Ist Steuer auf Roboter sinnvoll?

Die Idee einer Robotersteuer wurde im Vorjahr in einem Bericht an das Europaparlament aufgebracht. Was spricht dafür? Und es spricht auch einiges für eine moderate Besteuerung in Zeiten von Transformationen unserer Arbeitswelt.

Der Bericht betonte, wie sehr Roboter die Ungleichheit verstärken könnten, und schlug vor, dass eine „Notwendigkeit, in dem Maße und in dem Verhältnis Anforderungen an die Berichterstattung von Unternehmen einzuführen, in dem Robotik und Künstliche Intelligenz zu den wirtschaftlichen Ergebnissen eines Unternehmens beitragen, zum Zwecke der Besteuerung und der Beiträge zur Sozialversicherung in Erwägung gezogen werden sollte“.

Die öffentliche Reaktion auf Delvaux’ Vorschlag war – mit der bemerkenswerten Ausnahme von Bill Gates, der sich dafür aussprach – überwiegend negativ. Doch wir sollten die Idee nicht einfach so verwerfen. Allein im vergangenen Jahr haben wir die Verbreitung von Geräten wie Google Home und Amazon Echo Dot (Alexa) erlebt, die einige Aspekte von Haushaltshilfen ersetzen. Genauso haben die fahrerlosen Taxidienste Delphi und nuTonomy in Singapur begonnen, Taxifahrer zu ersetzen. Und Doordash ersetzt mit selbstfahrenden Mini-Fahrzeugen von Starship Technologies das Lieferpersonal von Restaurants.

Wenn diese und andere Arbeitskräfte verdrängende Innovationen sich durchsetzen, werden angesichts der Probleme, die auftreten, wenn Menschen ihre Arbeit verlieren, Forderungen zu ihrer Besteuerung mit Sicherheit lauter werden. Optimisten verweisen darauf, dass es immer neue Arbeitsplätze für Menschen gegeben habe, die durch neue Technologien ersetzt wurden. Doch angesichts der sich beschleunigenden Roboterrevolution wachsen die Zweifel, wie gut das diesmal ablaufen wird. Eine Robotersteuer könnte, so hoffen deren Befürworter, diesen Prozess zumindest vorübergehend verlangsamen und Geld für Anpassungsmaßnahmen wie Umschulungen für verdrängte Arbeitnehmer zur Verfügung stellen.

Derartige Programme sind möglicherweise genauso unverzichtbar wie unsere Arbeit für ein gesundes menschliches Leben wie wir es kennen. In seinem Buch „Rewarding Work“ hat Edmund S. Phelps die grundlegende Bedeutung der Bewahrung eines „Platzes in der Gesellschaft“, „ einer „Berufung“ – herausgestellt. Wenn viele Menschen nicht mehr in der Lage sind, eine Familie zu ernähren, ergeben sich daraus beunruhigende Folgen, und es könnte, wie Phelps betont, „die Funktionsweise der kompletten Gemeinschaft beeinträchtigt werden“. Anders ausgedrückt: Die Robotisierung hat externe Auswirkungen, die ein staatliches Eingreifen rechtfertigen.

Kritiker der Robotersteuer betonen, dass die mangelnde Eindeutigkeit des Begriffes „Roboter“ eine Definition der Steuerbasis schwierig gestaltet. Sie verweisen zudem auf den enormen, unbestreitbaren Nutzen der neuen Robotik für das Produktivitätswachstum.

Doch man sollte während der Phase des Übergangs zu einer anderen Arbeitswelt zumindest bescheidene Robotersteuern nicht übereilt ausschließen. Eine derartige Steuer sollte Teil eines umfassenderen Plans zur Bewältigung der Folgen der Robotikrevolution sein.

Frank Ramsey hat 1927 einen klassischen Aufsatz veröffentlicht, in dem er argumentierte, dass man zur Minimierung steuerbedingter Verzerrungen alle Aktivitäten besteuern sollte, und machte darin Vorschläge, wie man die Steuersätze festlegen sollte. Seine abstrakte Theorie war nie ein uneingeschränkt funktionsfähiges Modell für die realen Steuersätze, aber sie bietet ein machtvolles Argument gegen die Annahme, dass die Steuer für alle außer einigen wenigen Aktivitäten null sein sollte oder dass alle Aktivitäten zum selben Satz besteuert werden sollten.

Die Diskussion einer Robotersteuer sollte in Betracht ziehen, welche Alternative wir haben, um der steigenden Ungleichheit Herr zu werden. Es wäre logisch, eine stärker progressive Einkommensteuer und ein „Grundeinkommen“ einzuführen. Doch genießen diese Maßnahmen nicht die Unterstützung einer breiten Öffentlichkeit. Und wo diese fehlt, wird die Steuer, wenn sie denn eingeführt werden sollte, keinen Bestand haben.

Wenn Steuern auf hohe Einkommen erhöht werden, erweist sich dies nur als vorübergehende Maßnahme. Letztlich erscheint es den meisten Menschen als natürlich, dass eine Besteuerung erfolgreicher zugunsten erfolgloser Menschen für Letztere erniedrigend ist, und selbst die Empfänger derartiger Almosen wollen diese nicht wirklich.

Daher müssen die Steuern umstrukturiert werden, um die durch die Robotisierung herbeigeführte Ungleichheit zu beheben. Es könnte politisch akzeptabler und damit nachhaltiger sein, Roboter zu besteuern als Menschen mit hohem Einkommen. Und während dies nicht den Erfolg des Einzelnen besteuern würde, so wie es die Einkommensteuer tut, könnte es tatsächlich zu etwas höheren Steuern auf höhere Einkommen führen, wenn diese höheren Einkommen aus Aktivitäten resultieren, bei denen Menschen durch Roboter ersetzt werden.

Eine moderate Besteuerung von Robotern – und sei es nur eine zeitlich begrenzte Steuer, die die Einführung disruptiver Technologien lediglich verlangsamt – erscheint als logische Komponente einer Politik zur Bekämpfung der wachsenden Ungleichheit. Die Steuereinnahmen könnten in eine Lohnausfallversicherung fließen, um Menschen, die durch neue Technologien ihre Arbeit verlieren, beim Übergang zu einer neuen Karriere zu unterstützen. Dies würde mit unserem natürlichen Gerechtigkeitsempfinden im Einklang stehen und hätte daher vermutlich Bestand.

Über den Autor: Robert J. Shiller wurde 2013 mit dem Nobelpreis für Ökonomie ausgezeichnet. Er ist Professor für Ökonomie an der Universität Yale und, gemeinsam mit George Akerlof, Verfasser von Phishing for Phools: Manipulation und Täuschung in der freien Marktwirtschaft. Aus dem Englischen von Jan Doolan, © Project Syndicate 1995 – 2017

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