Altbewährt, aber keineswegs altmodisch
Die ältesten Unternehmen der Wiener Börse zeigen Stabilität, Substanz und teils überraschend Dynamik.
Michael Kordovsky. Die drei ältesten Gesellschaften der Wiener Börse sind Porr, Wienerberger und UBM Development. Alle drei sind hervorragend aufgestellt.
Das Bauunternehmen Porr etwa war in der Lage, von 2021 bis 2024 das Ebit von 95,2 auf 158,4 Millionen Euro zu steigern. Die Analysten hatten laut MarketScreener zuletzt ihre Prognosen für 2027 tendenziell nach oben geschraubt. Von 2025 bis 2026 sollte der Gewinn pro Aktie von rund 2,87 auf rund 3,61 Euro steigen, woraus bei einem Kurs von 30,55 Euro ein für 2027 geschätztes KGV von günstigen 8,5 resultiert.
Zu den Dauerbrennern in Wien gehört auch Wienerberger, die im Falle eins Infrastrukturbooms die Nase vorne hätte. Das Unternehmen steht laut Analystenkonsens vor einem Ertragssprung und würde bei einem Kurs von 27,02 Euro für 2027 nur noch mit einem erwarteten Kurs/Cash-Flow-Verhältnis von 6,9 und einem KGV von 7,8 bewertet sein.
UBM ist indessen ein Immobilienentwickler mit geographischem Schwerpunkt Deutschland und Österreich. Die aktuelle Pipeline besteht bereits zu 60 % aus dem soliden Wohnimmobilienbereich. Nach zwei Jahren mit roten Zahlen sollten heuer wieder Gewinne erzielt werden. Größere Gewinnsteigerungen erwarten Analysten in den Jahren 2026 und 2027.
Eine im Verlauf der Jahre größere Transformation vollzog die – viertälteste notierende Aktiengesellschaft in Wien – Semperit, die ihren primären Fokus auf Industrieprodukte verlagerte und nun über verhaltene Investitionen der Unternehmen infolge der Unsicherheiten rund um die US-Einfuhrzölle mit einer leichten Abwärtsrevision ihrer Ebitda-Prognose konfrontiert war. Erst ab 2026 erwarten die Analysten wieder spürbare Umsatz- und Gewinnsteigerungen.
Häufig solide Fundamentaldaten, aber illiquider Aktienhandel
Die Linz Textil notiert im Marktsegment Standard Market Auction und weist per 10. Oktober laut Wiener Börse eine Marktkapitalisierung von 72 Millionen Euro auf. Das Unternehmen bietet Garne und Rohgewebe und Frottierwaren an und erzielte 2024 bei einem Umsatz von knapp 69 Millionen Euro ein Ebit von 2,9 Millionen Euro. Per 30. Juni ist die Eigenkapitalquote mit 85 % auffallend hoch. Ebenfalls im amtlichen Handel der Wiener Börse notiert die Maschinenfabrik Heid, die mit einer Marktkapitalisierung von 5,4 Millionen Euro äußerst illiquide gehandelt wird. Der letzte Kurs von 1,38 Euro ist vom 15. September. Das Unternehmen verwaltet auch nur mehr Finanzanlagen und Beteiligungen.
Viel ereignisreicher ist die Josef Manner & Comp. AG, der Spezialist für Waffeln, Schaumzuckerwaren und Dragees. Das Unternehmen war in der Lage von 2019 bis 2024 den Umsatz von 206,9 auf 288,4 Millionen Euro zu steigern, während der Cashflow aus betrieblicher Tätigkeit sogar von 11,3 auf 44 Millionen Euro verbessert werden konnte. Im ersten Halbjahr 2025 steigen die Erträge weiter. Nach einer mehrjährigen Seitwärtsbewegung könnte der Aktienkurs schon alleine aus fundamentalen Gründen bald wieder einen Aufwärtsschub erfahren.
Auch sehr illiquide und in einer aktuellen Seitwärtsbewegung erfolgt hingegen der Handel der Aktien der Stadlauer Malzfabrik AG, deren Marktkapitalisierung lediglich 29,1 Millionen Euro beträgt. Das Unternehmen fungiert als Besitzgesellschaft und stellt der Stamag Stadlauer Malzfabrik GesmbH wesentliche Betriebsgrundlagen in Wien zur Verfügung.
Besondere IPOs der 80er-Jahre
Ab dem Jahr 1985 belebte sind der Handel an der Wiener Börse und in der zweiten Hälfte der 1980er-Jahre gab es zahlreiche Börsengänge. Der Faserhersteller Lenzing ging 1985 an die Börse und zeigt eine Geschichte zyklischer Ertragsschwankungen, wobei das Unternehmen aufgrund herausfordernder Rahmenbedingungen am Fasermarkt eine längere Durststrecke durchläuft.
Von den IPOs des Jahres 1986 notieren derzeit die Aktien der drei Regionalbanken BKS, BTV und Oberbank in Wien.
Solide bedeutende Versorgungsunternehmen aus der Privatisierung von Staatsbetrieben sind indessen OMV, Verbund und EVN.
Die 20 ältesten in Wien gelisteten Unternehmen (Quelle: Wiener Börse)
| ISIN | Name | Erstnotiz |
| AT0000609607 | Porr AG | 08.04.1869 |
| AT0000831706 | Wienerberger AG | 15.04.1869 |
| AT0000815402 | UBM Development AG | 10.04.1873 |
| AT0000785555 | Semperit AG Holding | 27.09.1890 |
| AT0000723606 | Linz Textil Holding AG | 28.07.1890 |
| AT0000690151 | Maschinenfabrik Heid AG | 04.05.1906 |
| AT0000728209 | Josef Manner & Comp. AG | 14.05.1919 |
| AT0000797303 | Stadlauer Malzfabrik AG | 13.03.1922 |
| AT0000644505 | Lenzing AG | 19.09.1985 |
| AT0000624705 | BKS Bank AG | 01.07.1986 |
| AT0000625108 | Oberbank AG | 01.07.1986 |
| AT0000625504 | BTV Vier Länder Bank AG | 01.07.1986 |
| AT0000743059 | OMV AG | 03.12.1987 |
| AT0000641352 | CA Immobilien Anlagen AG | 20.04.1988 |
| AT0000746409 | Verbund AG | 06.12.1988 |
| AT0000741053 | EVN AG | 27.11.1989 |
| AT0000767306 | Rath AG | 20.12.1989 |
| AT0000640552 | Burgenland Holding AG | 14.05.1990 |
| AT0000762406 | Frauenthal Holding AG | 10.06.1991 |
| AT00000VIE62 | Flughafen Wien AG | 15.06.1992 |
Foto: Wiener Börse
