Eine Hauptversammlung als Vorspeise

Henne oder Ei bzw. HV oder Buffet – darum dreht sich jedes Jahr das Aktionärstreffen des Edelcaterers. Da kommen „profanere“ Dinge wie das sehr gute Geschäftsjahr und die politischen Ereignisse am wichtigen Standort Istanbul bzw. in der Türkei dann leider ein wenig zu kurz.

„Völlig überraschend wird es am Ende der Veranstaltung ein Buffet geben“, nahm Aufsichtsrats-Chef Waldemar Jud gleich nach dem Verlesen  der Tagesordnungspunkte unter großem Gelächter das eigentliche Highlight des Abends vorweg. Und auch die kurze Präsentation des Geschäftsjahres samt Ausblick durch den, wie er hervorhob, soeben aus Istanbul zurückgekommenen Attila Dogudan, sprach dafür, dass niemand der rund 500 (!) Besucher an diesem Abend lange hungern musste. Doch letztlich soll es ja auch so sein, denn immerhin gehören gutes Essen und ein toller Service auch zum Tagesgeschäft von DO & CO.

10.000 Mitarbeiter!
Dass dieses Geschäft selbst auch Freude macht, haben wir bereits Anfang Juni nach Veröffentlichung der „hervorragenden Ergebnisse“, so Dogudan nochmals bei der HV, gezeigt. Dazu ein paar Eckpunkte, die auch der Vorstand in seinem Bericht hervorhob: So konnte der Prime-Market-Wert als Folge des Wachstums in allen Märkten heuer den 10.000sten Mitarbeiter aufnehmen. Dann wurden bei der für DO & CO vierten Fußball-EM 100.000 VIP-Gäste erfolgreich bedient. Weiters zeigte sich der CEO erfreut darüber, dass der Partner Turkish Airlines eine Woche vor der HV für das beste Business-Class-Catering und das beste Lounge Dining weltweit ausgezeichnet wurde. In Summe verbuchte DO & CO im zu behandelnden Geschäftsjahr somit bei einem Umsatzplus von knapp 15 % auf 916 Mio Euro ein EBITDA von 92,69 Mio Euro (+12,5 %) bzw. ein EBIT von 55,5 Mio Euro (+2,4 %). Auch das Konzernergebnis stieg gegenüber dem um einen Einmaleffekt bereinigten Ergebnis im Jahr davor um 19,2 % auf 28,25 Mio Euro.

Vorsichtige Dividendenpolitik
Die Dividende bleibt hingegen, wie auch in den beiden vergangenen Jahren, unverändert bei 85 Cent – mit dem großen Wermutstropfen, dass es für 2014/15 eine Bonusdividende von 0,35 Cent gab. IVA-Chef Wilhelm Rasinger zum Börsen-Kurier: „DO & CO hat grundsätzlich eine sehr vorsichtige Dividendenpolitik, die angesichts der aufgekommenen Unsicherheiten im Airline-Business und im türkischen Tourismus auch nachvollziehbar ist.“

Klares Commitment zu Investitionen in der Türkei
Selbstverständlich von Aktionärsseite auf die Vorkommnisse am (mit mehr als einem Drittel Anteil am gesamten Geschäft) mit Abstand wichtigsten Markt Türkei angesprochen, betonte der CEO in weiterer Folge immer wieder, dass „man vor Ort ein ganz anderes Bild bekommt als hier“, und dass die „Türkei wirtschaftlich noch das selbe Land wie vor einer Woche (vor dem Putschversuch, Anm.) ist“.

Dogudans „klarem Commitment“ zum Land am Bosporus steht aber natürlich die massive Unsicherheit, wohin der Staat jetzt politisch gehen wird, entgegen. Und auch die Nachricht von der Entlassung von mehr als 200 Mitarbeitern der teilstaatlichen Turkish Airlines im Zuge von Erdogans „Säuberungsaktionen“ in der Vorwoche geht nicht gerade als vertrauensbildende Maßnahme durch.

Als Replik auf eine Aktionärsfrage unterstrich der DO-&-CO-Chef aber auch, dass seit einiger Zeit „die Balance mit anderen Märkten“ gesucht wird. So stieg der Umsatz des Türkei-Geschäfts im vergangenen Jahr auch „nur mehr“ um 14 % gegenüber einem Plus von 34 % in den anderen Märkten wie den USA, Großbritannien oder jenen von Partner Emirates.

Ausblick
Bei der 18. HV sprach Dogudan davon, dass er auch für 2016/17 mit einem – nicht ganz so starken, aber zumindest im einstelligen Bereich liegenden – Wachstum rechnet. Vieles wird natürlich von der Entwicklung in der Türkei abhängen. Nachdem aber auch die vom Börsen-Kurier befragten Analysten noch keine Einschätzung zur neuen Lage abgeben konnten, ist es jetzt einfach noch zu früh, um zu beurteilen, ob das Geschäft von DO & CO nachhaltig beeinflusst wird.

Der Kurs der Aktie spiegelte jedenfalls die Dramatik rund um Russland-Spannungen, Terrorgefahr und Putschversuch zuletzt wieder. Nach den schönen Höchstkursen von mehr als 100 Euro im April ging es bis auf 65 Euro im Zuge des Putschversuches steil bergab. Nach einer Erholung bis vergangene Woche bewegte sich die DO-&-CO-Aktie zuletzt über der 70-Euro-Marke.

Kurzes Ende
Die Veranstaltung selbst nahm wie angedeutet übrigens ein kurzes Ende. Nach nur einer Stunde mit entsprechend knappen Fragen wurden – bis auf die Wahl der beiden zusätzlichen neuen Aufsichtsräte Cem M. Kozlu und Andreas Bierwirth – alle Tagesordnungspunkte einstimmig durchgewunken. Und einem genussvollen Abend stand nichts mehr im Wege.

Autor: Klaus Schweinegger (ks@boersen-kurier.at)

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