Erneuerbare Energien: Aktien, die jetzt liefern

Wind, Solar und moderne Energieinfrastruktur liegen aktuell im Trend.

Michael Kordovsky. Nach der harten Phase 2022 bis 2024 wirkte das vergangene Jahr in vielen Segmenten wie ein Wendepunkt. Die Marktbereinigung hat Preisdruck und Projektstornos reduziert, Lieferketten sind stabiler, und die Nachfrage nach Strom wächst durch Elektrifizierung und Rechenzentren. Gleichzeitig verbessert sich die Planbarkeit der Rahmenbedingungen: In den USA stützen langfristige Steuergutschriften den Ausbau erneuerbarer Energien, in Europa wird öffentliche Förderung stärker an wettbewerbliche Modelle und zweiseitige Preisgarantien gebunden.

Solar dominiert, Wind bleibt Wachstumssäule

Das Marktwachstum ist inzwischen gut belegt. Die IEA erwartet, dass die globalen jährlichen Erneuerbaren-Zubauten von 666 GW (2024) auf nahezu 935 GW bis 2030 steigen, wobei Solar und Wind rund 95 % aller Zubauten stellen. In der IEA-Perspektive dominiert Solar auch in den nächsten fünf Jahren. Für Wind bezeichnet das GWEC (Global Wind Energy Council) 2024 als Rekordjahr mit 117 GW Neuinstallationen. Im Zeitraum 2025 bis 2030 sollen 981 GW (164 GW pro Jahr) an neuer Kapazität hinzukommen, was einer prognostizierten durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate (CAGR) für den Zeitraum 2025 bis 2030 von 8,8 % entspricht.

Grüne Energie und moderne Energieinfrastruktur

Siemens Energy hat 2025 die operative Wende geschafft: Der Konzern steigerte für das Geschäftsjahr 2025 seinen Nettogewinn um 26,2 % auf 1.685 Millionen Euro, die Gewinnmarge liegt bei 6,0 % und der Free Cashflow vor Steuern sprang von 1.859 Millionen Euro auf 4.663 Millionen Euro. Die Windkraft-Sparte Siemens Gamesa sollte im laufenden Fiskaljahr die Gewinnzone erreichen. Der Analystenkonsens von MarketScreener rechnet für heuer mit einem Gewinnsprung auf 3,64 Euro je Aktie bevor bis 2028 ein Anstieg auf 6,62 Euro erfolgen sollte, woraus bei einem Kurs von 152 Euro ein für 2027/28 geschätztes KGV von 23 resultiert.

Bei Nordex zeigt sich die Marktbereinigung im Ergebnis: Im dritten Quartal 2025 stieg das Ebitda um 90,1 % auf 135,9 Millionen Euro, die Ebitda-Marge verbesserte sich auf Jahressicht von 4,3 auf 8,0 %, das Periodenergebnis von 3,9 auf 51,7 Millionen Euro. Laut Analystenkonsens sollte der Gewinn je Aktie von 2025 bis 2027 von 1,038 auf 1,605 Euro steigen, woraus bei einem Kurs von 32,74 Euro ein für 2027 erwartetes KGV von 20,4 resultiert.

Westliche Welt weiter am Drücker

Im Solarsektor bleibt First Solar ein Vorzeigeunternehmen der „westlichen Welt“. Für die ersten drei Quartale 2025 verzeichnete das Unternehmen einen Umsatzanstieg um 31,4 % auf 3,54 Milliarden USD (rund 3 Milliarden Euro) und einen Anstieg des Gewinns pro Aktie um 20,8 %. Zusätzlich kündigte First Solar den Ausbau der US-Fertigung an: Eine neue Anlage mit 3,7 GW Kapazität soll mit Produktionsstart ab Ende 2026 und Hochlauf in der ersten Jahreshälfte 2027 errichtet werden. Laut Schätzungen sollte sich der Gewinn je Aktie von 2025 bis 2027 in etwa verdoppeln und per 6. Februar läge das für 2027 geschätzte KGV bei günstigen 7,7.

Ein Profiteur der steigenden Stromnachfrage aus Rechenzentren in den USA ist Floridas größter Stromversorger NextEra Energy. Das Unternehmen ist laut eigenen Angaben weltgrößter Erzeuger erneuerbarer Energien aus Wind und Sonne und wies von 2020 bis 2024 ein Cashflow-Wachstum von 13,6 % p.a. auf.

Unterschätzter Hebel bei Netzen und Effizienz
Schneider Electric, ein Basisinvestment grüner Fonds, berichtet für das dritte Quartal 2025 von Wachstum im Energiemanagement, wo die anhaltende Nachfrage nach Rechenzentren die Leistung vorantreibt, unterstützt durch Investitionen in die Netzinfrastruktur. Der Umsatz stieg im dritten Quartal um 9 % auf 10 Milliarden Euro. Laut historischen Datenreihen lag von 2015 bis 2024 das Gewinnwachstum je Aktie bei 13,6 % p.a. und von 2025 bis 2027 sollte der Gewinn je Aktie weiter von 7,90 auf 10,97 Euro wachsen, woraus bei einem Kurs von 252,90 Euro ein für 2027 geschätztes KGV von akzeptablen 23,1 resultiert.

Ein ähnlicher Wert ist ABB, ein Unternehmen, das in der Entwicklung von KI-Rechenzentren der nächsten Generation mit NVIDIA zusammenarbeitet und nach dem Verkauf seiner Robotik-Division an SoftBank nun auf die Bereiche Elektrifizierung und Prozessautomatisierung fokussiert ist.

Foto: Adobe Stock / Planetz / Generiert mit KI

Im Artikel vorgestellte Aktien

Konzern ISIN 12-Monats-Performance
Nordex DE000A0D6554 184 %
Siemens Energy DE000ENER6Y0 167 %
ABB CH0012221716 35 %
First Solar US3364331070 30 %
NextEra Energy US65339F1012 29 %
Schneider Electrics FR0000121972 6 %
Quelle: Comdirect vom 06.02.2026