Unterschätzte Schweizer Aktien

Qualität und Kursdynamik von Nebenwerten oft durch die großen Player verdeckt.

Roman Steinbauer. Helvetische Aktien gelten als sinnvolle Depot-Ergänzung. Erst recht, nachdem es Anlegern seit Mai dieses Jahres wieder möglich ist, Schweizer Aktien uneingeschränkt an EU-Börsenplätzen zu handeln. Sind doch die 2019 eingetretenen Einschränkungen durch den Zwist um ein Rahmenabkommen zwischen Brüssel und Bern beseitigt.

Die Schweizer Börse SIX Swiss büßte indes nichts an Attraktivität ein. Trotz hoher Exportabhängigkeit zeichnen sich die AGs des Nachbarlandes durch eine hohe Kapital- und Innovationskraft, Flexibilität, Gewinnorientierung, Effizienz als auch relative Krisenresistenz aus.

Starker Aufwärtstrend prolongiert

Während die prominenten 20 gewichtigsten eidgenössischen Unternehmen im Börsenindex SMI die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, stehen oft die mittleren und kleiner kapitalisierten Titel (Small & Mid Caps; also Firmen mit Marktkapitalisierungen unterhalb von 500 Millionen Euro bzw. 2 Milliarden Euro) zu Unrecht im Windschatten der weltbekannten Marktführer. Anhand der Daten von e-fundresearch.com ist die starke Entwicklung der Nebenwerte – in einer Drei-Jahres-Performance der Notizen entsprechender Fondsanteile – ablesbar. So weisen die sieben führenden „Swiss Small & Mid Cap“-Fonds diverser Anbieter während dieses Zeitraums eine Wertsteigerung von 25 bis 36 % auf. Der SMI-Index als Benchmark verzeichnete hingegen lediglich einen Zuwachs von 15 %.

Geschätzte Nutzung des Optimierungspotenzials

Der Aktien-Analyst des Schweizer Vermögensverwalters Schroders, Lawrence Hess, wies in einer Aussendung zur Bewertung des ersten Halbjahres bereits im Sommer auf eine Resilienz der Schweizer Small-&-Mid-Cap-Werte hin. Als Ursache dafür sieht er die oft sinnvoll strukturierte globale Streuung der Geschäftsaktivitäten der Firmen und deren Fähigkeit, selbst Stärkephasen des Frankens an der Devisenfront effizient zu managen. Das Risiko einer Abhängigkeit von US-Zöllen hält Hess hingegen als „überschaubar“. Damit lohnt sich stets ein Blick auf den breiteren Gesamtindex Swiss Performance Index (SPI). Zum Unterschied der Dax-Kategorien der Deutschen Börse gilt beim SPI: Wird ein Auswahlkriterium erfüllt, wird die Aktie umgehend in den Index aufgenommen – bzw. bei Nichterfüllung entfernt. Dadurch ist die Anzahl involvierter Aktien (derzeit 202 Gesellschaften) nicht konstant. Jene Beteiligungspapiere, deren Streubesitz kleiner als 20 % ist, sind übrigens im Swiss All Share Index vertreten.

Abseits des Mainstreams

Der Großteil der Small-&-Mid-Cap-Swiss-Fonds ist in CHF aufgelegt. Doch besteht u.a. beim thesaurierenden Produkt von Schroder International, dem „Selection Swiss Small & Mid Equity A“-Fonds, die Möglichkeit, diesen über das Gettex-Handelssystem der Bayerischen Börse in Euro-Notiz zu ordern. Ein Blick auf das Anlageprofil dieser Fonds-Kategorie zeigt: Herbe Rückschläge an Leitbörsen dürften sich nur gedämpft auf die Notizen niederschlagen. So ist der thesaurierende „Small-Mid Cap Equity Fund“ der Swisscanto (Zürcher Kantonalbank) derzeit vorrangig mit 6,62 % bei Sandoz, mit 4,81 % bei SGS (Zertifizierungen, Prüf- und Testdienstleistungen), 4,6 % bei Galderma (Pharma), bis zur Schindler Holding mit 2,78 % investiert. Am gewichtigsten sind darin Industrietitel mit 34 % berücksichtigt, an zweiter Stelle liegt die Gesundheitssparte mit 21 %, vor Finanzen mit 15 % und Konsumgütern mit 12 %.

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