Höhere Renditeaussichten mit illiquiden Assets
Private Market Investments geraten zunehmend in den Fokus von Privatanlegern.
(16.10.2026) Seit einigen Jahren ist eine Entwicklung auszumachen, die vor allem bei Lesern des Börsen-Kurier nicht allzu gut ankommen dürfte: Immer weniger Unternehmen sind bereit, an die Börse zu gehen. Allein in den USA ist die Zahl der gelisteten Firmen zwischen 1996 und 2025 um mehr als die Hälfte zurückgegangen Laut Experten ist die Börsenmüdigkeit vor allem auf die zunehmende Regulierung, die Compliance-Anforderungen und die damit verbundenen Kosten sowie auf die erweiterten Möglichkeiten zur Aufnahme privaten Kapitals zurückzuführen.
Anders als in der Vergangenheit sind Private Market Investments, zu denen Private Equity, Venture Capital, Private Credit, Private Infrastructure und Private Real Estate zählen, allerdings nicht mehr ausschließlich Institutionellen und Großinvestoren vorbehalten. Immer mehr Asset Manager richten sich mit eigenen Lösungen an Privatanleger. Nur ein Beispiel: Im ersten Halbjahr legte die Erste Asset Management einen nach der „ELTIF 2.0“-Verordnung strukturierten Evergreen-Fonds auf.
Zugang über langfristige Fonds
Mit der im Jänner 2024 in Kraft getretenen Verordnung hat die EU jedenfalls die Basis für einen breiteren Zugang zu den globalen Private Markets über ELTIFs (für European Long-Term Investment Funds) geschaffen. Unter anderem sollten flexiblere Anlagerichtlinien, kleinere Einstiegshürden und ein größeres Produktangebot Privatanlegern die Nutzung erleichtern.
Schelhammer Capital bietet Private Equity seit 2001 an. „Wir wollten unseren Kunden die Möglichkeit geben, wie die großen Privatstiftungen zu investieren“, erklärt Bernadette Ules, Geschäftsführerin des Tochterunternehmens GBG Private Markets, im Gespräch mit dem Börsen-Kurier. Private Real Estate und Private Credit biete man aufgrund der geringen Renditeaussichten nicht an. Venture Capital sei wiederum wegen der damit verbundenen hohen Ausfallrate von rund 70 % kein Thema.
„Die Frage, wie Liquidität und illiquide Vermögenswerte miteinander vereinbart werden können, bleibt aus unserer Sicht ein zentraler Aspekt der Produktgestaltung bei Private Equity“, so Ules. Daher bevorzuge man langfristig ausgerichtete Strukturen ohne zusätzliche Liquiditätsversprechen. In Wahrheit koste Liquidität nämlich Geld bzw. bedeute weniger Rendite. Man dürfe nicht vergessen, dass man sich mit einem Private Equity Investment an der Entwicklung realer Unternehmen beteilige. „Diese Prozesse lassen sich nicht beschleunigen und benötigen Zeit, um ihr Potenzial zu entfalten“, so Ules.
Investitionsziel Mittelstand
Nach Einschätzung von Robert Hufnagel, Partner, M&A Advisory Lead, Transactions & Corporate Finance, EY-Parthenon bei EY Österreich, wird der österreichische Markt, der sich 2026 trotz geopolitischer Unsicherheiten bisher robust entwickelt habe, vor allem von internationalen Investoren geprägt. „Neben strategischen Käufern sehen wir insbesondere Private-Equity-Fonds aus Deutschland, dem Vereinten Königreich, Frankreich und den USA“, meint er zum Börsen-Kurier. In ihrem Fokus stünden Technologie, Software, industrielle Marktführer, Business Services, Healthcare sowie Infrastruktur- und Energiethemen. Nachsatz: „Der heimische Mittelstand bleibt dabei ein Investitionsziel, insbesondere wenn Unternehmen über technologische Kompetenzen, Nischenführerschaften oder starke Exportpositionen verfügen.“
Das heimische Private-Markets-Ökosystem ist für Hufnagel „weiterhin unterentwickelt“. „Während Deutschland über größere PE-Häuser verfügt, müssen österreichische Unternehmen weiterhin häufig auf internationale Sponsoren zurückgreifen“, so der EY-Experte. Noch deutlicher sei dies im Bereich Private Debt, wo größere Finanzierungen oft von internationalen Kreditfonds übernommen würden, die überwiegend in London oder anderen internationalen Finanzzentren angesiedelt seien.
Autor: Mag. Patrick Baldia
