondere in Asien, aber auch rund um den Globus eine wesentliche Rolle.

Auf dem Höhepunkt der Krise lebte ich in Asien und konnte ihre verheerenden Folgen für die dortigen Länder beobachten. Länder wie Indonesien, Südkorea, Thailand, Malaysia und die Philippinen wurden von den massiven Abwertungen ihrer Währungen, durch die ihre externe Anfälligkeit rasch vergrößert wurde, schwer in Mitleidenschaft gezogen.

Einige Länder arbeiten seit mittlerweile zwei Jahrzehnten hart daran, ihre Widerstandskraft gegenüber externen Schocks zu erhöhen. Viele der heutigen Politiker, die diese Krise erlebten und daraus lernten, sind darum bemüht, die Gefahren, dass sich dies wiederholen kann, zu verringern.

Einige dieser Länder haben über Jahre hinweg ihre Devisenpolster verstärkt. Zudem haben sie bei ihren Leistungsbilanzen einen Überschuss oder nahezu ein Gleichgewicht erreicht, ihre Staatshaushalte saniert und ihre Verbindlichkeiten in US-Dollar abgebaut, indem sie einheimische Finanzierungsquellen nutzten. Diese Anpassungen hatten tiefgreifende Auswirkungen auf ihre Wirtschaft. Mittlerweile gibt es eine Gruppe von Schwellenländern, deren Wachstum stärker und deren Leistungsbilanzen gesünder sind als in vielen Industrieländern.

An den lokalen Währungsmärkten, und insbesondere in den Ländern, die aus dieser Krise unmittelbar ihre Lehren zogen und über Jahrzehnte an der Stärkung ihrer Volkswirtschaften gegenüber künftigen Schocks arbeiteten, sehen wir einige unterbewertete Anlagechancen.

Eine Ära wirtschaftlicher Stärke in Indonesien 
Indonesien ist ein gutes Beispiel für ein Land, das seine externe Abhängigkeit seit der asiatischen Finanzkrise mit Tatkraft verringert hat. Nachdem Indonesien die verheerenden Folgen der Krise durchlebt hatte, machte sich das Land an ein ehrgeiziges Strukturreformprogramm, das seine Wirtschaft stärken, seine Wachstumstreiber ins Gleichgewicht bringen und die Entwicklung im Inland beschleunigen sollte. Diese fortlaufenden Reformen verliehen seiner zugrunde liegenden Wirtschaft Kraft und verbesserten seine Position zur Abschirmung vor externen Schocks.

Es muss nicht darüber gemutmaßt werden, ob diese Strukturreformen wirken, denn sie wurden im vergangenen Jahrzehnt durch reale exogene Schocks ernsthaft auf die Probe gestellt. Im Jahr 2008 griff die globale Finanzkrise auf Länder rund um den Globus über. Indonesien jedoch hatte viel weniger externe Verbindlichkeiten und eine ausgewogenere, binnenwirtschaftlich breiter aufgestellte Wirtschaft als 1997. Infolgedessen kam es in Indonesien trotz der „Risk-off“-Währungsabwertungen in den Schwellenländern dieses Mal nicht zu einer Wiederholung der asiatischen Finanzkrise.

Jüngst bewies Indonesien, dass es einen starken Rückgang der Rohstoffpreise, wie z. B. den Einbruch der Ölpreise im vierten Quartal 2014 und ihren anhaltenden Rückgang bis Anfang 2016, bewältigen kann. Zeitgleich mit diesem deutlichen Rückgang der Ölpreise begannen die Märkte, sich Mitte 2015 vor einer Schrumpfung der chinesischen Wirtschaft zu fürchten, da dessen Wachstumsrate sich abschwächte. Beides zusammen – der Einbruch der Ölpreise und die Ängste um China – trieb die Anleger aus den Schwellenländern. Dies führte in der gesamten Anlageklasse auf breiter Front zu Währungsabwertungen.

Während all dieser Ereignisse zeigte sich die indonesische Wirtschaft jedoch robust und erreichte im Durchschnitt von Jahr zu Jahr beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) ein Wachstum von rund 5 %. Zwanzig Jahre zuvor wäre es für Länder wie Indonesien schwierig gewesen, einen gleichzeitigen Schock bei den Rohstoffpreisen, bei den Wechselkursen und beim Handel zu meistern. Doch mittlerweile haben viele Länder diese externe Anfälligkeit deutlich verringert. Wir sehen ausgezeichnete Anlagechancen am indonesischen Lokalwährungsmarkt, und die längerfristigen Aussichten für das Land sind nach unserer Einschätzung nach wie vor vielversprechend.

Viele Schwellenländer haben ihre inländischen Märkte erweitert
Eine der wichtigsten Entwicklungen, die viele Schwellenländer im vergangenen Jahrzehnt vollzogen, ist die Erweiterung ihrer inländischen Finanzmärkte.

In der Vergangenheit fehlte es oft an einer starken Anlegerbasis im Inland, sodass die Auswirkungen von Finanzvolatilität oft noch verstärkt wurden. Dagegen sind inländische institutionelle Anleger an vielen inländischen Märkten mittlerweile viel präsenter und wirken häufig als stabilisierende Kraft, wenn die Kurse von Vermögenswerten einbrechen, indem sie einspringen und Vermögenswerte kaufen, wenn ausländische Anleger daraus fliehen.

Insgesamt hat der Übergang zu inländischen Finanzierungsquellen die finanzielle Widerstandsfähigkeit in vielen Ländern erhöht. Ferner wurden u. a. auch folgende Maßnahmen getroffen:

  • Beibehaltung flexibler Wechselkurse, so dass rasche Anpassungen an exogene Schocks möglich sind; Aufrechterhaltung umfangreicher Bestände an Devisenreserven;
  • Umsetzung einer umsichtigen Fiskalpolitik über längere Zeiträume, die die unmittelbare Anfälligkeit verringert und gleichzeitig mehr Spielraum schafft, um Schocks mit fiskalischen Stabilisatoren abzufedern;
    • Unterstützung einer ausgewogeneren makroökonomischen Politik mit unabhängigen, glaubwürdigen Zentralbanken, die besser in der Lage sind, die Inflation festzuzurren und das Wachstum in Koordination mit der Fiskalpolitik zu unterstützen;
    • Stärkung der Bilanzen, vor allem auf der Ebene von Regierungen und Finanzsektor, wobei sich der Schuldenstand der Unternehmen in manchen Ländern dennoch erhöht hat;
    • und Aufbau eines robusten und stabilen Bankensektors mit einem besser regulierten Umfeld.

Insgesamt haben mehrere Schwellenländer in Asien und rund um den Globus ihre Abhängigkeit von externen Finanzierungsquellen deutlich verringert und ihre generelle Finanzstabilität erhöht. Für einige dieser Länder sehen wir eine vielversprechende Zukunft. Während die asiatische Finanzkrise vor 20 Jahren schmerzhafte Auswirkungen hatte, haben die Lehren aus dieser Krise vielen Länder mittlerweile den Weg zu viel besseren Lösungen aufgezeigt.


Industrie: Konjunktursommer

IV-Vize-GS Koren: Breiter und robuster Aufschwung  – Standortentwicklungsgesetz könnte Rahmenbedingungen weiter verbessern – IV-Chefökonom Helmenstein: Breiter Konjunkturaufschwung erreicht seinen Zenit – Fachkräftemangel als Wachstumsbremse (20.07.)

„Ob geopolitische Konflikte, unsichere europapolitische Perspektiven oder unkonventionelle wirtschaftspolitische Ansagen - nichts scheint den derzeitigen Aufschwung bremsen zu können. Wir können uns über einen Konjunktursommer freuen“, erklärte der Vize-Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), Mag. Peter Koren, heute, Dienstag, in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit IV-Chefökonom Dr. Christian Helmenstein anlässlich der Vorstellung der Resultate des aktuellen IV-Konjunkturbarometers aus dem 2. Quartal 2017. So würde momentan eine große Zahl von Wachstumszentren - angefangen von Indien und China über Australien bis zum wieder erstarkenden europäischen Wirtschaftsraum - das Geschehen dominieren. „Wachstumsausfälle wie in Brasilien, Russland oder der Türkei werden sogar überkompensiert, was wiederum die Robustheit des Aufschwungs unterstreicht“, so Koren, der diesen Aufschwung nun abgesichert und dazu die Rahmenbedingungen weiter positiv gestaltet sehen will: „Die Basis dafür könnte ein Standortentwicklungsgesetz (StEG) sein, das die Festschreibung von Zielen und Grundsätzen zur integrierten Standortentwicklung enthält. Dabei geht es um Energieversorgungssicherheit, den Ausbau der Dateninfrastruktur, die Qualität der Verkehrsinfrastruktur – aber auch um die Erleichterung und Beschleunigung  von Genehmigungen und damit die Realisierung wesentlicher Infrastruktur-Investitionen.“ Ein „Nationales Standortkomitee“ unter Federführung und Vorsitz durch Infrastruktur- (BMVIT) und Wirtschaftsministerium (BMWFW) könne dann im Zuge eines jährlichen Standortentwicklungsrahmenplans die Umsetzung administrieren und überwachen.

Für Österreich stellt die vergangene Halbdekade einen wirtschaftshistorischen Ausreißer dar. Zum einen ist der Vier-Jahres-Zeitraum von 2012 bis 2015 als die längste Quasi-Stagnationsphase seit Gründung der Zweiten Republik in die Annalen eingegangen.

Zum anderen wurde selbige erst im Vorjahr durch eine großvolumige Steuertarifreform im Tandem mit einer vertrauensstabilisierenden Wirtschaftspolitik überwunden. „Das bisherige Muster einer zunächst von der Binnennachfrage getragenen Erholung fiel dementsprechend untypisch aus“, so Helmenstein, der ergänzte: „Nun aber stellt sich das klassische konjunkturelle Déjà-vu ein. Nachdem das erste Quartal 2017 den Beginn einer solchen Normalisierung mit erstmals seit dem zweiten Halbjahr 2014 wieder positiven Nettoexporten markierte, verzeichnet die österreichische Wirtschaft im zweiten Quartal 2017 heuer ihren ersten Konjunktursommer seit sechs Jahren.“

Dementsprechend steige das IV-Konjunkturbarometer, welches als Mittelwert aus den Beurteilungen der gegenwärtigen Geschäftslage und der Geschäftslage in sechs Monaten bestimmt wird, nochmals von +34 Punkten auf +39 Punkte. „Damit übertrifft das IV-Konjunkturbarometer nunmehr die Ergebnisse der vorherigen Hochphase in den Jahren 2010 und 2011 und erreicht seinen besten Wert seit neuneinhalb Jahren. Dennoch bleibt ein beträchtlicher Abstand zu seinen historischen Höchstständen erhalten“, so der IV-Chefökonom.

Die Ergebnisse im Detail
„Die Aufwärtsdynamik hat inzwischen sämtliche Wirtschaftszweige erfasst und erfolgt
daher breit abgestützt“, wie Helmenstein erläuterte. „Allerdings wird sie während der Sommermonate ihren Zenit durchschreiten.“ Denn anders als in den beiden vorhergehenden Quartalen verbessert sich der Indikator für die aktuelle Geschäftslage (+60 Punkte nach +48 Punkten) zwar nochmals kräftig, hingegen bilden sich die Geschäftserwartungen (+17 Punkte nach +21 Punkten) auf Sicht von sechs Monaten bereits leicht auf das zur Jahreswende vorherrschende Niveau zurück. Für eine sich verbreitende Jubelstimmung, die auf ein konjunkturelles Überschießen hindeuten könnte, fehlen alle Anzeichen.

Der Anteil der Optimisten, die eine abermalige Verbesserung ihres Geschäftsganges erwarten, bildet sich auf ein Fünftel aller Respondenten zurück, während der Anteil der Pessimisten von tiefstem Niveau aus geringfügig zu steigen beginnt. Dieses Ergebnis lässt trotz der latenten Unsicherheiten eine fortgesetzte konjunkturelle Expansion in Österreich auch im weiteren Jahresverlauf erwarten, dessen Robustheit frühestens im Herbst auf die Probe gestellt werden könnte.

Abseits allfälliger geopolitischer Extremereignisse ist vor diesem Hintergrund für die österreichische Wirtschaft mit einem Wachstum in Höhe von gut zwei Prozent im heurigen Jahr zu rechnen. Zugleich sollte es der österreichischen Volkswirtschaft damit gelingen, im Jahresdurchschnitt zum Wachstumstempo der Eurozone mindestens aufzuschließen. Weiterhin dazu beitragen wird die dynamische Entwicklung bei den meisten zentral- und osteuropäischen Handelspartnern, deren reale BIP-Zuwächse im Jahresauftaktquartal 2017 zwischen 2,9 Prozent für Tschechien über 4,2 Prozent für Polen bis zu 5,6 Prozent für Rumänien reichten.

Zum nunmehr vierten Mal in Folge nach zuvor fünf Quartalen mit konsekutiven Rückgängen nehmen die Gesamtauftragsbestände von +52 Punkten auf +60 Punkte zu. Diese Entwicklung unterstreicht die Erwartung einer bis in den Herbst hinein reichenden kräftigen Expansion in Österreich. Etwas schwächer präsentiert sich allerdings die Dynamik bei den Auslandsaufträgen, die von +48 Punkten auf +52 Punkte zulegen. Das aktuelle Konjunkturmomentum ist trotz der anziehenden Exporte mithin nach wie vor zu einem guten Teil auf einen zurückgestauten Nachholbedarf im Inland zurückzuführen, welcher derzeit abgebaut wird. Sofern sich die politischen Risken nicht verschärfen und die Ertragsperspektiven intakt bleiben, lässt diese Konstellation in Verbindung mit der verbesserten Auftragsreichweite anhaltende Impulse aus verstärkt vorzunehmenden Erweiterungsinvestitionen erwarten.

Im Einklang mit der Expansion ihrer Auftragsbestände planen die Unternehmen eine abermalige Ausweitung ihrer Produktionstätigkeit. Der saisonbereinigte Wert auf Sicht eines Quartals legt von +20 Punkten auf +24 Punkte zu. Die Aufhellung des Stimmungsbildes hat sich im Vorquartal bei der Einstellungsneigung der Unternehmen mit einem sprunghaften Anstieg des Saldos für den Beschäftigtenstand am stärksten positiv ausgewirkt. Aktuell jedoch bildet er sich deutlich von +25 Punkten auf +17 Punkte zurück. Die Beschäftigungsexpansion in der Industrie setzt sich somit fort, doch ist das zuvor intendierte Tempo offensichtlich nicht zu halten. Zurückzuführen ist dies auf die sich verschärfende Knappheit an Fachkräften, insbesondere in den am stärksten industriell geprägten Regionen Österreichs, sodass nur noch ein Viertel der Unternehmen erwartet, einen höheren Beschäftigtenstand auch tatsächlich erreichen zu können. Abseits statistischer Effekte im Kontext der Flüchtlingsmigration sollte vor diesem Hintergrund nicht nur die Beschäftigung in Österreich in den kommenden Monaten weiter zunehmen, sondern auch die Arbeitslosigkeit spürbar zurückgehen.

Bei der Entwicklung der Verkaufspreise halten einander widerstreitende Einflüsse die Waage. Zwar schlagen sich die international vorhandenen Überkapazitäten weiterhin in einem hohen Preisdruck bei industriell erzeugten Produkten nieder, doch steigende Marktnotierungen für Industrierohstoffe erzwingen eine Kostenüberwälzung, sodass ein Saldo von exakt 0 Punkten resultiert. Der Saldo der Ertragslage verharrt bei +28 Punkten nach zuvor +27 Punkten und damit auf einem Niveau, das schon seit einem Jahr nahezu unverändert vorherrscht. Positive Entwicklungen bei den Absatzmengen einerseits werden durch negative Entwicklungen bei den nicht zur Gänze überwälzbaren Kostensteigerungen bei Vorprodukten andererseits kompensiert, während hohe administrative Belastungen fortbestehen. Hingegen legen die Ertragserwartungen infolge der anhaltend guten Mengenkonjunktur innerhalb des schon seit acht Jahren bestehenden Schwankungskorridors von +5 auf nunmehr +11 Punkte zu.

Strukturell betrachtet fällt Österreich im jüngsten IMD-Wettbewerbsfähigkeits-Ranking
wieder vom 24. auf den 25. Rang zurück. So wenig wie die Verbesserung im Vorjahr auf eigene Leistung zurückzuführen war, so wenig gilt dies für die diesjährige Verschlechterung. China hat Österreich nach einem temporären Rücksetzer im Vorjahr wieder überholt. Die österreichische Wettbewerbsfähigkeit liegt bei 83,3 Prozent des Wertes für den Bestplatzierten, heuer ist das wie im Vorjahr Hongkong, gefolgt von der Schweiz und Singapur. Die jahrelange Erosion der österreichischen Wettbewerbsfähigkeit wurde also gestoppt, aber aufgrund nach wie vor fehlender Strukturreformen tritt Österreich weiterhin im Mittelfeld auf der Stelle.

Im Ranking direkt vor Österreich liegen Malaysia und Belgien, schon mit Abstand weiter vorn auch Israel und Australien. Unmittelbar hinter Österreich rangieren Japan und Thailand, gefolgt von Tschechien und Süd-Korea. Die Position Österreichs ist nach unten recht gut abgesichert, aber eine Top-20-Platzierung wird kaum zu Beginn der nächsten Legislaturperiode gelingen können. Dieser Befund ist ein Auftrag, der Standortqualität Österreichs durch umfassende Strukturreformen politische Priorität zu geben.

Von zentraler Bedeutung, um die wirtschaftlichen Perspektiven Österreichs weiter zu verbessern, sind Fortschritte in drei Handlungsfeldern: (a) die Wiedergewinnung des Vertrauens in die Planbarkeit der Standortbedingungen, (b) der Abbau von Bürokratie und Überregulierung einschließlich der Arbeitszeitflexibilisierung sowie (c) die Senkung der Steuer- und Abgabenlast.

Die IV-Konjunkturumfrage: Zur Befragungsmethode
An der jüngsten Konjunkturumfrage der Industriellenvereinigung beteiligten sich 403 Unternehmen mit rund 252.600 Beschäftigten. Bei der Konjunkturumfrage der IV kommt die folgende Methode zur Anwendung: den Unternehmen werden drei Antwortmöglichkeiten vorgelegt: positiv, neutral und negativ. Errechnet werden die (beschäftigungsgewichteten) Prozentanteile dieser Antwortkategorien, sodann wird der konjunktursensible „Saldo“ aus den Prozentanteilen positiver und negativer Antworten unter Vernachlässigung der neutralen gebildet. Weitere Informationen: www.iv.at/medien


Bullen auf der Überholspur

Allianz Invest: Synchroner Wirtschaftsaufschwung in allen Regionen – Aktien übergewichten, Emerging Markets im Aufwärtstrend. (05.07.)

Ein seltener Fall: Die Beschleunigung des weltweiten Wirtschaftswachstums wird derzeit von allen Regionen unterstützt, wenngleich die Dynamik etwas nachlässt. „Wie auf der Autobahn sind im Augenblick alle mit ähnlichem Tempo im Fließverkehr unterwegs, die Unfallgefahr ist dementsprechend sehr gering. Den Sicherheitsgurt sollte man aber trotzdem anlegen“, erklärte Mag. Christian Ramberger, Geschäftsführer der Allianz Invest Kapitalanlagegesellschaft mbH, am 5. Juli  vor Journalisten. Positiven Einfluss hatten diese makroökonomischen Entwicklungen – und auch die Politik der Zentralbanken - in den vergangenen Monaten auf die Kapitalmärkte, die eine ungewöhnlich geringe Volatilität aufwiesen. „Der Aktienbullenmarkt setzt seine Fahrt auf der Überholspur fort. Ein Ende der Reise ist vorerst nicht in Sicht“, prognostizierte Ramberger.

Volkswirtschaftlicher Ausblick: Überall solides Wachstum
Wirft man einen Blick auf die volkswirtschaftlichen Prognosen für das dritte Quartal, so zeigen sich global erstmals seit Jahren einheitliche Entwicklungen. Das globale Wirtschaftswachstum wird 2017 wie erwartet zulegen. In den USA sorgt der Arbeitsmarkt für eine robuste Dienstleistungs- und Konsumnachfrage. Die Erholung des Ölpreises schlägt sich auch in der Industrieproduktion nieder, Investitionen ziehen an. Die Wachstumsprognosen wurden allerdings leicht reduziert, nachdem die Trump-Regierung die hohen Erwartungen an ihre Konjunkturmaßnahmen nicht erfüllt hat. In Europa wird das Wachstum - getrieben durch den Arbeitsmarkt und Exporte - sowohl von den Industrieländern als auch der Peripherie getragen.

Die globale Geldpolitik bleibe laut Allianz Experten weiterhin expansiv, jedoch rückten die Art und der Zeitpunkt der Normalisierung der Notenbankbilanzen und damit die Rücknahme der Liquiditätsspritzen bereits in den Fokus der Anleger. „Das wird ein Hauptthema für 2018 werden“, ist Ramberger überzeugt. Zu Jahresbeginn wurde aufgrund der Zinserhöhungen allgemein ein fester US-Dollar erwartet. Die Konsensus-Positionierung, die Makroentwicklungen sowie die Reduktion der politischen Risiken in der Eurozone haben jedoch die Trendwende des Euro bewirkt.

Chancen für Anleger in Q3: Aktien übergewichten
„Die globale Konjunkturdynamik spricht deutlich für eine Investition in risikobehaftete Anlageklassen. Im derzeitigen Umfeld raten wir daher Anlegern, Aktien über- und Anleihen unterzugewichten“, erklärt Mag. Doris Kals, Leiterin Asset Management Dachfonds in der Allianz Invest KAG, die Anlagestrategie der Allianz für das kommende Quartal.

Auf der Aktienseite empfiehlt die Allianz, Europa und Emerging Markets überzugewichten, Japan neutral zu halten und USA unterzugewichten. Für Aktien aus den Emerging Markets sprechen die positiven Wirtschaftsprognosen, die Bewertungen sind, relativ gesehen, eher günstig. Risikofaktoren bestehen aber weiterhin in wieder fallenden Rohstoffpreisen und den Zinserhöhungen der US-Zentralbank, die potenziell die Währungen belasten könnten. In Europa zieht das dynamische Wirtschaftswachstum die Unternehmensgewinne nach oben. Die Situation auf der Bewertungsseite ist aufgrund der langjährigen Underperformance des europäischen Aktienmarktes etwas entspannter. Politische Unsicherheiten wurden vorerst wieder ausgepreist, die anstehenden „Brexit“-Verhandlungen und Währungsentwicklungen bleiben als Unsicherheitsfaktoren bestehen. Die Vorlaufindikatoren der japanischen Wirtschaft zeigen ein erfreuliches Bild, die Inflation verharrt weiterhin um die Nulllinie. Der Gewinntrend japanischer Unternehmen hat sich fortgesetzt, wobei die starke Abhängigkeit vom Yen zu beachten ist. US-amerikanische Aktien sind nach der Trump-Rallye aus Bewertungssicht teuer, wenngleich weiterhin sehr profitabel. Die hohen Erwartungen an die US-Regierung wurden großteils wieder ausgepreist, wobei eine Steuersenkung 2018 noch im Raum steht.

Auf der Anleihenseite empfiehlt die Allianz, Emerging Markets überzugewichten, Unternehmens- und Euroland-Anleihen neutral zu halten sowie die USA unterzugewichten. Im Vergleich zu anderen Anleihemärkten ist der laufende Ertrag von in „Hartwährungen“ notierenden Emerging Markets-Anleihen von rund 5,4 Prozent attraktiv. Die Spreads bei Unternehmensanleihen im Investment Grad-Bereich sind mittlerweile stark zurückgegangen, eine weitere Reduktion sei kaum mehr zu erwarten. Auch im High Yield-Bereich sind die Spreadniveaus seit Jahresbeginn weiter gefallen, weshalb es sinnvoll erscheine, Positionen langsam abzubauen und Gewinne zu realisieren. Im Euroraum ist die Inflationsrate rohstoffbedingt auf 1,4 Prozent gefallen, die Kerninflationsrate liegt weiter stabil bei 0,9 Prozent. Mit der Verlängerung des Kaufprogramms bleibt die EZB auch bis Ende 2017 als Käufer attraktiv. „Den Anstieg langfristiger Zinsen sehen wir als begrenzt“, so Kals. Mangelnder Lohnauftrieb und leicht gesunkene Inflationserwartungen ließen die 10-jährigen US-Zinsen auf 2,1 Prozent absinken. Das weiterhin bestehende erhebliche Zinsänderungsrisiko lässt US-Anleihen unattraktiv wirken.


Europa-Aktien bieten gute Aussichten

Der Ausblick für europäische Aktien wird zurzeit immer positiver. Ein Marktkommentar von RAM AI. (28.06.)

Unserer Meinung nach gibt es hierfür hauptsächlich drei Gründe: Erstens sind an allen europäischen Märkten makroökonomische Verbesserungen zu beobachten. Sie weisen darauf hin, dass die Gewinne je Aktie den Erwartungen entsprechen oder diese übertreffen sollten, verbunden mit weiterhin starken Einkaufsmanagerindizes.

Zweitens haben sich die politischen Rahmenbedingungen für Anleger inzwischen konsolidiert - vor allem nach den Präsidentschafts-und Parlamentswahlen in Frankreich und den Niederlanden sowie Landtagswahlen in Deutschland. Und drittens konzentrieren sich Anleger zunehmend auf Fundamentaldaten. Dies schafft günstige Voraussetzungen für Investoren, die gezielt einzelne Aktien auswählen, und ist ein Hinweis, dass europäische Aktien weiterhin eine überdurchschnittliche Performance erreichen sollten.

Steigende Nachfrage der Anleger erwartet

Die Einkaufsmanagerindizes für die Eurozone liegen auf sehr hohem Niveau, was uns vermuten lässt, dass die Dynamik zunimmt und die Aussichten für die Unternehmensgewinne in den nächsten Monaten besser werden sollten. In der Tat besteht eine enge Verbindung zwischen der Dynamik der Unternehmensgewinne und den Einkaufsmanagerindizes.

Seit Jahresbeginn hat sich der Trend des MSCI Euro klar verbessert und zeigt, dass sich die Wachstumserwartungen der Analysten für 2017 und 2018 erfüllen sollten. Dies ist auch der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) zu verdanken, die zur Verbesserung der Gesamtsituation in der Eurozone beigetragen hat.

Politische Situation hat sich beruhigt

Die Wahl Emmanuel Macrons in Frankreich war für Europa eine erfreuliche Nachricht – eine der ersten positiven und aufbauenden Überraschungen für die Eurozone in den letzten vier Jahren. Politische Siege, die am Markt als positiv oder beruhigend aufgenommen werden, tragen zur Schaffung attraktiver Rahmenbedingungen für Anleger bei – ungeachtet der laufenden Brexit-Verhandlungen und der zurzeit in Großbritannien wegen der politischen Turbulenzen herrschenden Unsicherheit sowie der Möglichkeit, dass es in Italien zu vorgezogenen Parlamentswahlen kommt.

Letztes Jahr wurden per Saldo Gelder aus europäischen Aktien abgezogen, was auf Befürchtungen im Zusammenhang mit dem Brexit und auf andere politische Unwägbarkeiten zurückzuführen war. In diesem Jahr wurden die Abflüsse aus europäischen Aktien gestoppt, und diese werden mehr und mehr durch Mittelzuflüsse abgelöst. Wir beobachten eine stärkere Nachfrage nach unserem europäischen Aktienfonds und ein positives Zeichnungsaufkommen. Die Aussichten werden zunehmend positiv, und wir erwarten weitere Mittelzuflüsse. Vor allem bei Mid-/Small-Cap-Fonds sind solche positiven Mittelzuflüsse bereits sichtbar.

Relatives Bewertungsniveau ist attraktiv
Europäische Aktien sind im Vergleich zu US-Dividendentiteln nach wie vor attraktiv, und mit einer durchschnittlichen Dividendenrendite von 3,4 Prozent schneiden sie auch im Vergleich zu Benchmark-Rentenmarktpapieren wie z. B. zehnjährigen Bundesanleihen mit nur 0,25 Prozent Rendite gut ab. Nach unserer Einschätzung werden ausländische Anleger weiterhin europäische Aktien bevorzugen, weil diese eine positive Dynamik besitzen und weil die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen besser werden.

Aktuelle Positionierung unserer Long-Strategien
Seit Jahresbeginn haben wir in unserem entsprechenden Fonds die Gewichte in Kontinentaleuropa – u. a. in Italien, Frankreich, Deutschland und der Schweiz – zulasten Großbritanniens erhöht. Zudem ist unsere Entscheidung, die Gewichte zugunsten von Kontinentaleuropa zu verschieben, durch die wachsende Dynamik in einzelnen Ländern wie Italien beeinflusst worden. Die breite Streuung der Fundamentaldaten von Aktien im Industriesektor macht diesen zu einem Muss für unsere Long-Strategien; denn wir sehen aktuell mehrere attraktive Wachstums-, Momentum- und Substanzwerttitel, vor allem in den skandinavischen Ländern. In Schweden ist der Fonds nach wie vor am stärksten übergewichtet. Im Gegenzug wirken sich die derzeit negativen, fundamentalen Trends auf mehrere binnenwirtschaftlich ausgerichtete britische Mid- und Small-Cap-Unternehmen aus. Dies erklärt unsere teilweise starke Untergewichtung in Großbritannien, zu der wir in unserer Strategie mittlerweile übergegangen sind.

„Stock-Picking“ für überdurchschnittliche Performance
Die Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) scheinen nach mehreren Jahren mit positiven Renditen allerdings nicht gerade „günstig” zu sein, sodass ein selektives Vorgehen und die Identifizierung von Unternehmen mit starken Fundamentaldaten und „inneren” Qualitäten noch dringlicher geworden sind. Seit Jahresbeginn haben unsere drei selektiven und disziplinierten Strategiegruppen weiter Chancen wahrgenommen und die Performance des MSCI Europa dank ihrer klaren Betonung von Fundamentaldaten und Qualität um fast vier Prozent übertroffen.

Fazit: Europa ist interessant, und zwar sowohl aus einer Long-Only- wie auch aus einer Long-/Short-Perspektive. Eine gezielte Auswahl von Aktien sollte sich in diesem Jahr für Anleger lohnen


Zwei Szenarien für den Brexit

SYZ Asset Management zeichnet zwei Szenarien für den Brexit und die europäischen Märkte nach der britischen Wahl. (09.06.)

Die Parlamentswahl in Großbritannien ist so verlaufen, wie viele Experten es erwartet und befürchtet haben: Die Konservative Partei hat die meisten Stimmen erhalten, allerdings mit einem sehr geringen Vorsprung. Dadurch hat Theresa May ihre Wette verloren, durch Neuwahlen eine neue, komfortable Mehrheit zu gewinnen. SYZ Asset Management rechnete schon Anfang dieser Woche mit einem solchen Wahlausgang, der durch ein „Hung Parliament“ nicht nur die Brexit-Verhandlungen verkomplizieren sondern auch die Markterwartungen enttäuschen wird.

Hartwig Kos, Vize-CIO und Co-Head des Multi-Asset-Teams, und Mike Clements, Leiter Europäische Aktien, beide bei SYZ Asset Management, stellen Ihnen ihre Analyse und Szenarien der politischen und marktwirtschaftlichen Auswirkungen des Wahlausgangs vor.

Hartwig Kos, Vize-CIO und Co-Head Multi-Asset Team bei SYZ Asset Management, über die möglichen politischen Folgen der gestrigen Wahl:

„Während Theresa May in den nächsten Wochen und Monaten dafür kämpft, an der Macht zu bleiben, dürfte insbesondere der Pound volatil sein. Unserer Ansicht nach wird May extreme Schwierigkeiten haben, sich im Amt zu halten, denn das Wahlergebnis stellt ein klares Misstrauensvotum der britischen Wähler gegenüber der Premierministerin dar. Innerhalb der Konservativen Partei ist daher mit ziemlich viel Gezänk und Schuldzuweisungen zu rechnen.

Zwar würden die Konservativen von einer Koalition mit der Tory-freundlichen Democratic Unionist Party (DUP), der größten protestantischen Partei Nordirlands, profitieren. Denn damit hätten sie im House of Commons genug Sitze für eine Mehrheit. Jedoch sind solche Koalitionen zerbrechlich und werden die Verhandlungen um den Brexit mit Sicherheit erschweren.

Wahlen wurden überhaupt erst angesetzt, damit die Premierministerin durch eine größere Tory-Mehrheit mehr Flexibilität bei den Verhandlungen mit der Europäischen Union (EU) erhält. Diese Flexibilität wird bei einer sehr knappen Mehrheit im Parlament und der DUP als Koalitionspartner - diese ist mehrheitlich dem Lager der Brexit-Befürworter „Brexiteers“ zuzuordnen - wesentlich schrumpfen.

Zwei verschiedene Szenarien sind unserer Ansicht nach möglich:

  • Entweder gibt es einen vollständigen und harten Brexit, der von den „Brexiteers“ unter den Konservativen und der DUP geführt wird,
  • oder die Verhandlungen mit den europäischen Partnern – wenn diese eine Verlängerung der Gespräche nach zwei Jahren überhaupt erlauben – werden sich endlos in die Länge ziehen, vielleicht sogar bis zur nächsten Parlamentswahl, verursacht durch die Spaltungen innerhalb der Tory Party und die eindeutigen Schwächen, die mit einer Koalition verbunden sind.“

Mike Clements, Leiter Europäische Aktien bei SYZ Asset Management, über die Konsequenzen der Wahl über die Märkte:

„Die britische Wahl hat zwar politische Schockwellen verursacht, aber nicht genug, um die britischen oder europäischen Märkte in Bewegung zu versetzen, die diesen Morgen höher handelten. Wir sehen mittelfristiges Potenzial für Chancen in Großbritannien, je nachdem, welche Erfolge die neue britische Regierung bei den Brexit-Verhandlungen erzielt. Unklar ist allerdings, inwiefern das dramatische Ergebnis von gestern Marktstürze wahrscheinlich macht.

Einerseits ist Großbritannien dank Theresa Mays gescheiterten Versuchs, eine größere Mehrheit zu bekommen, nun in einer schwächeren Verhandlungsposition mit der EU als vorher. Andererseits steigt mit diesem Ergebnis die Wahrscheinlichkeit, dass das Land größere Kompromisse mit der EU wird eingehen müssen. Dies würde eher einen „sanften“ anstelle eines „harten“ Brexit bedeuten und das Risiko einer akuten Volatilität verringern.

Das Risiko von Kursdifferenzen auf den Märkten bestünde in dem Fall, wenn ein Verhandlungsengpass ein politisches Patt und dementsprechend eine Marktpanik verursacht. Die beste Haltung für Investoren lautet unserer Meinung nach: Ruhig bleiben und weitermachen. Wir werden die Entwicklungen weiterhin beobachten und Volatilitätsmomente für attraktive Markteinstiege suchen und bewerten.“


Globales Wachstumsumfeld insgesamt verbessert

Nach einem außergewöhnlich ruhigem Jahresstart ist Anstieg der Volatilität nicht ungewöhnlich und „ungeliebtere“ Regionen werden attraktiver. (31.05.)

Laut den Experten von J.P. Morgan Asset Management zeigen sich die globalen Aktienmärkte seit Jahresbeginn 2017 außergewöhnlich ruhig: „In den ersten vier Monaten 2017 gab es im MSCI World Index nur einen einzigen Tag, an dem die Schwankung größer als ein Prozent ausgefallen ist. Im letzten Jahr waren allein im ersten Quartal an 27 Tagen solche Schwankungen zu beobachten“, betont Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management in Frankfurt. Die Volatilität am US-Aktienmarkt ist aktuell eine ganze Standardabweichung niedriger als in ihrem langjährigen Durchschnitt und der Volatilitätsindex VIX fiel zum ersten Mal seit zehn Jahren unter den Wert von 10. Allerdings sollten es sich die Anleger nicht zu bequem machen.

Denn die Nachrichten der nächsten Wochen dürften eher ein gemischtes Bild ergeben: Die Einkaufsmanagerindizes - einerseits in den USA, aber auch weltweit - werden sich nach den jüngsten Höchstständen voraussichtlich etwas schwächer entwickeln, wobei sich Europa derzeit etwas besser präsentiert als die Vereinigten Staaten. Aus globaler Sicht hat sich das Wachstumsumfeld jedoch etwas verbessert: Das globale BIP-Wachstum ist auf ein Plus von 3,5 %  angestiegen. „Für die Unternehmensgewinne bedeutet das, dass wir für 2017 nach Jahren der Stagnation einen positiven Trend erwarten. Das sollte vorerst die Aktienmärkte unterstützen“, unterstreicht Galler.

Politische Risiken überbewertet

Der Experte ist überzeugt, dass die politischen Risiken in diesem Jahr bisher überbewertet wurden - nun sei es an der Zeit, sich wieder auf die Marktfakten zu konzentrieren: „Es gilt jetzt die Frage zu klären, ob die positiven Frühindikatoren Recht haben, oder ob der Zyklus, der bereits sehr weit gelaufen ist, nicht doch irgendwann an Kraft verliert“, betont Galler.

Neuen politischen Zündstoff befürchtet er erst, wenn spätestens im Frühjahr 2018 die Wahlen in Italien anstehen: „In keinem anderen Land der Eurozone ist die Euroskepsis so groß wie bei den Italienern – es könnte zu einer neuen Welle der Angst vor einem Auseinanderbrechen der Eurozone oder gar der Europäischen Union kommen.“ Diese Unsicherheit könnte Anleger wieder vorsichtiger werden lassen und die Börseneuphorie dämpfen.

Europa und Schwellenländer wieder attraktiver

Für Anleger, denen die Bewertungen der US-Aktien inzwischen zu hoch sind, bietet es sich laut Galler an, die Aufmerksamkeit auf die weniger beliebten Regionen der letzten Jahre zu richten: Europa und die Emerging Markets rücken derzeit wieder in den Fokus. Für europäische Aktien spricht, dass zum ersten Mal seit 15 Jahren die Produktivität stärker als die Reallöhne steigt und sich das Wirtschaftswachstum beschleunigt. „Seit inzwischen sieben Monaten steigen die Einkaufsmanagerindizes für Dienstleistungen und das verarbeitende Gewerbe kräftig an. In der Eurozone erreichte der Gesamtindex jüngst ein Sechsjahreshoch, was einem Wachstum von mehr als zwei Prozent für den Wirtschaftsraum der Währungsunion entspricht. Europäische Unternehmen können von dieser Entwicklung überproportional profitieren, da das Verhältnis des Vorsteuergewinn-wachstums zum Umsatzwachstum höher ist als beispielsweise bei US-Unternehmen“, betont Galler. Ein Beleg hierfür sei, dass sich europäische Aktien in den  ersten vier Monaten dieses Jahres auch besser als US-Aktien entwickelt haben.

Für Schwellenländer sprechen laut dem Experten unter anderem die immer noch recht günstigen Bewertungen - während in vielen Industrieländern die Kurs-Gewinn-Verhältnisse über dem langfristigen Durchschnitt liegen, sind Schwellenländeraktien mit einem Wert von 15 unter dem historischen Mittel. Andererseits gibt das verbesserte Umfeld auf den Rohstoffmärkten Rückenwind, ebenso wie die Anzeichen zunehmender wirtschaftlicher Aktivität insbesondere in Asien. Die Region hat inzwischen eine zunehmende Bedeutung für die Weltwirtschaft, nicht zuletzt da in Asien rund 25 %  des globalen Bruttoinlandprodukts erwirtschaftet werden. „Das Exportwachstum in Korea – im März waren es 13 %, im Februar sogar 20 % im Vergleich zum Vorjahr – ist das stärkste Wachstum seit sechs Jahren. Die Nachfrage nach Koreanischen (Vor-) Produkten hat sich in früheren Zyklen als ein guter Indikator für die weltwirtschaftliche Aktivität bewährt“, unterstreicht Galler.

Trotz des freundlichen Wachstumsumfelds und der steigenden Unternehmensgewinne sind die Anleger aber gut beraten, aufgrund fortgeschrittener Bewertungen und politischer Risiken, weiterhin eine breite Diversifikation aufrechtzuerhalten. „Im Hinblick auf Anlagerenditen und Risikosteuerung gilt es im Auge zu behalten, dass wir uns in einer späteren Phase des Zyklus befinden“, so Gallers Fazit.


Europäische Aktien brauchen einen Private-Equity-Ansatz

Befürchtungen um einen Absturz der europäischen Aktienmärkte und des Euro sind damit der Erleichterung und Zuversicht gewichen. (09.05.)

Mit der Wahl von Emmanuel Macron zum französischen Präsidenten sind die Sorgen um den Zusammenhalt der Eurozone vorerst in den Hintergrund gerückt. Befürchtungen um einen Absturz der europäischen Aktienmärkte und des Euro sind damit der Erleichterung und Zuversicht gewichen. Im Umfeld anhaltend niedriger Zinsen bieten Aktien in Europa weiterhin attraktives Ertragspotenzial. Doch wann kommt die nächste politische Krise? Gerade jetzt ist es wichtig, auf Unternehmen zu setzten, die über verschiedene Marktlagen hinweg langfristige Erträge liefern können.

Wir sind der Meinung, dass sich Anleger auf diejenigen Faktoren konzentrieren sollten, die nachhaltige Erträge generieren. Bei diesem Ansatz haben wir uns die Vorgehensweise von strategisch denkenden Private-Equity-Investoren zum Vorbild genommen. Bei ihrer Analyse von Unternehmen denken und handeln diese Anleger ganz anders als die meisten Akteure an den Kapitalmärkten. Ein großer Unterschied besteht beispielsweise darin, dass sie einen längeren Zeithorizont besitzen, der typischerweise etwa fünf Jahre beträgt.

Welche Private-Equity-Anlagetechniken können also besonders wertvolle langfristige Perspektiven liefern?

Analyse von Geschäftsstrategie, Umsetzung und Management

Aktienanleger fokussieren sich meist auf Kennzahlen wie Beta oder Volatilität. Diese Indikatoren verraten allerdings herzlich wenig über die Erfolgschancen eines Unternehmens. Private-Equity-Investoren hingegen kaufen Firmen, nicht Aktien. Sie konzentrieren sich auf Geschäftsstrategie, Betriebsabläufe, Marktdynamik und Managementqualität. Auch die Bilanzen der Unternehmen spielen eine große Rolle.

Unternehmenseigner analysieren diese stets genauestens und achten darauf, dass beispielsweise die Ertragszahlen nicht „künstlich“ durch überzogene Schuldenaufnahme geschönt werden. Ebenso ist die Qualität der Unternehmensführung wichtig: Nur so kann eine erfolgreiche Umsetzung von Geschäfts- und Finanzplänen gewährleistet werden.

Fokus auf Cashflows

Cashflows sind der wohl wichtigste Indikator für die finanzielle Gesundheit eines Unternehmens. Während viele Aktienanleger die Gewinne ins Zentrum ihrer Analyse stellen, bevorzugen Private-Equity-Investoren die Analyse der Cashflows, da diese nicht so leicht manipuliert werden können wie ausgewiesene Gewinne. Cashflows zeigen transparent, wie viel Geld in das Unternehmen hinein- und wie viel herausfließt, sei es als Umlaufvermögen oder Investitionsaufwand. In der Gewinn- und Verlustrechnung sind diese Zahlen nicht zu finden. Ein hoher Cashflow ist ein Indikator dafür, dass ein Unternehmen viele richtige Entscheidungen trifft und gut positioniert sein sollte, um durch Investitionen sein Ertragspotenzial zu mehren.

Die Kennzahl, die von Private-Equity-Investoren meist verwendet wird, ist die Internal Rate of Return (IRR), zu Deutsch die Interne-Zinsfuß-Methode. Sie gibt an, ob das Ertragspotenzial eines Unternehmens, ausgedrückt durch die Summe allen zukünftig erwarteten Cashflows, größer oder kleiner ist als der Anschaffungspreis. Dies beinhaltet die Analyse der Dividenden sowie des erwarteten Erlöses, falls das Unternehmen in der Zukunft wieder veräußert wird. Die hierbei angelegten Schätzungen sollten sehr konservativ sein. Auf diese Weise kann die IRR das Ertragspotenzial unabhängig von Kursanstiegen der Aktie realistisch taxieren.

Langfristiger Horizont

Wenn schlechte Nachrichten eine Aktie ereilen, können nur wenige volatile Tage oder Wochen selbst eine langfristige Equity Story untergraben. Viele herkömmliche Investoren legen bei ihrer Titelauswahl einen Anlagehorizont von nur ein bis drei Jahren zugrunde. Spekulative Hedgefonds-Anleger denken oft gar nur bis zum nächsten Quartal. Wir dagegen sind davon überzeugt, dass eine klare Betonung der langfristigen Perspektive - auf Sicht von drei bis fünf Jahren - ein Festhalten an einer Investmentthese auch in turbulenten Perioden erleichtert.

Lösen von der Benchmark

Private-Equity-Investoren sind nicht an die Benchmarks gebunden, die das Handeln vieler Anleger an den offenen Kapitalmärkten dominieren. Unserer Ansicht nach hindert das Festhalten am Index die Investoren daran, das durch Research aufgedeckte Ertragspotenzial eines Portfolios zu nutzen. Anleger, die sich von der Benchmark loslösen, können dagegen ein konzentriertes Portfolio mit einer recht geringen Anzahl von Aktien aufbauen.

Unternehmenseigner suchen stets nach widerstandsfähigen Wachstums- und Profitquellen, auch wenn die konjunkturellen und politischen Umstände sich verändern. Mit einer ähnlichen Herangehensweise können auch Aktienanleger unserer Meinung nach in Europa überzeugende langfristige Anlagechancen identifizieren, die den äußeren Widrigkeiten trotzen können.

Ein Investment-Kommentar von Tawhid Ali und Andrew Birse, Portfolio Manager European Equities beim Asset Manager AllianceBernstein (AB)


100 Tage Trump: Chancen und Risiken bei US-Anleihen

US-Präsident Trump begann seine Amtszeit mit der Erwartung höheren Wirtschaftswachstums durch Infrastrukturinvestitionen, Deregulierung und Steuersenkungen. Doch seine ersten 100 Tage als Staatschef haben einmal mehr gezeigt, dass es weit einfacher ist Versprechen abzugeben, als sie einzulösen. Dennoch, für Investoren bietet das Umfeld moderat steigender Zinsen und einer soliden Konjunktur gerade im Segment Unternehmensanleihen weiterhin ansprechende Erträge. Anleger sollten angesichts drohender Volatilität jedoch selektiv und flexibel vorgehen. (24.04.)

Falls Trump einige seiner Wahlversprechen einlöst, sprechen ein solides Wirtschaftswachstum und eine mögliche Verlängerung des US-Kreditzyklus für ein Engagement in höherverzinslichen US-Anleihen. Im nunmehr neunten Jahr des aktuellen US-Kreditzyklus zeigen einige Fundamentaldaten eine Verschlechterung an. Im Gegensatz dazu deuten die Kurssprünge seit Trumps Wahlsieg für sogenannte Risikowerte – wie etwa hochverzinsliche Anleihen und Aktien – darauf hin, dass der Markt auf eine Fortsetzung des Zyklus setzt. Und dieser Optimismus spiegelt sich auch in den positiven Umfrageergebnissen zum Marktsegment wider.

Es scheint als hätten Anleger die potenziell positiven Effekte einer Trump-Regierung eingepreist, wie etwa Infrastrukturausgaben oder eine Steuerreform. Andererseits beachten sie jedoch keine der Risiken, wie etwa politischen Stillstand oder Handelsprotektionismus. Daher sind die Preise einiger hochverzinslicher US-Vermögenswerte als teuer einzustufen. Anleger sollten deshalb hier wählerisch sein.

Lohnende Investments
Viele Faktoren könnten den Aufschwung gefährden. Zunächst könnte Trump weiterhin Schwierigkeiten haben, seine Gesetzesvorhaben durch das Parlament zu bringen. Ebenso wäre es möglich, dass das Wachstum stockt, falls Trump seine langfristig konjunkturbelastenden Handelshemmnisse tatsächlich durchsetzt. Es ist zudem recht wahrscheinlich, dass die positiven Umfrageergebnisse übertrieben optimistisch sind und die hohe Erwartungshaltung daher bald zurückgestuft wird.

Anleger auf der Suche nach attraktiven Erträgen in den USA sollten sich darauf vorbereiten, dass der Markt turbulent werden könnte. Einige hochrentierliche Anlagen, wie etwa High-Yield-Unternehmensanleihen oder Vermögenswerte aus den Schwellenländern, sind oft zuerst an der Reihe, wenn die Volatilität zurückkehrt.

Glücklicherweise lohnt es sich durchaus, Engagements am Markt einzugehen und die Risiken dennoch zu begrenzen. Entscheidend ist dabei, die Risiken zu verstehen und zu managen. Dafür gibt es mehrere Optionen, die Anleiheanlegern offenstehen:

  • Fokus auf Unternehmen besserer Bonität mit soliden Bilanzen: Um höhere Finanzierungskosten und Mittelabflüsse zu bewältigen, sind diese besser aufgestellt als Unternehmen mit niedrigem CCC-Rating. Selbst bei robuster Konjunktur könnten höhere Zinsen einige CCC-Emittenten in Zahlungsausfälle zwingen.
  • Einbeziehung kürzerer Laufzeiten: Unser Research zeigt, dass Kurzläufer höherer Bonität langfristig an 80 Prozent des Aufwärtspotenzials partizipieren, jedoch nur 70 Prozent des Abwärtspotenzials erleiden. Und kürzere Laufzeiten bedeuten zudem, dass Anleger weniger anfällig für höhere Zinsen und auch die meisten anderen Marktturbulenzen sind. Daher sind Kurzläufer in volatilen Märkten meist widerstandsfähiger.
  • Kombination von hochverzinslichen Unternehmensanleihen mit Staatsanleihen hoher Bonität: Zinssensible US-Staatsanleihen (Treasuries) sowie andere Staatsanleihen hoher Qualität zeigen meist dann eine gute Wertentwicklung, wenn die Konjunktur abebbt. Hochzinsanleihen hingegen entwickeln sich meist besser, wenn das Wachstum anzieht und die Zinsen steigen.
  • Verbriefte Wertpapiere bieten eine weitere Quelle für Diversifizierung und Erträge. Credit-Risk-Transfer Securities (CRT) der halbstaatlichen Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac ermöglichen Anlegern den Zugang zum starken US-Immobilienmarkt. Ihre variablen Zinssätze machen sie insbesondere im Umfeld steigender US-Zinsen attraktiv. Außerdem befinden sich diese Investments in der Regel in frühen Phasen des Kreditzyklus.

Renditeziele beibehalten
Eine Kombination quer über das gesamte Zinspapier-Spektrum hinweg aus hochverzinslichen Unternehmensanleihen einerseits und Staatsanleihen hoher Bonität andererseits kann Anlegern dabei helfen, ein Portfolio wetterfester zu machen. Eine hypothetische 50-zu-50-Prozent-Mischung aus 10-jährigen Treasuries mit dem Bloomberg Barclays US High-Yield Corporate Bond Index hätte in den vergangenen 16 Jahren höhere risikoadjustierte Erträge erzielt als jeweils reine Portfolios bestehend aus US-Staatsanleihen, Investment-Grade-Unternehmensanleihen oder Hochzinsanleihen.

Nach 100 Tagen an der Macht lernt Trump weiterhin die Zwänge und Herausforderungen seines Amts kennen. Es ist in diesem Umfeld umso wichtiger, die Volatilität eines Portfolios zu begrenzen, falls die Märkte turbulent werden – ohne dabei die Renditeziele der Anleger in der weltgrößten Volkswirtschaft über Bord zu werfen.


„Vorsicht bei weiteren US-Zinserhöhungen“

Ein Zinsanstieg sei nicht unmittelbar Anlass zur Sorge, findet Franz Wenzel. Als gesicherte Tatsache gelte aber auch, dass höhere Zinsen über kurz oder lang Gift für Dividendenwerte seien, so der institutionelle Anlagestratege von AXA IM. (07.04.)

Mitte März war es wieder einmal so weit. Die US-Notenbank (Federal Reserve, Fed) hob unter der Leitung von Janet Yellen den Korridor für den Notenbankzins um 25 Basispunkte auf 0,75 Prozent bis 1 Prozent an. Die Reaktionen an den Märkten fielen moderat aus, waren die Zinsen am langen Ende doch bereits im Vorfeld gestiegen. An den Aktienbörsen war eine Art von Erleichterung zu verspüren, zumal in den Börsensälen die Befürchtung umging, dass die Notenbankchefin einen schärferen Ton als erwartet anschlagen könnte. Letzteres blieb aus.

Bloß keine Nachlässigkeit

Dies sollte nun allerdings nicht zu Nachlässigkeit verführen, warnt Franz Wenzel: „Weitere Zinserhöhungen stehen an. Bestenfalls wird man sich die Frage stellen, um wie viel und in welcher Geschwindigkeit die US-Zinsen angehoben werden. Daher sind langfristige Investoren gut beraten, sich eine Sicht der Dinge zurechtzulegen, die man in die Formel ,in Übertreibungsphasen das Risiko reduzieren‘ fassen könnte.

Diese Warnung kommt auf den ersten Blick überraschend. Sowohl in den USA als auch in China, aber auch hier in Europa lassen die konjunkturellen Daten sowie die Prognosen den Schluss zu, dass 2017 wie auch 2018 ein ordentliches Wachstum von um die 1,5 Prozent in Europa, über 2 Prozent in den USA und 6 Prozent in China möglich sein wird. Die Unternehmensgewinne wachsen nach einer zweijährigen Rezession wieder.

Bei all dem Positiven sollte man allerdings ein wesentliches Element nicht übersehen“, erklärt Wenzel. „Die Aktienhausse, die seit mehreren Jahren das Börsengeschehen prägt, ist mit Zentralbank-Liquidität gekauft. So hat sich der US-Markt seit seinem Tief 2008 mehr als verdreifacht, während die US-Unternehmensgewinne sich bestenfalls verdoppelt haben. Den Rest der Hausse, die die Börsenbewertung auf mehr als das 25-fache der Unternehmensgewinne gehebelt hat, verdanken wir Ben Bernanke und Janet Yellen.“

Daneben gelte es, einige Besonderheiten für die europäischen Börsen zu beachten, so Wenzel weiter: „Bei einem aktuellen Kurs-Gewinn-Verhältnis von unter 20 auf der Basis veröffentlichter Gewinne sind die hiesigen Börsen etwas attraktiver bewertet. Hinzu kommt, dass die Liquidität der EZB den Euro eher schwach halten sollte. Ferner sind die Lohnstückkosten kein Grund zur Sorge, die die Unternehmensmargen beeinträchtigen könnten. Und schließlich bietet eine attraktive und relativ stabile Dividendenrendite von über 3 Prozent einen gewissen Schutz.“ Gleichwohl merkt der Experte an, dass die europäischen Börsen nach wie vor am Tropf der Wall Street hingen: „Eine größere Korrektur in den USA würde sicherlich mit einem noch größeren Kursrückgang hier quittiert. Man sollte die Rechnung nicht ohne den Wirt, sprich das Beta im Börsenjargon, machen.“

Steigende Zinsen als Gift für die Aktienmärkte

Als gesicherte Tatsache gilt, dass höhere Zinsen über kurz oder lang Gift für Dividendenwerte sind. In der Vergangenheit sei ein Anstieg der realen Renditen in den USA, also des nominalen Zinsniveaus abzüglich der Inflation, auf über 2,5 Prozent eine wichtige Hürde, die, einmal überschritten, eher zu Marktkorrekturen und damit zu einem niedrigeren Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) geführt habe. „Auf der Basis heutiger Renditen sind wir von dieser Schallmauer aber noch ein ganzes Stück entfernt. In den USA liegen die Renditen im Laufzeitensegment zwischen fünf und zehn Jahren bei nominal 2 Prozent bis 2,5 Prozent. Bei langfristigen Inflationserwartungen von etwa 2,5 Prozent entspricht dies einer realen 10-jährigen Rendite um die 0 Prozent“, sagt Wenzel. Das sehen die Investoren ähnlich: An den Märkten werden zehnjährige Realzinsen um die 50 Basispunkte (TIPS) gehandelt. Bei einer langfristig zu erwartenden Inflationsrate von 2 Prozent bis 2,5 Prozent könnten nach dieser Rechnung die nominalen Renditen bis auf 4 Prozent ansteigen. Dies entspräche einem weiteren Zinsanstieg um 150 Basispunkte im zehnjährigen Segment und käme einem Zeitsprung zurück in den Juli 2008 gleich.


Weltkonjunktur sendet klare positive Signale

ERHOLUNG: Ob in den USA oder in Europa – die Konjunktur läuft rund. Bei den stark gestiegenen Aktien sind kurzfristig aber Gewinnmitnahmen zu erwarten. (21.03.)

Nach einer kurzen Verunsicherung einiger Märkte kam wieder eine positive Grundstimmung auf, was sich in einem kräftigen Anstieg der Aktienkurse niederschlug. Das verwundert uns wenig, liefert die Weltkonjunktur doch weiter solide Zahlen. Allerdings tun sich die Zinsmärkte, insbesondere Staatsanleihen der Industrieländer, schwer mit dem Ergebnis tendenziell weiter anziehender Renditen.

Nicht nur in den USA läuft die Konjunktur rund, auch in Europa, vor allem in der Eurozone. Die überwiegende Zahl der Unternehmen blickt positiv in die Zukunft. Auch die bekannten politischen Belastungspotenziale durch den anstehenden Brexit oder die Protektionismusdebatte, die uns sehr wahrscheinlich auch im weiteren Jahresverlauf wiederholt beschäftigen werden, ändern daran nichts.

Geldpolitik bleibt zentrales Element
Während die Weltkonjunktur uns relativ klare positive Signale liefert, bleibt neben den übergeordneten politischen Themen die Geldpolitik das zentrale Element in unserer Anlagepolitik. An weiteren geldpolitischen Straffungen in den USA wird schon längst nicht mehr gezweifelt, nur das Ausmaß und das exakte Timing werden diskutiert. Mit dieser vermeintlichen Gewissheit wird nun mit noch größerer Spannung auf Verlautbarungen und Beschlüsse der Europäischen Zentralbank (EZB) geblickt. Wird die Notenbank durch überraschendes Anziehen der monetären
Zügel die Laune der Anleger verderben? Wohl kaum. Diese Auffassung bestätigte sich auch im Rahmen der jüngsten Äußerungen der EZB. Der Fahrplan ist relativ klar und deutet auf ein planmäßiges Auslaufen des Anleihekaufprogramms gegen Ende 2017 hin. Mit raschen und womöglich kräftigeren Zinsschritten ist vorerst nicht zu rechnen. Wir können uns auf das Wesentliche fokussieren und unseren Blick auf aktuelle Bewertungen und zukünftige Ertragsperspektiven lenken.

Wir bleiben bei unserer defensiven Einstellung gegenüber Staatsanleihen – insbesondere in den entwickelten Ländern. Die Zinskurven mögen zwar in einzelnen Fällen steil sein und
längere Laufzeiten attraktiv gegenüber kurzen erscheinen lassen. Das Renditeniveau insgesamt ist jedoch zu unattraktiv, um größere Engagements zu rechtfertigen. In diesem Segment
bieten Unternehmensemissionen bessere Perspektiven. In den Emerging Markets hingegen sehen wir auch jetzt noch gute Gelegenheiten im Zinssegment – in Landeswährung sowie in Hartwährung.

US-Aktien sind besonders hoch bewertet Im aktuellen politisch-ökonomischen Umfeld haben Risiko-Assets auf längere Sicht weiterhin Potenzial. Doch in jüngster Zeit sind die Aktienkurse
deutlich gestiegen und die Bewertungsrelationen haben sich verschlechtert. Unserer Ansicht nach ist kurzfristig eine Konsolidierungsphase überfällig. Wir haben bei europäischen
Aktien daher teilweise Gewinne realisiert und unsere Aktiengewichtung insgesamt auf „Neutral“ zurückgenommen. Bei US-amerikanischen Aktien bleiben wir mit Blick auf die verhältnismäßig hohen Bewertungen weiter zurückhaltend, während es in den Emerging Markets auch künftig auf selektives Vorgehen ankommen dürfte.

Ein Kommentar von Christian Heger, CIO bei HSBC Global Asset Management (Deutschland)


Das Aktien-Exposure temporär reduzieren?

Die Aktienmärkte haben in den vergangenen Wochen aufgrund der anhaltenden Verbesserung des wirtschaftlichen Umfelds noch weiter gewonnen. Während die Einnahmen im vierten Quartal auf eine anfängliche Erholung hindeuteten, weisen die aktuellen Daten in den größten Märkten darauf hin, dass der Zyklus gerade an Dynamik gewinnt. (15.03.)

Angesichts dieser euphorischen Stimmung auf den Märkten, rät Benjamin Melman, Leiter Asset Allocation und Sovereign Debt bei Edmond de Rothschild Asset Management, in seiner neuesten Asset Allocation Strategy, das Aktien-Exposure temporär zu reduzieren.

Dafür sprechen unter anderem folgende Gründe:

  • In den letzten Wochen sind die Aktienbewertungen aufgrund der niedrigen Risikoaversion gestiegen und nicht wegen des Trends zur Konjunkturbelebung.
  • Die Anleihemärkte haben sich in den letzten Wochen aufgrund der zunehmenden politischen Risiken in Europa uneinheitlich entwickelt. Neue politische Sorgen in den G7-Ländern Frankreich und Italien könnten materielle Folgen für alle Märkte haben.
  • Das globale Wachstum hält zwar an, aber einige Indikatoren haben bereits ihre historischen Höchststände erreicht.
  • Die Bewertungen auf dem US-amerikanischen Markt sind höher als ihr langfristiger Durchschnittswert. Sie könnten auf diesem Niveau bleiben oder sogar über einige Monate hinweg weiter ansteigen, da sie nicht zwingend Vorbote einer sich abzeichnenden Korrektur sind.

Das Team um Benjamin Melman hat taktische Gewinne mitgenommen, bleibt aber angemessen investiert. „Wir sind weiterhin davon überzeugt, dass Aktienmärkte im Jahr 2017 gut abschneiden werden, aber es gibt genügend technische, politische und wirtschaftliche Faktoren, die für Volatilität auf den Märkten sorgen könnten und somit Gelegenheiten für weitere Investitionen bieten“, meint der Anleiheexperte.

Auf der Anleiheseite hat das Asset Allocation-Team Finanzwerte im Vergleich zu Hochzinsanleihen übergewichtet: „Zum einem weil nachrangige Anleihen interessantere Renditen anbieten und Finanzwerte allgemein ein günstigeres Umfeld genießen“, so Benjamin Melman. „Zum anderen verfügen Finanzanleihen, im Gegensatz zu Hochzinspapieren, über den Vorteil, generell weniger in den Portfolios vertreten zu sein“.


GAM: Von diesen Technologie-Trends können Anleger 2017 profitieren

Der Technologie-Sektor wächst rasant, umfasst ein breites Themenspektrum und bietet entsprechend viele Anlage-Möglichkeiten für Rendite-Jäger.

Der Technologie-Sektor wächst rasant, umfasst ein breites Themenspektrum und bietet entsprechend viele Anlage-Möglichkeiten für Rendite-Jäger. Umso wichtiger wird es für Anleger sein, die für 2017 relevanten Themen ausfindig zu machen. Mark Hawtin, Investment Director bei GAM, stellt die aus seiner Sicht sechs wichtigsten Technologie-Themen für 2017 vor und erklärt, warum Hardware künftig nicht mehr die wichtigste Rolle spielen wird.

1. Künstliche Intelligenz: Deep Learning hoch im Kurs

McKinsey berechnete im Jahr 2011, dass im Laufe der nächsten zehn Jahre bis zu 100 Millionen Arbeitsplätze durch die Automatisierung vernichtet würden – seither sorgt das Thema künstliche Intelligenz regelmäßig für Schlagzeilen. Als revolutionär hat sich das sogenannte „Deep Learning“ erwiesen – die Technologie, die es beispielsweise Netflix ermöglicht,  persönlich zugeschnittene Empfehlungen für jeden Nutzer zu erstellen. Aus dem verbesserten Nutzererlebnis folgt eine gesteigerte Nachfrage und stärkere Kundenbindung, die dem Unternehmen widerrum höhere Umsätze einbringt. Im Einzelhandelssektor ist Amazon beim Thema künstliche Intelligenz führend. Das Unternehmen begleitet Nutzer überall im Internet auf Schritt und Tritt und passt seine Kaufvorschläge entsprechend der besuchten Webseiten an.

Namhafte Großunternehmen nutzen diese Technologie bislang am intensivsten. Sie verfügen über enorme Datenbestände, die von der Systemoptimierung mittels künstlicher Intelligenz besonders profitieren. Amazon, Facebook, Google und Microsoft sind Vorreiter, wenn es darum geht, mit künstlicher Intelligenz das Nutzererlebnis sowie die Kauflust zu steigern.

2. Speicherplatz: Der Bedarf wächst

Alles, womit uns die Technologie begeistert, erfordert Speicherplatz. Doch ausgerechnet bei diesem Thema verschlechtert sich das Verhältnis von Angebot und Nachfrage zusehends. Erstmals seit elf Jahren stieg der Preis für Silizium-Wafer, dem Grundstoff für Speicherchips. Zugleich verdoppelte sich der Aktienkurs einiger Speicherhersteller im Zuge des Nachfrageanstiegs seit 2015. Aufgrund hoher Gewinne im Dezember korrigierte Micron seine Prognose für das laufende Quartal nach oben und rechnet nun mit einem Anstieg seiner Gewinnmargen auf bis zu 34 Prozent. Auch der Konkurrent Western Digital hat seine Gewinnprognosen inzwischen nach oben korrigiert.

Bislang unterschätzt der Markt die Kraft und Bedeutung des Speicherthemas im Jahr 2017. Viele Anleger scheuen sich nach dem – durch den schwächeren PC-Absatz in Schwellenländern verursachten – Rückgang im Jahr 2015, wieder in diesen Bereich zu investieren. Angesichts der starken Preisanstiege ist der Lockruf des Speicherthemas jedoch nur schwer zu ignorieren.

3. Cloud Computing: Software der Zukunft

Nur ein Prozent der weltweiten IT-Ausgaben fließen derzeit in Cloud-Computing-Ressourcen. Gleichzeitig setzen jedoch bereits über 60 Prozent aller neuen Software-Applikationen eine Cloud-Infrastruktur voraus. Unternehmen werden ihre Investitionen erhöhen müssen, um die Software der Zukunft nutzen zu können. Große Unternehmen beschäftigen sich nun zunehmend mit der Massenverschiebung von Infrastruktur in die Cloud. Laut einer Umfrage von Bernstein ist der Anteil der CIOs, die angeben, dass eine öffentliche Cloud in fünf Jahren einen bedeutenden Teil ihres IT-Bestandes ausmachen wird, in den letzten zwölf Monaten von 24 Prozent auf 51 Prozent gestiegen. Microsoft und Amazon bieten attraktive Möglichkeiten für ein entsprechendes Engagement. Amazon soll laut Prognosen bis zum Beginn des nächsten Jahrzehnts genauso viel Umsatz mit IT-Dienstleistungen erzielen wie mit seinem Einzelhandelsgeschäft, wobei die Gewinne beim IT-Geschäft deutlich höher ausfallen dürften.

4. Wachstumswerte: Trendwende wahrscheinlich

Wachstumswerte haben in den letzten 24 Monaten im Vergleich zu Substanztiteln so stark verloren, dass eine Trendwende so gut wie sicher erscheint. Google und Facebook sind derzeit für 2018 noch günstiger bewertet als die hochkapitalisierten „alten“ Technologiewerte Microsoft und Texas Instruments – dieses Szenario dürfte jedoch unhaltbar sein. US-Präsident Donald Trump könnte am Markt eine Rotation in Wachstumstitel auslösen, wenn das Reflationsthema an Bedeutung gewinnt und die Risikobereitschaft wieder zunimmt. Dies würde etwaige Zinserhöhungen kompensieren. Die Geschichte lehrt, dass das Ertragspotenzial extrem positiv ist, wenn Wachstumswerte wieder in der Anlegergunst steigen: 2013 wurden wir zuletzt Zeuge einer enormen Outperformance von Wachstumswerten. Im Jahr 2017 könnte es erneut zu einer solchen Wende kommen.

5. Sicherheit: „Big Data“-Unternehmen profitieren

Das Thema Sicherheit gewinnt wieder an Bedeutung. Mit der Ausbreitung mobiler Geräte und der Verlagerung von Daten in die Cloud wird es zunehmend schwieriger, Cyber-Angriffe mit isolierten Schutzmaßnahmen abzuwehren. Das Erkennen von Angriffen und die Einleitung von Gegenmaßnahmen werden eine erheblich wichtigere Rolle als die Vorbeugung spielen. Hier ist das Datenvolumen entscheidend, um zwischen Gewinner- und Verliereraktien zu unterscheiden. So verfügt beispielsweise Symantec über 30 Millionen Privatnutzer, 175 Millionen Installationen in Unternehmen und hat mehr als drei Billionen Zeilen schädlicher Codes in seinen Datenbanken, zu denen pro Sekunde 250.000 hinzukommen. Symantec besitzt durch diesen Schatz an Daten – Stichwort „Big Data“ – einen Vorteil bei der Erkennung von Bedrohungen, der in der Branche seinesgleichen sucht.

6. Customer Lifecycle Management: die allumfassende Marketing-Strategie

Online-Werbung hat sich zum Customer Lifecycle Management gemausert – das Management der Kundenbeziehung über den gesamten Einkaufszyklus hinweg. Hierbei geht es unter anderem darum, wie Kunden, vom Moment an, wo sie auf eine Werbeanzeige klicken, bis zum Ende des Konsumzyklus betreut und gebunden werden. Das Kundenmanagement war lange Zeit sehr modular aufgebaut: Client Relationship Management (CRM), Marketing, Kundensupport. Wir sehen jedoch einen starken Trend zu End-to-End-Lösungen. Das Customer Lifecycle Management, das traditionell nur durch Werbebudgets finanziert wurde, hat heute Zugriff auf die gesamten Marketingbudgets, die sich weltweit auf über eine Billion US-Dollar belaufen. Neben Facebook und Google sind hier auch Unternehmen wie Salesforce, Pegasystems und Adobe stark investiert.

Auf Software setzen

Hardware wird immer mehr an Bedeutung verlieren. Obwohl die Meldungen über neue Geräte, faltbare Bildschirme, virtuelle Realität, Drohnen und das vernetzte Zuhause nicht abreißen, handelt es sich hierbei nur um Evolutionen, aber nicht um Revolutionen. Während man leicht in Begeisterung über Dinge verfällt, die man sehen und anfassen kann, ist dies bei kryptischen Codezeilen nicht ganz so einfach. Worauf es aber in erster Linie ankommt, sind die Software und die Anwendungen, die auf diesen Geräten ausgeführt werden, um unser Bedürfnis nach Sinneseindrücken zu befriedigen. Die Software hält alles zusammen - und Kommunikation und Interaktion sind am Ende das, worauf es ankommt.


Welthandel von Protektionismus bedroht


Nach zwei Jahren langsamerem Weltwirtschaftswachstum in Folge, sollte sich das Wachstum 2017 leicht verbessern (von 2,5 auf 2,7 %). Verantwortlich dafür ist der Aufschwung der Geschäfte in den Schwellenländern (4,1% Wachstum) aufgrund der Erholung in Brasilien und Russland, die die Abkühlung in China ausgleichen. Für die Industrieländer erwartet Coface ein stabiles Wachstum von 1,6 %.


Die trübe Entwicklung des Welthandels (Prognose bei 2,4 % für 2017, im Vergleich zu durchschnittlichen 2,2 % zwischen 2008 und 2015 und einem Durchschnitt von 7 % zwischen 2002 und 2007) könnte durch eine Wiederkehr von protektionistischen Maßnahmen - in Folge der Wahl Donald Trumps - weiter verschlimmert werden. Kurzfristig würden solche Maßnahmen aufgrund des langjährigen Aufschwungs in den USA (2017 +1,8 % Wachstum erwartet) einen geringeren Effekt auf Amerikas Wirtschaft haben, als auf die Länder, die stark vom Export in die USA abhängen: Zentral-Amerika (insbesondere Honduras, El Salvador, Mexiko und Ecuador) sowie einige asiatische Länder (wie Vietnam und Thailand).

Aufgrund von Mexikos starker Abhängigkeit von Exporten in die USA, die 7 % des BIP ausmachen, und vor dem Hintergrund einer höheren Inflation und sinkenden Investitionen, stuft Coface die Länderrisikobewertung des Landes auf B herab. Argentinien hingegen sollte nach einem schwierigen Jahr die ersten positiven Effekte seiner Reformen ernten. Deshalb stuft Coface die Länderbewertung auf B herauf.

Politische Risiken 2017 global auf Rekordhoch
Unter den Industrieländern sieht sich Europa den größten politischen Risiken ausgesetzt, weil einerseits Schlüsselwahlen anstehen und andererseits die Details des Brexit abzuwarten bleiben. Der politische Risiko-Index für Europa von Coface ist im Laufe des vergangenen Jahres in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und Großbritannien durchschnittlich um 13 Punkte angestiegen. Sollte ein größerer politischer Schock, vergleichbar mit dem Referendum in Großbritannien, eintreten, könnte sich das Wirtschaftswachstum in Europa durchschnittlich um 0,5 Punkte verlangsamen.

Die politischen Risiken in den Schwellenländern sind höher als jemals, getrieben durch soziale Unzufriedenheit und erhöhte Sicherheitsrisiken. Die GUS (wegen Russland mit einem Coface-Score von 63 von 100 %), Nordafrika sowie der Mittlere Osten (mit der Türkei und Saudi Arabien, die beide bei 62 % liegen) zeigen die größten Risiken unter den wichtigsten Schwellenländern. Der Anstieg von politischen und sozialen Spannungen im Kontext des sehr schwachen Wachstums in Südafrika ist zum Teil Grund für die Herabstufung der Länderbewertung auf C.

Sicherheitsrisiken, darin inbegriffen Terroranschläge, soziale und politische Spannungen, sind ein neuer Faktor innerhalb des Risikoindikators für Entwicklungs-/Schwellenländer. Wenig überraschend sind diese Sicherheitsrisiken in Russland und der Türkei am höchsten.

Kreditrisiken: Hohes Level von Unternehmensschulden bedrohen den Banksektor in Schwellenländern.
Diese erhöhten Kreditrisiken können - anhängig vom jeweiligen Land - unterschiedliche Formen annehmen. Die Zahl von Unternehmensinsolvenzen sollte in Industrieländern weiterhin abnehmen. Jedoch liegt die Höhe der Unternehmensgründungen häufig unter dem Vor-Finanzkrisenniveau (Abweichung von -19,8% in Deutschland, -5,1% in den USA und -4,1% in Italien zwischen 2015 und Vorkrisen Höchststand). Steigende Kreditvolumina, die hochverschuldeten Unternehmen gewährt werden, schränken andererseits die Finanzierungsspielräume für schnell wachsende Jungunternehmen ein.

Extreme Unternehmensverschuldung ist ein weiteres Problem für Schwellenländer. Unternehmen in China haben das höchste Verschuldungsniveau (vergleichbar mit mehr als 160% des BIP) mit einem Anstieg um 12 Prozentpunkte alleine zwischen dem 2. Quartal 2015 und 2. Quartal 2016. Die Rate der faulen Kredite im Bankensektor wächst rasant in Russland, Indien, Brasilien und China, während sich die Standards der Kreditvergabe verschärft haben.

Heraufstufungen in Europa und Sub-Sahara Afrika
Zum ersten Mal seit Mitte 2015 stuft Coface mehr Länder in der Risikobewertung herauf, als herab. Spanien wird auf A3 heraufgestuft, während Island und Zypern (wo die Risiken im Zusammenhang mit den auferlegten Kapitalverkehrskontrollen sinken) nun mit A2 und B bewertet werden. Mittel- und Osteuropäische Länder verbessern sich weiterhin im Ranking unter den 160 von Coface analysierten Ländern. Estland (A2), Serbien (B) und Bosnien-Herzegowina (C) verbessern sich im Geschäftsklima und das Wachstum dieser Länder erreicht ein komfortables Niveau. Bulgarien (A4) bestätigt die beobachtete Erholung dank eines moderaten Wachstums und der andauernden Konsolidierung im Bankensektor.

„Die Heraufstufungen einiger Zentral- und Osteuropäischer Länder legen die Basis für eine positive Grundhaltung für gute Wachstumschancen in der Region“, zeigt sich Dr. Michael Tawrowsky, Country Manager Coface Austria, zuversichtlich über die positive Entwicklung von Serbien und Estland, Bosnien-Herzegowina und Bulgarien.

In Afrika südlich der Sahara schlagen sich kleinere Länder deutlich besser als größere. Zwei der am besten abschneidenden Länder der Region sind Ghana (B), das den demokratischen Reifetest im Dezember bestanden hat und nun die öffentlichen Finanzen besser steuert. Auch Kenia (A4), das einen Anstieg im Tourismus und höhere staatliche Investitionen verzeichnet, hat Coface heraufgestuft.

Autor: Coface


Wachstumsprognosen könnten steigen

Die Weltwirtschaft wächst wieder stärker. Im Gegenzug schwächt sich der Rückenwind von der Zinsseite für die Kapitalmärkte ab. (19.12.)

Die Aktienmärkte zeigten in den vergangenen Wochen eine erstaunliche Widerstandskraft. Weder die unsicheren Aussichten einer Wirtschaftspolitik unter Donald Trump noch das verlorene Verfassungsreferendum in Italien erhöhten die Verkaufsbereitschaft der Anleger. Ist dies nur die Ruhe vor dem Sturm oder setzt sich die neue Aufwärtsbewegung fort?

Geld- und Fiskalpolitik zeigen Wirkung
In der Tat haben sich die Rahmendaten verschoben. Bereits ohne den politischen Wechsel in den USA wächst die Weltwirtschaft seit dem dritten Quartal wieder dynamischer. Eine expansive Geldpolitik im Zusammenspiel mit stärkeren fiskalpolitischen Maßnahmen zeigt vor allem in einigen asiatischen Ländern ihre Wirkung.

So erreichte in China die Stimmung des Industrie- und Dienstleistungssektors den jeweils höchsten Stand seit zwei Jahren. In Japan überschritt das Wachstum im dritten Quartal wieder die Marke von zwei Prozent. Der kräftige Anstieg der Rohstoffpreise hat die heftige Rezession in Brasilien und Russland gestoppt. In der Eurozone konnte sich insbesondere Frankreich aus der Wachstumsagonie der Vorjahre befreien.

Besonders eindrucksvoll gelang allerdings in den USA die Wachstumswende. Mit gut drei Prozent fiel das Wachstum im dritten Quartal stärker aus als in den drei Vorquartalen zusammen. Unter einer Regierung Trump könnte sich das Momentum nochmals beschleunigen. Werden die angekündigten Steuersenkungen und Infrastrukturmaßnahmen tatsächlich umgesetzt, ist eine weitere Beschleunigung der Dynamik 2017 und 2018 um rund ein Prozent möglich.

Für die Wachstumsprognosen kündigt sich weltweit eine ungewöhnliche Überraschung an. Erstmals seit der Finanzkrise dürften die Erwartungen für die Folgejahre nicht gesenkt, sondern angehoben werden. Eine bessere Konjunktur hat jedoch oft auch eine negative Konsequenz für Kapitalmärkte: Der Rückenwind von der Zinsseite schwächt sich ab.

Im aktuellen Umfeld dürften die Notenbanken jedoch vorsichtig handeln. Selbst in den USA liegt die Kerninflationsrate trotz vollausgelastetem Arbeitsmarkt knapp um die Zielmarke von zwei Prozent. Die Notenbank Fed dürfte dem Zinsschritt im Dezember daher 2017 nur wenige Erhöhungen folgen lassen. Von der Europäischen Zentralbank (EZB) sind allenfalls kosmetische Korrekturen zu erwarten. Gerade erst wurde das Ankaufprogramm bis Ende 2017 verlängert. Zum einen soll die Inflation nach Prognosen der EZB selbst 2018 noch immer deutlich unter der Zielmarke von zwei Prozent liegen. Zum anderen droht angesichts der politischen Unsicherheiten in Italien ohne die Stützungskäufe der EZB eine Neuauflage der Eurokrise.

Europa und Japan übergewichten
Die immer extremere Expansionspolitik der Notenbanken ist daher zwar zu Ende, das Niedrigzinsumfeld bleibt aber erhalten. Die geringe laufende Verzinsung macht vor allem Staatsanleihen unattraktiv. Der Aufwärtstrend an den Aktienmärkten könnte sich hingegen fortsetzen. Die generelle Übergewichtung der Aktienposition sollte sich vor allem auf die Börsenplätze Europa und Japan konzentrieren. Hier fällt eine günstige Bewertung nach wie vor mit anhaltend niedrigen Zinsen zusammen.

Ein Kommentar von Christian Heger, Chief Investment Officer bei HSBC Global Asset Management (Deutschland)


Aktien sollten 2017 profitieren

Laut Fidelity sollten Aktienmärkte im kommenden Jahr von mehr Wachstum und der Inflation profitieren. Ein umfangreicher Ausblick. (06.12.)

Dominic Rossi, Global Chief Investment Officer für Aktien bei Fidelity International:

  • US-Unternehmen dürften von Trumps Politik profitieren

  • Günstige Voraussetzungen auch für die Aktienmärkte anderer Industrieländer sowie für Finanz- und Pharmawerte

Protektionistische Bestrebungen werden für Schwellenländer zur Herausforderung

Kaum etwas wird die Aktienmärkte im kommenden Jahr so sehr beeinflussen wie der neue US-Präsident. Donald Trumps Motto „Amerika zuerst“ dürfte 2017 zu einem Mantra für Anleger werden. Zwar müssen sie angesichts der Unwägbarkeiten der Trump-Regierung mit Phasen hoher Volatilität rechnen. Auch werden die Rahmenbedingungen für hoch bewertete defensive Werte schwieriger. Insgesamt aber dürfte die Politik der künftigen US-Regierung Risikoanlagen unterstützen.

Dabei wird insbesondere der US-Markt seine globale Vormachtstellung behaupten. Denn Trump geht es vor allem um eines: Wachstum. Die neue Regierung wird der US-Wirtschaft über Steuersenkungen und höhere Staatsausgaben neuen Schwung verleihen. Und das ist für amerikanische Unternehmen gut. Deren Gewinne sind, nach zwei Jahren Stagnation, schon vor der Wahl gestiegen. Wir gehen basierend auf unserem internen Prognosemodell von einem Gewinnwachstum von 11,2 Prozent und einer Eigenkapitalrendite von 16,2 Prozent für 2017 aus.

Dazu könnte eine Rückholung der Barmittel in Höhe von einer Billion US-Dollar, die die S&P-500-Firmen auf ihren Bilanzen im Ausland haben, für Investitionen, Fusionen und Übernahmen sowie für höhere Renditen für Aktionäre über Dividenden und Aktienrückkäufe sorgen. In Europa dürften zwar die anstehenden Wahlen für mehr Schwankungen sorgen, insgesamt wäre eine stärkere US-Wirtschaft für den europäischen Markt aber positiv. Nicht ganz so eindeutig ist der Ausblick für die Schwellenländer. Zwar bedeutet ein kräftigeres US-Wachstum auch für sie günstigere Rahmenbedingungen. Aber nur, wenn protektionistische Maßnahmen ausbleiben. Zudem würden manche Emerging Markets unter einem stärkeren Dollar, der Gegenwind für die Rohstoffpreise bedeutet, leiden.

Auf Branchenebene dürften Pharma- und Finanzwerte sowie ausgewählte Technologieunternehmen profitieren. Banken sollte die Reflationierung der Wirtschaft sowie eine weniger strenge Regulierung unter Trump zugutekommen. Pharmatitel wiederum dürften sich aufgrund ihrer Innovationskraft, ihrer prall gefüllten Medikamenten-Pipeline und ihrer attraktiven Bewertung nach der zuletzt schwachen Performance gut entwickeln.“

Charles McKenzie, Global Chief Investment Officer für Anleihen bei Fidelity International:

  • Jüngster Renditeanstieg bedeutet keine Zeitenwende an den Anleihemärkten

  • Richtiger Strategiemix ist entscheidend für geringere Zinssensitivität des Portfolios und attraktive Erträge

Auch wenn die Renditen zuletzt gestiegen sind, brachte dieses Jahr Anleiheinvestoren doch solide Erträge. Seit Jahresbeginn sind die Renditen von Staatsanleihen per Saldo gefallen und die Zins-Spreads von Unternehmensanleihen zurückgegangen. Das wird sich 2017 allerdings kaum wiederholen. Vielmehr wird es noch schwieriger, ein vergleichbares Ergebnis zu erzielen.

Dabei müssen sich Anleger aber keine Sorgen machen, dass sich der derzeitige Trend steigender Renditen bei Staatsanleihen fortsetzen wird und es zu einer Umkehr am Rentenmarkt kommt. Denn die langfristigen Trends, die die Renditen in den vergangenen zehn Jahren niedrig gehalten haben, sind intakt. Dazu zählen die schwache Produktivität, geringes Wachstum, die Alterung der Bevölkerung und die Staatsverschuldung. Zwar sehen wir Wachstum, es wird aber nicht so stark ausfallen, dass es massive Zinsstraffungen geben wird. Für die USA erwarten wir, dass die Federal Reserve die Zinsen 2017 um einen halben Prozentpunkt anhebt. Dagegen wird die Geldpolitik in der Eurozone und in Japan wohl unterstützend bleiben.

Staatsanleihen bieten aber trotz des jüngsten Renditenanstiegs keine ausreichende Kompensation für die Risiken. Zudem ist der Konjunktur- und Kreditzyklus weit vorangeschritten, was wiederum für Unternehmensanleihen die erhöhte Gefahr von Ausfallrisiken mit sich bringt. Deshalb bleiben Anleihen insgesamt eine Herausforderung. Ein Abrücken von traditionellen Benchmarks kann helfen, unerwünschte Konzentrationsrisiken zu mindern. Dazu kommt die schwache Marktliquidität, die ebenfalls nicht für passive Benchmark-Strategien spricht.

Stattdessen ist eine flexible Strategie entscheidend, die breit diversifiziert, alle Segmente des Unternehmensanleihemarktes berücksichtigt und Extremrisiken dynamisch absichert. Idealerweise nutzen Anleger einen Mix aus drei Strategien: Erstens ist es wichtig, von den unterschiedlichen Zinszyklen zu profitieren, indem sie ihre Durationsquellen diversifizieren. Zweitens sollten sie über die Beimischung von inflationsindexierten Anleihen nachdenken. Und drittens Unternehmensanleihen berücksichtigen. Dort ist das Investment-Grade-Segment interessant, da es noch ausreichendes Wertpotenzial bietet. Zudem rechnen wir damit, dass Anleger auf der Suche nach Rendite von Staats- in Unternehmensanleihen umschichten werden. Auskömmliche laufende Erträge bieten zwar Hochzinsanleihen. Da diese aber in etwa fair bewertet sind, ist der Risikopuffer, den die Papiere bei einer steigenden Volatilität bieten, sehr dünn.“

James Bateman, Global Chief Investment Officer für Multi Asset bei Fidelity International:

  • Zunehmende politische Unsicherheit in den USA und Europa sorgt für höhere  Volatilität an den Märkten

  • Schwellenländeranleihen und Value-Aktien bieten Potenzial

Auch 2017 könnte ein Jahr voller Überraschungen werden, die sich per definitionem nicht vorhersagen lassen. Aber einige Themen sollten Anleger im Hinterkopf behalten. Dazu gehört – nach Trumps Wahlsieg – eine Wiederaufnahme fiskalpolitischer Stimulusmaßnahmen, um die Wirtschaft in den Industrieländern anzukurbeln. Wenn es so kommt, könnte das das Ende der Blase an den Anleihemärkten bedeuten.

Anleger sollten mit stärkerem Wachstum und höherer Inflation rechnen, auch wenn ich zu bedenken gebe, dass die Zinsen weniger schnell steigen könnten als vom Markt erwartet. Denn aller Voraussicht nach
werden die Regierungen Druck auf ihre „unabhängigen“ Zentralbanken ausüben, vorübergehend höhere Inflationsraten als Preis für eine Belebung ihrer schleppenden Wirtschaft zu tolerieren. Bis auf weiteres mag die Duration der erklärte Feind sein, aber dennoch gibt es nach wie vor Bereiche mit Wertpotenzial an den Anleihemärkten. Hierzu gehören vor allem Schwellenländeranleihen in Landeswährung. Sie könnten Anlegern ähnliches Aufwärtspotenzial wie Emerging-Markets-Aktien bieten, jedoch bei deutlich weniger Abwärtsrisiko und ausgestattet mit erheblichem Renditepuffer.

Auf der Aktienseite dürften Dividendentitel, die den Bullenmarkt seit 2009 kräftig angetrieben haben, viel von ihrem Glanz verlieren, wenn die Zinsen den Nullpunkt hinter sich lassen. Denn damit kehrt sich auch die Suche nach Rendite um, die Anleger dazu zwang, immer höhere Risiken einzugehen. Value-Aktien mussten seit der Finanzkrise erheblich Federn lassen. Ihnen könnte nun ein Comeback bevorstehen. Ob über aktive oder Smart-Beta-Strategien: Eine Anlage in Value-Aktien dürfte verglichen mit dem Gesamtmarkt bessere Resultate hervorbringen.

Ganz gleich, wie sich die Wirtschaftspolitik Trumps mittelfristig auswirkt: Schon heute sollten wir mit höherer Volatilität rechnen. Denn Trump und die Geopolitik insgesamt werden die Märkte zwischen Angst und Gier schwanken lassen. Von den möglichen politischen Umwälzungen in Europa im Zuge der Neuverhandlung der Beziehung zwischen Großbritannien und der Eurozone und den Wahlen in Frankreich und Deutschland ganz zu schweigen. Sie könnten eine kurzzeitige Trendumkehr an den Aktien- und Anleihemärkten sowie bei den Sektoren bewirken. Für Anleger ist es daher vermutlich sinnvoll, sich gegen Extremereignisse etwas abzusichern – beispielsweise über Engagements am Gold- und Ölmarkt. Zudem dürfte sich aktives Management ebenso auszahlen wie der Kauf von Risikoanlagen nach Schwächephasen und deren Reduzierung nach Erreichen von Bestmarken. Eine statische Allokation ist in 2017 aus heutiger Sicht jedenfalls nicht zu empfehlen.“


Norwegen überrascht positiv, Skandinavien überzeugt

Trotz des niedrigen Ölpreisniveaus rutschte Norwegen nicht in die Rezession. Allerdings überrascht nicht nur Norwegen. Seit 2008 hat der skandinavische VINX Benchmark Capital Price Index den EuroStoxx 50 Index jedes Jahr im Schnitt um mehr als fünf Prozent hinter sich gelassen. Vom US-Wahlergebnis zeigen sich die skandinavischen Märkte relativ unbeeindruckt.

Kein europäisches Land ist so stark von der Entwicklung der Ölpreise abhängig wie Norwegen. Mit dem Verfall der Erdölpreise im Jahr 2015 zogen über der 524-Milliarden-Dollar-Ökonomie Gewitterwolken auf. Mittlerweile haben sich die Ölpreise ein Stück weit erholt und wie sich zeigt, hat der Sturm weniger Schaden angerichtet, als befürchtet.

Im vierten Quartal 2015 ging die Wirtschaftsleistung zurück (minus 1,3 Prozent), es blieb jedoch bei einem negativen Quartal. Schon im ersten Quartal 2016 erfolgte der Rebound (plus 1 Prozent zum Vorquartal). Im zweiten Quartal gewann die Wirtschaft weiter an Schwung und legte zum Erstquartal stärker als erwartet um 0,4 Prozent zu. Die norwegische Zentralbank sieht offenbar einen Silberstreif am Horizont. Anders als bei ihrer Sitzung am 23. Juni angekündigt, ist in diesem Jahr keine weitere Zinssenkung geplant. Die Zentralbank sagt für die nächsten Jahre ein Zinsniveau von rund 0,5 Prozent voraus.

Hoffnung auf steigende Ölpreise
Die Ölpreise haben sich zwar erholt, liegen aber immer noch um mehr als 50 Prozent unter dem Niveau von 2014. Hoffnung auf steigende Ölpreise machte die OPEC mit einer Kürzung der Fördermenge um 750.000 Fass pro Tag. DNB-Analyst Thorbjorn Kjus warnt allerdings vor zu großen Erwartungen. Einerseits sei die Kürzung angesichts der prall gefüllten Lagerbestände nicht groß genug, andererseits bestehe weiterhin eine große Unsicherheit auf den Märkten.

Die geht vor allem auf die Rivalität zwischen dem Iran und Saudi Arabien zurück. Iran hat die Fördermenge seit dem letzten OPEC-Meeting sogar erhöht. Zudem ist unklar, ob Saudi Arabien wie in der Vergangenheit dazu bereit ist, die Reduktion der Fördermenge selbst zu stemmen. Zudem zog der Wahlsieg Donald Trumps den Ölpreis vorübergehend nach unten. Trump warb im Wahlkampf damit, die Schieferölproduktion zu fördern und die USA komplett von Ölimporten unabhängig zu machen.

Erstmals Staatsfonds angezapft
Die norwegische Regierung versucht den negativen Auswirkungen des Ölpreisverfalls mit stimulierenden Programmen entgegenzutreten. Zur Finanzierung entnimmt sie dem seit 1996 mit Ölgeldern gefüllten norwegischen Staatsfonds (Statens pensjonsfond utland) erstmals in der Geschichte Erträge. 2016 werden 95,7 Milliarden Kronen vom Fondsvermögen abgezogen. 2017 sollen es sogar 121,2 Milliarden Kronen sein.

Fast ein Drittel der Marktkapitalisierung der Oslo Stock Exchange wird von der Ölindustrie bestimmt. Im aggregierten gesamtnordischen Anlageuniversum sind Aktien aus dem Energiesektor jedoch mit weniger als vier Prozent gewichtet. Das ist sogar weniger als der europäische oder globale Durchschnitt.

Beeindruckende Outperformance
Der norwegische Leitindex OBX befindet sich seit März auf Erholungskurs. Insgesamt haben die skandinavischen Märkte in den letzten Jahren überzeugt. Der skandinavische VINX Benchmark Capital Price Index NOK legte in den 100 Monaten zwischen dem 31. März 2008 und dem 29. Juli 2016 knapp 37 Prozent zu. Das entspricht einer jährlichen Rendite von mehr als 3,8 Prozent.

Noch beeindruckender ist die Performance bei Wiederanlage der Dividenden mit einem Plus von knapp 81 Prozent. Die annualisierte Rendite lag bei der Wiederanlage der Dividenden bei knapp 7,4 Prozent. Der Eurostoxx 50 Index rutschte in dieser Zeit um 17,6 Prozent ins Minus (annualisiert -2,14 Prozent). Mit Hilfe der Dividenden kam das europäische Kursbarometer im Betrachtungszeitraum auf ein Plus von 19,3 Prozent. Aufs Jahr gerechnet bleibt ein Plus von 2,14 Prozent. „Insgesamt hat der VINX Anlegern im Vergleich zum Eurostoxx 50 eine jährliche Mehrrendite von 5,2 Prozent gebracht“, sagt Hagen-Holger Apel, Diplom-Volkswirt und Senior Portfolio Manager bei DNB Asset Management in Luxemburg.

Skandinavische Märkte reagieren auf Trump gelassen
Der VINX Benchmark Capital Price Index enthält die größten und am meisten gehandelten Aktien an der Nordic Exchange und der Börse Oslo. Schwedische Titel sind im Index mit 46 Prozent am stärksten vertreten. 24 Prozent der Aktien notieren in Dänemark, 16 Prozent in Finnland und 9 Prozent in Norwegen. 75 Prozent des Index notiert in skandinavischen Währungen. „Wer in dieser Zeit in der Region investierte und Währungsrisiken einging, wurde mit zusätzlicher Rendite belohnt“, sagt Hagen-Holger Apel und verweist auf die aktuell wieder etwas schwächer notierenden skandinavischen Währungen.

Auf das Ergebnis der US-Präsidentenwahl hat der VINX Benchmark Index in den ersten Handelstagen mit einem moderaten Plus reagiert. Nach einem schwachen Monatsauftakt drehten die nordischen Aktienindizes somit leicht in den positiven Bereich.

Reiches Angebot an Qualitätsunternehmen
Auch wenn Skandinavien im Vergleich zu Gesamteuropa klein ist, finden Investoren dort ein reiches Angebot an sehr gut geführten Qualitätsunternehmen. Im VINX Index sind 149 Unternehmen zusammengefasst. Skandinavien profitiert von stabilen politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, einem hohen Bildungsniveau und dem Zugang zu neuen Technologien. Für ein Investment in die skandinavischen Volkswirtschaften empfehlen sich spezialisierte Investmentfonds, da diese den gesamten Markt abdecken und vor Ort verwaltet werden. Der DNB Scandinavia, ein vom Osloer Team um Portfoliomanager Kjell-Morten Hjørnevik verwalteter Fonds, legt sein Fondsvermögen in skandinavische Aktien an, verfügt jedoch über in Luxemburg zugelassene und investierbare Anteilsklassen sowohl für institutionelle Investoren als auch für Privatanleger.

Für Anleger, die aufgrund der Unsicherheit am Zinsmarkt ein Interesse an geringen Zinsänderungsrisiken haben und gleichzeitig in einer skandinavischen Währung positioniert sein möchten, könnte der DNB SICAV High Yield interessant sein. „Eine geringe Duration sowie eine Anlage in Norwegischen Kronen ist für viele Investoren in der aktuellen Situation attraktiv“, führt Hagen-Holger Apel weiter aus. Die Unsicherheit in der Eurozone lasse ein Investment in den skandinavischen Volkswirtschaften wieder attraktiv erscheinen. (DNB Asset Management S.A.)


USA, Europa, Asien – Wie reagieren die globalen Aktien-Märkte auf Trump?

Eine umfassende Einschätzung des gesamten Schroders Aktien-Teams.

Matt Ward, Fondsmanager US Equities

Die Präsidentschaft Trumps hat unserer Meinung nach zwei weitreichende Konsequenzen:

  1. Steigende Staatsausgaben, die Republikaner wie auch Demokraten unterstützen
  2. Unsicherheit angesichts unklarer Vorstellungen zur Handelspolitik

 

Wir gehen davon aus, dass die von Trump angekündigte Politik der Steuererleichterungen sowie Infrastruktur und Verteidigungsausgaben das BIP um bis zu 75 Basispunkte erhöhen könnte. Für Trump dürfte es relativ leicht sein, Änderungen der Steuergesetzgebung durchzusetzen, da der Kongress in der Hand der Republikaner ist. Doch ist auch zu bedenken, dass er für jedes größere Gesetzesvorhaben die Unterstützung sämtlicher Republikaner im Senat benötigen würde. Und eben jener Kongress hat sich in der Vergangenheit immer wieder gegen die Defizitfinanzierung ausgesprochen. Zudem ist es generell problematisch, von Wahlversprechen auf die tatsächliche Politik zu schließen.

 

Hinsichtlich des internationalen Handels spüren wir eine beträchtliche Unsicherheit, da Trump hier auch ohne Zustimmung des Kongresses unilateral agieren kann. Das reicht bis hin zum Rückzug aus bestimmten Handelsabkommen wie dem Nordatlantischen Freihandelsabkommen (NAFTA) oder taktischen Manövern wie den angekündigten Strafzöllen gegen China.

 

Was einzelne Branchen betrifft, haben die Medien zwei Gesichtspunkte angesprochen, die sich in den

Marktreaktionen bislang kaum widerspiegeln. Zum einen sind da die Vorteile, die sich durch steigende

Staatsausgaben für Industrie und Rüstungskonzerne ergeben. Und zum anderen die negativen Folgen für Gesundheitsdienstleister, Krankenhäuser und Medizingerätehersteller, die durch die Rücknahme der Gesundheitsreform Obamas entstehen würden. Zudem zeichnet sich eine Lockerung der Arzneimittelpreisbindung an, von der vor allem Pharma- und Biotech-Unternehmen profitieren würden.

 

Ein Mangel an Sicherheit ist für die Märkte immer negativ. Wachstum und Politik werden aber letztendlich über die weitere Marktentwicklung bestimmen. Doch das wird erst geschehen, wenn Trump seine Vorhaben konkretisiert hat und die wichtigsten Ämter unter seinen Gefolgsleuten aufgeteilt sind. Frühestens wird dies am 20. Jänner geschehen.

 

Weiterhin schätzen wir, dass das amerikanische Bruttoinlandsprodukt 2017 gegenüber dem Ausgangswert um zwei Prozent wachsen wird (zzgl. etwaiger von Trump zu setzender Anreize). Hauptursache hierfür wird der Konsum sein, der zwei Drittel der US-Wirtschaft ausmacht.

 

Für eine günstige Konsumentwicklung sprechen das kontinuierliche Arbeitsplatzwachstum, die jüngste

Entwicklung des Lohnniveaus, die guten Unternehmensbilanzen sowie die gestiegenen Immobilienpreise. Zwar lenken die Unsicherheiten hinsichtlich der Besetzung der Kabinettsposten und die Möglichkeit eines Rückgangs im internationalen Handel vom aktuellen Wachstumskurs ab; weitere fiskalpolitische Anreize könnten sich hier aber noch als günstig erweisen.

 

Wichtig ist, dass viele von Trumps finanzpolitischen Initiativen und unternehmensfreundlichen Gesetzesvorhaben das Wachstum der amerikanischen Wirtschaft fördern könnten, andererseits aber eine steigende Inflation, Zinsen und der starke Dollar entgegenwirkende Faktoren sind, die wir weiter beobachten müssen. Bereits jetzt wirkt sich die Inflation auf die Vollbeschäftigung aus. Wir gehen aber davon aus, dass die US-Notenbank (Fed) im aktuell moderaten Wachstumsumfeld darauf reagieren wird. Aktuell beträgt die Wahrscheinlichkeit eines Fed-Richtungswechsels im Dezember bis zu 80 Prozent.

 

Alex Tedder, Head and CIO Global and US Equities

Die Rücknahme der Politik Obamas wird sich voraussichtlich auf die Bereiche Gesundheit und Energie beschränken, die angesichts eines möglichen Wahlsiegs Clintons bereits in Bedrängnis geraten waren. Die Reform des Gesundheitssystems wird die Abschaffung von Obamacare und die Rückkehr zu marktbestimmten Preisen für Arzneimittel und Gesundheitsleistungen beinhalten. In der Energiepolitik wird der Klimawandel kein bestimmendes Thema mehr sein. Vielmehr scheint sich eine Konzentration auf die Energiesicherheit im Inland abzuzeichnen. Dadurch entstehen in den USA im Zuge von Gesetzesänderungen auch neue Investitions-Möglichkeiten.

 

Die gewachsenen Gesamtrisiken werden allerdings zu höheren Risikoprämien in allen Märkten und Sektoren führen, was Druck auf die Bewertung des Kapitalmarkts ausübt. Dies dürfte das vorherrschende Thema bleiben, bis sich Anzeichen eines Aufschwungs zeigen.

 

Der Wahl-Sieg Trumps ist also unerwartet, führt aber zu keinen signifikanten Veränderungen in unseren globalen Aktienportfolios. Diese haben wir bewusst breit auf unterschiedlichste Branchen und Regionen gestreut. Ihr Schwerpunkt liegt auf bekannten Namen mit attraktiven und robusten Fundamentaldaten. Der Sieg Trumps wird je nach Ausgabepreis und Währungsentwicklung angesichts dieser Erwartungen dennoch aktienspezifische Möglichkeiten eröffnen.

 

Rory Bateman, Head of UK and European Equities

Der zunächst rasante Abverkauf europäischer Aktien kehrte sich heute früh schnell ins Gegenteil um, als Investoren die Folgen des Trump-Siegs neu bewerteten. Die Risikoprämie von US-Aktien dürfte sich angesichts der politischen Unsicherheit erhöhen. Das wird jedoch in gewissem Maße durch den klaren Wahlsieg der Republikaner und die allgemeine Erleichterung über das Ende des Wahlkampfs ausgeglichen. Europäische Aktien werden unter der Stimmung leiden – unseren Erwartungen nach jedoch nur sehr gering. Das liegt vor allem an den attraktiven Bewertungen und dem Erholungspotenzial europäischer Unternehmen.

 

Unweigerlich werden einige europäische Unternehmen schwerer getroffen werden; doch da unklar ist, welche politischen Vorhaben Trump umsetzen will, ist es bisher schwierig Schlüsse zu ziehen. Generell bedeutet ein zunehmender Protektionismus der USA getreu dem Motto „Make America great again“, dass internationale Konzerne mit Niederlassung in den USA tendenziell eher profitieren, während Firmen, die in die USA exportieren, mit wachsenden Handelshemmnissen rechnen müssen.

 

Was einzelne Branchen angeht, schwächelt nun die Pharma-Industrie, da der eigentlich erwartete Wahlsieg Clintons wohl Preiskontrollen bei Arzneimitteln bedeutet hätte. Die jüngste Schwäche dürfte sich insbesondere angesichts des republikanischen „Neuanfangs“ noch umkehren. Allerdings ist zu betonen, dass Trumps Aussagen zur Gesundheitspolitik äußerst dünn gesät waren. Die wichtigste Priorität der Republikaner und Trumps wird die Rücknahme von Obamacare sein, was vor allem schlecht für amerikanische Krankenhäuser und andere Dienstleister ist, sich aber für europäische Unternehmen kaum bewerten lässt.

 

Eine von Infrastrukturausgaben getragene fiskalische Expansion ist ein Schlüsselthema Trumps. Daher sind in den USA tätige Bau- und Konzessionsunternehmen gut positioniert. Doch auch hier bieten sich aus europäischer Sicht nur minimale Möglichkeiten.

 

Wir erwarten, dass die Zinsen aufgrund von fiskalischen Anreizen und Steuererleichterungen auf kurze Sicht steigen werden. Eine kurzfristige Stärkung des Dollars ist wahrscheinlich, was eine gute Nachricht für Banken und viele amerikanische Finanzfirmen ist, darunter die Lebensversicherer. Kehrseite der Medaille ist, dass die Angst vor Defizit und Inflation die Stärke des Dollars auf lange Sicht untergraben könnte.

 

Unzweifelhaft haben wir es mit einem besonderen Moment in der amerikanischen Geschichte zu tun, und dieses Wahlergebnis ist von den meisten Marktteilnehmern nicht erwartet worden. Es ist aber unwahrscheinlich, dass die Folgen für die Aktienmärkte wirklich so dramatisch ausfallen werden, vor allem in Europa.

 

Dass Trumps persönlicher Hintergrund und seine bisher getätigten politischen Ankündigungen den

Aktienmärkten schaden würden, ist bislang nicht zu erkennen. Natürlich werden wir nach Chancen Ausschau halten, sollte es zu größeren Kursschwankungen kommen. Doch die Angst vor einer deutlichen Kurskorrektur ist unserer Meinung nach zum jetzigen Zeitpunkt übertrieben.

 

Tom Wilson, Head of Emerging Market Equities

Die Folgen des Wahlergebnisses in den USA sind unklar. Im Wahlkampf ging es kaum um konkrete politische Vorhaben, weshalb es natürlich entscheidend darauf ankommt, inwieweit welche Aussagen und Versprechen tatsächlich umgesetzt werden. Bis in dieser Sache Klarheit herrscht, dürfte die Unsicherheit der Investoren zu einer beträchtlichen Marktvolatilität führen.

 

Trumps protektionistische Haltung kann sich beispielsweise negativ auf den Welthandel und damit auch die Schwellenmärkte auswirken. Die Art ihrer Umsetzung und mögliche Reaktionen anderer Staaten können jedoch zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen führen. Aus Sicht der Märkte können negative Auswirkungen durch eine angemessene politische Reaktion aufgewogen werden, sei es aufseiten der USA oder in anderen Ländern. Kurz gesagt: Es ist zu früh, um Vorhersagen zu treffen, wie sich die Dinge entwickeln. Deshalb besteht unserer Auffassung nach kein Anlass für einen grundlegenden Kurswechsel.

 

Die Positionierung unseres Portfolios bleibt von globalen Marktereignissen weitestgehend unberührt. Auch die künftige Dollar-Entwicklung und die Politik der US-Notenbank werden nicht überproportional stark abgebildet.

 

Dementsprechend erwarten wir keine signifikanten Folgen für die relative Entwicklung unseres Portfolios. Als langfristig denkende Fundamentalinvestoren verfolgen wir keinen Trading-Ansatz und haben nicht auf den einen oder anderen Wahlausgang spekuliert. Wir behalten die Ereignisse genau im Blick und versuchen im Laufe der weiteren Entwicklung der amerikanischen Politik von jeder Überreaktion eines Marktes, einer Währung oder einer Aktie zu profitieren.

 

Aktien-Team Asien (ex Japan)

Für uns als Investoren mit Schwerpunkt auf Fundamentalwerten und Bottom-up-Titelauswahl wirkt sich dieses Wahlergebnis nicht unmittelbar auf unsere Strategie oder unsere Erwartungen aus. Unbegründete Schwächen auf der Ebene einzelner Aktien können wir jedoch selektiv nutzen, um bekannte Namen hinzuzuholen, sofern wir langfristig von den jeweiligen Unternehmen und ihren Fundamentaldaten überzeugt sind.

 

Wir beobachten die weitere Entwicklung nach den Wahlen und deren mögliche Folgen für asiatische

Unternehmen und Exporteure. Das gilt etwa in bestimmten Branchen wie der Pharmaindustrie, wo die

Arzneimittelbepreisung durch strengere Regulierungen unter Druck geraten kann, oder bei IT-Dienstleistern, die die Änderung der Einwanderungspolitik spüren könnten. Wir konzentrieren uns weiterhin auf Unternehmen, die sich von der Masse absetzen und von strukturierteren Faktoren wie der demographischen Entwicklung, Innovation und Modernisierung profitieren. (11.11.2016)


Wachstumsaussichten haben sich verbessert

Stabilere Rohstoffpreise machen Hoffnung auf ein stärkeres globales Wirtschaftswachstum und lassen Deflationssorgen sinken. Risiko-Assets bleiben attraktiv.

Der Aktienaufschwung der vergangenen Monate beruht fast ausschließlich auf zusätzlichen monetären Impulsen der Notenbanken. Von der Gewinnseite der Unternehmen kam anhaltender Gegenwind. Nicht nur in Europa, auch in den USA gingen die Gewinnschätzungen für 2016 stetig zurück. In den USA droht das sechste Quartal in Folge mit rückläufigen Gewinnen. In Europa liegen die Gewinnschätzungen für 2016 jetzt sogar niedriger als 2014. Gibt es Hoffnung auf Besserung?

China zeigt sich wirtschaftlich robust
In der Tat stehen die Chancen zumindest auf eine wieder etwas positivere Konjunkturentwicklung nicht schlecht. Verantwortlich dafür ist insbesondere die Stabilisierung der Rohstoffpreise. Rückläufige Energie- und Metallpreise haben zum Jahreswechsel 2015/16 Länder wie Brasilien und Russland in eine schwere Rezession gedrückt. Mittlerweile hat sich die Angebots-Nachfrage-Situation bei vielen Rohstoffen verbessert. Unternehmen haben ihre Investitionsbudgets drastisch gekürzt und das Angebot gesenkt.

Zudem zeigt sich der wichtigste Nachfrager China wirtschaftlich robuster. Dank umfangreicher fiskalpolitischer Maßnahmen wurde nicht nur das Wachstum über 6,5 Prozent gehalten, sondern im September auch die Stimmung in der Industrie endlich wieder über die kritische 50er-Marke gehoben. Selbst auf dem Rohölmarkt, der mit dem Iran einen großen Neuankömmling zu verkraften hatte, haben sich die Preise deutlich erholt. Auch wenn sich der jüngste OPEC-Beschluss einer Förderkürzung noch bewähren muss, ist eine Rückkehr zur Ausverkaufsstimmung wie zu Anfang des Jahres wenig wahrscheinlich.

Die Erholung an den Rohstoffmärkten hat gleich zwei wichtige Folgen. Zum einen finden Länder wie Brasilien und Russland den Weg aus ihrer Rezession: 2017 dürften beide Volkswirtschaften wieder wachsen. Zum anderen sinken weltweit die Deflationsängste. Zusammen mit der äußerst aggressiven Geldpolitik könnte dies Unternehmen vermehrt dazu bewegen, ihre verhaltene Investitionstätigkeit zu beschleunigen.

Immerhin haben sich in den USA die Stimmungsindikatoren im September sowohl in der Industrie als auch im Dienstleistungssektor deutlich erholt. Auch in der Eurozone und selbst in Großbritannien überraschten die meisten Einkaufsmanagerumfragen weiter positiv. Bleiben größere externe Schocks aus, dürfte die Weltwirtschaft daher vor einer besseren Wachstumsphase als im bisherigen Jahresverlauf stehen.

Europäische Aktien übergewichten
Für allzu große Euphorie ist allerdings kein Anlass. Hohe Verschuldung, schwache Demographie und zu niedrige Produktivitätsgewinne halten das globale Wachstumspotenzial nachhaltig niedriger als in der Zeit vor der Finanzkrise. Der Ausstieg aus der extrem expansiven Geldpolitik kann daher allenfalls graduell erfolgen. Niedrige Zinsen auch am langen Ende sind unverzichtbar, um den Schuldenberg überhaupt refinanzieren zu können. Vor diesem Hintergrund bleiben wir generell positiv für risikotragende Assets eingestellt. Die hohen Risikoprämien zeigen, dass insbesondere Aktien ihr Potenzial noch nicht ausgeschöpft haben. Trotz der Wahlrisiken in den USA halten wir daher vor allem in Europa eine übergewichtete Position in Aktien für gerechtfertigt.

Quelle: HSBC


Geld- oder Fiskalpolitik: Was hilft der Wirtschaft wirklich?

Auf diese Frage geht Christian Nemeth von der Zürcher Kantonalbank im aktuellen Marktausblick der Privatbank ein.

Auch in den letzten Wochen konnten die globalen Aktienmärkte noch ein­mal zulegen, wobei die konjunkturelle Lage in nächster Zeit vor allem US-Ak­tien und Schwellenländer-Titeln zu Gute kommen sollte. Dennoch wird es auch 2017 kräftige Impulse brauchen, um die Konjunktur anzukurbeln. Dabei stellt sich die Frage, ob nun die Fiskalpolitik in die Bresche springen muss, weil die Geldpolitik an ihre Grenzen stößt, oder ob diese doch noch Instrumente in der Hand hat, um die Wirtschaft in Gang zu bringen.

Die globalen Aktienmärkte konnten zuletzt nochmals leicht zulegen. Vor allem Schwellenländer- und britische Aktien entwickelten sich überdurchschnittlich positiv. Die Renditen der als sicher geltenden Staatsanleihen stiegen im vergangenen Monat überwiegend leicht an, befinden sich jedoch nach wie vor auf niedrigem Niveau. „An den Devisenmärkten hat das Brexit-Votum zunächst für einen Anstieg der Volatilität gesorgt, in den letzten Wochen ist allerdings wieder Ruhe eingekehrt und die Volatilität ging trotz der terroristischen Anschläge in Europa im Juli und des Putschversuchs in der Türkei zurück“, erläutert Christian Nemeth, Chief Invest­ment Officer und Mitglied des Vorstands der Zürcher Kantonalbank Österreich AG.

Der Wirtschaft neuen Schwung verleihen – aber wie?
Obwohl die Zentralbanken seit Jahren versuchen, mit expansiver Geldpolitik die Kon­junktur anzukurbeln, wird das Wachstum der Weltwirtschaft in diesem Jahr unter­durchschnittlich ausfallen. Und auch für das kommende Jahr ist kein signifikanter Wachstumsschub in Sicht. „Daher werden jene Stimmen lauter, die betonen, dass die Geldpolitik an ihre Grenzen stößt und fordern, dass der konjunkturelle Aufschwung über Maßnahmen der Fiskalpolitik gesteuert werden müsste“, erklärt Nemeth.

Dem Ziel, höheres Wachstum zu schaffen, sei selbst eine größer werdende Staatsver­schuldung unterzuordnen, so die Argumentation. Andere Experten meinen hingegen, dass die Geldpolitik durchaus noch das eine oder andere Ass im Ärmel habe. Erwähnt wurde zuletzt beispielsweise die Idee des sogenannten Helikoptergeldes, also die massive Ausweitung der Geldmengen durch die Notenbanken, die das Geld direkt zu Staaten oder Bürgern transferieren. Die Geldschwemme soll den Konsum in Gang bringen und dadurch die Wirtschaft ankurbeln. „Wir rechnen in nächster Zukunft jedoch nicht mit der Einführung von Helikoptergeld im engeren Sinn, da die damit einhergehenden Risiken kaum abschätzbar sind“, so Nemeth.

USA: Die Fed möchte vom Krisenszenario zur Normalität
Die US-Konsumkonjunktur erweist sich weiterhin als globaler Lichtblick. Einerseits konnten auf dem Arbeitsmarkt wieder Stellenzuwächse verzeichnet werden, anderer­seits stiegen auch die Einkommen und der Wert der Immobilien von Privathaushalten. Die robuste Konsumkonjunktur ist für die weitere Geldpolitik der US-Notenbank Fed wesentlich. Rhetorisch versucht sie den Markt auf den nächsten Zinsschritt vorzuberei­ten, sie ist aber von den konjunkturellen Rahmenbedingungen abhängig. „Die Fed ist weiterhin bemüht, ihrem Ziel einer Normalisierung des Leitzinssatzes näher zu kom­men. Vor der Dezembersitzung rechnen wir aber nicht mit dem nächsten Zinsschritt“, bringt Nemeth den aktuellen Stand der Dinge in den USA auf den Punkt.

Europa: Deutschland überrascht positiv, Italien und UK als Sorgenkinder
In der Eurozone endete das zweite Quartal mit einem BIP-Wachstum von 0,3 Prozent. Vor allem Spanien, die Niederlande und Deutschland zeichneten für das gute Resultat verantwortlich. „Die deutsche Wirtschaft hat zwar etwas an Fahrt verloren, mit einem BIP-Zuwachs von 0,4 Prozent gegenüber dem ersten Quartal wurden die Erwartungen aber klar übertroffen“, informiert der Asset Management-Experte. Sorgen bereitet der Eurozone derzeit Italien. Das Wachstum im zweiten Quartal stagnierte, unter allen Euromitgliedern weist Italien die schwächsten realwirtschaftlichen Aktivitätsindikatoren auf. Darüber hinaus kämpft das italienische Bankensystem weiterhin mit faulen

Krediten in der Höhe von 360 Milliarden Euro. „Wir rechnen damit, dass die italieni­schen Banken weniger Kredite vergeben werden und daher die Investitionen sowie der Privatkonsum darunter leiden“, so Nemeth. Das zweite Sorgenkind in Europa heißt UK. Dass Großbritannien nach dem Brexit-Entscheid auf eine technische Rezession zusteu­ert, ist zwar nichts Neues, die Frage ist jedoch, ob sich der Abschwung zu einer tiefe­ren Rezession auswächst. Das dürfte wesentlich von den britischen Konsumenten abhängen. Vor allem im Bauwesen ging die Investitionstätigkeit bereits zurück. Die Bank of England wird weiterhin mit geldpolitischen Maßnahmen reagieren und versuchen, die Folgen des Brexit-Schocks abzumildern. Im Raum steht etwa die Senkung des Zinssatzes bis Jahresende auf knapp über 0 Prozent. „Anders als die Mehrheit der Marktteilnehmer geht die Zürcher Kantonalbank Österreich AG davon aus, dass es zu diesem Szenario kommen wird“, erklärt Nemeth. Ein Blick auf die internationalen Märkte zeigt, dass sich die Stabilisierung in den Schwellenländern fortsetzt und sich die Kapitalabflüsse in China beruhigen.

Rahmenbedingungen sprechen weiterhin für Aktien
Das, wenn auch mäßige, weiterhin globale Wachstum, die lediglich geringfügige Wachstumsbeeinträchtigung durch das Brexit-Votum außerhalb Großbritanniens und anhaltend großzügige monetärere Stimuli sorgen für ein Anlageumfeld, von dem vor allem Aktien profitieren sollten. „Die konjunkturelle Lage sollte insbesondere US-Aktien zu Gute kommen und so lange die Fed mit dem nächsten Zinsschritt noch zuwartet, sollte das Umfeld auch den Emerging Markets helfen“, analysiert Nemeth. Bei den Anleihen sorgen zwar die Kaufprogramme sämtlicher Notenbanken für Unterstüt­zung, das Renditenniveau bei als sicher geltenden Staatsanleihen ist aber immer noch bescheiden. (08.09.2016)


Warum der Brexit nicht erneut eine Krise wie 2008 entfachen wird

Kames Capital aus London geht davon aus, dass die Auswirkungen nur moderat ausfallen.

Der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union ist keine Krise, die mit der Kreditklemme von 2008 vergleichbar wäre und dürfte sich nur „moderat” auf die Wachstumserwartungen in Europa auswirken, meint Douglas Scott, Global Equity Income Co-Manager bei Kames Capital.

Nach Ansicht von Douglas Scott hat der Brexit die Volatilität an den britischen Aktienmärkten zwar kräftig geschürt, aber die gute Verfassung der britischen Wirtschaft und die Wahrscheinlichkeit weiterer Stimulierungsmaßnahmen der Bank von England dürften verhindern, dass es erneut zu einer solchen Abkühlung kommt wie damals durch die Kreditkrise.

„Das Austrittsvotum der Briten und das anschließende politische Vakuum haben für große Unsicherheit und Volatilität am britischen Markt gesorgt. Infolge der durch den Brexit ausgelösten Unsicherheit wird sich die britische Wirtschaft aus gesamtwirtschaftlicher Sicht in den nächsten Quartalen voraussichtlich abkühlen“, so Scott.

„Angesichts der erwarteten proaktiven Stimulierungsmaßnahmen der Regierung und der Bank von England und der soliden Bilanzen im Unternehmenssektor halten wir den Vergleich zwischen dieser Abkühlung und der Krise von 2008/09 aber für unbegründet,“ meint Scott.

Die Sorgen über den Zustand der britischen Wirtschaft nach dem Brexit nehmen zu. Jüngste Zahlen belegen einen drastischen Einbruch der Wirtschaftstätigkeit. Kürzlich fiel der Einkaufsmanagerindex für den britischen Dienstleistungssektor, ein Haupttreiber der Wirtschaft, von 52,3 im Juni auf 47,4 im Juli. Sobald dieser Wert unter 50 Zähler fällt, ist eine Rezession wahrscheinlich.[1]

Ungeachtet der düsteren Schlagzeilen rechnet Scott nicht damit, dass Großbritannien oder Europa infolge des Brexits einen kräftigen Abschwung erleben werden.

„Abgesehen von einem mäßigen Rückgang der Wachstumserwartungen für Europa erwarten wir keine wesentlichen Auswirkungen auf die Weltwirtschaft”, so der Manager.

„Gleichwohl dürften die Währungshüter an ihrer vorsichtigen Politik festhalten. Das stützt unsere zentrale These eines Klimas anhaltend geringen Wachstums, in dem die Zinsen und Anleiherenditen längerfristig niedrig bleiben dürften”, erläutert Scott.

Im aktuellen Umfeld werden Unternehmen im Fokus der Anlagestrategie des Fonds stehen, die positive Überraschungen an der Dividendenfront liefern können oder in der Lage sind, unabhängig von der konjunkturellen Entwicklung zu wachsen.

„Die wahllose Neubewertung von Unternehmen mit Auslandsgeschäft und der damit einhergehende Ausverkauf bei auf den Binnenmarkt fokussierten britischen Unternehmen und Finanzwerten dürften eine Reihe interessanter Anomalien und Chancen zutage fördern, um langfristige Positionen aufzubauen”, so die Einschätzung des Managers. (10.08.2016)


Britische Wirtschaft: 50/50-Chance für Rezession

Experten prognostizieren “gravierenden wirtschaftlichen Abschwung”

Für Großbritannien besteht eine 50-prozentige Chance, dass es innerhalb der kommenden 18 Monate nach dem Brexit-Votum in eine Rezession schlittert. Zu diesem ernüchternden Ergebnis kommt ein aktueller Bericht des National Insitute of Economic and Social Research (NIESR) http://niesr.ac.uk in London, der für einiges Aufsehen sorgt. Das unabhängige Forschungsinstitut prognostiziert der britischen Wirtschaft darin nicht unbedingt eine rosige Zukunft und stellt klar, dass vor allem in diesem und im nächsten Jahr mit einem "gravierenden wirtschaftlichen Abschwung" zu rechnen sein wird. Auch die Inflation soll noch 2016 auf drei Prozent ansteigen.

Kurzfristige Auswirkungen“
„Wir sehen hier die kurzfristigen ökonomischen Auswirkungen der Entscheidung, die Europäische Union zu verlassen“, zitiert „BBC News“ Simon Kirby, Head of Macroeconomic Modelling and Forecasting am NIESR. Den Berechnungen des Instituts zufolge habe der Ausgang des Referendums zu einer finanziellen und politischen Unsicherheit geführt, die sich direkt negativ auf die Ausgaben und Investitionen sowohl von Unternehmen als auch von privaten Haushalten auswirken würden. „Wir erwarten deshalb einen deutlichen wirtschaftlichen Abschwung in der zweiten Jahreshälfte und im gesamten Jahr 2017“, so Kirby.

„Die Chancen, dass wir innerhalb der kommenden 18 Monate in eine Rezession schlittern, liegen bei 50 zu 50. Außerdem sehen wir in nächster Zeit ein erhöhtes Risiko für eine weitere Verschlechterung der Lage“, ergänzt der Experte. Der Anstieg der Inflationsrate auf drei Prozent sei hauptsächlich dem kürzlichen Einbruch des Pfunds zu verdanken. Davon solle sich die Bank of England aber nicht abschrecken lassen. „Man sollte die temporär angekurbelte Inflation im Moment nicht überbewerten und die die Geld- und Währungspolitik in den kommenden Monaten eher lockern“, meint Kirby.

Ängste bei Kleinen und Mittelständigen
Beinahe zur gleichen Zeit wie das NIESR, hat auch CBI Business Lobby http://news.cbi.org.uk, die einflussreichste Unternehmens-Lobby in Großbritannien, einen Bericht veröffentlicht, der feststellt, dass auch die kleineren und mittelständischen Betriebe im Land nach dem Brexit zunehmend um ihre wirtschaftliche Existenz fürchten. Sie gehen davon aus, dass in den nächsten drei Monaten vor allem ein spürbarer Rückgang bei der Auftragslage zu verzeichnen sein wird. „Der wirtschaftliche Optimismus fällt zurzeit mit der größten Rate seit Januar 2009, als die britische Wirtschaft in eine Rezession rutschte“, heißt es in dem Papier. (03.08.2016)


„Brexit“ als Chance für EU

Allianz-Chefvolkswirt Heise: „Brexit“ kann auch als Weckruf und Chance für die EU begriffen werden.

  • Europa: Leichter Konjunkturdämpfer, 2017 aber besser als 2016
  • Österreich: Wachstumseinbußen von 0,2 Prozentpunkten
  • Ausblick: Begeisterung für „Projekt“ Europa notwendig

Während viele Experten rund drei Wochen nach dem EU-Referendum und ersten Schockreaktionen ein düsteres Bild über mögliche Folgewirkungen zeichnen, kann der „Brexit“ auch als Weckruf und Chance für die EU begriffen werden. „Der EU-Austritt der Briten ist eine große Herausforderung für Großbritannien und die gesamte EU, mit erheblichen wirtschaftlichen Risiken. Langfristig kann der ‚Brexit‘ aber dazu beitragen, dass die EU wieder enger aneinanderrückt“, erklärte Prof. Dr. Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz SE, am Dienstag bei einem Pressegespräch in Wien. Abgesehen von den direkten Auswirkungen des ‚Brexit‘-Votums auf Großbritannien, gebe es in der EU keinen Anlass für übertriebene Konjunkturskepsis. Um allerdings künftige Herausforderungen zu meistern, müsse die Europäische Union vor allem flexibler und widerstandsfähiger werden. Heise: „Die EU braucht eine neue Erfolgsgeschichte. Sie sollte sich darauf konzentrieren, die Bürger wieder für das ‚Projekt‘ Europa zu begeistern.“

„Brexit“-Votum wirft vorübergehenden Schatten auf Großbritanniens Wirtschaft

Im Hinblick auf den Zeitplan und die Konditionen des EU-Austritts Großbritanniens geht Heise von konstruktiven und pragmatischen Verhandlungen aus. Im Ergebnis werde Großbritannien weiterhin – allerdings beschränkten – Zugang zum Europäischen Binnenmarkt haben. „Das Austrittsvotum wird das jährliche BIP-Wachstum Großbritanniens in den nächsten Jahren um ein bis zwei Prozentpunkte senken“, prognostiziert Heise. Grund dafür seien die weiterhin bestehende Unsicherheit durch das Votum, das belastete Konsumklima und die beeinträchtigte Attraktivität Großbritanniens für Investitionen aus dem In- und Ausland. Die Wachstumsprognosen wurden halbiert: von 1,9 Prozent auf 1,0 Prozent im Jahr 2016 und von 2,1 Prozent auf 1,0 Prozent im Jahr 2017. „Eine Rezession kann nicht ausgeschlossen werden. Langfristig wird sich das Wirtschaftswachstum aber wieder erholen. Denn weder die EU noch Großbritannien haben ein Interesse daran, Handelsbeziehungen unnötig zu belasten“, so der Allianz Experte.

Konjunkturausblick in Europa: leichter Dämpfer, aber positive Signale

Nach der Prognose der Allianz ist im Euroraum zunächst mit einer spürbaren Eintrübung der wirtschaftlichen Erwartungen zu rechnen. Eine Belastung werde der Export nach Großbritannien sein, der durch die zu erwartende Schwäche der britischen Wirtschaft sowie die Aufwertung des Euro gegenüber dem Pfund leiden wird. „Für das dritte und vierte Quartal 2016 rechnen wir zwar mit einer Dämpfung des Wachstums im Euroraum. Im Verlauf des nächsten Jahres könnte es allerdings wieder zu einer leichten Konjunkturbeschleunigung kommen“, erklärte Heise. Konkret erwartet der Allianz Experte ein Wachstum in der Europäischen Union von 1,6 Prozent (statt 1,9 Prozent) im Jahr 2016 und 1,6 Prozent (statt 2,0 Prozent) im Jahr 2017. Ein ähnliches Bild zeichnet sich auch für die Eurozone ab, deren Wachstumsprognosen für 2016 von 1,7 Prozent auf 1,5 Prozent gesenkt werden. 2017 wird mit einem Wachstum von 1,6 Prozent gerechnet.

Österreich: Spürbare kurzfristige Eintrübung, leichte Erholung in Sicht

Mit spürbaren, wenn auch geringen Auswirkungen des „Brexit“-Votums werde auch Österreich konfrontiert sein. Die BIP-Prognose für Österreich wurde von 1,7 Prozent auf 1,5 Prozent gesenkt: „Der ‚Brexit‘ könnte Österreichs Wirtschaft heuer somit rund 0,2 Prozentpunkte an Wachstum kosten“, prognostizierte Heise. Gründe dafür seien die wirtschaftliche Unsicherheit, die die Investitionsneigung dämpft, und geringere Exporte nach Großbritannien, das als achtwichtigster Handelspartner für die Alpenrepublik gilt. Durch den EU-Austritt der Briten müsse Österreich außerdem mittelfristig mit einem höheren EU-Mitgliedsbeitrag rechnen: „Mit dem Ausscheiden Großbritanniens aus der EU geht ein wesentlicher Beitragszahler verloren. Auf Österreich wird ein zusätzlicher jährlicher Mitgliedsbeitrag in dreistelliger Millionenhöhe zukommen“, so Heise. Für die kommenden Jahre sei aber Erholung in Sicht – Österreich liege hier im EU-Trend.

Finanzmärkte: Ende der EZB-Nullzinspolitik frühestens 2018

Neben wirtschaftlichen Auswirkungen auf Großbritannien beziehungsweise ganz Europa hat das „Brexit“-Votum auch für Unruhe an den Finanzmärkten gesorgt: „Bis die Austrittsverhandlungen auf einem stabilen Weg sind, werden die Märkte weiterhin von hoher Volatilität geprägt sein“, so Heise. Langfristige Folgen an den Währungsmärkten werden sich aber in Grenzen halten: Während das britische Pfund vorerst auf dem niedrigen Niveau bleiben dürfte, erwartet Heise keine nachhaltige Abwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar. Einem zu starken US-Dollar dürfte die Fed durch die weiter in die Zukunft verschobenen Zinserhöhungen entgegenwirken. Die Europäische Zentralbank könnte aufgrund des Drucks durch den Ausgang des EU-Referendums der Briten ihre expansive Geldpolitik weiter lockern beziehungsweise das Quantitative Easing ausweiten oder verlängern. „Solange es aber nicht zu gravierenden Finanzmarktturbulenzen kommt, wird die EZB eine ruhige Hand bewahren“, so Heise. Von der Nullzinspolitik werde man frühestens 2018 abgehen. Bevor die Zinsen wieder angehoben werden, werde die EZB das  Anleihekaufprogramm auslaufen lassen.

Chance für EU auf mehr Flexibilität

In seinem langfristigen Ausblick für Europa zeigt sich Heise eher optimistisch. Mehrere Jahrzehnte an wirtschaftlicher Integration und politischer Zusammenarbeit hätten zu einer tiefgreifenden Verzahnung der EU-Volkswirtschaften geführt. Es gebe zwar einige Mitgliedstaaten, die zu einer gewissen „Europa-Müdigkeit“ neigten und in denen ein mögliches Referendum nicht ausgeschlossen werden könne, doch die gemeinsamen Errungenschaften würden nicht so einfach aufgegeben werden. Da die EU in manchen Bereichen allerdings von ihrer traditionellen Vision einer stärker zusammenwachsenden Union entfernt sei, sieht Heise das „Brexit“-Votum als Chance, die EU flexibler und widerstandsfähiger zu machen.„Dieses Europa der verschiedenen Ebenen und Geschwindigkeiten wird die Komplexität erhöhen. Es gibt der EU aber auch die Möglichkeit, ihre Akzeptanz und die Begeisterung für das Projekt ‚Europa‘ zu steigern“, so Heise abschließend.  (19.07.2016)


Briten treten aus der EU aus - was nun?

Für den EU-Austritt eines Landes gibt es kein erprobtes Verfahren. Daher ist ungewiss, was als Nächstes geschieht. Folgendes erscheint jedoch plausibel.

  • Artikel 50 der EU-Verfassung, der den Austritt eines Landes aus der EU regelt, wird wirksam.
  • Damit wird ein zweijähriges Verfahren angestoßen, das die Bedingungen für den Austritt Großbritanniens aus der EU festlegt und unter anderem den Rahmen für den künftigen Zutritt zum EU-Binnenmarkt definiert.

Folgen für die britische Wirtschaft
Wir gehen wie die Bank of England davon aus, dass das Brexit-Votum das Wirtschaftswachstum Großbritanniens vermutlich aus folgenden Gründen kurzzeitig belasten wird:

  • Verstärkte Unsicherheiten und nachlassendes Vertrauen dämpfen den privaten Konsum und die Anlageinvestitionen.
  • Steigende Risikoprämien an den britischen Anleihemärkten und möglicherweise höhere Kreditaufnahmekosten.
  • Vermehrte Unsicherheiten, Risikoscheu und möglicherweise höhere Finanzierungskosten im britischen Finanzsektor.
  • Ein schwächeres Pfund dürfte den Export stützen. Zugleich könnte die Bank of England die Zinsen senken und dadurch die negativen Folgen insgesamt etwas abfedern.

Folgen für den britischen Finanzmarkt - Kurzzeitig sollten Anleger mit Folgendem rechnen

  • Erschüttertem Anlegervertrauen und erhöhten Kursschwankungen am britischen Markt.
  • Weiterer Abschwächung des Pfund Sterling zusätzlich zu dem Wertverlust gegenüber dem Euro von bis dato 5%.
  • Abwärtsdruck auf britische Aktien, zumal auf Titel aus dem Finanzsektor und aus Branchen, die besonders stark auf EU-Migranten angewiesen sind (z.B. Bau, Gastronomie), sowie nachlassendem Druck auf britische Unternehmen, die einen Großteil ihres Gewinns in Fremdwährung erwirtschaften.
  • Eventuell moderatem Aufwärtsdruck auf Renditen britischer Staatsanleihen (Gilts) angesichts verstärkter Unsicherheiten, höherer Risikoprämien und der Aussicht auf einen Inflationsanstieg wegen des schwächeren Pfunds (anfänglich könnten die Renditen wegen der Flucht in sichere Häfen fallen).
  • Aufwärtsdruck auf Renditen britischer Unternehmensanleihen aufgrund der Unsicherheit und der kurzzeitig getrübten Aussichten - wie bei Aktien sind die Risiken für den Finanzsektor am größten.
  • Möglicherweise leichtem Rückgang der Immobilienpreise in Großbritannien angesichts des Vertrauensverlusts bei Käufern und eines möglichen Anstiegs der Arbeitslosigkeit.

Folgen für Europa
Moderate direkte Auswirkungen auf die Wirtschaft:

  • Europäische Unternehmen mit umfangreichen Aktivitäten und Vermögenswerten in Großbritannien werden ihre Investitionen möglicherweise drosseln, bis Klarheit über die künftigen Beziehungen zwischen Großbritannien und der EU herrscht.
  • Daneben kann die Ungewissheit auch den Handel der EU mit Großbritannien belasten.
  • Sollten die Auswirkungen für die Wirtschaft als erheblich eingestuft werden, dürfte die EZB ihre Anleihekäufe ausweiten, um so die Gefahr unerwartet negativer Folgen für die Wirtschaft zu verringern.

Mögliche Auswirkungen auf die europäischen Finanzmärkte:

  • Kurzfristig könnte der Druck auf Aktien zunehmen, vor allem auf solche von Unternehmen mit großen Einnahmen, Handelsbeziehungen und Anlagen in Großbritannien, vor allem wenn der Euro steigt.
  • An den Anleihemärkten könnten die Renditen der als sicher geltenden Anlagen sinken und die Renditen bzw. Spreads von Unternehmensanleihen steigen; wie bei Aktien wäre der Finanzsektor am stärksten betroffen.
  • Auf längere Sicht könnte das Brexit-Votum den Euroskeptikern Auftrieb geben und Bedenken über die EU im Allgemeinen schüren. Das würde den Druck gerade auf Vermögenswerte in den Peripherieländern erhöhen.

Paras Anand, Leiter des europäischen Aktienteams:
„Die Entscheidung der Wähler in Großbritannien, die EU zu verlassen, hat sowohl die Devisenmärkte als auch die Aktienmärkte überrascht. Das Ausmaß dieser Bewegungen muss man im Kontext einer starken Performance des Pfund Sterling und der UK-Märkte in den vergangenen Wochen betrachten. Dieses Ergebnis führt zu politischer Unsicherheit, die kurzfristig erhöhte Volatilität an den Märkten mit sich bringen dürfte. Anleger sollten jedoch wissen, dass sich solche Ereignisse in der Regel nur marginal auf die langfristigen Aussichten von Unternehmen auswirken. Die Folgen des Referendums auf die britische Binnenwirtschaft und Europa im Allgemeinen sind noch schwer abzuschätzen und werden wahrscheinlich erst im Laufe der Zeit offensichtlich. Sicherlich erhöht der Rückgang des Pfund Sterling die Wettbewerbsfähigkeit der Sektoren mit hohem Exportanteil und sollte langfristig den Appetit für Investitionen aus dem Ausland erhöhen. Wenn wir den Unternehmenssektor näher betrachten, stellen wir fest, dass Unternehmen über erhebliche Barreserven verfügen, sodass der Spielraum für die weitere Unternehmstätigkeit bestehen bleibt. Das sollte das Ausmaß der Kursrückgänge beschränken, die wir in den kommenden Wochen und Monaten sehen werden.

Wir handeln heute nicht anders als in der vergangenen Woche: Wir nutzen die Chance, die von diesen makroökonomischen Ereignissen ausgehen und konzentrieren uns auf Unternehmen, in die wir langfristig investieren möchten. Der paneuropäische Unternehmenssektor ist in der Tat sehr international aufgestellt - ganz im Gegensatz zum US-amerikanischen oder asiatischen Unternehmenssektor. Selbst in einem Szenario, in dem das Abstimmungsergebnis negativere Auswirkungen auf die Nachfrage in Großbritannien und stärkere Auswirkungen auf Europa halt als wir derzeit glauben, wird dies die Aussichten für europäische Unternehmen nicht so stark beeinflussen wie manche glauben.“

David Simner, Fondsmanager europäischer Rentenfonds
„Das Nein der Briten zu einer weiteren EU-Mitgliedschaft wird kurzzeitig für Turbulenzen sorgen, da die Märkte mit größerer Unsicherheit zurechtkommen müssen. In jedem Fall werden sich aus den erhöhten Marktschwankungen aber Anlagechancen über taktische Positionen bei Firmen ergeben, die über eine solide Kapitalausstattung und ein gutes Management verfügen und so die mit einem Brexit-Votum verbundenen Unsicherheiten gut überstehen können.“

Eugene Philalithis, Fondsmanager Fidelity Global Multi Asset Income Fund
„Die größten Auswirkungen des Brexit-Votums erwarten wir für britische Vermögenswerte. Pfund Sterling und britische Aktien werden unter Verkaufsdruck geraten. Bei britischen Staatsanleihen wird es vermutlich (zumindest anfänglich) zu einer Rally kommen, da Anleger Zuflucht in sicheren Häfen suchen werden. Global diversifizierte Portfolios, die in verschiedene Anlageklassen, Regionen und Branchen investieren, sollten gut aufgestellt sein, um von möglichen Marktschwankungen zu profitieren.“ (24.06.2016)

 


Stabiles und gemäßigtes Wachstum der Weltwirtschaft hält an

Nach der für das erste Quartal üblichen Wirtschafts-verlangsamung in den USA scheint sich die Konjunktur seit April wieder aufzuhellen.

Trotz zahlreicher politischer Krisen hält das stabile und gemäßigte Wachstum der Weltwirtschaft an. Nach der für das erste Quartal üblichen Wirtschaftsverlangsamung in den USA scheint sich die Konjunktur seit April wieder aufzuhellen, und auch in Europa bleibt das Wachstum stabil. Darauf verweisen Guy Wagner, Chefanlagestratege der Banque de Luxembourg und sein Team.

Ungeachtet zahlreicher politischer Krisen hält das stabile und gemäßigte Wachstum der Weltwirtschaft an. In China hat sich das Wirtschaftswachstum infolge der staatlichen Konjunkturmaßnahmen gefestigt. Und die Regierung Abe in Japan hat unlängst angekündigt, die geplante Mehrwertsteuererhöhung aufgrund der schwachen Wirtschaftstätigkeit von 2017 auf 2019 zu verschieben. „Nach der für das erste Quartal üblichen Wirtschaftsverlangsamung in den USA scheint sich die Konjunktur seit April wieder aufzuhellen, und auch in Europa bleibt das Wirtschaftswachstum trotz zahlreicher politischer Krisen stabil“, betont Guy Wagner, Chefanlagestratege der Banque de Luxembourg und Geschäftsführer der Kapitalanlagegesellschaft BLI - Banque de Luxembourg Investments. „Gleichzeitig setzt die Europäische Zentralbank das quantitative Lockerungsprogramm wie geplant um.“

Rentenmärkte in Europa trotz niedriger Renditen interessant, weil EZB Negativzinsen noch stärker senken könnte

An den Rentenmärkten Europas gaben die Langfristzinsen im Mai leicht nach. In Deutschland, Italien und Spanien sanken die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen. „In Europa sind die Rentenmärkte trotz niedriger Renditen hauptsächlich deshalb interessant, weil die Negativzinsen, die die EZB einsetzt, im Jahresverlauf möglichweise noch stärker gesenkt werden könnten“, sagt der luxemburgische Ökonom. In den USA blieb der Zehnjahreszins quasi unverändert. „Auf US-amerikanischer Seite erhalten langlaufende Anleihen dank ihrer höheren Renditen ein Restgewinnpotenzial, ohne dass mit negativen Endfälligkeitsrenditen gerechnet werden müsste.“

Investments in Aktien bleiben alternativlos

Abgesehen von den Schwellenländern legten die wichtigsten Aktienindizes im Mai leicht zu. Im Berichtsmonat stiegen der US-amerikanische S&P 500, der europäische Stoxx 600 und der japanische Topix, während der MSCI Emerging Markets (in USD) einbüßte. Guy Wagner: „Da sich das Gewinnwachstum der Unternehmen verlangsamt, dürfte die Hausse an den Aktienmärkten nur anhalten, wenn insbesondere das Bewertungsniveau weiter ansteigt. Weil alternative Anlagemöglichkeiten zu Aktien fehlen, lässt sich ein solcher Anstieg – trotz immer schwächerer Fundamentalfaktoren – nicht ausschließen.“

Mögliche zinspolitische Straffung in den USA drückt auf Euro

Im Mai schwächte der Euro von 1,15 auf 1,11 US-Dollar ab. „Die Kommentare der Federal Reserve, die auf eine baldige zinspolitische Straffung in den USA schließen ließen, drückten auf die europäische Gemeinschaftswährung. Sie nähert sich erneut der Mitte ihres Kurskorridors von 1,05 bis 1,15 US-Dollar.“ (08.06.2016)

 


Wahlen in den USA

Welche Folgen hat das Rennen um das Weiße Haus für Anleger?

  • Volatilität am US-Aktienmarkt dürfte vor den Wahlen zunehmen
  • Stärkere Kursschwankungen bei Gesundheitsaktien möglich
  • Anhaltender Regulierungsdruck auf Banken erwartet

 

Wie beeinflussen die Präsidentschaftswahlen in Amerika die Kurse am US-Aktienmarkt? Je näher der Wahltermin rückt, desto stärker gewinnt diese Frage für Anleger an Bedeutung.

In der Vergangenheit musste der Aktienmarkt im letzten Jahr der zweiten Amtszeit eines Präsidenten regelmäßig Federn lassen. Zudem dürften die Rhetorik und die durch den Wahlkampf geschürte Verunsicherung kurzzeitig Schwankungen an den Märkten auslösen. Aber natürlich sind das keine in Stein gemeißelten Regeln, denn Geschichte wiederholt sich - anders als behauptet - doch nicht immer. Dafür spricht, dass dieser Wahlkampf in vielerlei Hinsicht anders ist: Zunächst einmal kämpft kein Amtsinhaber um den Wiedereinzug in das Weiße Haus, und auch der amtierende Vizepräsident kandidiert nicht um das höchste Amt im Staate. Der Gewinner wird also in jedem Fall neu im Oval Office sein.

Auswirkungen der Wahlen auf unterschiedliche Industriezweige
Aktuell lässt sich nur schwer sagen, welche Branchen und Unternehmen von der Politik des jeweiligen Kandidaten profitieren werden. Vermutlich werden wir klarer sehen, wenn der Wahlkampf in seine entscheidende Phase eintritt. Themen wie Medikamentenpreise, Militärausgaben und die Regulierung der Finanzmärkte dürften dann die Schlagzeilen beherrschen. Ganz allgemein wird zudem darüber spekuliert, welchen Einfluss die Politik der Kandidaten auf das Tempo der Zinsstraffungen durch die US-Notenbank Fed haben könnte.

Medikamentenpreise
Im vergangenen Herbst gerieten die Kurse von Pharma- und Biotech-Aktien unter Druck, nachdem Hillary Clinton die Preistreiberei bei Arzneimitteln angeprangert hatte. Der davon ausgehende Gegenwind könnte anhalten, auf der anderen Seite aber auch für interessante Einstiegsniveaus bei bestimmten Aktien sorgen. Dabei sollte allerdings nicht vergessen werden, dass im Senat die Republikaner das Sagen haben. Und die stehen schärferen Gesetzen zur Senkung der Medikamentenpreise eher ablehnend gegenüber. Wie wenig sie von Gesundheitsreformen halten, machten sie mit ihrem Widerstand gegen „Obamacare“ deutlich, der letztlich zur Verabschiedung einer „Light“-Version des ursprünglichen Reformvorschlags führte.

Was ihren möglichen Kandidaten Donald Trump anbelangt, so sind dessen Aussagen zur Gesundheitspolitik - wie zu vielen anderen Politikbereichen - recht widersprüchlich. Auf seiner Wahlkampftour hat er sich wiederholt für Preisverhandlungen mit den Pharmaunternehmen ausgesprochen. In seinem „7-Punkte-Plan“ ist davon allerdings keine Rede mehr. Trump ist Republikaner durch und durch, weshalb eine umfassende Reform des Gesundheitswesens wenig wahrscheinlich ist. Am ehesten wird die schlechte Publicity während des Wahlkampfs die Pharmabranche wohl dazu veranlassen, sich künftig bei den Medikamentenpreisen „freiwillig“ in größerer Zurückhaltung zu üben.

Militärausgaben
Für reichlich Diskussion im Wahlkampf dürfte auch der Verteidigungshaushalt sorgen. Aber wegen der anhaltenden Bedenken um die Sicherheit rund um den Globus sind umfangreiche Kürzungen nicht zu erwarten. So hat die US-Regierung bereits Pläne vorgelegt, denen zufolge der Verteidigungsetat für Europa 2017 als Reaktion auf die „Aggression Russlands“ vervierfacht werden soll. Statt auf weitere Kürzungen des Militärhaushalts zu drängen, scheinen sich die beiden aussichtsreichsten Kandidaten auf die Forderung nach mehr Transparenz und Effizienz in der US-Armee eingeschossen zu haben.

Regulierung der Finanzmärkte
Mehr als sieben Jahren liegt der Höhepunkt der Finanzkrise nun schon zurück. Trotzdem ist es vielen Banken noch nicht gelungen, ihr Image in der US-Öffentlichkeit wieder zu verbessern. Das macht sie zu einem beliebten Angriffsziel im Wahlkampf. Die meisten Kandidaten sprechen sich für eine strengere Regulierung aus. Der Demokrat Bernie Sanders fordert gar eine Neuauflage des „Glass Steagall Acts“. Dieses Gesetz schreibt eine Trennung von Einlagen- und Kreditgeschäft der Banken vor. Allerdings sind derart weitreichende Reformen angesichts der unter Obama bereits verschärften Regulierung wohl kaum durchsetzbar. Zumal Amerikas Geldhäuser inzwischen deutlich solidere Bilanzen vorweisen können.

Für die Aktienmärkte unangenehmer könnte der aus dem Wahlkampftross immer lauter tönende Ruf nach einer Anhebung des Mindestlohns werden. In der größten Volkswirtschaft der Welt wurde der Mindestlohn landesweit seit 2009 nicht mehr erhöht. Eine Anhebung könnte das Lohnwachstum anfachen und die Fed zu beschleunigten Zinserhöhungen zwingen. Auf der anderen Seite haben Zinsstraffungen in der Vergangenheit stets die Gewinne von Banken und Versicherungen beflügelt.

Angel Agudo, Fondsmanager des Fidelity America Fund, kommentiert: „Angefacht von der politischen Ungewissheit vor den US-Präsidentschaftswahlen könnten die Marktschwankungen zunehmen. Aber ganz gleich, wer die Wahl gewinnt: Mit einem grundlegenden Politikwechsel rechne ich nicht. Mit Blick auf einzelne Branchen sind stärkere Kursschwankungen bei Gesundheitsaktien möglich, sollten die Medikamentenpreise ein zentrales Thema im Wahlkampf bleiben. Für die derzeit im Portfolio befindlichen Gesundheitsaktien bin ich aber nach wie vor optimistisch. Zudem dürften Unternehmen, die neue Medikamente oder medizinische Produkte auf den Markt bringen, ihre Preissetzungsmacht auch künftig behaupten. Auch der Verteidigungssektor steht bei Wahlen stets im Rampenlicht. Aus meiner Sicht wird der Militärhaushalt in diesem Wahlkampf jedoch kein Top-Thema sein. Alles in allem können sich durch kurzzeitige Schwankungen rund um die US-Präsidentschaftswahlen attraktive Kaufgelegenheiten ergeben. Ich werde an meinem Anlageprozess festhalten und mich wie gehabt auf die langfristigen Fundamentaldaten der Unternehmen konzentrieren.“

Aditya Khowala, Fondsmanager des Fidelity American Growth Fund, kommentiert: „Unabhängig davon, wer die Wahl gewinnt, ist meines Erachtens nicht mit einem dramatischen Kurswechsel zu rechnen. Auch künftig wird das Hauptaugenmerk der Wirtschaft gelten, aus der uneinheitliche Signale kommen. Eine Verknappung der Liquidität und sinkende Inflationserwartungen schränken auch künftig den Spielraum der amerikanischen Notenbank für Zinserhöhungen ein. Zudem deutet einiges auf anhaltenden Regulierungsdruck auf die Banken hin. Möglicherweise können gewisse haushaltspolitische Spielräume genutzt werden, um das Wachstum über Infrastrukturprojekte und Verteidigungsausgaben anzukurbeln. Daraus könnte sich die eine oder andere interessante Anlagemöglichkeit ergeben. In den konjunkturempfindlichen Marktbereichen gibt es zweifellos Wertpotenzial. Aber nach wie vor kommt es auf die richtige Titelauswahl an. Ich habe mein Portfolio nach dem Bottom-up-Prinzip Aktie für Aktie aufgebaut. Und die im Fonds enthaltenen Unternehmen dürften von den Wachstumstrends der nächsten Jahre profitieren.“ (10.05.2016)

 


China: Kommt jetzt der Wendepunkt?

Kapitalabflüsse und Renminbi stabilisieren sich. Die Geldpolitik stützt positive Entwicklungen in China. Und die Regierung muss Vertrauen der Anleger wiederherstellen

Die ersten Monate des Jahres waren für den chinesischen Aktienmarkt äußerst volatil. Doch Michael Lai, Fondsmanager des GAM Star China Equity, ist optimistisch, dass Anleger das Schlimmste hinter sich haben: „Wir erwarten eine solide wirtschaftliche Entwicklung für die zweite Jahreshälfte. Der Höhepunkt der Konjunkturabschwächung scheint hinter uns zu liegen.“ Zuletzt hatte China es den Investoren jedoch nicht leicht gemacht: Kaum Wachstum, ein schwächelnder Renminbi, das schlecht kommunizierte Eingreifen der Regierung in Aktien und Devisenmärkte und hohe Kapitalabflüsse. Deshalb schwankte die Stimmung der Anleger von einem Extrem ins andere. „Besonders im Spätherbst waren die Ausschläge groß. Auffällig war vor allem der Pessimismus der Anleger gegenüber zyklischen und Deep-Value-Aktien, die sich nach dem Ausverkauf im Frühjahr jedoch wieder stark erholt haben. Die Erholung spiegelt nach Ansicht Lais nicht nur einen Stimmungsumschwung wider, sondern auch die berechtigte Hoffnung, dass China eine harte Landung vermeiden kann.

Interne und externe Gründe für Optimismus

Neben der Aufhellung der Stimmung beobachtet der Fondsmanager noch weitere positive Entwicklungen: „Zum einen hat die Regierung erkannt, dass die Umstrukturierung der Wirtschaft von Produktion und Export hin zu Dienstleistung und Konsum nicht reibungslos verläuft. Deshalb hat sie sich entschieden, Reformen künftig gründlicher zu planen und umzusetzen. Zum anderen möchte sie das Wachstum stärken und dehnt deshalb das Haushaltsdefizit von zwei auf drei Prozent aus.“

Und neben den internen wirken sich auch externe Einflüsse positiv auf China aus, insbesondere die Politik der drei großen Zentralbanken: „Die Bank of Japan führte den Negativzins ein, die Europäische Zentralbank weitete ihre Lockerungsmaßnahmen weiter aus als gedacht und die Federal Reserve blieb bei ihrer zögerlichen Geldpolitik. Die Gefahr einer weiteren Zinserhöhung scheint damit erst einmal gebannt“, so der Experte. Dies führt laut Lai dazu, dass sich die Mittelabflüsse und der Renminbi stabilisieren. Während vor einigen Monaten noch Kapital von rund 100 Milliarden US-Dollar abfloss, begannen sich die Abflüsse bei 30 Milliarden US-Dollar einzupendeln. Auch die Währung wertete wieder auf und hat unterdessen den Stand von Ende 2015 erreicht. „Zugegeben, auch der schwache US-Dollar hat seinen Teil zu dieser Entwicklung beigetragen. Doch was zählt, ist, dass die Angst vor einer anhaltenden Währungsabwertung abgenommen hat“, sagt Lai.

Ohne das Vertrauen der Anleger geht es nicht

Die Regierung muss ihre Fähigkeit, wirtschaftliche Probleme zu lösen, wiederherstellen – so die Ansicht des Experten. Die verbesserte Stimmung und die wieder anziehende Wirtschaft seien daher nicht nur für chinesische Aktienanleger von großer Bedeutung. „Wir hoffen, dass die Investoren in Zukunft mehr Sicherheit für ihr Handeln haben werden – sofern die Behörden aus dem jüngsten Debakel gelernt haben“, so Lai. „Für uns bedeutet der wirtschaftliche Fortschritt, dass wir unser Engagement in zyklische Titel erhöht haben.“ Insbesondere die ehemals ungeliebten Bereiche Energie, Rohstoffe und Deep Value seien für den Experten interessant. „Vorerst überwiegen jedoch immer noch qualitativ hochwertige Wachstumswerte aus dem IT-, Konsumgüter- und Industriesektor.“ (25.04.2016)


US-Konjunktur verscheucht das globale Rezessionsgespenst

Eine globale Rezession ist aus Sicht der Zürcher Kantonalbank Österreich AG heuer aber un­wahrscheinlich.

Während die Konjunktur in den USA leicht an Fahrt gewinnt, fielen die Kon­junkturdaten der letzten Wochen in der Eurozone gemischt aus. Eine globale Rezession ist aus Sicht der Zürcher Kantonalbank Österreich AG heuer aber un­wahrscheinlich. Vom nachgebenden US-Dollar profitieren vor allem die Akti­enmärkte in den USA und in den Schwellenländern. Da sich der Ölpreis zuletzt deutlich erholt hat, ist ein vorübergehender Anstieg der globalen Inflation in den nächsten Monaten möglich.

Zunehmende Sorgen um die US-Konjunktur führ­ten dazu, dass die Finanzmärkte Anfang des Jahres heftig reagierten. Zuletzt stieg der amerikanische Einkaufsmanagerindex ISM allerdings drei Monate in Folge und die Kon­junktur hellte sich auf - sämtliche Rezessionsängste erweisen sich derzeit also als unbe­gründet. In ihrem aktuellen Kapitalmarktausblick geht die Zürcher Kantonalbank Ös­terreich AG davon aus, dass eine globale Rezession auch im weiteren Jahresverlauf ausbleibt. „Die positive Entwicklung in den USA sollte auch die Eurozone, in der die Konjunkturdynamik wie von uns erwartet zuletzt leicht sank, in den nächsten Monaten wieder beflügeln“, erklärt Christian Nemeth, Mitglied des Vorstandes der Zürcher Kan­tonalbank Österreich AG. Für China rechnet die Bank damit, dass sich das Wachstum weiterhin abschwächt. Die chinesische Regierung geht zwar von einer Jahresverände­rungsrate von 6,5 bis 7 Prozent aus, die Zürcher Kantonalbank Österreich AG hält je­doch eher 6,3 Prozent für wahrscheinlich.

US-Dollar verliert an Boden, Ölpreis erholt sich

Obwohl die Konjunktur in den USA leicht an Fahrt gewinnt, betonte die US-Noten­bank Fed in ihrem jüngsten Ausblick vor allem außerhalb der USA liegende Wachs­tumsrisken. Die Fed erwartet nunmehr lediglich zwei Zinsschritte für 2016 statt der zu­vor in Aussicht gestellten vier, was zu einer entsprechenden Reaktion der Finanzmärkte führte. Der US-Dollar wurde gegenüber allen wichtigen Währungen geschwächt, die Aktienmärkte in den USA und in den Schwellenländern profitierten hingegen. „Wir hatten zuvor bereits mit zwei Zinserhöhungen in diesem Jahr gerechnet und halten vorerst daran fest. Die Wahrscheinlichkeit, dass lediglich eine Anhebung erfolgt, ist al­lerdings gestiegen“, lautet Nemeths Einschätzung. In der Eurozone folgt die Konjunk­tur jener der USA generell mit zeitlicher Verzögerung, weshalb in den nächsten Wo­chen auch im europäischen Raum wieder mit besseren Daten gerechnet werden darf. Der Rückenwind durch einen schwächeren Euro dürfte jedoch vorerst weggefallen sein.

Die globalen Teuerungsraten befinden sich noch immer auf niedrigen Niveaus. Bei der Kerninflation, also der Teuerung ohne Energie und Nahrungsmittel, lässt sich mit Aus­nahme Chinas jedoch ein leichter Aufwärtstrend erkennen. Weil sich auch der Ölpreis in den vergangenen Wochen deutlich erholt hat, rechnet die Zürcher Kantonalbank Ös­terreich AG damit, dass die Inflation in den nächsten Monaten etwas höher ausfallen wird, als dies die meisten Volkswirte und Zentralbanken erwartet hatten. „Dieses Phä­nomen dürfte aber eher vorübergehender Natur sein, wir gehen aktuell von keinem weiteren signifikanten Ölpreisanstieg aus“, so Nemeth.

Globale Geldpolitik bleibt weiterhin expansiv

„Ein Ende der global expansiven Geldpolitik ist noch nicht in Sicht. „Angesichts der weltweit hohen Schuldenlast und des im Vergleich zu früheren Aufschwungsphasen niedrigen Wirtschaftswachstums haben die Zentralbanken kaum eine andere Wahl“, kommentiert Nemeth. Gepaart mit dem neuen zinspolitischen Ausblick der Fed sind das aus Sicht der Zürcher Kantonalbank Österreich AG gute Nachrichten für Anlagen, die von einer hohen Geldschwemme und einem weniger starken US-Dollar profitieren. Bei der Anlagepolitik bleibt das Haus daher bei der Übergewichtung von Aktien und stockt hier sowohl Nordamerika als auch die Schwellenländer auf, die jetzt neutral ge­wichtet sind. Für Europa und den pazifischen Raum nimmt die Bank die Quoten zu­rück, bleibt in Europa aber übergewichtet. (12.04.2016)


Konjunkturaussichten im Euroraum trüben sich weiter ein

Nachdem beim EU-Außenhandel der Motor bereits stottert, hemmt auch die wenig berauschende globale Konjunktur das Wachstum in der Eurozone.

Ein kurzer Rückblick auf die Finanzmärkte zeigt, dass sich die hohen Schwankungen an den globalen Aktienmärkten im Februar fortsetzten. Leichte Verluste musste der MSCI World hinnehmen, besonders deutlich verlor der japanische Aktienmarkt. Hauptgrund dafür war die kräftige Aufwertung des Yen. Die Indizes der USA und der Schwellenländer schlossen dagegen leicht positiv. Bei den Sektoren ging die Talfahrt der Finanzdienstleister, insbesondere der Banken, weiter. „Die unserer Meinung nach übertriebenen Konjunktursorgen haben dafür gesorgt, dass die Renditen in der zweiten Monatshälfte Februar erneut historische Tiefststände erreicht haben“, erklärt Mag. Christian Nemeth, Vorstandsmitglied der Zürcher Kantonalbank Österreich AG. An der Währungsfront hat sich die Lage teilweise beruhigt.

Globales Wachstum: Weder Beschleunigung, noch Einbruch

In den letzten Wochen wurden die Wachstumsprognosen für alle Weltregionen wiederholt nach unten revidiert. Das Vertrauen in die Maßnahmen der Notenbanken, die Konjunktur anzukurbeln, schwindet. Im Gegensatz zu zahlreichen Marktteilnehmern glaubt die Zürcher Kantonalbank Österreich AG nicht an eine leichte Konjunkturbeschleunigung im nächsten Jahr. „Obwohl der private Konsum weiterhin stützend wirkt, ist in den USA keine erhöhte Nachfrage auszumachen. In der Eurozone werden zudem die derzeit wirkenden positiven Effekte wie ein schwächerer Euro und ein niedriger Erdölpreis an Momentum verlieren“, argumentiert Nemeth. Die Zürcher Kantonalbank Österreich AG glaubt weder an einen Einbruch, noch an eine Beschleunigung des globalen Wachstums 2016 oder 2017 und rechnet mit einem konstanten Weltwirtschaftswachstum von knapp drei Prozent.

Übertriebene Rezessionsängste in den USA

Die US-Konjunkturerholung dürfte sich auch im siebenten Jahr fortsetzen, allmählich zeichnet sich aber auch ein gewisser Lohndruck ab. Konsum und Binnenkonjunktur stuft die Zürcher Kantonalbank Österreich AG als robust ein. Angesichts der Finanzmarktturbulenzen zu Jahresbeginn und der anhaltend volatilen Märkte glaubt Nemeth nicht mehr an einen weiteren Zinsschritt der US-Notenbank Fed vor Anfang Juni.

Aktueller Marktausblick der Zürcher Kantonalbank Österreich AG

Im Euroraum hat sich die Konsumentenstimmung ein wenig eingetrübt. Der Außenhandel ist bereits angeschlagen, die wenig berauschende globale Konjunktur wird das Wachstum in der Eurozone zusätzlich hemmen.

Leichte Abschwächung des Renminbi nicht ausgeschlossen

Die Entwicklung des Renminbi steht seit einiger Zeit im Fokus vieler Investoren. Manche von ihnen befürchten eine Abschwächung, die einen deflationären Schock für die Weltwirtschaft auslösen könnte. Nemeth beruhigt allerdings ein wenig: „Die chinesische Regierung hat weder Absicht noch Interesse an einer starken Abwertung der eigenen Währung. Die verstärkte Ausrichtung an einen größeren Währungskorb ist hier ein erster, wichtiger Schritt.“ Das sinkende Vertrauen in Chinas Wirtschaftspolitik hat jedoch zu massiven Kapitalabflüssen geführt. Die Regierung versucht nun mittels mehrerer Maßnahmen das Vertrauen zurückzugewinnen. Die Zentralbank hält den Renminbi seit einigen Wochen recht stabil, allerdings verbunden mit hohen Interventionen am Devisenmarkt. „In unserem Basisszenario gehen wir von einer leichten Abschwächung des Renminbi vor allem gegenüber dem US-Dollar aus“, so Nemeth. Für Japan rechnen die Experten der Zürcher Kantonalbank Österreich AG mit moderatem Wirtschaftswachstum und weiteren geldpolitischen Lockerungen seitens der Notenbank.

Anlagepolitik: Europa bleibt bei Aktien der Favorit

„Wir halten an unserem moderat positiven Makrobild einer fortschreitenden globalen Konjunkturerholung unverändert fest“, lautet die Einschätzung Nemeths. Die wirtschaftlichen und geopolitischen Risken müsse man zwar durchaus ernst nehmen, dennoch sieht die Zürcher Kantonalbank Österreich AG Chancen auf

den Finanzmärkten. Die Phase erhöhter Volatilität wird aber wohl noch anhalten. Auf der Aktienseite will die Bank Kursschwächen für weitere Aufstockungen nutzen und empfiehlt eine leicht übergewichtete Positionierung auf der Aktienseite. Europäische Titel bleiben weiterhin der regionale Favorit der Zürcher Kantonalbank Österreich AG. „Eine lockere Geldpolitik und die im Vergleich günstige Bewertung sollten die Kursentwicklung unterstützen“, so die Annahme Nemeths. (14.03.2016)


Die Wahrscheinlichkeit einer Krise in den USA liegt unter 5 %

Die Aussichten an den Aktienmärkten sind gedämpft, doch für den wichtigen US-Markt dürften sie sich langfristig wieder aufhellen.

„Global betrachtet deutet vieles auf einen Bärenmarkt hin, und auch US-Titel scheinen ihr Potenzial fürs erste ausgereizt zu haben. Allerdings gibt es wenig Zeichen für eine dauerhafte Eintrübung in den USA“, erklärt Eric Chaney, Head of Research bei AXA Investment Managers. Aktien aus den USA seien jedoch auch nach den jüngsten Abverkäufen weiterhin teuer, und von fundamentaler Seite sei zurzeit ebenfalls mit wenig Unterstützung zu rechnen. Daher hält Chaney eine kurzfristige Untergewichtung amerikanischer Titel in den nächsten drei bis sechs Monaten für gerechtfertigt. Langfristig allerdings rechnet er mit einer Erholung von US-Aktien. „Bei genauerer Betrachtung weisen die Indikatoren nicht auf eine Krise hin. Und auch die amerikanische Notenbank hat gute Gründe, bei der Anhebung des Zinsniveaus behutsamer vorzugehen, als sie es zuletzt in Aussicht gestellt hat“, begründet der Ökonom seine Erwartung.

Globale Aktienmärkte bieten Chancen für taktische Trades

Die jüngste Korrektur am Aktienmarkt sei auf Sorgen um einen Konflikt in der internationalen Geldpolitik und auf eine schwächere Weltkonjunktur zurückzuführen, erläutert Chaney. Daher hat sein Team die globale Wachstumsprognose für das laufende Jahr von 3,1 auf 2,7 Prozent gesenkt. 2016 könnte damit zum schwächsten Jahr seit 2009 werden. Die globale Nachfrage könne weiterhin nicht mit dem Angebot mithalten, und es sehe auch nicht so aus, als würden die Regierungen in die Bresche springen. „Vor diesem Hintergrund erwarten wir, dass die Aktienmärkte insgesamt weiterhin abwerten“, sagt Chaney. Investoren sollten das aber nicht zum Anlass nehmen, undifferenziert Aktien abzustoßen. „Im Gegenteil haben die Abverkäufe dazu geführt, dass manche Segmente des Aktienmarktes attraktiv erscheinen. Deshalb sind wir bei globalen Aktien kurzfristig sogar übergewichtet“, erläutert er seine Positionierung. Langfristig sieht er dennoch die Voraussetzungen für eine negative Gewichtung gegeben. In der Zwischenzeit gelte es, die anhaltend hohe Volatilität für taktische Trades zu nutzen.

Die Zinsen in den USA dürften langfristig niedrig bleiben

Am US-Markt sehe die Situation allerdings anders aus. „Die Bewertungen in den USA haben in der Vergangenheit ein so hohes Niveau erreicht, dass US-Aktien auch nach der Korrektur noch relativ teuer erscheinen“, so Chaney. Die Kennzahlen aus den produzierenden Sektoren seien weiterhin schwach, der Investitionszyklus habe seinen Höhepunkt erreicht und es sei nicht zu erwarten, dass die Arbeitslosigkeit noch weiter sinken werde. Mit Rückenwind aus der fundamentalen Entwicklung dürften Aktieninvestoren daher nicht rechnen. Gehe man davon aus, dass die Unternehmen ihr Potenzial zum Gewinnwachstum bereits 2015 ausgeschöpft haben, sei mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 19,5 zu rechnen. „Diese eher hohe Bewertung ist auch auf die Geldpolitik zurückzuführen. Der Markt erwartet, dass die Zinsen auch langfristig eher niedrig bleiben, wodurch zukünftige Gewinne heute an Wert gewinnen“, erklärt Chaney.

Die Fed dürfte Rücksicht auf die Konjunktur nehmen

Zwar deuteten die Einschätzungen der Mitglieder des Federal Open Market Committee (FOMC) darauf hin, dass die US-Notenbank die Leitzinsen bis Ende 2017 um 200 Basispunkte erhöhe. Die Märkte gingen jedoch mit gutem Grund von einer deutlich moderateren Erhöhung von nur 75 Basispunkten aus. „Unter Ben Bernanke hat die Fed gezeigt, dass sie nicht bereit ist, die Fehler von 1930 zu wiederholen, als die zu rigide Geldpolitik die Wirtschaft in die Große Depression gestürzt hat. Anders als in der

Vergangenheit gibt es diesmal gute Gründe, sich eher an der Einschätzung der Märkte zu orientieren“, sagt Chaney. Damit dürfte sich das geldpolitische Umfeld in den USA weniger rigide entwickeln, was auch dem Aktienmarkt zugutekommen werde. Weitere Indikatoren ließen erwarten, dass sich die Bedingungen für US-Aktien mittelfristig wieder verbessern. So liege die Wahrscheinlichkeit einer Krise, gemessen am hauseigenen AXA IM US Financial Stress Indicator, der die Volatilität in verschiedenen Segmenten des US-Marktes sowie die Korrelation über diese Märkte hinweg misst, bei unter fünf Prozent. Die Entwicklung der Zinskurve, des wichtigsten Indikators für die Krisenanfälligkeit der US-Wirtschaft, weise zudem darauf hin, dass die aktuelle Eintrübung eher zyklischer Natur und nicht auf eine mögliche Rezession zurückzuführen sei.

„Der US-Aktienmarkt eilt dem globalen Trend voraus“, fasst Chaney seine Einschätzung zusammen. Während er bei globalen Aktien langfristig untergewichtet ist, hat er US-Titel daher bereits auf „neutral“ heraufgestuft. (08.03.2016)


Verantwortliches Investieren wird zum Muss

Das Interesse der Investoren an verantwortungsbewussten Kapitalanlagen steigt kontinuierlich. „2016 werden sich umweltorientierte, soziale und Governance-Investments von einem Spezialgebiet zu einem Muss entwickeln“, sagt Matt Christensen von AXA Investment Managers (AXA IM).

Die 21. Klimakonferenz in Paris hat ein klares Signal an Unternehmen gesendet, die in den Bereichen Energieerzeugung, Transport, Bau und Industrie tätig sind: Um die Risiken des Klimawandels auf Umwelt und Wirtschaft zu begrenzen, ist ein Wandel erforderlich. Matt Christensen, Global Head of Responsible Investment (RI) bei AXA IM, erwartet, dass sich Investoren immer stärker auf die Investmentmöglichkeiten fokussieren werden, die sich durch den Klimawandel und die damit verbundenen Governance-Implikationen entwickeln.

Drei Themen werden nach Christensen die Entscheidungen von Investoren künftig verstärkt beeinflussen:

1. Die Entwicklung der kohlenstoffintensiven Sektoren könnte langfristig Einfluss auf die Bewertung und die Asset Allocation nehmen. Analysten und Investoren werden den Klimawandel in ihr Research und in ihre Fundamentalanalysen einbeziehen um einschätzen zu können, wie Unternehmen auf diese Herausforderung reagieren.

2. Öffentliche und private Investoren werden nach Möglichkeiten suchen, den Übergang zu einer emissionsarmen Wirtschaft zu finanzieren, indem sie Energieeffizienz und neue Energiequellen unterstützen. Die Möglichkeiten sind vielfältig und werden die unterschiedlichsten Sektoren, Regionen und Assetklassen beeinflussen.

3. Die Transparenz für Investoren wird sich erhöhen, da der Finanzstabilitätsrat Unternehmen drängen wird, ihre Klimarisiken offenzulegen. Davon werden auch Fundamentalanalysten profitieren. Ihre ESG-Analysen werden belastbarer.

Investoren trennen sich von kohlenstoffintensiven Sektoren

2015 haben eine Reihe bedeutender Anleger ihre Investitionen in kohlenstoffintensive Sektoren abgestoßen. Dem Klimanetzwerk Fossil Free zufolge handelt es sich dabei insgesamt um ein Anlagevolumen von rund 3,4 Billionen Dollar von mehr als 500 Institutionen. Christensen geht davon aus, dass es 2016 noch mehr werden. Allerdings sieht der AXA-IM-Experte solche Veräußerungen nicht als geeignetes Mittel, um Steinkohleunternehmen zu saubereren Technologien zu bewegen, insbesondere wenn sie keine anderen Einnahmequellen haben. Er empfiehlt Investoren, die Einfluss auf das Umweltengagement von Unternehmen nehmen wollen, stattdessen einen Mix von Verkäufen einerseits und gezieltem Engagement andererseits.

Der Markt für Green Bonds wird weiter wachsen

Zum vierten Mal in Folge konnten Green Bonds 2015 Zulassungsrekorde feiern. Das Marktvolumen liegt laut AXA IM nun bei rund 100 Millionen US-Dollar. Bislang seien vor allem überstaatliche Organisationen und staatsnahe Organisationen (Agencies) unter den Emittenten. Green Bonds würden aber zunehmend auch von Unternehmen herausgegeben. Deren Emissionen hätten 2015 rund 45 Prozent des Gesamtangebotes ausgemacht. Gleichzeitig sei die Frequenz der Emissionen deutlich gestiegen, vor allem im Vorfeld der Klimakonferenz. Bis dato sei bei solchen Emissionen der Finanzsektor Vorreiter gewesen. Dieser habe sogar die Energieerzeuger übertroffen, die auf dem Markt erneuerbare Energien refinanzieren wollen. AXA IM rechnet jedoch nun mit einem Anstieg der Emissionen von Unternehmen, da sich auch immer mehr traditionelle Investoren für Green Bonds interessierten, die neben Rendite mehr Diversifikation sowie ökologische Vorteile versprächen.

Trend: Impact Investing

Christensen sieht das Thema in diesem Jahr auch auf den Agenden von Hauptversammlungen ganz vorne. „Für Unternehmen wird es immer schwieriger werden, Umweltrisiken zu rechtfertigen“, sagt der RI-Experte. In Zukunft werde Impact Investing, bei dem Investoren auf die Verwendung ihrer Gelder Einfluss nehmen können, zum Trend werden und zwar nicht nur als alternative Anlageklasse, sondern über alle Assetklassen hinweg. „Es wird in der Finanzindustrie zu einer Kultur der Wirkungsmessung kommen“, meint Christensen. Noch sei der Markt jung, aber das Potenzial von nachhaltiger Geldanlage sei immens, so Christensen: „Responsible Investment wird die Zukunft gestalten.“ (01.03.2016)


Österreich hat Talsohle durchschritten

„Die österreichische Wirtschaft hat die Talsohle durchschritten und wird im ersten Quartal dieses Jahres wieder wachsen“, so Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, bei seinem jüngsten Prognoseausblick in Wien. Zwar habe die österreichische Wirtschaft im vierten Quartal stagniert und dürfe auch für das Jahr 2015 insgesamt deutlich unter dem durchschnittlichen Wirtschaftswachstum der Europäischen Währungsunion geblieben sein. Doch die wichtigsten Stimmungsindikatoren deuteten ein Ende dieser Phase an.

Weltweit wird die Wirtschaft nach der Prognose der DekaBank weiterhin nur verhalten wachsen: „Für 2016 rechnen wir lediglich mit einem Plus von 3,2 %“, so Kater. Ein stärkeres Wachstum werde es erst wieder ab 2017 geben. „Wir erleben gerade den Abschluss einer Entwicklungsphase der Weltwirtschaft“, erläutert Kater. Insbesondere China und die Schwellenländer hätten zur schwachen weltwirtschaftlichen Entwicklung beigetragen. „Viele Schwellenländer müssen an ihrem Geschäftsmodell arbeiten, nachdem die erste Entwicklungsstufe des Aufbaus von Industrieproduktion nun ausgereizt ist“, kommentiert Kater und betont: „Das wird nicht allen Ländern gelingen“.

Weltweit würden zudem politische Einflussfaktoren an Bedeutung gewinnen. Besonders Europa stehe eine spannende Zeit bevor. „Momentan sehen wir wenig Rückhalt für die aktuelle Politik“, so Kater. Veränderungen in der Parteienlandschaft könnten die weitere wirtschaftliche Entwicklung beeinflussen: „Politische Einflüsse sind aber nur nachhaltig, wenn sie dauerhafte Veränderungen mit sich bringen. Der Ausstieg des Vereinigten Königreiches aus der EU wäre eine solche dauerhafte Veränderung. Hierauf würden die Finanzmärkte mit großer Verunsicherung reagieren.“

Volatile Märkte beherrschen das Jahr 2016

Diese sind derzeit besonders nervös. Der Aktienmarkt in Europa und den USA hat den historisch schwächsten Jahresauftakt verzeichnet. „Das Jahr 2016 wird für die globalen Finanzmärkte sehr nervenaufreibend und schwankungsreich“, so Kater weiter. Schließlich sei es das Jahr, in dem die US-Notenbank die Leitzinsen wieder in mehreren Schritten auf ein höheres Niveau anhebe. „Es ist höchst unsicher, wie die US-Wirtschaft, die Emerging Markets-Volkswirtschaften und die Märkte darauf reagieren“, betont Kater. Hinzu komme ein zweiter Unsicherheitsfaktor: die langsamere Gangart der Weltwirtschaft, die insbesondere aus einer schwächeren Dynamik der Emerging Markets resultiere. Trotzdem bleibt Kater optimistisch: „Wir rechnen damit, dass das globale moderate Wachstum und die schubkräftige Geldpolitik der Notenbanken den Aktienmärkten insbesondere in Europa ausreichend Auftrieb verleihen werden, sodass am Ende dieses Jahres ein Plus resultieren wird - schlechter Jahresanfang hin oder her.“ (10.02.2016)


Das Klima an den Finanzmärkten wird rauer

Janus sieht bei Aktien gute Anlagechancen und rät bei Anleihen zur Vorsicht.

Die US-Notenbank wird im laufenden Jahr mit großer Wahrscheinlichkeit den Leitzins in mehreren Schritten weiter anheben. Vor diesem Hintergrund versprechen Aktien gute Anlagechancen, während bei Anleihen vor allem in den USA die Börsenampeln auf Gelb springen. Zu dieser Einschätzung kommen die Experten des US-amerikanischen Asset-Managers Janus Capital in ihrem Kapitalmarktausblick für das Jahr 2016. „In der Vergangenheit haben sich Aktien in der Mehrzahl der Phasen, in denen die Fed den Leitzins angehoben hat, gut entwickelt“, sagt Enrique Chang, Chief Investment Officer bei Janus und für seinen Kollege Marc Pinto, Portfoliomanager bei Janus, spricht auch das makroökonomische Umfeld für Dividendentitel. „Wenn die Zinsen langsam steigen und dabei die Wirtschaft nur leicht wächst, gleichzeitig die Inflation niedrig ist, hat sich das bislang als generell günstig für Aktien erwiesen - vor allem für Wachstumstitel."

Nach Meinung der Janus-Experten werden vor allem die Aktienmärkte in Europa und Japan vom Anstieg der US-Zinsen profitieren. „Höhere Zinsen und in deren Folge ein stärkerer Dollar kurbeln die Exporte in den Volkswirtschaften dieser Regionen an, was die industrielle Produktion und damit letztlich das Bruttoinlandsprodukt steigert“, prognostiziert Pintos Kollege George Maris. Ihm zufolge könnte die straffere US-Geldpolitik auch psychologischen Effekt für europäische und japanische Unternehmen haben: Aus Sorge, dass sich die Zinsen vor ihrer eigenen Haustüre über kurz oder lang ebenfalls verteuern werden, könnten sie ihre Investitionen hochfahren, um die günstigen Finanzierungskosten zu nutzen.

Auch wenn die Bedingungen für die Aktienmärkte insgesamt gut sind, raten die Janus-Experten den Investoren, bei der Auswahl einzelner Unternehmen auf solide Bilanzen und eine hohe Finanzkraft sowie niedrige Verschuldung zu achten. „Anleger sollten ein Verständnis dafür entwickeln, wie gut ein Unternehmen in der Lage ist, seine Auslandserlöse in Verbindung mit seiner Liquidität und seinen Verbindlichkeiten zu managen“, sagt Janus-Anlageexperte Brian Demain. „Solche Faktoren bekommen in diesem Stadium des Zinszyklus eine größere Bedeutung.“ Und Greg Kolb, Chief Investment Officer bei Perkins Investment Management, einem Tochter-Unternehmen des US-Vermögensverwalters, ergänzt, dass Unternehmen mit gesunder Bilanz eine schwächere Gewinnentwicklung überstehen können, ohne dass ihnen der finanzielle Dispositionsspielraum verloren geht.

Ausdrücklich gehen die Janus-Experten in ihrem Ausblick auch auf das Phänomen der Disruption ein. Sie weisen darauf hin, dass die US-, ebenso wie die Weltwirtschaft nur moderat wachsen, sich gleichzeitig aber das Innovationstempo noch weiter beschleunigt. „Neue Technologien lassen althergebrachte Geschäftsmodelle zusammenbrechen oder zwingen ganze Branchen oder Industriezweige dazu, einen Wandel zu vollziehen“, erklärt Portfoliomanager Demain. „Wir halten Unternehmen, die im Zentrum dieses Prozesses stehen und ihn vorantreiben für eine der besten Möglichkeiten, in Wachstum zu investieren in einem ansonsten von eher wachstumsarmen wirtschaftlichen Umfeld.“

Bei den Emerging Markets gehen die Janus-Experten vor allem auf China und Indien ein. Ihrer Einschätzung zufolge wird China seinen Wandel von einer exportorientierten, industriell geprägten Volkswirtschaft zu einem vom Konsum getrieben Wirtschaftsmodell fortsetzen. „Obwohl der Übergangsprozess noch seine Zeit benötigen wird, trägt der steigende Konsum bereits heute einen erheblichen Teil zum Wirtschaftswachstum des Landes bei“, stellt Carmel Wellso, Researchspezialistin und Portfoliomanagerin bei Janus, heraus. „Wir gehen davon aus, dass sich dieser Trend fortsetzt und die gute Verbraucherkonjunktur letztlich hilft, dass die chinesische Wirtschaft ein ‚hard landing‘ verhindern kann.“

Indien verspricht für die Janus-Experten im laufenden Jahr zu einem der attraktivsten Länder unter den Emerging Markets zu werden. Anders als in vielen anderen Schwellenländer ist die Inflation auf dem Sub-Kontinent gebannt, so dass die Notenbank Spielraum hat, die Zinsen zu lockern, um das Wirtschaftswachstum zu stimulieren. „Wir sind zuversichtlich, dass sich die Impulse der indischen Notenbank zunehmend in der realen Wirtschaft des Landes niederschlagen werden“, gibt Anlageexperte Maris einen Ausblick.

Deutlich vorsichtiger sollten die Investoren auf Empfehlung der Janus-Experten im laufenden Jahr an den Anleihemärkten agieren. „Weniger wegen der steigenden Zinsen in den USA - dies ist längst eingepreist an den Märkten“, sagt Gibson Smith, Chief Investment Officer Fixed Income bei Janus. „Es ist vielmehr das unterschiedliche Wachstumstempo der großen Volkswirtschaften in Kombination mit einem Anstieg der globalen Verschuldung, das Anlass zur Vorsicht gibt.“ Smith und sein Team rechnen damit, dass die US-Wirtschaft wie in den Vorjahren stabil wachsen wird, während sich in Europa und Japan die Phase des geringen Wachstums nahe der Nulllinie fortsetzt. „Das Wachstum einzelner Länder - und damit auch deren Geldpolitik - werden in den kommenden Jahren weiter voneinander abweichen“, warnt Smith. „Die globale Wirtschaft kann das verkraften, aber die Investoren sollten sich auf stark schwankende Erträge einstellen, auch weil die Bewertungen von Risikoanlegen ziemlich ausgereizt ist.“ Ähnlich zurückhaltend beurteilen die Janus-Experten die Situation bei Unternehmensanleihen. „Die niedrigen Zinsen veranlassen viele Firmen, sich über die Ausgabe von Anleihen zu finanzieren und so ihre Verschuldung hochzufahren“, beobachtet Mayur Saigal, Global Head of Fixed Income Risikomanagement. „Der starke Anstieg der Verschuldung, zunehmend engere Anleihe-Spreads und eine Ausweitung der Laufzeiten sind ein Zeichen dafür, dass der Kreditzyklus weit vorangeschritten ist. Dies spricht nach unserer Einschätzung für eine defensive Ausrichtung des Anleihenanteils im Portfolio.“ (20.01.2016)


Besonnenheit bleibt Trumph

Kaum hat das neue Börsenjahr begonnen, schon herrscht, ausgelöst durch den Kurseinbruch in China, helle Aufregung an den Börsen: Am ersten Handelstag verlor der DAX 4,3 % - einen größeren Verlust gab es zuletzt 1988, also vor Beginn der eigentlichen Index-Historie. Eine schnelle Wende nach oben wie im vergangenen Jahr blieb aus, so dass wir nun die schwächste Auftaktwoche der DAX-Geschichte verzeichnen. Erinnerungen an 2008 werden wach, als die lange ignorierte US-Subprime-Krise in eine globale Finanzkrise mündete und Anleger, Notenbanken und Politik in den Abgrund schauten. Die negativen Nachrichten waren nicht wirklich neu, stießen aber bei den Anlegern insofern auf fruchtbaren Boden, als das Grundvertrauen -ablesbar beispielsweise am Sentix-Index - schon zum Jahresende erodiert war. Nun sind die Aktienpositionen bereits Anfang Januar unter Wasser, und die Risikotragfähigkeit vieler Institutioneller kommt auf den Prüfstand. Entsprechend vorsichtig dürften die meisten in den kommenden Monaten agieren. In der Tat belegen historische Vergleiche, dass ein schwacher Auftakt im Mittel bis zum Ende des ersten Quartals nachwirkt.

Fundamentales Umfeld bleibt gesund
Drei Schlagworte treiben die Börsen zurzeit um: China, der Ölpreis und die Fed. Die Neupositionierung Chinas hinterlässt zwangsläufig partielle Bremsspuren, erscheint uns aber unerlässlich für eine Verstetigung der Wirtschaftsentwicklung im Reich der Mitte. Die Ausschläge der dortigen Kasino-Börsen sollten hierzulande nicht überbewertet werden. Auch der Ölpreisverfall bringt eine Neuadjustierung der Weltwirtschaft mit sich. Die sinkende Nachfrage der Erzeugerländer wird jedoch durch eine Stärkung der Binnen-Kaufkraft kompensiert. Und die US-Zinswende erscheint uns als überfälliges Signal einer Normalisierung. Die jüngsten Indikatoren wie der starke US-Arbeitsmarktbericht, aber auch das EWU-Konjunkturklima unterstreichen unsere Zuversicht. In der neuen Woche startet mit Alcoa, Intel und mehreren Großbanken die US-Berichtssaison. Die vorsichtige Haltung der Anleger birgt Potenzial für positive Überraschungen.

Fazit
Unser Jahresmotto „Grund zur Besonnenheit“ erweist schneller als erwartet seine Berechtigung. Mehrere Risiko-Themen werden gleichzeitig diskutiert und dürften zunächst auf der Stimmung lasten. Damit werden aber auch die Erwartungen der Anleger zurecht gestutzt. Die nach unten weisende Marktbreite spricht gegen eine schnelle Wiederaufnahme des Aufwärtstrends, die alles in allem aber positiven konjunkturellen Bedingungen sollten sich aber nach einigen Monaten der
Bodenbildung durchsetzen. (11.01.2016)

Dr. Berndt Fernow, Investmentanalyst


Der geldpolitische Kurs der Fed lässt das Risiko für Aktien steigen

Nach dem geldpolitischen Schwenk, den die US-Notenbank in der vergangenen Woche vollzogen hat, sollten die Investoren über eine strategische Neuausrichtung ihres Portfolios nachdenken. Angesichts der veränderten Rahmenbedingungen erscheint es sinnvoll, dass Engagement in Aktien zugunsten anderer Anlageklassen einschließlich Hochzinsanleihen und Immobilien zu reduzieren. Zu dieser Einschätzung kommt das Multi-Asset Research-Team von Source, einem der führenden europäischen Anbieter von Exchange Traded Funds.

„In den vergangenen drei Monaten haben Aktien eine solide Performance hingelegt“, erklärt Paul Jackson, Managing Director und Head of Multi-Asset Research bei Source. „Jetzt ist jedoch das Risiko gestiegen, dass die Fed mit ihrer geldpolitischen Straffung einen Fehler macht. Wir bevorzugen weiterhin aktienähnliche Anlagen, reduzieren jedoch ihre Gesamtgewichtung in unserem Allokationsmodell. Gleichzeitig sind wir der Ansicht, dass es sich lohnt, die regionalen Schwerpunkte der Aktienengagements zu verschieben und insbesondere das Engagement in den USA, Großbritannien und den Schwellenländern zu reduzieren.“ Weiterhin äußerst positiv sehen die Source-Experten Aktien aus Japan und der Eurozone. Allerdings empfehlen sie in der jüngsten Ausgabe ihres Quartalsberichts The Big Picture, dass Anleger von außerhalb der Eurozone dabei ihr Währungsrisiko absichern sollten.

In dem Bericht gehen sie ebenfalls auf die attraktiven Renditen im Hochzinssegment des Anleihemarkts ein. Dabei sehen sie in diesem Bereich die besten Chancen in den USA, wo die Renditen im Hochzinssegment derzeit bei durchschnittlich 8,3 Prozent liegen. Diese vergleichsweise beeindruckenden Renditen spiegeln das erhöhte Ausfallrisiko wider, das sich vor allem auf den Energiesektor bezieht, nachdem die Rohstoffpreise so stark gefallen sind. Angesichts der Möglichkeit weiterer Zinserhöhungen in den USA raten die Source-Experten den Anlegern, sich auf das kurze Ende der Laufzeitkurve zu konzentrieren, das in der Regel weniger empfindlich gegenüber Zinsänderungen ist.
„Der Beschluss der Fed, die Zinsen zu erhöhen, war für die wenigsten überraschend. Doch wie von uns jüngst in unseren wöchentlichen Veröffentlichungen hervorgehoben, kommt dieser Schritt der Fed zu einem Zeitpunkt, an dem einige Wirtschaftsdaten eher für eine geldpolitische Lockerung sprechen.“, so Jackson weiter. „Speziell das verarbeitende Gewerbe in den USA, zeigt nach sechs Jahren Wirtschaftswachstum in der weltgrößten Volkswirtschaft erste Anzeichen von Schwäche. Allerdings entwickeln sich andere Bereiche, wie etwa der Dienstleistungssektor weiterhin vergleichsweise stark.“

Die Fed hat im Zuge der jüngsten Leitzinsanhebung ihren Willen bekräftigt, ihre Geldpolitik nach einer ultralockeren Phase in den vergangenen sieben Jahren wieder auf einen normalen Kurs bringen zu wollen. „Wir gehen davon aus, dass die Fed ihre Zinsen im Jahr 2016 möglicherweise noch drei weitere Male erhöhen wird. Doch die Schwäche im verarbeitenden Gewerbe macht die Risiken einer solchen Entscheidung für den Aktienmarkt deutlich. Die Anleger müssen abwarten und sollten genau beobachten, wie sich die Straffung auf die US-Wirtschaft auswirkt.“ (21.12.2016)

Source UK Services Limited ist in Großbritannien durch die Financial Conduct Authority zugelassen und reguliert.


Enzo Puntillo, Head of Fixed Income bei GAM in Zürich, sieht gute Gründe für eine Zinserhöhung in den USA

Es ist Zeit für einen Zinsschritt in den USA. Diese Ansicht vertritt Enzo Puntillo, Head of Fixed Income beim Asset Manager GAM in Zürich: „Das Quantitative Easing und die Nullzinspolitik in den USA haben ihre Schuldigkeit getan. Inzwischen ist kein zusätzlicher Nutzen beider Instrumente mehr erkennbar. Die Fed sollte daher aufhören, der US-Wirtschaft Schmerzmittel zu verabreichen und stattdessen auf etwas Anregenderes setzen.“ Eine Zinserhöhung im Dezember ist dann auch sehr wahrscheinlich. Nach der Veröffentlichung des letzten Fed-Protokolls sei an den Märkten eine Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt von zwei Dritteln eingepreist.

Zinserhöhung dämpft Wirtschaftswachstum nicht zwingend
Zwar sei die Konjunktur in den USA derzeit nicht besonders stark - weder absolut betrachtet noch im Vergleich mit früheren Konjunkturzyklen, erläutert der Experte. Strukturell hänge dies mit dem niedrigeren demographisch bedingten Wachstum und der geringeren Produktivität zusammen. Auf kürzere Sicht entstünde Gegenwind für die Wirtschaft durch die zurückhaltenden Investitionen im Ölsektor, das nachlassende Wachstum der Weltwirtschaft und den starken US-Dollar.

Doch auch vor diesem Hintergrund müsse eine Zinserhöhung das Wirtschaftswachstum nicht unbedingt dämpfen, argumentiert Puntillo. Er empfiehlt, einen oft vernachlässigten Wirtschaftsfaktor in die Betrachtung einzubeziehen: das Zinseinkommen der Privathaushalte. „Wenn man sich den vorigen Zinserhöhungszyklus der Fed anschaut, sieht man, dass dieser zu einem Anstieg der Haushaltseinkommen um 4 bis 4,5 Prozent geführt hat.“ Zwar sei es unwahrscheinlich, dass die Zinsen im aktuellen Zyklus auf ein ähnlich hohes Niveau steigen könnten, so Puntillo weiter. Dennoch würden höhere Zinsen die Haushaltseinkommen erhöhen, ohne dass sich dadurch die Schulden zu stark verteuerten. Insgesamt könne dieser Effekt das Wachstum stützen.

Die geldpolitische Straffung hat längst begonnen
Darüber hinaus müsse man zwischen dem ersten Zinsschritt der Notenbank und dem Beginn der geldpolitischen Straffung unterscheiden, so Puntillo weiter. Die Reaktion der Märkte auf eine Änderung der Geldpolitik erfolge üblicherweise nicht erst zum Zeitpunkt der ersten Zinserhöhung, sondern bereits nach deren Ankündigung. „Diesmal hat die Straffung bereits im Jahr 2013 begonnen – und zwar mit der Ankündigung des Tapering im Jahr 2013“, so Puntillo. „Zu dieser Zeit fand bereits eine Anpassung der Terminzinsen um ein bis zwei Prozentpunkte statt.“

In der Vergangenheit habe die erste Zinserhöhung durch die Fed jedoch häufig dazu geführt, dass der US-Dollar an Stärke eingebüßt habe. „Ob der Dollar-Wechselkurs allerdings auch diesmal sinken wird, ist fraglich, denn andere Zentralbanken werden voraussichtlich noch eine Weile brauchen, bis sie die Zinsen anheben.“ (23.11.2015)

 


Wahlsieg der AKP ist positiv für die Finanzmärkte

Erdinc Benli, Co-Head des Global Emerging Markets Equities Team bei GAM, sieht in dem Ergebnis ein Signal für Investoren, sich nach einer langen Phase der politischen Unsicherheit wieder auf Fundamentaldaten türkischer Unternehmen konzentrieren zu können. Denn nachdem die türkische Regierungspartei AKP bei den Wahlen im Juni ihre absolute Mehrheit verloren hatte, ging sie das Risiko von Neuwahlen ein - und wurde mit einem klaren Wahlsieg belohnt. Investoren können davon profitieren, meint Benli. „Dieses Ergebnis ist unerwartet, aber positiv für die Finanzmärkte. Die politische Unsicherheit, die mit der Pattsituation im Parlament verbunden war, hatte zuletzt den Aktienmarkt und die türkische Währung belastet.“

Dem vorläufigen Ergebnis zufolge hat die AKP bei den Wahlen knapp 50 % der Stimmen im Parlament gewonnen. Darüber hinaus hat auch die prokurdische Partei HDP die Zehn-Prozent-Hürde genommen und ist somit im Parlament vertreten. Benli hält dies für positiv: „Dadurch sinkt das Risiko innenpolitischer Konflikte. Das ist genau, was die Wähler wollen: Frieden, Stabilität und eine starke Regierung, die wirtschaftliche Prosperität ermöglicht.“

Aus Investorensicht werde wichtig sein, wer für die wichtigen Ministerposten nominiert werde. Dies sei zentral, um Vertrauen zurückzugewinnen und die dringend nötigen strukturellen Reformen anzugehen, um die türkische Wirtschaft weiterzuentwickeln. „Insgesamt ist der Wahlausgang aber positiv für den türkischen Aktienmarkt. Dies dürfte kurzfristig für eine Erleichterungsrallye sorgen, auch über den heutigen Tag hinaus“, erklärt Benli.

Zuletzt hätten sich die Kurse türkischer Aktien - in US-Dollar gerechnet - auf Mehrjahrestiefs bewegt. Investoren hätten ihre Engagements in der Türkei zuletzt zurückgefahren. „Insbesondere der Banken- und der Immobiliensektor könnten von der guten Stimmung profitieren. Doch auch regierungsnahe Unternehmen, die zuletzt besonders gelitten hatten, könnten sich besser entwickeln als der Markt.“ (03.11.2015)


Europäische und US-amerikanische Aktien aus zyklischen Branchen haben Kurspotential

Aktien aus zyklischen Branchen bieten nach den Kurskorrekturen der vergangenen Wochen gute Einstiegschancen. Zu dieser Einschätzung kommen die Research-Experten von Source, einem der größten Anbieter von börsengehandelten Produkten (ETPs) in Europa. "Unserer Analyse zufolge sind einige zyklische Aktiensektoren in den USA und Europa nach der Underperformance der Aktienmärkte in den letzten Monaten sehr gut positioniert für eine Erholung bis Jahresende", sagt Paul Jackson, Head of Multi-Asset Research bei Source.
 
In der neueste Ausgabe des Source Sector Selector analysieren die Source-Experten die Gründe für die aktuelle Schwäche an den Aktienmärkten. Sie sehen diese in der Sorge der Investoren über das globale Wirtschaftswachstum begründet. Insbesondere gebe es Befürchtungen, dass sich das Wirtschaftswachstum in China deutlich verlangsamen könnte. Diese Ängste hält Jackson jedoch für unbegründet. "Das globale Wachstum ist trotz der Konjunkturverlangsamung in China ausreichend hoch. Wir rechnen daher damit, dass sich Aktien, Immobilien und hochverzinsliche Unternehmensanleihen in den kommenden Monaten besser entwickeln werden als Staats- und Investment Grade-Anleihen", so der Source-Experte. „Dazu kommt, dass die Bewertungen von US-Aktien unserer Einschätzung nach mit anderen Maßstäben zu messen sind als europäische Aktien. In den USA konzentrieren wir uns vor allem auf das Kurs-Cashflow-Verhältnis, bei europäischen Aktien hingegen auf die Dividendenerträge."
 
Dabei sind derzeit vor allem europäische Dividendentitel günstig bewertet. Jackson Prozent pro Jahr um die derzeitigen Aktienbewertungen zu rechtfertigen. "Insgesamt gehören defensive Sektoren zurzeit zu den teuersten, während Banken und ressourcenbezogene Sektoren sowohl in den USA als auch in Europa zu den preisgünstigsten zählen", erläutert Jackson die Ergebnisse der Source-Analyse . "Der Energieversorgungssektor, eine klassische defensive Allokation, ist außerdem in Europa mit einer Nettoverschuldung von 3,2 relativ zum EBITDA die am stärksten fremdkapitalfinanzierte Branche."
 
Die Source-Analysten empfehlen Investoren, zyklische Konsumgüter in den USA, europäische Medienunternehmen sowie Unternehmen aus Industriegüter und -dienstleistungsbereichen aus beiden Regionen stärker in Betracht zu ziehen. "Außerdem sind wir weiterhin von US-amerikanischen und europäischen Finanzwerten überzeugt, denn ihre Bewertungen und die Kursdynamik sind äußerst attraktiv", so Jackson. Eine Ausnahme bildet jedoch der Finanzdienstleistungssektor in den USA, wo die Bewertungen und die Rentabilität vieler Institute die Source-Experten weniger überzeugen. "Auch bei Grundstoffen sind wir nicht sehr enthusiastisch", schränkt Jackson ein, "denn uns fehlt die Überzeugung, dass der Rohstoff-Superzyklus bereits die Talsohle erreicht hat.“
Source UK Services Limited ist eine in Großbritannien von der Financial Conduct Authority zugelassene und regulierte Gesellschaft. (19.10.2016)


Zinserhöhungen treiben historisch gesehen die Aktienkurse

Die hohe Volatilität an den Kapitalmärkten veranlasst derzeit viele Anleger zu Vorsicht. Dies ist umso erstaunlicher, als dass die globale Wirtschaft ein unvermindert moderates Wachstum aufweist. Vor diesem Hintergrund ist eine wahrscheinliche Zinserhöhung durch die US-Notenbank (Fed) eventuell als weniger besorgniserregend einzustufen, als dies viele Anleger annehmen. Dies sind einige der Einschätzungen, die im neuesten, vierteljährlich erscheinenden Bericht des Multi-Asset-Research-Teams von Source, einem der größten Anbieter von Exchange Traded Products (ETPs) in Europa, hervorgehoben werden.

Paul Jackson, Head of Multi-Asset Research bei Source, meint hierzu: „Wir machen uns keine allzu großen Sorgen über die Zinserhöhung durch die Fed, die unseres Erachtens wahrscheinlich zum Jahresende erfolgen wird. Vielmehr zeigen unsere Analysen, dass die Aktienmärkte in Zinsstraffungszyklen der Fed in der Regel gut abschneiden - insbesondere im Vergleich zu Staatsanleihen und Anleihen mit Investment-Grade-Rating. Mehr Sorgen würde uns dagegen eine dramatische Abkühlung der globalen Wirtschaft bereiten, was die gegenwärtigen Daten indes nicht vermuten lassen.“

Der Source-Experte ist der Auffassung, dass die Bedenken über eine Wirtschaftsabkühlung in China übertrieben sind. Denn die zunehmende Verschuldung des Landes ist eigenfinanziert und ein Großteil der Bankkredite wird durch Einlagen gedeckt. Darüber hinaus verfügt die Zentralbank Chinas über ein breites geldpolitisches Instrumentarium, das ihr nach wie vor eine Reihe von Optionen bietet. Allerdings gesteht Jackson ein, dass das Wirtschaftswachstum in China nachlässt, was sich seiner Meinung nach jedoch stärker an den Rohstoffmärkten als an den globalen Aktien- und anderen Märkten für Risikoanlagen bemerkbar machen dürfte.

Der Bericht hebt die Aussichten für die Aktienmärkte in der Eurozone und Japan hervor, deren Binnenwirtschaften sich im Gegensatz zu den im Zyklus viel weiter fortgeschrittenen Volkswirtschaften der USA und Großbritanniens erst in der Anfangsphase der wirtschaftlichen Expansion befinden. Darüber hinaus kommt der Bericht zu dem Schluss, dass im Bereich der festverzinslichen Anlagen Schwellenländeranleihen auf Sicht der kommenden zwölf Monate die attraktivsten Gesamtrenditen bieten dürften, obgleich ihre Währungen gegenüber dem US-Dollar an Wert verlieren könnten. Da einige der maßgeblichen Volkswirtschaften unter den Schwellenländern derzeit eine Rezession durchlaufen, befindet sich die Weltwirtschaft in einem Umfeld, in dem die Anleihemärkte profitieren sollten. (29.09.2015)


Moderate Erholung der Weltwirtschaft, gemischtes Bild in den nordischen Ländern

Die Weltwirtschaft erholt sich, allerdings langsamer als erwartet, berücksichtigt man die weltweit extrem lockere Geldpolitik und die Halbierung des Ölpreises seit Sommer vergangenen Jahres. Das weltweite Wirtschaftswachstum setzt sich nur mit moderater Geschwindigkeit fort: Für dieses Jahr rechnet Nordea mit einer Zunahme des globalen Bruttoinlandsproduktes um 3,1 Prozent und mit einen weiteren Anstieg um 3,5 Prozent 2016. Die weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen wirken sich auch auf die Wachstumsaussichten der nordischen Volkswirtschaften aus.

Die Volkswirtschaften der nordischen Länder Dänemark, Schweden, Finnland und Norwegen, die stark vom Welthandel abhängig sind, präsentieren sich mit einem gemischten Bild. „Schwedens Wirtschaft hat klar die Führungsrolle übernommen, mit hohem Wachstum und steigender Beschäftigung. Dänemark ist der Übergang in eine stabile Erholungsphase gelungen, wenn auch mit etwas geringerem Wachstumstempo“, sagt Helge J. Pedersen, Chefvolkswirt von Nordea. „Norwegens Wirtschaft steht aufgrund des Ölpreisverfalls nicht mehr voll unter Dampf, während Finnland durch geringere Binnennachfrage und die Schwäche der russischen Wirtschaft hinter die anderen nordischen Länder zurückfällt“, so Pedersen weiter. „Alles in allem müssen die nordischen Volkswirtschaften einen herausfordernden Kurs bewältigen.“

„Insgesamt erwarten wir für die nordische Region Europas ein Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent in diesem Jahr, das sich im kommenden Jahr auf 1,9 Prozent beschleunigen dürfte“, sagt Pedersen. Vor allem Schweden entwickelt sich gut, aber auch Dänemarks Wirtschaft ist mittlerweile in deutlich besserer Verfassung als noch vor wenigen Jahren. „Der starke Ölpreisverfall bedeutet jedoch, dass vor Norwegen einige wirtschaftlich schwächere Jahre liegen“, so Pedersen weiter. „Und auch für Finnland sehen wir derzeit keine Anzeichen einer kräftigen Erholung der Wirtschaft.“

Schwedens Wirtschaft konnte in den vergangenen Jahren aufgrund der kräftigen Inlandsnachfrage um gut 2,5 Prozent wachsen. Vieles spricht dafür, dass das schwedische Bruttoinlandsprodukt sowohl 2015 als auch 2016 um 3 Prozent ansteigen wird. Auf längere Sicht dürfte sich das Wachstum etwas abschwächen, da sich auch die Rahmenbedingungen für weitere wirtschaftliche Expansion verändern. Private und staatliche Nachfrage sowie Investitionen sind die wichtigsten Wachstumstreiber in Schweden.

In Norwegen wirkt sich der Ölpreisverfall auf die wichtigsten inländischen Wirtschaftsindikatoren aus. „Wir erwarten, dass die Dynamik in der Öl-Service-Industrie in den kommenden Jahren weiter abnimmt“, sagt Pedersen. Das dürfte sich auch in den Wachstumsraten der kommenden Jahre niederschlagen: In den nächsten Jahren rechnet Nordea mit einem Wachstum der norwegischen Binnenwirtschaft von rund 1,5 Prozent.

Die wirtschaftliche Aktivität Dänemarks verbessert sich allmählich und schafft so die Basis für eine selbsttragende wirtschaftliche Erholung. Vor diesem Hintergrund geht Nordea von einem Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent in diesem und von 2,0 Prozent im kommenden Jahr aus. Ein Anstieg der Beschäftigung und höhere Immobilienpreise sorgen zudem für ordentliches Wachstum des privaten Konsums.

In Finnland bleiben die Erwartungen für das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts sehr vorsichtig. Es zeichnet sich keine starke Erholung der Exporte ab, weil Finnland vor allem Zwischenprodukte und Investitionsgüter herstellt, während der aktuelle weltweite Aufschwung vor allem von der Konsumgüternachfrage getragen wird. (4.9.2015)


Wir erleben eine Korrektur, nicht den Start eines Bärenmarkts

"Die Schwankungen an den Aktienmärkten dürften zunehmen - ehrlich gesagt waren sie in den vergangen 12 Monaten auch fast zu niedrig. Solange die US-Wirtschaft stabil bleibt, dürfte die Welt aber nicht in eine Rezession rutschen. Trotz der zunehmenden Marktschwankungen sprechen Unternehmensdaten und globales Umfeld weiter für Aktien. Was wir sehen, ist eine Korrektur und nicht der Start eines Bärenmarkts.

Für den Kurssturz am chinesischen Markt sind mehrere Faktoren verantwortlich. Einerseits mehren sich die Zeichen für eine Wachstumsabkühlung. Etliche Indikatoren wie der Autoabsatz, Stromverbrauch und Einkaufsmanagerindex bewegen sich im negativen Terrain. Andere Indikatoren wie die Einzelhandelsumsätze und die Kreditvergabe wachsen langsamer. Auch der Reformmotor ist ins Stottern geraten. Beim Umbau der Staatsbetriebe scheint der Eifer für Privatisierung und für mehr Wettbewerb zu erlahmen und einer Konsolidierung von Wirtschaftszweigen Platz zu machen. Als Herzstück der Reform sollte den Marktkräften eine größere Rolle zugebilligt werden. Diesen Grundsatz scheint man in den letzten Wochen fallen zu lassen zugunsten verstärkter Eingriffe in den Markt. Trotzdem gehe ich davon aus, dass wir es in China mit einer Abkühlung und nicht mit einem Einbruch zu tun haben. Denn auch wenn die Reformen aktuell etwas stocken, werden sie fortgesetzt. So birgt das ehrgeizige Vorhaben der 'neuen Seidenstraße' interessante Möglichkeiten. Und die Abwertung des Renminbi ist Ausdruck einer Öffnung des Kapitalverkehrs. Eine Panikreaktion auf die Wirtschaftsentwicklung sehe ich darin nicht. Weitere Lockerungsmaßnahmen wie die Senkung des Leitzinses und der Mindestreservequote sind wahrscheinlich. Sie dürften der Wirtschaft und den Aktienmärkten helfen.

China bleibt ein Risiko, auch für den japanischen Aktienmarkt. Aktuell ist der japanische Aktienmarkt in einer zwischenzeitlichen Konsolidierungsphase. Insgesamt ist er allerdings aufgrund seiner günstigen Bewertungen und des positiven Ausblicks für das Gewinnwachstum der Unternehmen im Vergleich zu den übrigen entwickelten Märkten gut aufgestellt. Zudem sind die japanischen Unternehmen dabei, ihre Corporate Governance – lange ein Schwachpunkt Japans – zu verbessern. Ich gehe zudem davon aus, dass der Finanzsektor in Japan sich im Zuge der Zinserhöhung in den USA gut entwickelt.

Der deutsche Aktienmarkt ist in den vergangenen drei Monaten stärker abgestraft worden als der europäische Gesamtmarkt, die deutschen Aktien sind in meinen Augen nun überverkauft. Beim Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt der Dax unter dem europäischen Durchschnitt. Das ist nicht gerechtfertigt. Dabei muss man berücksichtigen, dass nur rund 10 - 15 % der Erträge deutscher Unternehmen aus China kommen. Zudem sind nicht alle Exportgüter, die von Investitionsgütern bis hin zu Luxusartikeln reichen, von einer Wachstumsabkühlung gleich stark betroffen. Insgesamt gehe ich davon aus, dass die Gewinne deutscher Unternehmen in diesem Jahr um 7 bis 10 % steigen werden. Tatsächlich haben die meisten Unternehmen mit ihren Gewinnausblicken im zweiten Quartal positiv überrascht. Unterstützt wird dieser Ausblick auch von einem der wichtigsten Indikatoren, dem Einkaufsmanagerindex, der weiter von globalem Wachstum ausgeht." (24.8.2015)


Eine Analyse von US-Vermögensverwalter Janus Capital

Hohe Volatilität an den Finanzmärkten wird auch die zweite Hälfte des laufenden Börsenjahres prägen. Dabei drohen die starken Kursschwankungen der vergangenen Monate von den Anleihe- und Devisenmärkten auf die Aktienmärkte überzuschwappen. Auslöser dafür sind steigende Unsicherheiten etwa in Zusammenhang mit der Wachstumsverlangsamung in China, neue Preisturbulenzen auf dem Ölmarkt oder steigende geopolitische Risiken. Zu dieser Einschätzung kommen die Experten des US-amerikanischen Asset Managers Janus Capital in ihrem Ausblick auf das verbleibende Börsenjahr. "Das immer noch laufende geldpolitische Experiment der Notenbanken wird entweder so ausgehen, dass sich die Weltwirtschaft real erholen wird", sagt Myron S. Scholes, Chief Investment Strategist bei Janus, "oder aber es wird nicht gelingen nachhaltiges Wachstum zu erzeugen. Dann drohen die fiskalischen Ungleichgewichte so groß zu werden, dass die großen Volkswirtschaften Jahre benötigen werden, um den Schuldenüberhang abzubauen." "Wir kommen in eine Phase, in der sich das Anlagerisiko definitiv erhöht hat", ergänzt Janus-Kollege Ashwin Alankar, Global Head of Asset-Allocation & Risk Management. Seiner Beobachtung zufolge waren viele institutionelle und private Anleger in den vergangenen Jahren in Aktien unterinvestiert - was die Märkte gestützt hat. "Doch das hat sich geändert. Die Wahrscheinlichkeit einer deutlichen Korrektur ist daher stark gestiegen“, warnt der Portfolio-Manager.Auch in einem Umfeld eines moderaten globalen Wirtschaftswachstums gibt es allerdings nach Ansicht der Janus-Experten weiterhin gute Anlagemöglichkeiten an einzelnen Aktienmärkten oder in ausgesuchten Branchen. "Eine ganze Reihe multinationaler Konzerne wird aufgrund der Kursverschiebungen an den Devisenmärkten deutlich wettbewerbsfähiger", nennt Carmel Wellso, Director of Research und Portfolio-Managerin bei Janus, ein Beispiel. "Auf der anderen Seite haben einige Regierungen vor dem Hintergrund des anhaltenden schwachen Wachstums in ihrer Volkswirtschaft erhebliche Strukturreformen eingeleitet, deren positive Effekte sich nun zu zeigen beginnen. Das führt dazu, dass sich das wirtschaftliche Klima in diesen Ländern erheblich verbessert.“ Unter diesem Blickwinkel schätzen die Janus-Experten vor allem Japan, Italien und Indien als besonders chancenreich ein. "Die Strukturveränderungen in diesen Ländern lassen eine Reihe von Aktien so attraktiv erscheinen, wie ich es in meiner rund 20jährigen Zeit als Investor noch nicht erlebt habe", sagt Wellso. "Das moderate Wirtschaftstempo wird im Ergebnis zu geringem Wachstum beim Durchschnitt aller Unternehmen führen“, sagt Portfolio-Manager Brian Demain, „Aber auf individueller Ebene ist die Differenz zwischen wachstumsstarken und wachstumsschwachen Firmen so groß wie nie. Der Schlüssel zum Erfolg ist also, sich auf die Outperformer zu konzentrieren und nicht auf den Durchschnitt.“ Als aussichtsreich gilt dabei nach Ansicht des Janus-Experten der Technologiebereich. "Im IT-Sektor profitieren die Hersteller der technischen Infrastruktur und Endgeräte, dass unsere Welt immer mehr vernetzt wird und das Sammeln und die Analyse von Daten für Unternehmen aller Branchen immer wichtiger wird. Firmen im Biotechnologie- und Pharmaziebereich können dagegen aufgrund ihrer laufenden Forschungserfolge mit einem Produktivitätsschub rechnen." "Ein besseres Verständnis von den genetischen Zusammenhängen vieler Krankheiten ist ein wichtiger Katalysator für Innovation im Gesundheitssektor“, ergänzt sein Kollege Andy Acker. "Aber das ist der Anfang. Wir sind überzeugt davon, dass das Innovationstempo weiterhin hoch bleibt und die Gesundheitsbranche Anlegern mit die besten Wachstumschancen bietet, die derzeit am Aktienmarkt zu finden sind.“Nach Einschätzung der Janus-Experten bieten sich jedoch auf längere Sicht auch in Traditionsbranchen Einstiegschancen. "Im aktuellen wirtschaftlichen Umfeld sinken die Möglichkeiten für weiteres Umsatzwachstum. Das sorgt für Druck auf das Management vieler Unternehmen, Strukturanpassungen vorzunehmen und so Shareholder-Value zu schaffen“, sagt Portfolio-Manager Daniel Kozlowski. "Einige Beispiele dafür gibt es bereits - etwa indem Nicht-Kernaktivitäten verkauft, Unternehmensteile abgespalten und an die Börse gebracht oder aber Geschäft zugekauft wurde, um so die Konsolidierung in der Branche voranzutreiben.“ (10.8.2015)


Europäischer Pharmasektor mit guten Wachstumsaussichten

Aktien aus dem Euroraum haben in diesem Jahr bis dato die beste Wertentwicklung unter den international führenden Aktienmärkten erzielt. Das ist angesichts des geringen Wachstums in Europa beeindruckend. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von knapp 16 ist die Region nun allerdings nicht mehr günstiger als andere sondern liegt auf Augenhöhe mit den weltweiten Durchschnittswerten. Von diesem allgemeinen Marktanstieg haben viele Anleger profitiert und schnellen Gewinn gemacht. Ich bin mir aber sicher, dass wahllose Kaufentscheidungen nicht von Dauer sein werden - also Käufe, die weder Risiko und Bilanzen noch Wachstumspotenzial oder Qualität der Unternehmensführung berücksichtigen.Was bedeutet das für meine Titelauswahl? Grundsätzlich wähle ich Aktien von Unternehmen, die von innen heraus wachsen können und dadurch in gewisser Weise unabhängig vom allgemeinen Wirtschaftsumfeld sind. Am stärksten übergewichtet ist aktuell der Pharmasektor mit Titeln wie Bayer, Roche, Novartis und Sanofi. Sie verfügen über hohes Wachstumspotenzial, das sich nicht in ihren Bewertungen widerspiegelt. Die Pharmatitel zeichnen sich durch interessante Produkt-Pipelines aus, die auf Jahre hinaus für absehbare Gewinne sorgen. Getragen werden sie auch von starken zugrunde liegenden Rahmenbedingungen wie der Alterung der Gesellschaft, der frühzeitigen und besseren Diagnose und Behandlung von Erkrankungen sowie einer besseren Gesundheitsversorgung in den Schwellenländern.Skeptisch bin ich bei Basiskonsumgütern. Viele Aktien aus der Branche sind mit einem durchschnittlichen KGV von 21,5 überteuert. Gleichzeitig sind die Gewinnaussichten im niedrigen einstelligen Bereich äußerst bescheiden. Sorgen bereitet mir auch das langsamere Umsatzwachstum in den Schwellenländern. Ihr Anteil am Gesamtumsatz ist bei vielen Branchenakteuren hoch und wird Spuren beim Umsatzwachstum hinterlassen. Auch bei Investitionsgütern und Werkstoffen halte ich mich eher zurück. Ihre Aktien scheinen mir angesichts der fehlenden Preissetzungsmacht in den beiden Branchen relativ teuer. Auch die Kapazitätsauslastung ist insgesamt eher suboptimal, und aktuell verspüren die Unternehmen wenig Druck zu investieren.

Finanzwerte habe ich kürzlich von untergewichtet auf neutral angehoben. Hierbei handelt es sich häufig um Aktien mit hohem Beta, also um Titel, die größeren Schwankungen unterliegen als der Gesamtmarkt. Hinzu kommt, dass ich nach den aktuellen Ereignissen in Griechenland keine massiven Rückschläge für europäische Banken und Versicherer erwarte.

Was einzelne Titel betrifft, ist Ryanair nach wie vor mein Top-Favorit und die größte Position im Fonds. Die Aktie hat sich seit etwa einem Jahr unverändert stark entwickelt. Dank der niedrigen Kostenbasis profitiert Ryanair mit am stärksten vom strukturellen Wachstum von Billigfliegern. Der Schlüssel zum Potenzial des Unternehmens liegt in seiner Preissetzungsmacht, die auf Flexibilität und Kostenkontrolle beruht. So kann es vorübergehend die Preise senken, um die Konkurrenz auf Abstand zu halten und seinen Marktanteil zu vergrößern. Auch der Automobilzulieferer Valeo zählt zu den größten Fondsbeständen. Das Unternehmen konzentriert sich auf innovative Lösungen in langfristigen, margenstarken Wachstumssegmenten wie Sicherheit und Emissionsreduktion. Über ein Viertel des Umsatzes erwirtschaftet Valeo in den Schwellenländern. Das wird künftiges Wachstum von innen verstärken." (3.8.2015)


Bei Aufschwung europäischer Aktien erst Halbzeit

Nach dem Kompromiss mit Griechenland hat an den europäischen Aktienmärkten ein neuer Kursaufschwung eingesetzt, der sich auch in den kommenden Monaten fortsetzen dürfte. Europäische Dividendentitel bieten damit weiterhin sehr gute Anlagechancen. Zu dieser Einschätzung kommt Niall Gallagher, Fondsmanager bei GAM. „Um es mit einem Fußballspiel zu vergleichen: Bei der Erholung der europäischen Aktienmärkte haben wir gerade mal Halbzeit“, sagt Gallagher. „Dabei war die erste Hälfte in diesem Match gekennzeichnet von einer Neubewertung von Aktien, während in der zweiten steigende Unternehmensgewinne die Kurse weiter nach oben treiben werden.“ Ein Grund für die optimistische Prognose des GAM-Experten ist, dass viele strukturelle Ungleichgewichte innerhalb der Eurozone korrigiert worden sind. „In den Peripherieländern sind die Leistungsbilanzdefizite vielerorts in Überschüsse verwandelt worden und eine Reihe von Volkswirtschaften innerhalb der Eurozone steht nun mit einem gesunden Staatshaushalt da.Wieder erstarkter Bankensektor stützt die wirtschaftliche Erholung in der Eurozone"
Auch sei das europäische Bankensystem in den vergangenen Jahren gestärkt worden, indem die Institute ihre Eigenkapitalausstattung erhöht haben. „Auf diese Weise sind die Großbanken wieder in der Lage, die reale Wirtschaft ausreichend mit Krediten zu versorgen“, erläutert Gallagher seine Einschätzung. „Dazu kommt, dass die Volkswirtschaften in der Eurozone vom gesunkenen Ölpreis profitieren. Denn sowohl Unternehmen als auch privaten Haushalte sparen dadurch erheblich bei den Energiekosten, wodurch auf der anderen Seite die Kauf- beziehungsweise Investitionskraft steigt.“ (29.07.2015)


Keine Zinserhöhung in Europa vor 2018

Die Europäische Zentralbank wird ihre Zinsen mit Blick auf die anhaltenden Widrigkeiten in der Region nicht vor 2018 anheben, ist die schottische Investment Management-Gesellschaft Kames Capital überzeugt. John McNeill, Co-Manager des Kames Absolute Return Bond Global Fund, hält eine Zinsanhebung in der Eurozone im Jahr 2017, so wie es der Markt erwartet, für unrealistisch - vor allem in Anbetracht der jüngsten Ereignisse in Griechenland.Seines Erachtens wird es deutlich länger dauern, bis sich die wirtschaftliche Erholung - und die Inflation - so gefestigt haben, dass ein solcher Schritt erforderlich ist. Hinzu kommt, dass sich die EZB gegenwärtig auf ihr laufendes QE-Programm konzentriert."Der Markt hat begonnen, Ende 2017 als Termin für EZB-Zinsanhebungen einzupreisen, aber dieser Zeitpunkt erscheint uns zu früh. Da in Europa weiterhin eine lockere Geldpolitik vorherrscht und die Inflation praktisch immer noch bei fast Null liegt, werden einige Jahre vergehen, bis die EZB die Zinsschraube wieder anziehen kann", so McNeill. Außerdem nimmt das Griechenland-Drama kein Ende, was laut McNeil für die EZB ein weiterer Grund für eine Verschiebung der Zinserhöhungen ist."Geopolitische Risiken, die unter der Oberfläche schwelten, rückten in letzter Zeit stärker in den Vordergrund, wie etwa die aktuelle Entwicklung der Griechenland-Krise und die Volatilität an Chinas Börse. Die europäischen Anleihenmärkte verzeichneten höhere Verluste als ihre Pendants in Großbritannien und den USA. Die Auflösung von Positionen, die Anleger im Vorfeld des EZB-Liquiditätsprogramms aufgebaut hatten, verstärkten die Abflüsse", teilt der Co-Manager mit.McNeill weist ferner darauf hin, dass es sich angesichts der extremen Renditeentwicklung in der Eurozone durchaus wieder lohnen könnte, eine Wette auf den EZB QE-Trade einzugehen: "In Kerneuropa haben wir nach besagten Positionsauflösungen eigens eine Position eröffnet, mit der wir vom QE-Programm der EZB profitieren möchten, ohne vollständig long zu gehen", so McNeill.Der Fonds baute eine Long-Position in 30-jährigen Bundesanleihen auf und ging short in Euro-Swaps mit einer Laufzeit von 30 Jahren in Erwartung einer hohen Nachfrage nach Bunds – in Anbetracht des EZB-Kaufprogramms. "Angesichts des sehr begrenzten Angebots an Bonds im Sommer und der Tatsache, dass die EZB ihre Käufe beschleunigen muss, sollten die Kurse der Bunds stärker als die der Swaps steigen", sagt der Co-Manager. (22.7.2015)


Euro-Peripherie: Kein zweites Griechenland in Sicht

Nach dem vorläufigen Ende der Verhandlungen mit Griechenland scheinen die Krisensorgen in Europa deutlich abzunehmen. Denn nach Ansicht von Enzo Puntillo, Anleihenexperte bei GAM, ist in den von der Schuldenkrise ebenfalls tangierten anderen Staaten der Euro-Peripherie „kein zweites Griechenland in Sicht.“ Die zähen Verhandlungen über die griechischen Schulden hatten zuletzt in Anlegerkreisen auch die Frage aufgeworfen, wie groß die Ansteckungsgefahr besonders für die übrigen sogenannten PIIGS-Staaten der Euro-Zone ist, sprich Portugal, Italien, Irland und Spanien. „Ursprünglich basierte diese Zuordnung auf sehr wenigen Punkten, nämlich dem Schuldenniveau und den Leistungsbilanzdefiziten. Dabei wurde vernachlässigt, dass die Länder wirtschaftlich sehr unterschiedlich aufgestellt sind“, erklärt Puntillo.

Für ihn ist die Frage nach der Ansteckungsgefahr daher unbegründet: „Anders als in Griechenland, das mit allen Symptomen einer ausgewachsenen Schuldenkrise kämpft, ist in den übrigen Peripherie-Staaten davon kaum etwas zu spüren.“ Diese Länder hätten in den vergangenen Jahren sehr viel dafür getan, ihre Haushalts- und Leistungsbilanzdefizite zu senken. Griechenland hingegen habe zwar gewisse Schritte eingeleitet, sei jedoch nicht ausreichend weit gegangen, um die Wirtschaft wettbewerbsfähiger zu machen.

„Die Europäische Zentralbank EZB will weiterhin alles unternehmen, um die Stabilität des Euroraums zu gewährleisten. Dazu gehört auch, das Ansteckungspotential der Griechenlandkrise zu begrenzen“, so der Investmentexperte weiter. Zudem verfüge die Zentralbank unterdessen über ein größeres Arsenal an Schutzmaßnahmen, unter anderem die quantitative geldpolitische Lockerung und das Programm zum gezielten Aufkauf von Staatsanleihen (OMT). Risiken aus Kapitalmarktwetten gegen Peripherie-Anleihen seien auch nicht mehr vorhanden, denn sonst hätte es mit der fortschreitenden Krise in Griechenland bereits massenhafte Eindeckungen von Positionen gegeben.

Keine Ansteckungsgefahr für Italien
Als Italien in die Gruppe der PIIGS einsortiert wurde, hatte das Land keine deutlich gestiegenen Schulden, und sein Leistungs- und Haushaltsdefizit sei keineswegs extrem gewesen. „Die italienische und die griechische Wirtschaft unterscheiden sich weiterhin sehr deutlich, und wir sehen keine Ansteckungsgefahr für Italien“, prognostiziert Puntillo.

Die italienischen Schulden seien überwiegend über den heimischen Privatsektor finanziert, während Griechenland vor allem ausländische Gläubiger hat. „Kaum eine Privatwirtschaft der Welt ist reicher als die italienische, nicht einmal Deutschland kann hier mithalten“, sagt der Investmentexperte. Italien könne es sich nicht leisten, Schulden gegenüber den eigenen Haushalten nicht zu bedienen, jeder Schritt in diese Richtung wäre politischer Selbstmord. Daneben verfüge Italien über einen sehr starken Exportmarkt unter anderem im Luxus-, Maschinenbau-, Automobil- und Pharmasegment und sei damit gegenüber Griechenland deutlich anders positioniert.

„Natürlich bleibt auch in Italien noch einiges zu tun – so muss etwa die Regierung den Arbeitsmarkt flexibilisieren, um mehr Arbeitsplätze für junge Menschen zu schaffen, und gleichzeitig mehr Möglichkeiten zur Erwerbstätigkeit von Frauen schaffen. Aber die Wirtschaft hat viel zu bieten, und es besteht kein Grund für Anleger, demnächst in Italien griechische Verhältnisse zu fürchten“, schlussfolgert Puntillo. (14.07.2015)