Investieren wie die Großen

Was sich Kleinanleger an der Wiener Börse von institutionellen Investoren abschauen können.

Patrick Baldia. Sich an der Börse am Anlageverhalten institutioneller Investoren zu orientieren, ist sicher nicht der schlechteste Zugang. Die Idee dahinter: professionelle Anleger sind in der Regel erfolgreicher unterwegs als „Normalsterbliche“, was auch diverse Analysen bestätigen. Folglich setzen Banken, Pensionskassen, Versicherungen, Fonds oder Kapitalanlagegesellschaften bevorzugt auf stabile, liquide Aktien aus einem breiten Spektrum an Sektoren – Stichwort: Diversifikation – mit langfristigem Wachstumspotenzial. Dabei profitieren sie von mehr Fachwissen und Ressourcen sowie der Möglichkeit, höhere Volumina bewegen zu können.

Positiv zu sehen ist in diesem Zusammenhang die starke Präsenz institutioneller Investoren an der Wiener Börse – vor allem mit internationalem Background. Wie die aktuelle Ausgabe einer Studie, die regelmäßig von S&P Global Market Intelligence im Auftrag der Wiener Börse

durchgeführt wird, aufzeigt, werden nicht weniger als rund 92 % (Stand Ende 2024) des institutionellen Streubesitzes von internationalen Playern gehalten. Kurz: Auch für globale Portfolios sind die Aktien heimischer Top-Unternehmen durchaus attraktiv.

35 % US-Großinvestoren
Unter den „Internationalen“ geben in Wien jedenfalls Großinvestoren aus den USA den Ton an. Vanguard, BlackRock, Dimensional Fund Advisors und Konsorten verantworten fast 35 % des institutionell gehaltenen Streubesitzes. Dabei haben sie ihr Engagement gegenüber 2022, als sich ihr Anteil bei fast 33 % belief, leicht verstärkt. Dasselbe gilt für Institutionelle aus Großbritannien, die mit rund 21 % (2022: 19,8 %) den zweiten Platz belegen. Etwas zurückgegangen ist hingegen der Anteil französischer Großinvestoren, konkret von 9,1 % im Jahr 2022 auf 7,8 % Ende des Vorjahres. Heimische Institutionelle rangieren mit lediglich 7,7 % knapp dahinter auf dem vierten Platz. Erwähnenswert ist auch das Exposure von Playern aus Norwegen (5 %) und Deutschland (4,5 %).

Wie angelegt wird
Interessant ist auch ein Blick auf die Strategien, mit denen globale institutionelle Anleger an der Wiener Börse investieren. „Growth“- kommt hier mit 33, 2 % vor „Value“-Investing mit 28,5 %. Aber auch passive Strategien spielen eine große Rolle. Rund ein Viertel der Großanleger ist mittlerweile in Indexfonds bzw. ETFs investiert. Positiv: Die niedrige bis mittlere geringe Umschlaghäufigkeit der untersuchten Portfolios zeigt, dass langfristige Strategien unter den Institutionellen dominieren, so die Studienautoren.

Wo angelegt wird
Und wie schaut es bei den Top-Unternehmen im ATX Prime aus? Nur ein paar Beispiele: Bei der Erste Group stellen institutionelle Investoren mit einem Anteil von rund 61 % die größte Aktionärsgruppe. Bei einem weiteren Indexschwergewicht, der OMV, sind 28,4 % der Aktionäre Institutionelle. Davon kommen 35 % aus den USA, aus Österreich nicht mehr als 6 %. Bei der Wienerberger befinden sich wiederum sämtliche Aktien im Streubesitz. Mit rund 75 % befindet sich der Großteil der Aktien des weltgrößten Ziegelproduzentens in der Hand von institutionellen Anlegern.

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