Tech-Aktien: Wo es noch Chancen gibt
Zulieferer der Hyperscaler im Fokus der Investoren.
(17.07.2026). In drei Jahren konnte man sein Geld mit Technologie-Aktien verdreifachen, leitete Martin Kwauka, Initiator des Finanzjournalistenforums, ein Pressegespräch zum Thema „Favoritenwechsel bei Tech-Aktien?“ vor kurzem ein. Auch heuer gab es Zuwächse um 20 % und die Erwartungen der Anleger sind weiterhin hoch. Nach einem guten ersten Quartal startet nun die Berichtssaison über das zweite Vierteljahr.
Christoph Olbrich, Fondsmanager des „Gutmann Pure Innovation“ (ISIN: AT0000A2VB88), der mehr als 60 % seines Portfolios in Tech-Aktien veranlagt hat, betont die starken Gewinnanstiege und erfreulichen Ergebnisse des ersten Quartals: Es handle sich nicht um eine Blase, allerdings stelle sich die Frage, wie lange die Gewinne noch steigen können.
Die Rolle der Hyperscaler
Eine entscheidende Rolle komme den Hyperscalern (Anbieter von Cloud-Computing und Datenmanagement, die riesige Rechenzentren betreiben, wie Amazon, Microsoft und Google; Anm.) zu. Beim Ausbau der KI-Infrastruktur handle es sich nicht um einen einfachen Boom, sondern um einen Superzyklus, der sich über Jahre hinzieht, so Olbrich. Davon profitieren die Speicherhersteller besonders. Sie haben ihre Ergebnisse zuletzt vervielfacht, nun gehe es darum, wie nachhaltig ihre Gewinne sind und wie lange sie Margen von mehr als 80 % halten können.
Bernhard Ruttenstorfer, Fondsmanager des „Erste Stock Techno“ (AT0000753504 (T)), erwartet im zweiten Quartal ein Gewinnwachstum von 60 % – getrieben durch Speicher- und Hardwarehersteller. Die mangelnde Verfügbarkeit von Halbleitern und Hardware treibe die Preise, worunter die Hyperscaler derzeit allerdings leiden. Deren Marktmacht sei aber enorm und „sie werden letztlich entscheiden, wie es weitergeht“, so Ruttenstorfer. Derzeit würden sie Rentabilität noch nicht beachten, noch gehe es um Umsatzwachstum, „koste es, was es wolle“.
Was die Investoren betrifft, so seien diese gewohnt, dass ihre Erwartungen übertroffen werden, betont Ruttenstorfer: „Es muss geliefert werden.“ Bis Anfang Juni sei der Optimismus groß gewesen, ergänzt Olbrich. Zuletzt habe es aber kleinere Korrekturen gegeben, vor allem jene, die das Geld ausgeben, hätten eine Underperformance gezeigt. Und es stelle sich die Frage, wie lange die Hyperscaler noch bereit sein werden, ihre Cashflows an ihre Lieferanten abzuliefern. Andererseits scheinen sich die Investitionen auszuzahlen, die Nachfrage sei hoch und ein Ausbau der Rechenleistung erforderlich. Schlüsselfrage sei, ob die Hyperscaler weiter nachlegen werden.
Wo die Experten sonst noch Chancen sehen
Sowohl Ruttenstorfer als auch Olbrich haben zuletzt in Ausrüster investiert. Man solle tiefer in die Wertschöpfungskette blicken, empfiehlt Olbrich. Beispiel „analoge Halbleiter“: Sie seien über die vergangenen Jahre vernachlässigt worden, seien jetzt aber in den Boom eingestiegen und hätten starke Zahlen geliefert. Oder Softwarehersteller: Vor allem in den Bereichen Cyber Security und Infrastruktur sei das Interesse der Investoren wieder gestiegen. Und Ruttenstorfer betont, dass die Hyperscaler nicht nur Chips, sondern auch Software zukaufen: „Sie machen nicht alles selbst.“ Chancen würden sich auch bei Zulieferern aus China ergeben, die an amerikanische Kunden verkaufen. Und auch chinesische KI-Anbieter von Künstlicher Intelligenz seien interessant. Ruttenstorfer: „Was sie bei Autos und Solar gemacht haben, machen sie auch bei AI.“
Thema Bewertung
Was die Bewertung der Aktien betrifft, sei es gerade bei Technologietiteln wichtig, nicht das Billigste zu kaufen, so Ruttenstorfer. Entscheidend sei das Momentum auf der Umsatz- und Gewinnseite: „Wenn die Gewinne steigen, ist eine hohe Bewertung kein Problem.“
Autor: Marius Perger
Foto: Getty Images für Unsplash+
