Gute Nachrichten von den Unternehmensgewinnen

Wie könnte es nach einem sehr guten dritten Quartal weitergehen? Ein Investmentausblick von Eurizon.

Red./ks. Von den elf Sektoren des S&P 500 meldeten acht höhere Gewinne als im Vorjahr, angeführt von zweistelligen Zuwächsen in den Bereichen Finanzwesen, Technologie und Industrie. Rückläufige Ergebnisse verzeichneten dagegen die Energie sowie die Basiskonsumgüterbranche.

Der Anteil der Unternehmen, die die Gewinnschätzungen übertroffen haben, liegt in etwa auf dem hohen Niveau des Vorquartals. Dies gilt umso mehr, als die Analysten ihre Prognosen bereits zu Beginn der Berichtssaison nach oben angepasst hatten.

Die Fundamentaldaten der Unternehmen bleiben solide
Die Unternehmensgewinne profitieren von der stabilen Wirtschaftslage, der nachlassenden politischen Unsicherheit und im Fall der Large Caps von der Aufwertung des Wechselkurses.

In Europa entsprach die Gewinnsaison weitgehend den Erwartungen. Die größten positiven Überraschungen kamen aus dem Finanz- und Technologiesektor. Wechselkurs und Zölle bremsen dagegen weiterhin die Exportunternehmen. Für die kommenden Quartale wird mit einer Gewinnsteigerung gerechnet. Sie dürfte von den nachlassenden Handelsspannungen und der Umsetzung der fiskalischen Expansionspläne getragen werden.

Es wird erwartet, dass die weltweiten Gewinne in den kommenden zwei Jahren jeweils um solide 13 % zulegen. In den USA wurden die Gewinnschätzungen für 2026 und 2027 nach oben korrigiert, nachdem sie im April nach dem „Liberation Day“ deutlich gesenkt worden waren. Dies signalisiert ein robustes Gewinnwachstum von rund 14 % in beiden Jahren, getragen von der anhaltenden Erholung und der nachlassenden Unsicherheit im Zusammenhang mit den Zöllen. Im Vorfeld der Midterm Elections Ende 2026 dürfte die US-Regierung zudem alles daransetzen, eine stabile Wirtschaftslage vorweisen zu können. Die positivsten Schätzungsanpassungen kommen von den „Magnificent Seven“ sowie aus den Sektoren Technologie, Finanzen und zyklische Konsumgüter.

Die Schätzungen für 2026 wurden auch für die Schwellenländer mit einem Anstieg von 17,5 % und leicht für die Unternehmen der Eurozone mit einem Plus von 14,6 % nach oben korrigiert. Die Gewinne des Euro Stoxx dürften die Erholung der Unternehmensvertrauensindizes (PMI) sowie die Unterbrechung der Euro-Aufwertung widerspiegeln. Die Aufwärtskorrekturen werden vor allem von Finanzwerten sowie den zyklischen Sektoren Grundstoffe, Luxusgüter und Technologie getragen.

Das von einem anhaltenden Konjunkturzyklus und sinkenden Zinsen gestützte Gewinnwachstum bleibt mittelfristig ein tragender Faktor für die Aktienmärkte.

Gemischtes Bild an den Börsen
Im Oktober wurden die Aktienkurse durch solide Unternehmensergebnisse und eine weitere Entspannung bei den Zöllen, begünstigt durch den Waffenstillstand zwischen den USA und China, gestützt. Der November begann dagegen mit Gewinnmitnahmen. Die außergewöhnliche Performance der „Magnificent Seven“ weckte zudem Befürchtungen einer Blase im Bereich der künstlichen Intelligenz. Hintergrund waren das hohe Investitionsvolumen und die zur Finanzierung aufgenommenen Anleiheemissionen.

Infolge der Entspannung in den Handelsbeziehungen zwischen den USA und China sowie der Einleitung des deutschen fiskalischen Expansionsplans erreichten die Börsen der Eurozone neue Höchststände. Zwischen Beginn des vierten Quartals und dem 20. November erzielten Japan (Topix: 5,2 %) und die Schwellenländer (3,1 %) die besten Ergebnisse. Es folgte die Eurozone (Euro Stoxx: 0,6 %), während die USA einen Rückgang verzeichneten (S&P 500: -2,1 %).

Der US-Dollar zeigte gegenüber dem Euro zu Quartalsbeginn eine leichte Erholung, verzeichnete seit Jahresbeginn jedoch weiterhin einen Wertverlust von rund 10 %.

In den USA reagierten die Märkte insgesamt verhalten auf die Quartalsergebnisse: Unternehmen, die die Erwartungen übertrafen, verzeichneten nur moderate Kursanstiege. Unternehmen, die hinter den Erwartungen zurückblieben, wurden stärker als im historischen Durchschnitt abgestraft.

Börsenstabilität hat auf hohem Niveau gehalten
Die kurzfristige Entwicklung erscheint angespannt, insbesondere für den S&P 500, dessen Bewertungen knapp unter den Höchstständen von 2021 liegen. Auch die Bewertungen des Euro Stoxx und der Schwellenmärkte sind über den historischen Durchschnitt gestiegen, bleiben jedoch deutlich unter dem Niveau der USA. In Europa erscheint das erwartete Gewinnwachstum für 2026 mit 14,6 % und für 2027 mit 12,2 % recht hoch. Gleichzeitig liegt das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis moderat und deutlich unter dem historischen Durchschnitt. Dies deutet darauf hin, dass der Markt diese Schätzungen mit großer Vorsicht betrachtet.

Hohe Bewertungen könnten die positiven Marktreaktionen auf günstige Nachrichten begrenzen und im Gegenzug die Reaktionen auf negative Nachrichten verstärken.

Insgesamt erscheint die kurzfristige Entwicklung der Aktienmärkte angespannt, doch die Fortsetzung des Konjunkturzyklus und des Gewinnwachstums sowie die erwarteten Zinssenkungen der Fed bieten mittelfristig eine solide Stütze.