Die AT&S befindet sich auf gutem Weg

Noch dämpfen die Kosten für das Hochfahren von Kapazitäten die Margen.

Patrick Baldia. Nach einem schwierigen Börsenjahr 2024, das mit einem Verlust von fast 50 % beendet wurde, steht die AT&S-Aktie seit Jahresbeginn mit rund 85 % im Plus. Dabei hatte es Ende Juli, als der Kurs nach der Vorlage der Ergebnisse für das 1. Quartal 2025/26 an nur einem Tag um 20 % einbrach, so ausgesehen, als ob die Party vorbei sei. Dabei lagen die Margen über der Guidance und auch das Umsatzplus von 14 % gegenüber dem Vorjahresquartal – trotz Preisdruck und negativen Wechselkurseffekten hätte als positives Zeichen gedeutet werden können, dass sich das kriselnde Unternehmen gut zurückkämpft.

Auch, dass erneut ein Verlust berichtet wurde, kam nicht wirklich überraschend – die Ausweitung auf 55,9 Millionen Euro (1. Quartal 2024/25: 34 Millionen Euro) dürfte so manchen Anleger dann doch am falschen Fuß erwischt haben. Für Daniel Lion, er ist Analyst bei der Erste Group, könnte der Kurseinbruch nach der Zahlenvorlage darauf hindeuten, dass „die Markterwartungen eventuell zu hoch waren“. „AT&S befindet sich unserer Meinung nach auf einem guten Weg, die erweiterten Kapazitäten und das wachsende Kundenportfolio im IC-Bereich zu monetarisieren“, meint er in einer aktuellen Analyse.

„Unser Fokus auf hochwertige IC-Substrate und die neuen Werke in Kulim (Malaysia, Anm.) und im heimischen Leoben sind für uns ein entscheidender Schritt zu profitablem Wachstum“, wie auch AT&S-CEO Michael Mertin anlässlich der Ergebnisvorlage Ende Juli bekräftigte. Dass bis dahin beträchtliche Investitions- und Anlaufkosten, die die Zahlen belasten, verdaut werden müssen, dürften viele Anleger jedoch ausgeblendet haben. Positiv zu sehen sind in diesem Kontext die eingeführten Effizienzprogramme und Kostensenkungsmaßnahmen. Im laufenden Geschäftsjahr soll etwa die Kostenbasis um weitere rund 130 Millionen Euro gesenkt werden. 2024/25 lagen sich die Einsparungen bei
120 Millionen Euro.

Schwieriges Umfeld
Nicht hilfreich ist bei diesen Anstrengungen das schwierige Marktumfeld mit geopolitischen Spannungen, Preisdruck und Inflation. Unklar bleibt etwa, wie sich die Zoll-Debatte weiterentwickeln wird. Zwar erwartet das AT&S-Management keinen unmittelbaren gewichtigen Einfluss auf die eigenen Produkte. Allerdings könnte das sehr wohl erhebliche Auswirkungen auf die Endprodukte der Kunden haben – und damit auch die Produkte des steirischen Halbleiterherstellers. Auch die Auswirkungen auf die Wechselkurse gilt es, im Auge zu behalten. Die Folge dieser Umstände: Das Management hält sich mit einem Ausblick für das Gesamtjahr vorerst noch zurück.

Sehr wohl gibt es einen Ausblick für das 1. Halbjahr 2025/26, das im November berichtet wird: Der Umsatz soll leicht auf 820 Millionen Euro ansteigen (1. Halbjahr 2024/25: 800 Millionen Euro) und die Ebitda-Marge sich bei rund 20 % belaufen – was laut dem Vorstand die Anlaufkosten der weiteren Produktionslinien widerspiegelt. Weitere 110 Millionen Euro sollen investiert werden (1. Halbjahr 2024/25: 254 Millionen Euro). In einem ähnlichen Rahmen sollen sich die Investitionen in der zweiten Jahreshälfte bewegen. Für das Geschäftsjahr 2026/27 geht das Management dann von einem Umsatz von 2,1 bis 2,4 Milliarden Euro und einer Ebitda-Marge von 24 bis 28 % aus.

Was sagen die Experten
Aus den insgesamt fünf Analysten-Berichten bzw. -Updates, die heuer bislang veröffentlicht wurden, geht jedenfalls keine klare Meinung zur Aktie hervor: Zwei „Verkaufen“-Empfehlungen stehen einer „Halten“- sowie jeweils einer „Akkumulieren“- und „Kaufen“-Empfehlung gegenüber. Nimmt man die Kursziele unter die Lupe, die sich aktuell in einer Bandbreite zwischen 10 und 22,50 Euro bewegen, so dürfte sich das Kurspotenzial (Kurs kurz vor Redaktionsschluss: rund 22 Euro) in einem überschaubaren Rahmen bewegen. Lion hat erst in der vergangenen Woche das Kursziel für die Aktie von 24,30 auf 22,50 Euro reduziert.

Für einen Kurssprung sorgte Mitte September die Nachricht, dass Nvidia mit einem Aktienpaket im Wert von umgerechnet 4,2 Milliarden Euro bei Intel einsteigt. Kleines Detail am Rande: Intel ist einer der wichtigsten Kunden der AT&S. „Für AT&S dürfte diese Kooperation eine höhere Nachfrage nach IC-Substraten bedeuten und die mittelfristigen Aussichten für die Produktionskapazitäten in Chong-qing stark verbessern“, so die Einschätzung der Erste Group. Positiv sehen Experten eine weitere Neuigkeit, die ebenfalls kürzlich bekannt wurde: AT&S will, wie auch der Börsen-Kurier berichtete, in den Rüstungsbereich einsteigen bzw. entsprechende Leiterplatten und Substrate produzieren.

Foto: AT&S