Oberbank mit optimistischem Ausblick

CEO Franz Gasselsberger zeigt sich anlässlich der Halbjahresergebnisse positiv gestimmt.

Tibor Pásztory. Eine positive Grundstimmung herrscht beim nie um ein deutliches Wort verlegenen Oberbank CEO Franz Gasselsberger. Die Ergebnisse des ersten Halbjahres stimmen ihn zufrieden, und – wichtiger noch – detto der Ausblick. Vor allem die Kernkapitalquote ist abermals (auf 18,8 %) gestiegen, das Eigenkapital insgesamt um 5,4 % auf 4,18 Milliarden Euro. „Das Eigenkapital befindet sich auf europäischem Spitzenniveau“, kommentiert Gasselsberger dies selbstbewusst. Den Lohn hierfür stellt ein Single-A Rating von Standard & Poor’s dar.

Stabile Daten
Auch mit dem operativen Ergebnis zeigt sich der Bankchef zufrieden, obwohl das Zinsergebnis aufgrund der Zinssenkungen um 4,8 % und, ganz allgemein, der Überschuss vor Steuern um 9,2 % auf 235 Millionen Euro zurückgegangen ist. Warum?

Die Antwort liegt in der Positionierung der Bank sowie den einzelnen Strängen des Bankgeschäftes: Das Dienstleistungsgeschäft hat sich hervorragend entwickelt, die Kundenanzahl im Private Banking liegt erstmals bei mehr als 10.000, die Cost-Income-Ratio im niedrigen 40er-Bereich und die Liquiditätsausstattung nennt Gasselsberger „exzellent“. Vor allem aber, erklärt er, muss eine Bank, die Geld verleiht, einen Überschuss an Einlagen einnehmen, um von der Spanne leben zu können. „Einlagen first!“ nennt er das im O-Ton. Und das tut die Bank, da die Kundeneinlagen um 5,6 % auf mehr als 20 Milliarden Euro gestiegen sind. Ergänzt man diese um die Wertpapierdepots, kommt die Bank auf betreute Kundengelder in Höhe von knapp 41,7 Milliarden Euro. In der Folge ist auch das Provisionsergebnis im zweistelligen Prozentbereich gestiegen.

Kreditfinanzierungen wieder beliebt
Auf der anderen Seite erwies sich das Kreditportfolio (um 4,2 % auf 21,45 Milliarden Euro gestiegen) als sehr stabil und die NPL-Quote daher mit 2,99 % als sehr niedrig. Dies liegt sicher auch daran, dass die Oberbank im Gegensatz zu diversen Großbanken ihr Filialnetz nicht ausdünnt, sondern ausweitet. So habe man mehr direkten Kontakt zu Kunden und könne diese besser einschätzen (und umgekehrt). In Österreich habe man mit 91 Filialen den Plafond erreicht, in den anderen betreuten Märkten Deutschland, Tschechien und Ungarn sind aufgrund eines sehr guten Geschäftsverlauf weitere Filialen geplant.

Umfeld und Ausblick
Gasselsberger ist sich sehr sicher, dass sich das zweite Halbjahr sehr gut entwickeln wird: „Der gordische Knoten scheint gelöst zu sein.“ Sowohl bei Kommerzkrediten als auch im privaten Wohnbau herrsche wieder eine gestiegene Nachfrage. Doch auch die beste Bank kommt nicht an den Rahmenbedingungen vorbei. International hänge natürlich viel von der US-Zollpolitik ab, trotzdem sei Europa zurück. Vor allem vom deutschen Infrastrukturpaket wird Stimulierung erwartet.

Kritik und Wünsche
Nicht ganz so sicher ist sich der CEO allerdings bei den notwendigen Reformen in Österreich: „Ich hätte die großen heißen Eisen gleich angegangen“, beantwortet er unverblümt eine Frage des Börsen-Kurier und meint damit Staatsausgaben, Steuern und Pensionen. Jetzt diskutiere die heimische Politik lieber über Teilzeit und lasse wertvolle Zeit verstreichen. Dafür sei die Erhöhung der Bankenabgabe überfallsartig gewesen. Überraschend zufrieden zeigt er sich mit der Finanzmarktaufsicht. Diese tue nur ihre Pflicht, „vielleicht mit manchmal ein bisschen mehr Augenmaß“, äußert er einen frommen Wunsch.

 

Zurück zur Bank: Der Generationswechsel in der Bank sei mehr oder weniger vollzogen, und nächstes Jahr feiere man 40 Jahre an der Börse. Angestrebt würde eine Kernkapitalquote von 19 % und eine Bilanzsumme von mehr als 30 Milliarden Euro. Damit falle die Bank unter eine Direktbeaufsichtigung durch die EZB. Längerfristig, in der Strategie 2030, soll die Dividendenausschüttung sukzessive in Richtung 2 Euro steigen.

Foto: Joachim Haslinger