Mit Aktien und ETFs auf Batteriehersteller setzen
Der Einsatz von Batterien wächst, die Investmentchancen für Anleger ebenso.
Warum die Kurse von Aktien von Batterieherstellern so stark gestiegen sind
19.4.2026. Der globale Batteriemarkt erlebt 2026 ein außergewöhnlich starkes Nachfragewachstum. ETFs mit diesem Fokus schießen teils dreistellig in die Höhe (Siehe unten). Laut aktuellen Daten von Global Batterys wächst der Markt von 200,6 Mrd. USD (2026) auf 431,8 Mrd. USD bis 2034, angetrieben durch die rapide steigende E‑Mobilität und sinkende Batteriepreise . Zudem steigt die Nachfrage nach EV‑Batterien jährlich um 11,8 %, während China bereits über 50 % aller neuen Elektroautos verkauft – ein zentraler Treiber für Batteriehersteller wie Tesla‑Partner und LG‑Konkurrenten . Auch geopolitische Faktoren spielen eine Rolle: Die Lokalisierung von Lieferketten in Europa und den USA führt zu massiven Investitionen in neue Gigafactories, was die Bewertung der Branche zusätzlich hebt .
Prognose 1: Batteriemarkt wächst 2026–2034 zweistellig
Der weltweite Batteriemarkt soll laut Fortune Business Insights von 200,6 Mrd. USD (2026) auf 431,8 Mrd. USD (2034) steigen – ein jährliches Wachstum von 10 %. Haupttreiber sind Elektroautos, die 2023 bereits 18 % aller Neuwagen ausmachten .
Prognose 2: EV‑Batterien erreichen 2031 ein Marktvolumen von 157 Mrd. USD
Der Markt für Elektrofahrzeugbatterien soll bis 2031 auf 157 Mrd. USD anwachsen. Besonders stark wächst China, wo LFP‑Batterien (Lithium‑Eisenphosphat) aufgrund niedriger Kosten und hoher Sicherheit Marktanteile gewinnen .
Elektroautos bleiben größter Nachfragetreiber
Der wachsende Markt für Elektroautos ist eine zentrale Nachfragequelle für Batterien. BloombergNEF erwartet bis 2030 rund 28 Mio. strombetriebene Fahrzeuge weltweit. Auch stationäre Energiespeicher gewinnen an Bedeutung, da sie Schwankungen bei Wind- und Solarstrom ausgleichen.
Batterien stabilisieren Stromnetze
Wie Analyst Nitesh Shah (WisdomTree) betont, braucht es Speicherlösungen, um Flauten bei Wind und Photovoltaik abzufedern. Batterien können sowohl beim Produzenten als auch beim Konsumenten eingesetzt werden.
Batteriepreise sinken – Effizienz steigt
Die Preise für Lithium‑Ionen‑Batterien fallen seit Jahren. Eine Kilowattstunde kostet laut BloombergNEF nur noch rund 150 USD – bis 2030 könnten es 70 USD sein. Unter 100 USD/kWh wären E‑Autos preislich mit Verbrennern gleichauf.
Wie Anleger in Hersteller von Batterie‑Aktien investieren können
Beim US‑Technologiekonzern Tesla (ISIN: US88160R1014) geht es längst nicht mehr nur, was die Autosparte betrifft, um Elektroautos. In Grünheide bei Berlin produziert das Unternehmen auch Batterien mit neuer Technologie. Die südkoreanische südkoreanische LG Chem (KR7051910008)hat ihre Batteriezellproduktion in China massiv ausgeweitet – die Aktie legte in den vergangenen zwölf Monaten um 61 % zu (Stand 19.4.2026).
1. L&G Battery Value‑Chain: 140 % in einem Jahr
Der ETF ISIN IE00BF0M2Z96 umfasst rund 30 Unternehmen entlang der Batterie‑Wertschöpfungskette – von Technologie bis Rohstoffe. Zu den größten Positionen zählen Tesla, Sony und Hitachi Chemical. Fast die Hälfte des Fondsvermögens entfällt auf Japan.
2. WisdomTree Battery Solutions ): +91 % in einem Jahr
Der ETF ISIN: IE00BKLF1R75 enthält 93 Titel, mit starkem China‑Fokus (rund 30 %). Dazu gehören Ganfeng Lithium, Shenzhen Capchem, Plug Power und Livent. In den vergangenen zwölf Monaten erzielte der ETF ein Kursplus von 91 % (Stand 19.4.2026).
Bei beiden Produkten müssen Anleger sowohl Kurs- als auch Währungsschwankungen beachten.
Autorin: Raja Korinek, Anneliese Proissl
Foto: Pixabay / MikesPhotos
Lösungen gegen Wasserknappheit: Welche Aktien und Fonds profitieren
Die Ressourcen sind begrenzt, der Verbrauch steigt. Ein Brancheninvestment bietet Chancen.
Wasser wird weltweit knapper: Landwirtschaft, Klimawandel und marode Infrastruktur treiben den Verbrauch. Welche Unternehmen Lösungen bieten und wie Anleger profitieren können. Von Wasser-Aktien bis Wasser-Fonds.
Der Weltwassertag am 22. März gewinnt zunehmend an Bedeutung. Die Vereinten Nationen riefen ihn 1992 ins Leben, um das Bewusstsein für die globale Wasserknappheit zu stärken. Obwohl die Erde zu zwei Dritteln aus Wasser besteht, sind nur 0,5 % als Trinkwasser nutzbar – und der Zugang dazu wird für immer mehr Menschen eingeschränkt.
Wasserreserven unter Druck – Landwirtschaft als größter Verbraucher
Die weltweiten Reserven geraten zunehmend unter Stress. 70 % des globalen Wasserverbrauchs entfallen auf die Landwirtschaft, Tendenz steigend. Klimawandelbedingte Dürren und Hitzephasen verschärfen die Lage zusätzlich. Auch Europa ist betroffen: Auf Zypern hat sich die Wasserknappheit im Winter weiter verschärft. Die Regierung prüft daher den Einsatz zusätzlicher Entsalzungsanlagen – ein Ansatz unter vielen.
Bevölkerungswachstum und Urbanisierung erhöhen den Bedarf
Tanja Gudjons von BNP Paribas Asset Management verweist auf einen zentralen Treiber: das starke Bevölkerungswachstum. Bis 2050 werden laut UN rund zehn Milliarden Menschen auf der Erde leben. Parallel schreitet die Urbanisierung in Schwellenländern voran, wodurch mehr Menschen an Wasser- und Abwassersysteme angeschlossen werden müssen.
Auch in Industrienationen besteht Handlungsbedarf: marode Leitungen und veraltete Infrastruktur erfordern umfassende Sanierungen. Die Industrie verstärkt den Trend zusätzlich – etwa durch den Bau neuer Datenzentren, deren Kühlung große Wassermengen benötigt. Gudjons Fazit: „Seit Beginn des 20. Jahrhunderts ist der Wasserverbrauch weltweit um 600 % gestiegen.“
Politik reagiert: EU‑Bericht zeigt alarmierende Zustände
Laut dem jüngsten Bericht der Europäischen Kommission befinden sich nur 39,5 % der Oberflächengewässer in einem guten ökologischen Zustand. Noch kritischer: Nur 26,8 % erreichen einen guten chemischen Zustand, vor allem wegen toxischer Schadstoffe.
Die EU fordert daher:
- schnellere Sanierung belasteter Gewässer
- bessere Anpassung an Dürreperioden
- stärkere grenzüberschreitende Zusammenarbeit
Wasser-Fonds: Firmen mit Lösungen für das Wasser
Für Anleger ergeben sich aus diesen Entwicklungen strukturelle Investmentchancen. Zahlreiche Unternehmen bieten Technologien, Infrastruktur oder Dienstleistungen rund um Wasseraufbereitung, Effizienz und Versorgung.
Pictet‑Water
Pictet-Water: ISIN LU0104884860 ist der bekannteste und größte Wasserfonds. Investiert global in Unternehmen aus Wasseraufbereitung, Infrastruktur, Versorgung, Effizienztechnologien.
KBI Global Sustainable Water Fund
Der zentrale Wasserfonds von KBI ISIN: IE00B5630V84 bietet einer der ältesten thematischen Wasserstrategien weltweit.
Beispiele für Wasser-Aktien aus dem KBI‑Portfolio:
- Xylem (USA): Geräte für Wasser‑ und Abwasseranwendungen
- Kurita Water Industries (Japan): Wasseraufbereitung und industrielle Lösungen
- Veolia (Frankreich): Versorger, größte Einzelposition im Fonds
Geografisch entfallen über 50 % des Fondsvermögens auf die USA, gefolgt von UK und Japan.
BNP Paribas Funds Aqua Fonds (WKN: A14UBQ). Im Fonds ist ähnlich strukturiert und enthält unter anderem:
- American Water Works (USA) – führender Wasserversorger
- Linde (Irland) – Industriegase und Wasseraufbereitung
- iShares Global Water UCITS ETF: Bildet den S&P Global Water Index ab.
- L&G Clean Water UCITS ETF: Fokus auf sauberes Wasser.
- Global X Clean Water UCITS ETF: Kerninvestments konzentrieren sich auf Aufbereitung und Infrastruktur.
Foto: Ricardo Niels Mayer / Fotolia
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Batterie-Aktien: Warum ETFs um bis zu 140 Prozent in einem Jahr gestiegen sind
Batteriespeicher: Das Rad des 21. Jahrhunderts
Der Schlüssel für die effizientere Nutzung von Strom in E-Autos, Haushalten und Rechenzentren.
Stefan Riedel, München (30.01.2026). Der globale Batteriespeicherboom nimmt immer mehr Fahrt auf. 315 Gigawattstunden und damit 50 % mehr als noch vor einem Jahr wurden nach Berechnungen der Marktforscher von Benchmark Mineral Intelligence 2025 installiert. Bis zu 100.000 Drei-Personen-Haushalte lassen sich damit ein Jahr lang mit Strom versorgen. Allein der globale Markt für mobile Energiespeicher, so hat eine Marktstudie des Forschungsinstituts Fortune Business Insights berechnet, soll zwischen 2024 und 2032 von 51,1 auf 156,2 illiarden USD zulegen.
Drei milliardenschwere Zielmärkte
Elektrofahrzeuge und stationäre Energiespeicher (ESS) bilden da-bei gut 90 % des globalen Marktes für Batteriespeicher. Das mit Abstand größte Wachstumspotenzial sieht Richard Buschbeck, Senior Research Manager bei der Fondsboutique TEQ Capital, in den nächsten Jahren im ESS-Bereich: „ESS werden immer wichtiger, damit der Strom genau dann zur Verfügung steht, wenn er wirklich gebraucht wird. Durch die immer weiter fallenden Kosten für Batteriesysteme wird die Kombination aus Solar, Wind und ESS zur günstigsten Stromquelle.“
Ein weiterer Zukunftsmarkt für Speichertechnologien ist der enorme Strombedarf für Rechenzentren und Daten-Infrastruktur. Vor allem die Nutzung der künstlichen Intelligenz erfordert eine stabile und planbare Stromversorgung. Daniel Zimmerer, Portfolio Manager von Swisscanto-Themenfonds, geht davon aus, dass die Datencenter für Künstliche Intelligenz zusammen mit den Erneuerbaren Energien dem gesamten Energiespeichersegment für Batterien, kurz BESS, in den nächsten Jahren voraussichtlich jährliche zweistellige Wachstumsraten bescheren werden.
Lithium-Ionen-Batterien, kurz LIBs, haben sich dabei als dominierende Speichertechnologie etabliert. Als mögliche Alternative könnten Natrium-Ionen-Batterien laut dem TEQ-Experten Buschbeck den kommerziellen Durchbruch schaffen. „Sie versprechen niedrigere Materialkosten, haben aber eine niedrigere Energiedichte, was bei kostensensitiven Endmärkten wie ESS weniger ins Gewicht fällt.“
Weites Blue-Chip-Universum
Spannend für Anleger sind zum einen Energiedienstleister wie Siemens Energy und NextEra Energy oder Versorger wie RWE, die auch an Speicherlösungen mitverdienen. Die E-Auto-Hersteller BYD und Tesla sind eine weitere Option. Deutlich spekulativer sind Zulieferer und Hersteller von Rohstoffen und Chemikalien wie Ganfeng Lithium, Albemarle und Umicore, die für die Herstellung von Lithium-Ionen-Batterien benötigt werden.
Alexander Funk, Geschäftsführer bei RezooM Capital, favorisiert Konzerne wie Samsung SDI, Panasonic oder CATL aus China, die als weltgrößte Batteriehersteller hier auch unterwegs sind. Als Beispiel für Nischenplayer nennt der Experte Enphase Energy aus den USA: „Mit seiner IQ-Batterie für das Speichern von Solarstrom und intelligentem Energiemanagement hat Enphase einen Wachstumstreiber für die nächsten Jahre. Oder nehmen wir Sunrun, den früheren Vertriebspartner von Tesla für deren Wallboxen, die jetzt mit der eigenen Brightbox unterwegs sind.“
Eine Aktie, drei Produkte
Samsung SDI produziert Lithium-Ionen-Batterien, Batterien für Elektroautos, Energiespeichersysteme und Elektronikkomponenten. Angesichts des bis 2027 erwarteten Gewinnsprungs ist die Aktie günstig bewertet. Unter den ETFs bietet der im Jänner 2018 aufgelegte „L&G Battery Value-Chain UCITS ETF“ eine Diversifikation aus 38 Firmen aus den Bereichen Speichertechnologien und Metallproduktion. Technologiefonds wie der TEQ Clean Technologies oder rezooM World sind unter anderem in Unternehmen investiert, die eine technologische Vorreiterrolle bei Energieeffizienz und erneuerbaren Energien spielen.
Foto: Adobe Stock / peterschreiber.media
Neue Börsenstars im Anflug?
Schwaches Jahr bisher, aber spannende Möglichkeiten für Anleger mit Newcomern.
Patrick Baldia. Nach einem eher ruhigen Jahr 2024, in dem laut EY die Zahl der weltweiten Börsengänge um rund 10 % zurückging, deutet sich auch 2025 bislang kein Wiederaufleben der IPO-Tätigkeit an. Vielmehr steht abermals ein Minus von rund 10 % zu Buche. Eine Trendwende deutet sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht ab. Und das ist angesichts des herausfordernden, von Volatilität geprägten Börsenumfelds auch nicht weiter verwunderlich. Geopolitik und US-Zölle lassen grüßen. Das Fazit von Martina Geisler, Leiterin IPO und Partnerin bei EY Österreich: „Erfolgreiche Börsengänge hängen mehr denn je von überzeugenden Wachstumsstrategien, realistischer Bewertung und einer guten Vorbereitung auf die Kapitalmarkterwartungen ab.“
Aber auch wenn schon einmal mehr Unternehmen den Gang aufs Börsenparkett gewagt hatten, haben heuer dennoch interessante IPOs stattgefunden. Etwa im Mai an der Hongkonger Börse, als der chinesische Batteriehersteller CATL (Contemporary Amperex Technology) mit einem Emissionserlös von rund 4 Milliarden Euro für den bislang größten Börsengang 2025 sorgte. Vor zwei Wochen folgte das Nasdaq-Debüt des US-Fintechs Chime (Emissionserlös: 900 Millionen Euro). Und erst Anfang Juni hatte Circle an derselben Börse sein IPO mit einer Milliardenbewertung gefeiert. Spektakulär ist auch die Kursentwicklung seitdem: mehr als 500 %.
Interessante neue IPO-Gelegenheiten sollten sich für Anleger auch in der zweiten Jahreshälfte ergeben. Wie möglicherweise der chinesische Fast-Fashion-Gigant Shein, der nach einem gescheiterten Versuch in London 2024, in den kommenden Wochen sein Glück in Hongkong versuchen sollte. Für April hatte eigentlich Klarna seinen Börsenstart angekündigt. Nachdem der schwedische Zahlungsdienstleister allerdings im Mai für das 1. Quartal einen satten Nettoverlust in Höhe von fast 100 Millionen US-Dollar berichten musste, wurde der IPO offensichtlich vorübergehend verschoben.
Bitpanda doch nicht 2025?
Der aus österreichischer Sicht spektakulärste IPO des Jahres 2025 wäre wohl jener von Bitpanda. Der heimische Kryptobroker hatte bereits Ende der 2010er Jahre einen Börsengang „innerhalb der nächsten fünf Jahre“, in den Raum gestellt. Nicht wenige Beobachter hatten damit gerechnet, dass das nach dem Erhalt der MiCAR-Lizenz im März, die Bitpanda erlaubt, sein komplettes Angebot an Produkten und Dienstleistungen in allen 27 EU-Mitgliedsstaaten anzubieten, noch heuer erfolgen könnte. Zum jetzigen Zeitpunkt schaut es jedenfalls nicht danach aus.
An der Wiener Börse hat bereits im Februar die Steyr Motor AG ihr Börsen-Debut begangen. Das oberösterreichische Unternehmen entwickelt Hochleistungsmotoren für militärische Spezialfahrzeuge und Boote, die auch als Hilfsaggregate für Kampfpanzer und Lokomotiven eingesetzt werden können. Anleger, die zum Eröffnungspreis von 14,90 Euro pro Aktie eingestiegen sind, können sich freuen: Kurz vor Redaktionsschluss notierten die Papiere bei rund 50 Euro.
Für diesen Dezember hat jedenfalls die Südtiroler Zeppelin Hotel Tech S.p.A., die sich auf Hotel Websites und KI-gestützte Online-Marketing-Kampagnen spezialisiert hat, ihr IPO am Wiener Marktplatz angekündigt. Börsenambitionen hat auch Neoh. Das Wiener Startup hat Süßigkeiten wie Schokoriegel, Waffeln oder Kekse entwickelt, die den Blutzuckerspiegel flach halten. Zucker wurde Großteils durch pflanzliche Ballaststoffe ersetzt.
Ein heißer heimischer IPO-Kandidat ist auch die Reploid Group AG. Das Unternehmen mit Sitz in Wels stellt Anlagen her in denen die Larven der Schwarzen Soldatenfliege organische Abfälle in hochwertige Proteine, Fette und Düngemittel verarbeiten.
Foto: Wiener Börse / Nik Pichler
Huber Automotive AG Anleihe 2019/2024
Mehr Liquidität durch Prolongation?
Tibor Pásztory. Der Automobilzulieferer Huber Automotive AG schlägt eine Prolongation samt Zinsanpassung der am 16. April fälligen Anleihe 2019/2024 vor. Was steckt dahinter? Der Börsen-Kurier befragte dazu Martin Huber, CEO des Unternehmens.
Börsen-Kurier: am 16. April wird eine 6 %-Anleihe (ISIN: DE000A2TR430), ausstehend in Höhe von 20,460.000 EUR, zur Rückzahlung fällig. Nun arbeiten Sie auf eine Verlängerung der Laufzeit hin und sind auch bereit, Anpassungen am Zinscoupon vorzunehmen. Salopp gefragt, geht Ihnen das Geld aus?
Martin Huber: Sie müssen sich die Bedingungen der Branche ansehen, in der wir uns bewegen. Da sind CAGR (Compound Annual Growth Rates) von mehr als 20 % per anno üblich und jede Aktivität in diesem Markt ist eine Investition in die Zukunft. Huber Automotive kann hier über einen größeren Zeitraum jährliche Werte von mehr als 30 % vorweisen. Das kostet viel Geld, ist aber unerlässlich, um die Marktposition des Unternehmens in einem begehrten Markt weiter auszubauen. Wir wollen ja nicht in einem Umsatzbereich von 50-100 Mio EUR p.a. stehen bleiben.
Börsen-Kurier: Das sind Werte, die erinnern eher an die Start-up-Welt…
Martin Huber: Das ist tatsächlich so, auch weil unser Tätigkeitsbereich – im weitesten Sinne, die Elektrifizierung der Fahrzeuge – von vielen Außenstehenden immer noch stark als Start-up-Szene wahrgenommen wird. Dabei besteht unser Unternehmen schon seit fast einem Vierteljahrhundert und wir betätigen uns seit 2010 in dem Thema Elektromobilität.
Börsen-Kurier: Können Sie unseren Lesern Ihr Geschäftsmodell näher skizzieren?
Martin Huber: Das Unternehmen mit rund 260 Mitarbeitern hat drei wesentliche Geschäftsbereiche: Die allgemeine Automotive Electronics, den Bereich Batteriemanagement-Komponenten und E-Drive/Hybrid-Systeme. In allen Bereichen bieten wir nicht nur die Produktion an, sondern auch die Hard- und Software Entwicklung. Wir beliefern sowohl OEMs (Fahrzeughersteller; Anm.) als auch Tier 1-Zulieferer. Wir beliefern auch einen der weltweit größten Fahrzeughersteller. Wir bedienen andererseits auch Spezialmärkte und bauen Prototypen und Kleinserien. Als Referenzprojekt dient hier etwa der von uns elektrifizierte Toyota Land Cruiser J7, welcher im Untertagebau eingesetzt wird.
Börsen-Kurier: Muss die Entwicklung Ihrer Produkte durch Sie vorfinanziert werden?
Martin Huber: Ja, das ist die Regel. Es gilt daher die Kunst des Spagats zu beherrschen und die Balance zwischen einem ständig bezuschussungsbedürftigem Start-up Wachstum und dem Bedürfnis Ertrag zu generieren, wie das im klassisch finanzierten Industriebetrieb mit moderatem Wachstum von 5-10% der Fall ist. Aber nur mit einem überproportionalen Wachstum kann in einem stark wachsenden Markt die eigene Position weiter ausgebaut werden. In diesem Zusammenhang muss man sich auch intensiv mit dem wachsenden Bedarf an Elektronik bei chinesischen Batterieherstellern auseinandersetzen, die in zunehmendem Maße Batteriewerke in Europa planen und errichten.
Börsen-Kurier: Ihr Argument lautet also: Um diese erforderlichen Investitionen besser bewerkstelligen zu können, hilft Ihnen eine durch Prolongation der Fälligkeit Ihrer Anleihe entstandene höhere Liquidität?
Martin Huber: Ein weiterer Wachstumskurs über dem marktüblichen wird eine Stärkung des Eigenkapitals erforderlich machen. Um die Anleger für eine Prolongation um drei Jahre zu gewinnen, bieten wir einen marktkonformen Coupon und haben den Zins von 6 % auf 7,5 % per anno angepasst.
Börsen-Kurier: Auffällig und ungewöhnlich ist, dass es seit 2018/19 keine testierten Jahresabschlüsse gibt. Gibt es dazu eine Erklärung?
Martin Huber: In den Wirtschaftsjahren 2019/2020 und 2020/2021 gab es diverse Bewertungsthemen, bei denen wir mit den für diese Jahre zuständigen Wirtschaftsprüfern keinen Konsens finden konnten. Im Dezember 2022 erklärte man uns, dass man für eine going concern-Betrachtung zum Testatstag eine 18-monatige Betrachtung machen muss und ein Testat nur erteilt werden kann, wenn wir die Refinanzierung der Anleihe nachweisen. Es wurde deshalb beschlossen, die Wirtschaftsjahre 2021/2022 sowie 2022/2023 von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Grant Thornton prüfen zu lassen, um die zeitnahe Fertigstellung aller Jahresabschlüsse zu forcieren. Aber auch hier gilt, die Refinanzierung bzw. die Prolongation der Anleihe stellt eine Grundvoraussetzung für das Testat dar.
Börsen-Kurier: Wie sieht das geplante Procedere nun aus?
Martin Huber: Bei der Anleiheemission 2019 handelte es sich um ein Private Placement mit qualifizierten Investoren und einer Mindestzeichnungssumme von 100.000 EUR. Durch Sekundärverkäufe an der Börse gibt es aber inzwischen auch Anleihegläubiger, die mit kleineren Beträgen investiert sind. Nachdem nun im Bundesanzeiger sowie auf unserer Website eine Aufforderung zur Stimmabgabe veröffentlicht worden ist, erhalten alle in die Anleihe Investierten von 2. bis 4. April die Möglichkeit per Post, Fax oder E-Mail ihr Stimmrecht zu nutzen. Es ist eine Abstimmung ohne Versammlung. Wird unser Vorschlag wirksam angenommen, kommt es nicht nur zu einer Prolongation um drei Jahre, sondern auch zur Erhöhung des Coupons auf 7,5 % in ebendiesem Zeitraum. Darüber hinaus wird damit einem Kündigungsverzicht seitens der Anleger zugestimmt, wenn und soweit bestimmte zur Kündigung berechtigende Umstände vorliegen, die bis einschließlich zum 15. Mai 2024 eingetreten sind.
Börsen-Kurier: Das Abstimmverhalten wird wohl auch vom Ausblick Ihres Unternehmens abhängen…
Martin Huber: Die Regularien im Kapitalmarkt sind streng, und wir können aus Haftungsgründen keine Wachstumsprognosen abgeben. Potenzielle Kunden können wir namentlich sowieso nicht benennen. Zählt man aber das Gesamtvolumen aller Ausschreibungen zusammen, an denen wir aktuell teilnehmen, so ist das tief im 3-stelligen Mio. Euro-Bereich. Wobei ich klarstellen möchte, dass abgegebene Angebote nichts darüber aussagen, welche Chancen man letztendlich hat als Lieferant final nominiert zu werden. Marktpotenzial für weiteres überproportionales Wachstum gibt es jedenfalls genug.
Börsen-Kurier: Wir danken für das Gespräch.
Die wahren Profiteure des E-Auto-Booms
Die E-Auto-Wertschöpfungskette bringt an der Börse zahlreiche Gewinner hervor.
Michael Kordovsky. Hohe Investitionssummen sind erforderlich, um dem Klimawandel Einhalt zu gebieten. Dabei entstehen völlig neue Infrastrukturen und Wertschöpfungsketten, insbesondere im Automobilbereich, wo sich immer mehr eine Aufteilung auf Pkw mit batteriebetriebenem Elektromotor und Nutzfahrzeuge mit Brennstoffzellenantrieb abzeichnet. Laut den Experten von BloombergNEF sollte weltweit die Elektro-Fahrzeugflotte von Ende 2022 bis 2026 von 27 auf mehr als 100 Millionen E-Pkw wachsen. 2040 sollten es bereits 700 Millionen sein.
Was dabei entsteht, sind völlig neue Wertschöpfungsketten. Am nächsten beim Verbraucher und Endabnehmer sind die Automobilhersteller, die derzeit vor allem im Bereich der E-Pkw im bedeutenden chinesischen Markt regelrechte Preiskämpfe ausfechten. Medienberichten zufolge senkte beispielweise Tesla von Dezember 2022 bis Dezember 2023 vor Ort die Preise für Model 3 und Y um je 6 bzw. 11 %, während BYD über das Jahr 2023 hinweg die Preise einiger Kassenschlager sogar um 10 bis 17 % reduzierte. Das kurbelt den mengenmäßigen Absatz an. Während infolge des intensiven Wettbewerbs noch nicht klar ist, wer langfristig als Sieger hervorgeht, zeichnen sich auf der Zulieferseite der Wertschöpfungskette bereits eine Reihe von Gewinner ab.
Gewinner der Wertschöpfungskette
Es sind innovative etablierte Batteriehersteller wie Panasonic (ISIN: JP3866800000), langjähriger Batteriezellenlieferant für Tesla mit Werken in Japan, China und den USA. Bekannt ist das Unternehmen für die Gigafactory-Kooperation mit Tesla in Nevada, wo Batterien für Tesla Model 3 und Y produziert werden. Die Aktie ist auf Basis eines Kurses von 8,71 Euro mit einem für 2024/25 (das Geschäftsjahr endet per 31.3.) erwarteten KGV von 8,8 günstig bewertet. Der weltweit größte Hersteller von E-Auto-Batterien ist allerdings das chinesische Unternehmen Contemporary Amperex Technology (CATL) mit der ISIN CNE100003662, das am 17. Jänner mit dem chinesischen E-Auto-Hersteller Nio eine Entwicklungskooperation vereinbarte. Allerdings notiert die Aktie des Unternehmens nur in China. Laut Analystenkonsens sollte der freie Cashflow von 2023 bis 2025 um rund 123 % steigen und die für 2024 und 2025 erwarteten KGVs sollten lediglich bei je 13,6 bzw. 11,1 liegen.
Auch in Deutschland notiert die Aktie der koreanischen Samsung SDI (US7960542030), ein Komplettanbieter für Speicherzellen, Batteriemodule und Batteriesysteme für reine E-Fahrzeuge sowie für Hybrid- und Plug-In-Hybridfahrzeuge. Das Batterie-Geschäftsfeld des Unternehmens konnte 2023 den Umsatz und das Betriebsergebnis um je 40 bzw. 93 % steigern, während der Konzernumsatz um 12,8 % wuchs. Der Wachstumskurs der vergangenen Jahre sollte sich weiter fortsetzen und das von Analysten für 2025 erwartete KGV liegt bei 10,3.
Ein E-Auto hat im Vergleich zu Verbrennern doppelt so viel an Elektronik und Halbleiter eingebaut, wovon beispiels-weise Infineon (DE0006231004) profitiert, deren Wachstumstreiber Bauteile sind, die den Energiefluss steuern. Bei Infineon rechnen laut Analystenkonsens von 2024 bis 2027 mit einem Wachstum des Ergebnis pro Aktie von 2,11 auf 3,06 Euro. Das für 2024 geschätzte KGV liegt auf Basis eines Kurses von 33,64 Euro bei günstigen 12,8. Ein E-Auto benötigt aber auch Elektromotoren, und hier kommt als Zulieferer der japanische Elektromotorenhersteller Nidec (JP3734800000) ins Spiel. Analysten trauen dem Unternehmen von 2024 bis 2028 ein Gewinnwachstum pro Aktie von 15,5 % p.a. zu.
Rohstoffe
Als Basis der Wertschöpfungskette werden immer mehr Rohstoffe für Batterien und Elektronik wie Lithium, Nickel und Kupfer benötigt. Im Rohstoff-Bereich wäre somit die Minengesellschaft Vale (Nickel, Eisenerz; ISIN: BRVALEACNOR0) interessant, aber auch die im Kupfer-Bergbau tätige Freeport McMoRan (US35671D8570), deren Gewinne pro Aktie in den vergangenen vier Quartalen kontinuierlich und im Schnitt knapp 22 % über den Analystenschätzungen lag. Im Lithium-Bereich sollte auch ein Blick auf die chinesische Gangfeng Lithium (CNE1000031W9) und Albemarle (US0126531013) geworfen werden. Der Gewinnverlauf dieser Gesellschaften ist aber stark vom Lithiumpreis abhängig.
Foto: Pixabay / MikesPhotos
Eine nachhaltige Welt auch ohne COP27
Der Klimagipfel brachte wenig Ergebnisse, die Energiewende schreitet dennoch voran.
Raja Korinek. Am 20. November ging die Weltklimakonferenz COP27 im ägyptischen Sharm el-Sheikh zu Ende. Für Klimaschützer waren die Ergebnisse enttäuschend. Zwar einigten sich die rund 200 teilnehmenden Staaten auf die Gründung eines Fonds für arme Länder, um die Folgen von Klimakatastrophen abzufedern.
Doch die vielen Kritiker hätten sich verstärkte Bemühungen zur Emissionsbekämpfung erhofft. Michael Lewis, Head of Research ESG bei der DWS, sagt, „der Fokus auf die Reduzierung von Treibhausgasemissionen zur Erreichung des 1,5-Grad-Ziels rückte in den Hintergrund und deutlichere Selbst-verpflichtungen für den Ausstieg aus der Nutzung von Kohle und anderen fossilen Brennstoffen blieben aus.“
Fortschritte auch ohne Klimagipfel
Droht der Kampf gegen den Klimawandel ins Hintertreffen zu geraten? Pauline Grange, Portfoliomanagerin bei Columbia Threadneedle Investments, sieht auch abseits der Konferenz Fortschritte. Sie verweist auf konkrete Beispiele: So deckten zwischen März und September 2022 Kapazitäten aus Wind- und Solarenergie gut 24 % des gesamten Energiebedarfs in der EU ab, der höchste Wert, der je in einem Sechsmonatszeitraum erreicht wurde.
Auch in anderen Regionen sieht die Columbia Threadneedle-Expertin positive Entwicklungen. In Indien etwa hat die Regierung einen neuen Klimaplan abgesegnet und sich verpflichtet, die Emissionsintensität seines Wirtschaftswachstums bis 2030 um 45 % (von zuvor 33 bis 35 %) gegenüber dem Stand von 2005 zu senken. Damit ist aber längst nicht Schluss. Obendrein sollen bis 2030 gut 50 % der Strom-erzeugung aus nicht-fossilen Energieressourcen – zu denen Sonne, Wind, Kernenergie und Wasserkraft zählen – hinzukommen.
US-Gesetz als wichtige Stütze
„Der bedeutendste Meilenstein bei der Unterstützung der Klimapolitik wurde allerdings in den USA mit der Verabschiedung des Inflation Reduction Act (IRA) im vergangenen August erreicht“, konstatiert Grange. Sie meint, aufgrund umfangreicher Steuergutschriften und finanzieller Unterstützung schaffe das Gesetz Anreize für den Ausbau sauberer Energien. Die Dekarbonisierung der US-Wirtschaft werde damit vorangetrieben. Konkret sollen in den kommenden zehn Jahren zumindest 369 MioUSD unter anderem in erneuerbare Energien, Elektrofahrzeuge und effiziente Gebäude investiert werden.
Freilich, IRA sorgt in der EU derzeit auch für reichlich Irritationen und zeigt einmal mehr, dass der Weg in die Nachhaltigkeit nicht immer ganz einfach ist. Der Vorwurf? Das besagte US-Gesetz verzerre den Wettbewerb. Bernd Lange, Chef des Handelsausschusses im EU-Parlament, fordert deshalb, dass die EU Klage gegen die USA bei der Welthandelsorganisation einbringt.
Chancen für Anleger
Dennoch eröffnet die Energiewende Anlegern reichlich Möglichkeiten. Grange verweist in diesem Zusammenhang auf Chancen etwa beim US-Versorger Nextera Energy (ISIN: US65339F1012). Der Konzern ist einer der weltweit größten Produzenten von Wind- und Solarenergie. Und könnte Grange zufolge vom IRA profitieren, da das Gesetz Investitionen in solche Bereiche ankurbeln dürfte.
Solche Energien müssen jedoch auch gespeichert werden, der Bedarf an Speicherkapazitäten werde damit ebenfalls zunehmen. Die Expertin räumt deshalb Batterieherstellern wie dem koreanischen Samsung SDI (US7960542030) gute Chancen ein, etwa um von der wachsenden US-Nachfrage nach stationären Batteriespeichern, aber auch nach Batterien für die Elektromobilität, zu profitieren.
Foto: Pixabay / ejaugsburg
Chinesische Marken: Neue Lieblinge in der Heimat
von René Kerkhoff, Analyst für die Sektoren Technologie, Automotive und Retail sowie Fondsmanager des DJE – Mittelstand & Innovation bei der DJE Kapital AG
(16.02.) Ob schicke Sportschuhe, Babynahrung, Make-up oder luxuriöse Elektro-SUVs: Durch geschicktes Marketing, günstige Preise und nicht zuletzt durch den Appell an das Nationalgefühl machen chinesische Marken auf ihrem Heimatmarkt den globalen Anbietern ernstzunehmende Konkurrenz.
Nach Skandal – chinesische Produzenten gewinnen Konsumentenvertrauen
Im Jahr 2008 erschütterte ein Skandal um verseuchtes Milchpulver die jungen Eltern im Reich der Mitte. Mindestens sechs Babys starben – und etwa 300.000 wurden schwer krank, nachdem sie eine in China hergestellte Säuglingsnahrung getrunken hatten. Diese enthielt die giftige Industriechemikalie Melamin. Der Stoff, der einen höheren Eiweißgehalt der Kleinkindernahrung vortäuschen sollte, führte zu schweren Nierenerkrankungen. Das Vertrauen in chinesische Säuglingsnahrungshersteller war dadurch zutiefst gestört. Viele chinesische Eltern stiegen auf ausländische Marken um, deren Qualität als sicher galt. Als Reaktion auf den Eklat stellten mehrere Länder, darunter Singapur und Japan, den Import von chinesischer Milch ein. Die EU verschärfte das bereits bestehende Importverbot von Milch und Milchprodukten aus China. Die chinesische Regierung verhängte drastische Strafen über die Verantwortlichen und versicherte, zukünftig entschlossen gegen Probleme bei der Lebensmittelsicherheit vorzugehen.
Inzwischen hat sich die Lage gewandelt. Unter den chinesischen Milchpulverproduzenten hat es die China Feihe Ltd. aus Peking geschafft, das Verbrauchervertrauen zurückzugewinnen und ist seit zwei Jahren führender Anbieter für Babynahrung in China. Zu Beginn war der Erfolg wohl an eine Branding-Kampagne geknüpft, die eine ausländische Provenienz implizierte: Bis 2013 war Feihe als American Dairy Inc. an der New York Stock Exchange notiert. Nach der Rückkehr zu ihrem chinesischen Namen betont Feihe, die heimische Babynahrung habe die höchste Qualität in der Geschichte und sei vergleichbar mit der der führenden globalen Marken. Außerdem verspricht die Werbung, dass ihr Produkt besser auf die Bedürfnisse chinesischer Babys abgestimmt sei als ausländische Erzeugnisse.
Zunehmender Wettbewerbsdruck für globale Marktführer
Global führende Anbieter von Babynahrung wie Nestlé oder Danone sind auf dem chinesischen Markt mittlerweile einem höheren Konkurrenzdruck durch die lokalen Anbieter ausgesetzt als noch vor wenigen Jahren. Corona hat diese Entwicklung weiter beschleunigt. Im Verlauf der Pandemie hat die chinesische Regierung den sogenannten Daigou-Handel – das bedeutet eine Person außerhalb Chinas kauft Waren für eine in China lebende Person – massiv eingeschränkt. In der Folge konnten die hohen Wachstumsraten der Vergangenheit von Nestlé und Co. nicht gehalten werden. Die rückläufige Geburtenrate in China tat ihr Übriges.
Verbesserte Qualität chinesischer Produkte
Egal ob Babynahrung, Mineralwasser, Sportbekleidung oder Hautcreme – die in China heimischen Marken machen den bekannten Marken global agierender Konzerne Konkurrenz. Qualitativ haben die chinesischen Anbieter inzwischen praktisch in allen Sparten massiv aufgeholt. Sportschuhe führender chinesischer Produzenten wie Anta Sports sind qualitativ mit den Produkten von Nike, Adidas und Co. vergleichbar, aber oftmals wesentlich günstiger. 2020 stellte erstmals ein einheimischer Produzent den – für eine gewisse Zeit – angesagtesten Turnschuh her. Doch es war nicht die verbesserte Qualität allein. In den vergangenen Jahren hat auch ein zunehmendes Nationalbewusstsein („Buy Chinese“ bzw. „Kauft chinesisch“) den einheimischen Produkten Auftrieb gegeben.
Corona-Pandemie verstärkt den Wandel
Die Covid-19-Pandemie hat auch diesen Wandel verstärkt. In Zeiten knapper oder unsicherer Haushaltsbudgets nimmt die Attraktivität günstigerer Waren zu und die lokal hergestellten Produkte kosten meist deutlich weniger als die ausländischer Markenanbieter. Hinzu kommt: Lokale Marken sind meist auch bei den führenden chinesischen Online-Plattformen besser positioniert. Da diese Plattformen in der Pandemie großen Zulauf erfahren haben, haben die multinationalen Unternehmen gegenüber den chinesischen Marken in Marketing und Vertrieb einen zunehmend schweren Stand.
Premium-Segment – noch von ausländischen Herstellern dominiert
Marktforscher bestätigen: chinesische Käufer haben inzwischen ein stärkeres Vertrauen in lokale Marken. Nach Angaben von Daxue Consulting stellen lokale Firmen mittlerweile sieben der zehn größten Kosmetikmarken. Noch 2017 waren es nur drei. Aufstrebende chinesische Marken wie die Kosmetikanbieter Perfect Diary oder Yatsen sind vom ersten Tag an eher digital, etwa bei Tmall, einem Online-Einzelhändler der Alibaba Group, präsent und investieren sehr viel in Marketing über Social-Media-Kanäle. Das drückt auf die Gewinnspanne. Yatsen zum Beispiel hat eine operative Marge von nur etwa 5 Prozent. Multinationale Unternehmen wie Estée Lauder und L’Oréal investieren zwar ebenfalls sehr viel in ihr Online-Angebot, lenken den Fokus aber ganz klar auf das deutlich profitablere Premium-Segment. Vor diesem Hintergrund sind die Marktanteilsverluste der Make-up-Linie Maybelline von L’Oréal im chinesischen Massenmarkt von rund 10 Prozent seit 2010 nicht verwunderlich. Gleichzeitig hat L’Oréal aber im Premium-Segment mit Yves Saint Laurent und Giorgio Armani zwei neue Make-up-Marken erfolgreich etabliert und konnte in den vergangenen fünf Jahren rund 15 Prozent Marktanteil hinzugewinnen. Gefährlich dürfte es für die westlichen Kosmetikhersteller daher erst werden, wenn die chinesischen Konkurrenten auch in das wesentlich lukrativere und schneller wachsende Premium-Segment für Hautpflege vordringen. Bislang kann sich hier L’Oréal mit der Marke Lancôme noch sehr gut behaupten.
Für den chinesischen Geschmack
Das Marketing der chinesischen Unternehmen kommt bei den Einheimischen an. Während die ausländische Marke den Nährwert ihrer Säuglingsnahrung anpreist, pflegt die einheimische Marke Feihe die Beziehungen zu den Verbrauchern über Treueprogramme, Hilfsgruppen für frischgebackene Eltern oder Buchbände mit Gute-Nacht-Geschichten. Und chinesische Marken passen ihre Waren zunehmend an den heimischen Geschmack an. China Mengniu Dairy Co. steigerte beispielsweise den Verkauf seiner Milchprodukte durch Innovationen wie Käse mit Ananasgeschmack und Snacks mit Tintenfisch zusätzlich zum Basisangebot aus Milch und Fruchtjoghurt.
Nur wenige internationale Konzerne sind ebenso agil und operieren mit innovativen Vertriebsstrategien. So verkaufte Estée Lauder am chinesischen „Singles’ Day“ – mit einer Livestreaming-Kampagne, Zwei-für-Eins-Rabatten und Ratenzahlungsplänen – Produkte für mehr als 2 Milliarden Yuan (mehr als 250 Millionen Euro). Und die auf Geflügel spezialisierte US-Fast-Food-Kette Kentucky Fried Chicken (KFC) – immer noch die größte in China – ergänzte ihr Brathähnchen für Kunden, die in der Pandemie zu Hause festsaßen, mit Produkten wie schnellkochenden, sauren Schneckennudeln. Ausländische Marken dominieren bis heute in Hochpreis-Kategorien wie exklusiven Handtaschen und Luxusautos. Doch gerade die Autohersteller müssen aufpassen.
Automarkt: Der Vorsprung deutscher Topmarken schmilzt
China ist mit Abstand der größte Automarkt der Welt – und daher ein Schlüsselmarkt für deutsche Hersteller. Diese haben einen sehr guten Ruf. Bislang kaufen die Chinesen gern die top ausgestatteten Luxusmodelle und die Profitabilität in China ist für deutsche Hersteller ungleich höher als in Deutschland. Doch einer aktuellen Umfrage zufolge ist das angesagteste Auto in China kein Porsche oder Tesla mehr, sondern ein NIO. Die Marke gibt es erst seit 2014 und kann sich in Sachen Tradition und Strahlkraft (zumindest noch) nicht mit europäischen Marken messen. Dennoch hat NIO mit seinem Elektro-SUV bei Qualität und Design einen Riesensprung gemacht, bietet eine ordentliche Reichweite und ist deutlich günstiger als etwa ein vergleichbares Modell von BMW. Der Wettbewerbsdruck auf europäische Hersteller steigt durch chinesische Anbieter zunehmend.
Chinesische Automarken punkten mit innovativen Geschäftsmodellen
NIO ist nicht allein. Weitere chinesische Autohersteller wie BYD, BAIC oder Geely drängen derzeit mit neuen E-Autos auf den Markt. Sie winken nicht nur mit moderner Technik und günstigeren Preisen, sondern gehen auch neue Wege. So spart sich die dreijährige Geely-Tochter Lynk & Co ein teures Vertriebsnetz. Konfiguriert und bestellt wird online. Alternativ zum Kauf bietet Lynk auch ein günstiges Abo-Paket inklusive Wartung, Steuer und Versicherung an, bei dem die Abonnenten ihr Auto mit Dritten teilen und so auch noch Geld verdienen können. Auch Aiways startet mit einem ungewohnten Konzept für sein E-SUV. Es wartet dank neuer Akkutechnologie mit großer Reichweite auch bei Minusgraden zu einem konkurrenzfähigen Preis auf – und das nicht nur in China. In Europa können Kunden den Wagen bei den Filialen des Elektronikhändlers Euronics Probe fahren. Bestellt wird online und für die Wartung hat sich Aiways mit dem Kraftfahrzeugzubehör- und Autoteilehändler A.T.U. zusammengetan, der ein weites Werkstattnetz betreibt. Herzstück der E-Mobilität ist die Batterie. Daher brauchen Autohersteller eine Partnerschaft mit erfolgreichen und innovativen Batterieherstellern. Einer der weltweit führenden Batteriehersteller heißt CATL und sitzt in China – ein möglicher Vorteil für chinesische Automarken.
Chinesische Anbieter holen auf – und bieten interessante Anlagemöglichkeiten
Westliche Marken haben in China noch immer einen hohen Stellenwert. Doch chinesische Anbieter haben branchenübergreifend massiv aufgeholt oder sind ihrer ausländischen Konkurrenz mit Blick auf Marketing und Vertrieb oder sogar technisch zum Teil eine Nasenlänge voraus. Die E-Mobilität ist nur ein Beispiel dafür. „Kauft chinesisch“ kommt bei den chinesischen Kunden auch gut an. Für Investoren erweitern sich dadurch die Möglichkeiten, in den chinesischen Binnenmarkt zu investieren.
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E-Mobilität als Investmentchance
Was die Zukunft des Autofahrens den Anlegern bringt. (14.02.)
Raja Korinek. Inzwischen vergeht kaum ein Tag ohne neue Meldungen aus der Welt der Elektromobilität. Jüngst waren es etwa Ford und Volkswagen. Sie kündigten eine Allianz auf der US-Automesse in Detroit an. Unter anderem soll die Zusammenarbeit selbstfahrende Autos, Mobilitätsdienste und Elektroautos umfassen. Was einmal mehr zeigt, wie ernst es den Autobauern mit der Umstellung auf strombetriebene Boliden ist.
Einzig, wie rasch der Wandel vorangehen wird, das bleibt freilich abzuwarten. Jedenfalls forcieren auch andere Branchenkonzerne eifrig den Umstieg. Bis zum Jahr 2025 plant etwa BMW 25 voll- oder teilelektrisierten Fahrzeugreihen. Der Volkswagen-Konzern will bis dahin unter anderem 50 Elektroauto-Modelle anbieten.
Wer baut Batterien?
Mit dieser Entwicklung rücken auch die entsprechenden Komponenten in den Fokus, allen voran die Batterie. Denn ohne sie rennt freilich nichts. Derzeit kommen die weltweit größten Batterieproduzenten aus Asien. In China sind es etwa Unternehmen wie BYD (ISIN: CNE100000296) und Lishen, in Südkorea LG Chem Ltd. (KR705 1910008) und Samsung (KR70059 30003). Anders in Europa, die Region spielt derzeit noch eine kleine Rolle, auch wenn die Politik versucht, Initiativen beispielsweise in Deutschland zu setzen.
Doch wer Batterien herstellen möchte, benötigt freilich auch die entsprechenden Rohstoffe. Dabei ist Lithium ein wichtiger Bestandteil leistungsfähiger Akkus. Immerhin stecken in einem Standard-Akku für Elektroautos gut 10 Kilo Lithium, in den Tesla-Modellen können es bis zu 40 Kilo sein.
Zertifikate auf die Mobilität
Für Anleger gibt es Zertifikate, die genau diese Themen abdecken. Eines davon ist das Open-End-Partizipationszertifikat auf den „Solactive Battery Energy Storage Performance-Index“ von Vontobel (DE000VL5 3BE). Der Index bildet die Kursentwicklung von 14 Unternehmen ab, die in der Wertschöpfungskette der Batterieherstellung (Lithiumförderung, Chemiefirmen, Batterieproduzenten) tätig sind. Dazu zählt nebst LG Chem der US-Batteriehersteller Enersys (US29275Y1029) und die chinesische Tianneng Power International (KYG8655K 1094), ebenfalls ein Batteriehersteller.
Eine weitere Möglichkeit bietet das Open-End-Indexzertifikat auf den „Solactive Elektromobilität und Autonomes Fahren Technologieträger Index“ der UBS (DE000 UBS9EM9). Der Index enthält 20 Unternehmen, die führende Technologieträger im Bereich Elektroautos und autonomes Fahren sind.
Autobauer verpönt
Autohersteller werden außen vorgelassen aufgrund der Unwägbarkeiten beim Übergang in eine neue Mobilitätsära. Zu den größten Indexpositionen zählen vielmehr die Technologiefirma Toshiba (JP3 592200004) sowie der Halbleiterhersteller Rohm (JP3982800009), beide sind aus Japan. Die europäischen Netzwerkausrüster Nokia (FI0009000681) und Ericsson (SE0 000108656) zählen ebenso dazu.
Bei beiden Zertifikaten muss man aber das Kurs- als auch das Währungsrisiko beachten.
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