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EVN-Aktie: Höhere Prognose und weiteres Kurspotenzial

Trotz schwieriger Wetteredingungen deutliches Gewinnplus nach drei Quartalen.

(04.09.2026) Für die EVN sind die ersten drei Quartale 2025/26 ganz gut gelaufen. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum stieg der Umsatz um 3,1 % auf 2,4 Milliarden Euro, das Ebitda verbesserte sich um 4,9 % auf 748,5 Millionen Euro. Das Ergebnis legte sogar um 20,8 % auf 525,1 Millionen Euro zu.

Dabei waren die Wetterbedingungen bekanntlich durchaus herausfordernd – in allen Kernmärkten des Energieversorgers lag der Wind- und Wasserertrag deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt. Dennoch konnten die erneuerbaren Erzeugungskapazitäten ausgebaut werden, konkret um 0,9 % auf 1.805 GWh.

Neue Energieparks in Niederösterreich

„Die Wetterentwicklung seit Jahresbeginn hat uns gezeigt, wie wichtig Diversifikation und Flexibilität in der Energiebranche sind“, brachte es Vorstandsdirektorin Alexandra Wittmann am Donnerstag der Vorwoche in einem Conference Call auf den Punkt. Daher werde man auch weiterhin den Fokus auf den Ausbau der erneuerbaren Energieerzeugung legen. Gleichzeitig sollen Batteriespeicherlösungen die Flexibilität erhöhen. Positiv: Bis Ende Juni konnte die Windkraftkapazität der EVN auf 570 MW erhöht werden. Weitere Projekte sind am Laufen – neue Windparks entstehen etwa in Neusiedl an der Zaya und in Großkrut-Poysdorf. Die Leistung des Windparks Großsiernig soll wiederum im Zuge von Modernisierungsarbeiten auf 26,5 MW gesteigert werden.

Weiter ausgebaut wird auch die Ladeinfrastruktur. Dass diese Strategie Sinn macht, zeigt die steigende Zahl an Elektroautos in Österreich. Ende Juli waren erstmals mehr als 300.000 rein elektrisch betriebene Pkw zugelassen, die meisten mit rund 62.000 in Niederösterreich. Ein weiterer zentraler Investitionsschwerpunkt ist auch die Trinkwasserversorgung in Niederösterreich, in die derzeit jährlich zwischen 20 und 25 Millionen Euro investiert wird. „Auch wenn es sich dabei um einen vergleichsweise kleinen Geschäftszweig handelt, ist er für uns ein wichtiger Teil unseres Infrastrukturportfolios“, sagt Wittmann und verweist auf 650.000 Kunden in Niederösterreich.

Investitionsprogramm auf Schiene

Für Experten steht die Wichtigkeit der langfristigen Investitionsstrategie des Unternehmens im Hinblick auf die Transformation des Energiesystems und die langfristige Versorgungssicherheit bei Strom und Wasser jedenfalls außer Frage. Zur Erinnerung: Bis 2030 sollen jährlich rund 1 Milliarden Euro investiert werden, davon 80 % in Niederösterreich. Zu den Investitionsschwerpunkten gehören der Ausbau der erneuerbaren Energieerzeugung, die Modernisierung der Stromnetze und die niederösterreichische Trinkwasserversorgung. „Das Investitionsprogramm für 2025/26 läuft nach Plan“, bestätigt Wittmann.

Nicht zuletzt wegen der starken Investitionstätigkeit erwartet die unter anderem für Finanzen zuständige Vorstandsdirektorin bis Ende September einen Anstieg der Nettoverschuldung auf 1,2 Milliarden Euro. „Die finanzielle Flexibilität unseres Unternehmens bleibt dennoch gesichert und solide“, sagt Wittmann und verweist auf vertraglich gesicherte Kreditlinien in der Höhe von 765 Millionen Euro.

Für das Gesamtjahr erwartet das EVN-Management nun ein Konzernergebnis in einer Bandbreite von 470 bis 490 Millionen Euro (zuvor: 430 bis 480 Millionen Euro). Dahinter stehen auch unbare positive Einmaleffekte als Folge der Entkonsolidierung des internationalen Projektgeschäfts bzw. des Verkaufs der Umwelttechnik-Tochter WTE Wassertechnik an die Strabag.

+7 % seit Jahresbeginn
Die positive Entwicklung der EVN-Aktie hat sich zuletzt fortgesetzt. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von rund 7 % zu Buche. Über die vergangenen zwölf Monate lag die Performance bei rund 26 %. Schaut man sich die aktuellen Kursziele der Analysten an, die sich in einer Bandbreite von 29,50 bis 36 Euro bewegen, so könnte die EVN-Aktie noch etwas Luft nach oben haben. Auffallend ist die überwiegend positive Einstellung der Experten. Bei vier von insgesamt fünf lautet die Empfehlung entweder „Kaufen“, „Outperform“ oder „Add“.

Für Christoph Schultes, Analyst bei der Erste Group, gehört die EVN-Aktie zu den günstigsten im Peer-Group-Vergleich. Pierre-Alexandre Ramondenc von AlphaValue zählt wiederum den stabilen Heimmarkt Niederösterreich, das prognostizierbare Geschäftsmodell mit einem hohen Anteil an regulierten Einnahmen und den 12,6-%-Anteil am Verbund zu den Argumenten für die EVN. Kritisch sieht er hingegen unter anderem den geringen Free-Float von rund 20 %, der die Liquidität einschränkt sowie die begrenzten Wachstumsaussichten mit „sehr konservativen Zielen“ bei der Kapazität erneuerbarer Energien.

Autor: Mag. Patrick Baldia