Im Spannungsfeld von Politik und Airlines
Die Flughafen-HV 2026 bot viel Sachlichkeit und tiefe Einblicke.
(12.06.) Michael O’Leary mag im Preiskampf gegen staatliche Regulierer und Flughafenbetreiber ja manchmal obsiegen, gegen eine ausgeprägte Gewitterfront in der Adria-Region hat aber auch der streitbare Ire keine Chance. Und so hatte der Wettergott am Tag der diesjährigen Flughafen-HV ironischerweise weder mit seiner Fluglinie Ryanair noch mit dem Schreiber dieser Zeilen, der gleich nach der Aktionärsversammlung in einen Flieger Richtung Süden springen wollte, Erbarmen.
Andererseits hatte der Börsen-Kurier bei dieser (Un-)Gelegenheit auch die Chance, sich ausführlich ein Bild von den in der HV erwähnten Fortschritten im Bereich Non-Aviation der Flughafen Wien AG überzeugen – und letztlich auch die Verspätung des Fluges für diesen Bericht in einem der schönen neuen Lokale zu nützen.
Einmaleffekt kein Einfluss auf Dividende
Aber kommen wir zum Wesentlichen: Die Zahlen und Entwicklungen 2025, die Vorstandsdirektor Günther Ofner gemeinsam mit seinem Kollegen Julian Jäger anlässlich der 38. o. HV im Bürokomplex des Flughafens präsentierte, waren bekannt. Zusammengefasst war es ein gutes Jahr mit einem Umsatzplus von 7,2 % auf 1,13 Milliarden Euro in der Gruppe (inkl. Košice und des Flughafens in Malta, dessen Beitrag zum Ergebnis kontinuierlich zunimmt) und einem Passagierrekord auf in Summe 43,4 Millionen (+4,9 %; davon Malta: 10,1 Millionen und Košice 0,8 Millionen). Das Ergebnis wurde allerdings aufgrund des endgültigen Aus des Themas „3. Piste“ und der entsprechenden Wertberichtigung in Höhe von knapp 56 Millionen Euro stark belastet. Die gute Geschäftsentwicklung konnte zwar die Hälfte dieses Sondereffekts auffangen, das Ebitda sank aber trotzdem um 6,8 % auf 442,3 Millionen Euro. Für die Aktionäre in diesem Zusammenhang nicht unwesentlich: Da es sich um einen Einmaleffekt handelt, bleibt die Dividende für 2025 mit 1,65 Euro unverändert.
Ausblick und Politik
Heuer sei man, so Ofner, aufgrund weiterhin positiver Passagier- und Non-Aviation-Zahlen gut ins Jahr gestartet. Das Ergebnis wird auf Vorjahresniveau erwartet und die Guidance (Umsatz: 1.050 Millionen; Ebitda: 415 Millionen Euro) soll halten. Einen Boom gebe es weiterhin bei Betriebsansiedelungen und der „Meilenstein“ Süderweiterung des Terminal 3 soll in die finale Phase kommen.
Bevor die 65 anwesenden Aktionäre zu Wort kamen, teilte Ofner noch gegen den „Green Deal“ der EU aus, den er als „Brandbeschleuniger für den Abschwung“ bezeichnete. Und auch Jäger ärgerte sich über die Regulierer in der Politik, die Fluglinien aus Wien vertreiben (siehe Ryanair und Wizzair). Die Absage der 3. Piste sei allerdings aus rein wirtschaftlichen Gründen und in Absprache mit den Hauptkunden (v.a. Lufthansa) erfolgt. Sie sei einfach nicht mehr notwendig, da das weitere Wachstum in Schwechat in erster Linie über größere Flugzeuge erfolgen wird.
Generaldebatte
Diese eröffnete wie gewohnt der IVA in Person von Michael Knap. Der Anlegervertreter bedankte sich eingangs bei „Vorstand und allen Mitarbeitern“ dafür, dass die Dividende nicht angerührt wurde. Seine Fragen betrafen in weiterer Folge u.a. den Stand beim Thema Flugabgabe. Vom Podium hieß es, dass man in regem Austausch mit der Politik sei, sich nach der Budgetrede mehr Klarheit erhoffe und natürlich am Thema dranbleibe. Grundsätzlich sei die Steuer ein massiver Standortnachteil, da nur ein Nachbar (D) diese auch einhebe.
Die von Knap angesprochene medial geäußerten Kritik der AUA-Chefin an angeblich hohen Kosten in Wien, sorgte ebenfalls für Unverständnis, da das Verhältnis von Preis und Qualität in Wien ein sehr gutes sei; außerdem führe man laufend „faire Gespräche mit der Lufthansa-Gruppe“ auch zu den Tarifen und sehe hier kein Problem.
Bezüglich der eingangs erwähnten Ryanair sei aktuell mit keinem weiteren Abzug von Flugzeugen zu rechnen, da der Sommerflugplan ja bereits aktiv ist. Auf die für die 3. Piste gekauften Grundstücke und Immobilien angesprochen, erklärte der Vorstand, dass es genau Pläne gäbe zu Verpachtungen, den Tausch von Flächen, einer zukünftigen Verwendung sowie auch zu Verkäufen.
Baustelle CAT
Die aufgrund der Sanierung der S-Bahn-Stammstrecke durch die ÖBB notwendige Stilllegung des City Airport Train (CAT; 50,1 % hält der Flughafen, 49,9 % die ÖBB-Personenverkehr AG) von September bis Ende Oktober 2027 liegt hingegen schwerer im Magen. Wie es sich wirtschaftlich auswirke, können man noch nicht sagen, so Jäger, aber es werde sicher kein gutes Jahr für den CAT. Die Kosten dafür (auch für den Schienenersatzverkehr) trage zu 100 % CAT und könne man nicht auf die ÖBB abwälzen.
Aktionärstag
Interessante Antworten auf Fragen anderer Aktionäre betrafen neben klassischen Umweltthemen etwa die Flugbewegungen privater Flieger (mehr als 4.000 im Jahr), oder die Parkeinnahmen am Flughafen 2025 (64,2 Millionen Euro), das Kultur- und Sportsponsoring (je 480.000 Euro; primär „in der Nachbarschaft“), und zu guter Letzt den Privataktionärstag, der am 7. Oktober wieder stattfinden soll.
Und so kann sich der Streubesitz, der beim Flughafen nur rund 6 % beträgt, auf eine weitere interessante Veranstaltung in Wien-Schwechat im heurigen Jahr freuen.
Autor: Klaus Schweinegger
Foto: Josue Isai Ramos Figueroa für Unsplash
