Infineon ist mehr als KI-Hype in der Chipindustrie
Der Chiphersteller muss neue Kurstreiber liefern, die den Höhenflug der Aktie weiter beflügeln.
(15.05.2026). Die Aktionäre von Infineon (DE0006231004) haben zurzeit reichlich Spaß mit ihrem Investment. Seit Ende März ist der Börsenwert um mehr als die Hälfte auf 80 Milliarden Euro gestiegen. 65 % an Kursgewinnen sind es seit Jahresanfang. Der Auslöser für das Kursfeuerwerk ist schnell gefunden: Mit seinen Produkten für die Stromversorgungslösungen der KI-Rechenzentren profitiert Infineon vom Boom bei den KI-Chips.
Wie gut es gerade läuft, untermauern die jüngsten Zahlen. Im zweiten Geschäftsquartal des am 30. September endenden Geschäftsjahres 2025/26 kletterte der Umsatz um 6 % auf 3,8 Milliarden Euro. Das Segmentergebnis, die zentrale Kennziffer bei Infineon für die Profitabilität, stieg um 9 % auf 653 Millionen Euro und schob die Marge weiter nach oben auf 17,1 %.
Ausblick nährt Börseneuphorie
Im zweiten Halbjahr erwartet Vorstandschef Jochen Hanebeck eine weitere Geschäftsbelebung – und zwar immer stärker aus dem Endmarkt Energie-Infrastruktur: „Wir werden stärker als bislang erwartet wachsen. Ein breiterer Aufschwung vieler Endmärkte ist in Sicht.“ Seine Jahresprognose hat Infineon angehoben: Der Umsatz soll bei mehr als 16 Milliarden Euro herauskommen, was einem Zuwachs um mehr als 10 % entsprechen würde. Die operative Marge beim Segmentergebnis soll bei rund 20 % liegen und nicht mehr wie bislang angepeilt im oberen zweistelligen Bereich.
Zugleich verschlankt Infineon die Konzernstruktur von vier auf drei Geschäftsfelder. Die Sparte Automotive soll künftig rund 50 % am Konzernumsatz stellen, Power Systems rund 30 % und Edge Systems mit seinen Produkten, die laut Infineon „für das Zusammenspiel von Mikrocontrollern, Sensoren, Konnektivität und Sicherheit entscheidend sind“, gut 20 %.
Die meisten Analysten haben ihre Gewinnprognosen nach oben verändert und räumen der Aktie weiteres Aufwärtspotenzial ein. 20 der 25 Branchenexperten, die Infineon covern, sprechen sich weiter für den Kauf aus. Alexander Duval von Goldman Sachs hat sein Kursziel von 53 auf 75 Euro angehoben. „Der steigende Anteil von Halbleitern an der installierten Leistung im KI-Datenzentrum-Bereich“ bleibt für Duval der zentrale Wachstumstreiber.
Die große Unbekannte
Spannend wird in den nächsten Monaten, ob sich die Nachfrage im gesamten Automobilgeschäft beleben wird. Im letzten Quartal kletterte der Umsatz zwar leicht auf 1,8 Milliarden Euro. Zugleich rutschte jedoch die Marge auf 18,1 % ab, weil die höhere Profitabilität im Industriegeschäft die Preisrückgänge und sinkende Nachfrage für Hochvolt-Komponenten bei Elektroautos nicht kompensierte.
Zugleich haben die japanischen Konzerne Rohm, Toshiba und Mitsubishi Electric Ende März eine Absichtserklärung zur möglichen Fusion ihrer Leistungshalbleiter-Sparten unterzeichnet. Mit Fokus auf dem Siliziumkarbid-Markt, einem Material, das eine effektivere Stromumwandlung ermöglicht und in dem Infineon eine führende Position hält. Umgekehrt profitiert das Unternehmen in Europa mit seinen Produktionsstätten in Österreich und Deutschland von Lieferkettennähe.
Luft wird dünner
Die KI-Story ist mittlerweile in der Aktienbewertung eingepreist. Sollte die Automotive-Sparte die kommunizierten Erholungstendenzen nicht bestätigen, erhöht sich die Anfälligkeit für eine Kurskorrektur. Mit einem 2027er-KGV von ist die Aktie sportlich bewertet, vor allem sollte sich das Gewinnwachstum 2026/27, wie von den meisten Analysten erwartet, auf rund 20 % abschwächen.
Autor: Stefan Riedel, München
Foto: Infineon – Dresden cleanroom
