„Institutionelle Investoren stehen in den Startlöchern“

21Shares-Experte Bernhard Wenger über das Bitcoin-Kurspotenzial und das steigende Interesse am Krypto-Asset.

Patrick Baldia. Vor kurzem wurde die Übernahme des weltweit ersten und größten Emittenten von Krypto-ETPs (Exchange Traded Products; das sind Finanzinstrumente, die an einem etablierten Handelsplatz gehandelt werden und eine Alternative zu direkten Investments in Kryptowährungen sind, Anm.) durch das US-Unternehmen FalconX bekannt. Grund genug, mit Bernhard Wenger, Head of Northern Europe 21Sha-res, über die Transaktion, aber auch das steigende Interesse an der Anlageklasse zu sprechen.

Börsen-Kurier: 21Shares wurde von FalconX, einem Prime-Broker aus den USA, übernommen. Was bedeutet das für Ihre Kunden?
Bernhard Wenger: Zunächst einmal nicht viel. Wir werden unser Geschäft nach der Übernahme eigenständig weiterführen. Was laufende Produkte bzw. ETPs betrifft, wird es keinerlei Veränderungen geben. Sehr wohl werden wir jedoch in Zukunft institutionellen und privaten Investoren ein noch umfassenderes Angebot an Lösungen bzw. regulierten, digitalen Vermögenswerten anbieten können. Hier kommt uns zugute, dass FalconX ebenfalls ein Krypto-Unternehmen ist, das zum Beispiel bei Derivaten sehr gut aufgestellt ist. Wir werden also, wenn ein ETP oder ETF nicht die richtige Lösung ist, flexibler sein können, vor allem, was den institutionellen Bereich betrifft.

Börsen-Kurier: Können Sie zu geplanten neuen gemeinsamen Produkten etwas sagen?
Wenger: Dazu ist es noch zu früh. Die Übernahme ist ja gerade erst bekannt gegeben worden. Nun muss sie finalisiert bzw. Details ausgehandelt werden. Sehr wohl werden wir (als 21Shares) aber in den kommenden Monaten einige neue Single-Underlyings auflegen, über die ich allerdings noch nichts verraten kann. Erst Mitte Oktober haben wir ja drei neue ETPs vorgestellt, die neue Möglichkeiten im digitalen Anlageuniversum eröffnen. Bei 21shares Bittensor ETP, 21shares Maple Finanz ETP und 21shares Pendle ETP handelt es sich um eher kleinere Protokolle zu Spezialthemen wie Künstliche Intelligenz oder Decentralised Finance, die aber alle Voraussetzungen erfüllen, um auch an einer traditionellen Börse gehandelt zu werden.

Börsen-Kurier: Derzeit mehren sich die Stimmen, dass sich das Ende des laufenden Bitcoin-Booms abzeichnet. Wie sehen Sie das?
Wenger: Wir sehen den Markt eher positiv. Aber natürlich kann man nicht leugnen, dass wir in den vergangenen Wochen eine gewisse Konsolidierung gesehen haben. Phasenweise wirkte der Markt fast ein wenig orientierungslos. Man darf aber nicht vergessen, dass es neben Gewinnmitnahmen nach einer langen Hausse auch einigen Stress gab. Zuletzt etwa als US-Präsident Donald Trump neue Zölle gegen China angekündigt hat. Das alles hat der Bitcoin aber ganz gut weggesteckt. Es gibt ja weiterhin genügend Katalysatoren, die versprechen, dass es nach der aktuellen Phase nochmals ein Stück bergauf gehen kann.

Börsen-Kurier: Welche Katalysatoren wären das?
Wenger: Ein großer Treiber ist sicher die starke und weiter steigende Nachfrage nach Bitcoin-ETFs. Wir glauben, dass sobald der laufende Shutdown in den USA beendet ist, neue Krypto-ETFs aufgelegt werden könnten. Davon würde der ganze Markt profitieren. Auch die institutionelle Adaption nimmt weiter ihren Lauf. Allein die ETF-Flows zeigen, dass auch Pensionsfonds und Corporates eingestiegen sind. Dazu kommen die sogenannten Bitcoin-Treasuries, also Unternehmen deren Hauptzweck es ist, Bitcon- oder andere Krypto-Bestände aufzubauen. Sie zählen ja auch zu den institutionellen Anlegern.

Börsen-Kurier: Interessieren sich auch heimische institutionelle Investoren für Krypto-Assets?
Wenger: Eher nicht so sehr, wie das bereits in anderen Ländern der Fall ist. Meiner Einschätzung nach stehen sie jedoch in den Startlöchern. Etwas mehr Anfragen haben wir in Europa. Auch wenn man sie noch an einer Hand abzählen kann, zeigt das doch, dass sie nach Möglichkeiten suchen, sich mit neuen Assets zu diversifizieren. Noch gibt es ja die eine oder andere offene regulatorische Frage, die allerdings in den kommenden zwölf bis 18 Monaten geklärt werden sollte.

Börsen-Kurier: Kommen wir nochmals zur Performance zurück: Ist der Bitcoin mittlerweile zu teuer geworden?
Wenger: Nein, das glauben wir nicht. Vielleicht etwas auf mittlere Sicht. Der Bitcoin ist jedoch ein langfristiges Investment. Mit einem auf 21 Millionen Stück begrenztem Angebot. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Das bedeutet letztlich: Steigt die Nachfrage nach Bitcoin, wird ganz einfach auch der Preis steigen.

Börsen-Kurier: Was müsste aber passieren, damit die Krypto-Stimmung kippt bzw. es etwa zu einem neuerlichen „Krypto-Winter“ kommt?
Wenger: Bei Verschärfungen der makroökonomischen oder geopolitischen Lage geraten Risiko-Assets generell unter Druck. Davon können sich auch Kryptowährungen nicht entziehen. Ein weiteres Risiko wäre, wenn es in den USA in regulatorischer Hinsicht nicht so gut läuft, wie sich das einige wünschen. Danach schaut es im Moment jedoch nicht aus.

Börsen-Kurier: Eignet sich der Bitcoin als eine Art Goldersatz im Portfolio?
Wenger: Mit dem Begriff „digitales Gold“ tu ich mir etwas schwer. Bei 21Shares sehen wir den Bitcoin als digitalen Wertspeicher. Wie Gold ist er in erster Linie ein Investment und nicht ein Zahlungsmittel. Eine weitere Gemeinsamkeit: Sowohl das Angebot von Gold als auch Bitcoin ist begrenzt. Anders als bei der Kryptowährung, die ja bei 21 Millionen Stück begrenzt ist, wird es nicht so schnell passieren, dass uns auf der Erde Gold ausgehen wird. Bitcoin ist weniger ein Goldersatz als vielmehr eine Ergänzung mit Diversifikationseigenschaften.

Foto: 21Shares