Palfinger positiv gestimmt
Der Kranhersteller Palfinger liefert ein punktgenau vorausgesagtes Ergebnis ab.
Tibor Pásztory. Das Unternehmen hatte es selbst prognostiziert: Das Konzernergebnis des ersten Halbjahres 2025 werde mit 50,1 Millionen Euro um knapp 27 % unter dem des Vergleichszeitraumes des Vorjahres liegen. Verantwortlich dafür zeichnen – wie für die nahezu gesamte Industrie – ein schwieriges Marktumfeld aufgrund konjunktureller Unsicherheit und daraus resultierender geringerer Auslastung der Kapazitäten.
Kursverdoppelung
Dies scheint allerdings weder das Unternehmen noch die Aktionäre sonderlich zu sorgen, und dies mit gutem Grund, hat sich doch der Aktienkurs im ersten Halbjahr verdoppelt. Hintergrund dieser Entwicklung sind spürbar höhere Auftragseingänge bereits seit dem vierten Quartal des Vorjahres, insbesondere in der Region EMEA (Europa, Naher Osten, Afrika). Aus diesem Grunde wurden sogar Kapazitätssteigerungen notwendig. Auch der asiatische Markt, vor allem Indien, zeigt gestiegenes Interesse, während der Bereich Marine weiter seinen Wachstumskurs fortsetzen kann. Selbst Nordamerika konnte im ersten Halbjahr trotz des Zollkonfliktes einen leichten Aufwärtstrend verspüren. In allen Regionen erweist sich der Servicebereich längst als wichtigster Umsatzbringer sowie als Cash Cow des Unternehmens, wenn man dessen Ebit-Marge von 10,2 mit den 7,9 % des Gesamtunternehmens vergleicht.
Regionalprinzip und Branchenvielfalt
Auch das Prinzip „In der Region für die Region“ setzt sich immer mehr durch. Zolltarife, Transportkosten und allgemein politische Unsicherheit zeigen sich weltweit verantwortlich für diesen eigentlich überfälligen Trend. Die Vorteile liegen auf der Hand: Man kann in jeder Region die jeweils umsatzstärksten Produkte produzieren (in den USA etwa Lade- und Servicekräne, Ladebordwände und Hubarbeitsbühnen) und die Kosten durch Zölle teilweise umgehen.
CEO Andreas Klauser (im Bild links gemeinsam mit CFO Felix Strohbichler) betont die Wichtigkeit von Resilienz durch Branchenvielfalt in der Kundenstruktur. Schon bislang hat sich der Umsatz recht gleichmäßig auf Hoch-, Tief- und Wohnbau, Marine, Transport und Logistik, Entsorgung und Recycling, den Öffentlichen Sektor inklusive Railway sowie andere Sektoren aufgeteilt. Nun sollte auch das Marktpotential des Defense-Bereiches hinzukommen. Das US-Stargate Projekt (Künstliche Intelligenz) sowie das deutsche Fiskalpaket in Höhe von jeweils 500 Milliarden Euro ergeben weitere Marktchancen.
Ausblick
In diesem Zusammenhang ist die Auflösung der Kreuzbeteiligung mit dem chinesischen Hersteller Sany erwähnenswert. Die von Sany übernommenen Aktien wurden soeben institutionellen Anlegern im Rahmen einer Privatplatzierung verkauft. Der Erlös in Höhe von 100 Millionen Euro soll in neue militärische und andere Produkte investiert werden.
So wundert es nicht, dass der Ausblick für das zweite Halbjahr als durchaus positiv gesehen werden darf, und die Umsatz- wie Ergebnisrückgänge des ersten Halbjahres noch kompensiert werden sollten. Die Finanzziele für 2027 (ein Umsatz von 2,7 Milliarden Euro, eine Ebit-Marge von 10 % sowie ein Return on Capital Employed/ROCE von 12 %) bleiben jedenfalls aufrecht. Am Capital Markets Day sollen darüber hinaus, wie es heißt, „ambitionierte“ Finanzziele für 2030 bekannt gegeben werden.
Foto: Palfinger AG/APA-Fotoservice/Juhasz
