Der Bundespräsident als Türöffner für Milliarden-Aufträge

Präsidentschaftskandidat Alexander Van der Bellen, langjähriger Uni-Professor der Wirtschafts- und Finanzwissenschaften, mal abseits von Kanzlerangelobungs- und Migrationsfragen.

Börsen-Kurier: Einer Ihrer Wahlkampfbegriffe ist „Heimat“. Heimat kann standortpolitisch gesehen auch „Heimatstandort“ für Unternehmen und Unternehmer bedeuten. Wie wollen Sie bei denen das „Heimatgefühl“ stärken?

Alexander Van der Bellen: Der wichtigste Erfolgsfaktor Österreichs im internationalen Standortwettbewerb sind gut ausgebildete Arbeitskräfte. Investitionen in Bildung und Ausbildung ermöglichen Innovationen und wirtschaftliche Dynamik. Junge Menschen brauchen daher Perspektiven dahin. Wir alle sind dazu aufgerufen, das dafür erforderliche Umfeld zu schaffen. Wenn uns das gelingt, dann bleibt das Heimatgefühl der Unternehmer ungebrochen hoch.

Börsen-Kurier: Sie setzen trotz der aktuellen Turbulenzen auf „Unser gemeinsames Europa“. Welche neue gemeinsame Wirtschafts- und Fiskalpolitik braucht es denn?

Van der Bellen: Die Arbeitsmärkte sind in vielen Ländern Europas äußerst angespannt, auch in Österreich. Europa braucht eine gemeinsame Wachstumsstrategie und Investitionen in Zukunftsmärkte, wie beispielsweise Green Technology und innovative Startups. Einmal mehr möchte ich betonen, dass gerade für Österreichs exportorientierte Wirtschaft im Zentrum Europas die europäische Einheit von essenzieller Bedeutung ist. Die ersten Auswirkungen des Brexit in Großbritannien zeigen, welchen Schaden für Wirtschaft und Arbeitsmarkt eine Abkehr vom gemeinsamen Europa verursacht. Das will ich für Österreich nicht.

Börsen-Kurier: Sie haben sich ja lange mit Budgetpolitik befasst. In welchen Bereichen sollte denn trotz des Budgetsparkurses der Staat „Zukunftsinvestitionen“ tätigen und warum?

Van der Bellen: Die Universitäten sind chronisch unterfinanziert, obwohl dort der Nährboden für die zukünftige Entwicklung unseres Landes geschaffen wird. Wir brauchen mehr Investitionen in die Forschung. Und es gilt auch Stärken zu stärken: im Bereich klimafreundlicher Technologien etwa. Da kann Österreich etwas! Da könnten wir unseren Vorsprung weiter ausbauen.

Börsen-Kurier: Eines Ihrer Mottos lautet „Mutig in die neuen Zeiten“”. Wie sollen denn die neuen Zeiten für unsere Wirtschaft aussehen?

Van der Bellen: Wir stehen vor großen wirtschaftlichen Herausforderungen. Die Wirtschaftskrise hat zuletzt ganze Branchen hart getroffen. Die Zahl der Menschen ohne Arbeit nähert sich der Marke von 500.000, das ist ein Alarmsignal. Gleichzeitig beklagen viele Unternehmerinnen und Unternehmer, dass die Politik ihren Problemen nicht genügend Aufmerksamkeit entgegenbringt. Ein gesunder Wirtschaftsstandort ist aber für die Sicherung von bestehenden und die Schaffung neuer Arbeitsplätze unerlässlich. Österreichs Wirtschaft braucht mehr Zusammenarbeit in Europa, nicht weniger.

Börsen-Kurier: In welche Länder und Weltregionen würden Sie die ersten Wirtschaftsdelegationen am liebsten anführen und warum?

Van der Bellen: Der erste Staatsbesuch des Bundespräsidenten führt traditionellerweise in die Schweiz. Wirtschaftlich ist sicherlich der asiatische Raum interessant. Der ehemalige Bundespräsident Heinz Fischer hat mit seinen Wirtschaftsdelegationen auf Auslandsreisen ein Auftragsvolumen von 2,5 Mrd. Euro für österreichische Firmen gebracht. Das sichert mehr als 40.000 Arbeitsplätze. Ich möchte diese Tradition fortführen und bei Staatsbesuchen als Türöffner für die österreichische Wirtschaft agieren.   

Das Interview führte Mag. Manfred Kainz (redaktion@boersen-kurier.at)

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