Mercosur: Auswirkungen auf österreichische Industrie

Die Auswirkungen des Freihandelsabkommens sind für große Konzerne überschaubar.

  • Mercosur Auswirkungen Österreich: EU‑Mercosur‑Abkommen abgeschlossen, rechtliche Einstufung als EU‑only weiter offen.
  • Politische Blockaden: Frankreich und Österreich bremsen wegen Umwelt- und Agrarstandards.
  • Zollabbau: 91 % der Zölle sollen fallen, EU‑Unternehmen könnten 4 Mrd. € jährlich sparen.
  • Geringe Effekte für Österreichs Industrie: Voestalpine, Palfinger, Kapsch, Lenzing, Wienerberger und ams Osram kaum betroffen.
  • Einzelne Chancen: Andritz profitiert potenziell durch günstigere Maschinenexporte in Mercosur‑Staaten.

Mercosur Auswirkungen Österreich: Politische Unsicherheiten bleiben

(akt. 6.7.2026) Die Europäische Union und die vier Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay haben ihre Verhandlungen über ein umfassendes Freihandelsabkommen abgeschlossen – wie aus der Mitteilung des Rates vom 17. Januar 2026 hervorgeht, in unterzeichnet im „Interim Trade Agreement“ (iTA).

EU-only Entscheidung und rechtliche Bewertung offen

Ob das Abkommen als „EU-only“ eingestuft wird, ist Stand Mitte 2026 weiterhin ungeklärt. Die Europäische Kommission hat keine Entscheidung und keinen Zeitplan veröffentlicht – wie aus der aktuellen Übersicht der Kommission hervorgeht, die den Status weiterhin als „pending legal assessment“ nennt.

Mercosur Auswirkungen Österreich: Blockaden durch Mitgliedstaaten

Frankreich und Österreich bremsen das Abkommen 2026

Mehrere Mitgliedstaaten, darunter Frankreich und Österreich, haben 2026 erneut politische Vorbehalte geäußert, insbesondere wegen Umwelt- und Agrarstandards. Wie aus der Berichterstattung von Euractiv vom 12. Juni 2026 hervorgeht, blockieren diese Staaten weiterhin eine Einstufung als EU-only.

Mercosur Auswirkungen: Wirtschaftliche Effekte laut EU-Kommission

Zollabbau und mögliche Einsparungen für EU-Unternehmen

Während Fachjuristinnen und Fachjuristen die möglichen Ratifizierungswege prüfen, bewertet die Industriellenvereinigung (IV) den Abschluss der Verhandlungen als historische Einigung. Rund 91 % der Zölle auf europäische Exporte in die Mercosur-Region sollen entfallen – wie aus der Folgenabschätzung der EU-Kommission hervorgeht, die 2026 erneut bestätigt wurde.

Laut EU-Kommission könnten Unternehmen in der EU dadurch jährlich rund 4 Mrd. Euro einsparen – wie aus der aktualisierten wirtschaftlichen Bewertung 2026 hervorgeht.

Auswirkung auf börsennotierte Unternehmen in Österreich erwartet

Warum Österreichs Industrie kaum vom Zollabbau profitiert

Die großen börsennotierten Industrieunternehmen selbst sehen das Mercosur-Abkommen nicht ganz so euphorisch, wie eine Umfrage des Börsen-Kurier-Partners Interessenverband für Anleger (IVA) anlässlich der Hauptversammlungen 2024 ergab. Die großen Betriebe sind meist schon mit Produktionsstätten in Südamerika aktiv und nutzen gleichzeitig Südamerika als Absatzmarkt und sind daher nicht so sehr von Zöllen betroffen.

Mercosur Auswirkungen auf Voestalpine im Südamerika-Geschäft

Der aktuelle Umsatz der voestalpine in Lateinamerika (Südamerika) beträgt im Geschäftsjahr 2025/26 rund 447,3 Mio. Euro. Das entspricht drei Prozent des Konzernumsatzes.  Diese wurden überwiegend von Voestalpine-Standorten in Südamerika umgesetzt. Nur ein überschaubarer Teil der Geschäftstätigkeit am südamerikanischen Kontinent erfolgte aufgrund von Exporten von europäischen Voestalpine-Standorten, erklärt der Konzern in der Umfrage. Umgekehrt wurden Lieferungen von Standorten der Voest-alpine in Südamerika nach Europa nur in einem geringen Ausmaß getätigt. Demzufolge ist die Voest-alpine direkt nur vereinzelt vom Mercosur-Abkommen betroffen.

Mercosur Auswirkungen auf Palfinger, Kapsch und Andritz

Auch Palfinger, das rund 5 % des Umsatzes in Südamerika erwirtschaftet, würde von den wegfallenden Zöllen wenig profitieren, weil der Konzern die Strategie verfolgt, in der Region für die Region zu produzieren (Local-for-Local). Jedoch würde ein Abschluss Palfinger insofern zugutekommen, als damit bessere Rahmenbedingungen für Investitionen und Kooperationen in Mercosur-Staaten die regionale Produktion und Rohstoffbeschaffung erleichtern würden, was sich positiv auf die globale Lieferkette auswirken sollte, wie CEO Andreas Klauser auf Anfrage des Börsen-Kurier erklärt.

Ähnliches gilt für Kapsch TrafficCom. Südamerika ist ein wichtiger Markt für den Mautsystementwickler, vor allem als Wachstumsmarkt. Jedoch hat das Mercosur-Abkommen für den Konzern nur bedingt Auswirkungen, da der Großteil der Wertschöpfungskette innerhalb der Region stattfindet, so das Unternehmen uns gegenüber.

Positive Effekte für Andritz erwartet

Positive Effekte hätte der Zollabbau für den Maschinenbauer Andritz. So meint dieser bei der IVA-Umfrage, dass die Zollerleichterungen die Exporte von Maschinen und Komponenten für Projekte in die Mercosur-Staaten günstiger machen.

Lenzing, Wienerberger und ams Osram ebenfalls mit geringer Relevanz

Der Holzfaserproduzent Lenzing sieht sich in dieser Umfrage kaum betroffen von dem Abkommen. Auch der Baustoffproduzent Wienerberger hat derzeit keine laufenden Geschäftsaktivitäten in Südamerika und sah die Auswirkungen im vergangenen Jahr noch als nicht wesentlich an.

Der Chip- und Sensorikkonzern ams Osram ist zwar in den Mercosur-Staaten geschäftlich tätig, allerdings spielen diese Märkte für den Gesamtumsatz eine untergeordnete Rolle, wie man gegenüber dem Börsen-Kurier erklärt. So hätte eine endgültige Ratifizierung des Abkommens keine nennenswerten Auswirkungen auf das Geschäft des Konzerns.

Autor: Christian Sec

 

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