Edelmetalle: Eintritt in die heiße Phase
Die Wahl von entsprechenden Zertifikaten erfordert derzeit höchste Konzentration.
Roman Steinbauer. Die Kurskapriolen der Goldnotizen vom 20. und 21. Oktober vergegenwärtigen, wie stark bereits spekulatives Kapital den Edelmetallmarkt erfasst hat. Kauf- und Verkaufsorders mit außerordentlich hohen Volumina wirkten an diesen beiden Handelstagen auf die Notizen ein.
Ziehen die Kurse (wie im Falle des Goldes) binnen eines Handelstags um bis zu 120 USD per Unze an, um 24 Stunden später bis zu 270 USD wieder abzugeben, entsteht unter Marktteilnehmern Raum für allerlei Interpretationen und Spekulationen. Nachdem die Aufwärtsbewegungen heuer in hohem Tempo ebenso die Silber- als auch die Platinmetalle erfassten, kann man feststellen: Die Volatilität nimmt im Spektrum der Edelmetalle empfindlich zu. Derart erratische Spitzenbildungen der Notizen, wie sie seit Mitte Oktober zu beobachten waren, verraten historisch betrachtet zwischen den Akteuren auf der Käufer- und Verkäuferseite einen starken Wechsel.
Aufbau der Förderkapazitäten
Es ist ein Muster höchster Handelsaktivität – von der Investmentbranche, Materialverarbeitern bis zu Privatanlegern – zu beobachten. Dennoch kann nicht mit Sicherheit davon ausgegangen werden, dass sich der Langfrist-Aufwärtstrend der Kurse der Anlagemetalle zu Ende neigt. Denn vor allem am Silber- aber insbesondere am Platin- und Palladiummarkt ist der Anstieg der Notizen (im Gegensatz zu den Goldbegehrlichkeiten) noch relativ jung.
Zum Goldmarkt ist des Weiteren zu beobachten: Abgesehen von den vielen Publikationen zur bisherigen (auch belegten) hohen Nachfrage seitens der Notenbanken und des Investmentsektors, erfuhren Konsumenten bzw. Anleger während der vergangenen Quartale nur wenige Hinweise über den Aufbau der Förderkapazitäten in der Branche bzw. über den zunehmenden Umfang des Goldangebots.
Expansiver Bergbau
Das World Gold Council (WGC) definierte für heuer noch keine endgültige Höhe des Goldangebots. Doch stellte die internationale Handelsorganisation der Branche mit Sitz in London am 12. Oktober in den Raum, es sei mit „hoher Wahrscheinlichkeit“ von einem erneuten Förderrekord auszugehen. Die 3.750-Tonnen-Marke werde voraussichtlich überschritten. Dieses Niveau bedeutet einen Anstieg um 2,5 % im Vergleich zu 2024. Da die Profitabilität der Minengesellschaften ausgesprochen hoch sei, könne weiterhin mit Ausweitungen der Kapazitäten gerechnet werden. Nach Angaben des WGC werden im Jahr 2025 vor allem die Goldproduktionen in China (380 Tonnen) als auch in Russland (330 Tonnen) Rekordwerte erreichen.
Global gesehen, werde das Edelmetall weiterhin durch eine Vielzahl an Förderstätten in nur wenigen Staaten gefördert. Nach Darstellung des WGC verschiebt sich aber die Dominanz der Länder deutlich. Nach China und der Russischen Föderation werde Australien für ein Volumen von 284 Tonnen, jenes Kanadas bei 202 Tonnen stehen. Es folgen die USA (158 Tonnen), Ghana (141 Tonnen), Mexiko und Indonesien mit jeweils 140 Tonnen. Südafrika (für den legendären Krugerrand stehend) kommt hingegen gerade noch auf 110 Tonnen des Angebots.
Hochsensible Derivate
Das Spektrum auf Edelmetalle basierender Zertifikate erweiterte sich während der vergangenen Jahre enorm. Es reicht beispiels-weise von unlimitierten Varianten auf weiter steigende Goldnotizen, wie etwa jene der Société Générale, bis zu Produkten mit Hebelwirkung (Faktor-Zertifikate), die Emittenten wie die BNP Paribas u.a. offerieren. Angesichts der derzeit zunehmenden Kursausschläge bei Edelmetallen, steigt die Risikokomponente bei Hebelprodukten allerdings stark an.
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