An Aktien führt kein Weg vorbei

Auch wenn turbulente Ereignisse wie das Brexit-Votum an den internationalen Börsen zumindest kurzfristig Spuren hinterlassen, machen Panikreaktionen überhaupt keinen Sinn.

„Natürlich können Abstimmungen, Wahlen oder andere politische Begebenheiten heftige Reaktionen an den Finanzmärkten hervorrufen. Die Dauer dieser Krisen ist aber meist überschaubar und die Börsen erholen sich rasch wieder“, meint Hermann Wonnebauer. „Es ist daher wenig ratsam, sich in einem ersten Schockmoment zu Panikkäufen oder -verkäufen verleiten zu lassen“, so das Vorstandsmitglied der Zürcher Kantonalbank (ZKB) in Osterreich.

Langfristplan entscheidend
Für nachhaltigen Erfolg braucht es einen langfristigen Plan, der nicht bei der ersten Schlechtwetterfront an den Börsen über den Haufen geworfen wird, so Wonnebauer. Themen wie das Brexit-Referendum seien zwar zu beachten, im Rahmen einer langfristigen Anlagestrategie aber nicht entscheidend. Denn drei Tage später kamen die spanischen Parlamentswahlen und im Herbst wird es wohl auch wieder Ereignisse geben, die den Börsen kurzfristig zusetzen, relativiert Wonnebauer die Bedeutung der internationalen Politik. Nachsatz: Viel mehr mache den Anlegern die lang anhaltende Niedrigzinsphase zu schaffen.

Brexit und Türkei
Und auch Fidelity-Österreich-Chef Adam Lessing meint im Gespräch mit dem Börsen-Kurier, dass – getreu der Weisheit von den politischen Börsen und ihren kurzen Beinen – überraschende politische Ereignisse zwar starke, aber kurzfristige Verwerfungen auslösen. Der Brexit illustriert dieses Phänomen laut Lessing perfekt: „Nach einem starken, schockartigen Abschwung haben sowohl der britische FTSE 100 als auch der EUROSTOXX 50 rasch wieder angezogen. Für Privatanleger stellt sich bei solchen Ereignissen immer nur die Frage, ob sie die Wirtschaftsaussichten oder die Risikoprämie für einzelne Anlageklassen langfristig beeinflussen und daher eine Anpassung des Portfolios rechtfertigen.“ Was Fidelity aber schon gemacht hat, ist, dass am Tag nach dem Votum alle Analysen betroffener Unternehmen aktualisiert, interne Bewertungen und Empfehlungen, wo nötig, angepasst wurden. „Wir waren daher in der Lage, in der kurzfristigen Panik für die Portfolios unserer Investoren einige betroffene Namen billig zuzukaufen“, so Lessing.

Dasselbe gilt übrigens auch für die Türkei: „Nur insofern, als politische Ereignisse dieser Art die langfristigen Wirtschaftsaussichten einzelner Unternehmen, Länder oder Anlageklassen beeinträchtigen, haben wir unsere Analysen und Bewertungen aktualisiert. Dementsprechend werden wir gegebenenfalls unsere Strategie anpassen. In diesem speziellen Fall waren wir aber schon länger aufgrund des wirtschaftlichen und politischen Risikos skeptisch und halten schon länger keine türkischen Aktien in unseren Portfolios“, so der Fidelity-Mann. Und abschließend: „Für unsere Position zu Aktien global bedeutet dies, dass keines dieser beiden Ereignisse unsere Ansicht zur relativen Attraktivität von Aktien im Verhältnis zu anderen Anlageklassen verändert hat: So bleiben weiterhin – natürlich im Rahmen einer sinnvollen Diversifikation des Portfolios – Aktien unsere bevorzugte Anlagekategorie.“

Im Schnitt klar im Plus
Durchhaltevermögen und die richtige, langfristige Strategie sind wesentliche Erfolgsfaktoren, so Hermann Wonnebauer von der ZKB abschließend. Das zeigt auch die langfristige Bilanz des MSCI Europe. Denn trotz zwischenzeitlicher Rückgänge im Jahresverlauf von durchschnittlich 16 % waren die Gesamtjahres-Ertrage in 28 von 36 Jahren im Plus.        

Autor: Klaus Schweinegger (ks@boersen-kurier.at)

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