Plötzlich Ernüchterung am Krypto-Markt
Anleger befürchten den Beginn einer längeren Abwärtsphase des Bitcoin-Kurses.
Patrick Baldia (16.01.2026). Der Bitcoin hat im Vorjahr seinen Ruf, ein äußerst volatiles Asset zu sein, wieder alle Ehre gemacht: Nach einer Schwächephase zwischen Jänner und April, während der die größte Kryptowährung einen Kursrückgang von mehr als 30 % verzeichnete, erreichte sie Anfang Oktober ein neues Allzeithoch bei rund 126.000 US-Dollar, um dann bis zum Jahresende neuerlich nachzugeben – zwischenzeitlich sogar um fast 40 %. Unterm Strich steht für das Gesamtjahr ein Minus von rund 6 % zu Buche.
„Es ist schwer, einen einzigen Treiber für die Korrektur der letzten Wochen auszumachen“, sagt Manuel Schleifer, Senior Equity Market Strategist bei der Raiffeisen Bank International, im Gespräch mit dem Börsen-Kurier. Das sei am Bitcoin-Markt aber eigentlich schon immer der Fall gewesen. Eine Erklärung für die Entwicklung in der zweiten Jahreshälfte 2025 ist für den Krypto-Experten, dass die Erwartungshaltung einfach sehr hoch gewesen sei. „Man darf nicht vergessen, dass etwa US-Präsident Donald Trump im Wahlkampf sehr viel versprochen bzw. angekündigt hat – auch wenn er schon einiges geliefert hat“, meint er.
Bitcoin: +450 % seit 2023
Aktuell ist die Ernüchterung am Krypto-Markt für Schleifer nicht zu leugnen. Für ihn schaut es so aus, als ob die 126.000 US-Dollar vom vergangenen Oktober bis auf Weiteres der vorläufige Höchststand bleiben. Völlig unterzugehen scheint, dass der Bitcoin-Kurs seit Anfang 2023 um fast 450 % gestiegen ist.
Der Analyst hat sich jedenfalls überlegt, wie man die Kursentwicklung der letzten Wochen noch erklären kann und hat sich dabei mit der Annahme, dass der Bitcoin einem Vierjahreszyklus folgt, beschäftigt – im Übrigen eines der gängigsten Erklärungsmodelle für die Entwicklung der Kryptowährung. Es besagt, dass auf ein Halving (Darunter versteht man die Begrenzung des Bitcoin-Angebots ungefähr alle vier Jahre, indem die Belohnung, die die sogenannten „Miner“ für das Schürfen der Kryptowährung erhalten, halbiert wird, Anm.) mit einigem zeitlichen Abstand ein starker Kursanstieg folgt, der schlussendlich wieder in einer Korrektur mündet.
Kommt ein Krypto-Winter?
Unter der Annahme, dass der Bitcoin einem Vierjahreszyklus folge, habe sich jedenfalls in der zweiten Jahreshälfte 2025 das Ende des jüngsten Bullenmarktzyklus angedeutet, so Schleifer. „Aktuell stehen wir möglicherweise vor einem neuerlichen Krypto-Winter (Phase eines längeren Abwärtstrends am Kryptomarkt, Anm.).“ Beruhigend sei, dass man die heutige Kryptoindustrie nicht mit 2014/15 vergleichen könne. Der Markt sei viel reifer geworden. Auch würden sich gewisse Entwicklungen nicht 1:1 wiederholen. Er glaube etwa nicht, dass der Bitcoin-Kurs wie im letzten Krypto-Winter um 80 % einbrechen werde. Ein weiterer Rückgang sei jedoch sehr wahrscheinlich. „Man hat zuletzt am Markt kaum Käufer gesehen, aber viele Verkäufer. Da muss der Preis einfach zurückgehen“, hält der Experte uns gegenüber fest.
Keine Reaktion auf Zinsrückgang
Es gibt aber auch Faktoren, die eigentlich für einen Anstieg des Bitcoin-Kurs sprechen. Wie etwa die zurückgehenden Zinsen. „Bislang hat der Markt darauf aber überhaupt nicht reagiert“, so Schleifer.
Stark im Kommen waren zuletzt sogenannte „Stablecoins“. Dabei handelt es sich um virtuelles Geld, das zwar in eine Blockchain eingebunden ist, jedoch 1:1 an die Entwicklung einer Fiatwährung gekoppelt ist. Daher entwickeln sich Stablecoins auch deutlich stabiler als Bitcoin und Konsorten. Sie sollen jedenfalls schnelle und günstige grenzüberschreitende Überweisungen möglich machen. „Für mich sind sie dafür da, um Kryptowährungen zwischenzuparken, ohne direkt in Fiatgeld umwandeln zu müssen“, so Schleifer.
So oder so, nicht wenige Experten gehen jedenfalls davon aus, dass das Stablecoin-Angebot bis Ende 2026 den Rekordwert von 1 Billion US-Dollar erreichen wird.
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