Droht ein turbulenter Herbst 2025?

Der Zollstreit tobt und hinterlässt seine Spuren. Worauf Anleger nun achten müssen

Raja Korinek. Die US-Handelspolitik des Präsidenten Donald Trump ist aus dem globalen Wirtschaftsgeschehen längst nicht mehr wegzudenken. Allein am 10. Juli wurde bekannt, dass Brasiliens Ausfuhren in die USA mit einem Zollsatz von 50 % belegt werden. Sie sollen ab dem 1. August gelten – jene Frist, die zugleich der EU für eine Einigung mit den USA gesetzt wurde. Letzterer Region drohen – ohne neuen Deal – 30 % Zölle.

Die Entwicklungen werfen freilich Fragen zum Wirtschaftswachstum für das laufende Jahr auf. Karsten Junius, Chief Economist der Schweizer Bank J. Safra Sarasin, liefert im Gespräch mit dem Börsen-Kurier eine Prognose. „Wir erwarten ein BIP-Wachstum von 0,8 % für den Euroraum und 1,5 % für die USA.“ Dies ist ein Rückgang gegenüber dem vergangenen Jahr. Da legte das BIP um 0,9 %, respektive 2,8 % zu.

Zölle werden belasten

Die erwartete Abschwächung in den USA führt Junius auf die Zölle zurück. Von einer Rezession geht der Ökonom aber nicht aus. Auch auf die Entwicklungen diesseits des Atlantiks geht er ein. So dürfte im Sommer das Wachstum voraussichtlich schwächer ausfallen. Und das aus gutem Grund: „Viele Exporte in die USA sind im ersten Quartal vorgezogen worden. Zudem belastet der stärkere Euro die Wettbewerbsfähigkeit.“ Allein zu Jahresbeginn notierte die europäische Gemeinschaftswährung bei rund 1,035 USD. Zuletzt mussten Investoren rund 1,16 USD bezahlen.

Wenigstens bietet der stärkere Euro der EZB weiteren Spielraum für Zinssenkungen. Denn damit werde die importierte Inflation weiter nach unten gedrückt. „Auch von der Lohnseite erwarten wir keinen überdurchschnittlichen Kostendruck mehr.“ So rechnet man bei der Bank J. Safra Sarasin im September mit dem nächsten Schritt. Da dürfte der Einlagensatz auf 1,75 % und im Dezember auf 1,5 % gesenkt werden. In den USA könnte der Leitsatz von 4,5 auf 4 % im 4. Quartal 2025 gesenkt werden.

Inflation bleibt vorerst mäßig

Doch wie sehen die Inflationsschätzungen aus? Im Euroraum wird für 2025 mit 2,1 % gerechnet. In den USA dürfte die Teuerung auf 2,8 % sinken. Anleger sollten in letzterer Region die Entwicklung dennoch genau beobachten. Schließlich wird im weiteren Jahresverlauf aufgrund der US-Zollpolitik ein Inflationsanstieg erwartet. Denn die Maßnahmen verteuern Importwaren in die USA.

Auch die wachsende Bedeutung staatlicher Gelder für den Konjunkturkreislauf sollte nicht unterschätzt werden. „Zum Jahresende 2025 sowie im kommenden Jahr dürfte die expansivere Fiskalpolitik öffentliche und private Investitionen wieder stimulieren“, betont der Marktexperte. So hat erst kürzlich Trump sein neues Steuerpaket durch den Kongress gebracht. Auch in Deutschland hat man sich auf höhere Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur geeinigt.

Europaaktien werden bevorzugt

Und wie sehen die Aussichten für die Aktienmärkte aus? Hierzu hat Junius ebenfalls eine klare Meinung. „Globale Aktien haben neue Rekordhochs erreicht, getragen von einer Erholung von US-Aktien seit Anfang April.“ Damit hätten die Bewertungen in den USA wieder kritische Niveaus erreicht, die zumindest in der Vergangenheit kaum Luft nach oben ließen. Europäische Aktien waren hingegen seit Anfang April deutlich schwächer, blieben unter ihren Jahreshochs und das trotz eines stärkeren deutschen Fiskalstimulus 2025 und 2026. US-Aktien stuft man folglich „Neutral“ ein. „Aktien aus dem Euroraum werden hingegen auf ‚Most-Preferred‘ angehoben.“

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