Der Technologiesektor bleibt Treiber
Heimische Anleger gehen allmählich aus der Deckung – und setzen vermehrt auf KI-Trends.
Raja Korinek. Das Börsenjahr 2025 war bislang von neuen Rekordhochs geprägt, wenngleich es zwischenzeitlich reichlich Turbulenzen gab. Und das weckt, wenn auch von einem niedrigen Niveau, allmählich ein wenig Risikoappetit bei den heimischen Anlegern. Heiko Geiger, Zertifikate-Experte bei der Bank Vontobel, verweist im Gespräch mit dem Börsen-Kurier auf jüngste Entwicklungen und sagt, „laut den verfügbaren Daten und Studien ist der Anteil der Aktienbesitzer in Österreich im internationalen Vergleich immer noch relativ gering. Allerdings ist aufgrund des niedrigen Zinsumfelds und der Inflation ein Anstieg des Risikoappetits festzustellen“.
Dies sehe man sowohl an der kontinuierlichen Zunahme der ETF-Sparpläne wie auch an der Anzahl der Aktienbesitzer im Land. „Auch bei Hebelprodukten ist das zu verzeichnen.“ So ist das ausstehende Volumen bei Hebelprodukten – Zertifikate, die einiges mehr Risiko beinhalten als jene mit einem (Teil-)Kapitalschutz –gemäß Zertifikate Forum Austria allein im dritten Quartal 2025 auf 204,3 Millionen Euro angestiegen, ein Plus von knapp mehr als 100 % seit Jahresbeginn.
Technologie bleibt begehrt
Zudem gibt es klare Trends, die im kommenden Jahr anhalten dürften. Geiger verweist in diesem Zusammenhang auf den aktuellen „Techno-Boom“ und sagt, „wir sehen nach wie vor eine große Nachfrage nach Technologie-Titeln sowohl auf der Anlage- wie auch auf der Hebelprodukte-Seite“. Themen wie Künstliche Intelligenz (KI), Blockchain, Cyber-Security und Quantum-Computing zählten weiterhin zu den präferierten Themen. „Auf der Einzelaktienseite spiegelt sich dieses Interesse beispielsweise beip8 Nvidia, Palantir, AMD oder Meta Platforms wider, wobei die meisten Marktteilnehmer davon ausgehen, dass das Interesse an Technologie-Titeln anhalten könnte.“
Das anhaltende Interesse ist nachvollziehbar. Allein Nvidia, dessen Halbleiter in der KI stark gefragt sind, übertraf im dritten Quartal 2025 die Erwartungen. Der Umsatz legte im Jahresvergleich um 62 % auf 57 Milliarden US-Dollar zu. Auch Bitcoin bleibt im Fokus. „Preisrückgänge werden zum Kauf genutzt, während Phasen von Seitwärtsbewegungen im Preis von eher unterdurchschnittlichen Umsätzen in den Produkten gekennzeichnet sind“, zieht Geiger ein Fazit. Im Großen und Ganzen könne man sagen, dass sich Kryptowährungen als eigenständige Anlageklasse in Anlegerportfolios etabliert haben.
Deutschland mit reichlich Chancen
Und selbst in Europa werden Chancen genutzt, so etwa mit dem Leitindex der Frankfurter Börse. „Der Dax ist bei Zertifikaten nach wie vor der als Index meist gehandelte Basiswert“, konstatiert der Bank Vontobel-Experte. Obendrein seien heuer vor allem Aktien aus dem Rüstungsbereich wie Rheinmetall oder Hensoldt in den Fokus gerückt, wie auch Siemens Energy. „Hier könnte man bereits Zusammenhänge zwischen geplanten Investitionen aus den Fiskalpaketen und Anlageentscheidungen herstellen.“
Doch selbst die Entwicklungen bei den Währungen, insbesondere beim Euro zum US-Dollar, stehen im Fokus, allein da Investments jenseits des Atlantiks aufgrund des sinkenden US-Dollars an Wert verlieren. „Anleger beschäftigen sich mit der Auswirkung des Wechselkurses auf ihre US-Investments.“ Die Bandbreite ist breit gefasst, und betrifft nicht nur US-Aktien, sondern beispielsweise auch Rohstoffinvestments. Als Absicherungsmöglichkeiten bieten sich etwa Turbozertifikate sowie Faktorzertifikate auf das Währungspaar an.
Foto: Vontobel
