George Soros glaubt an fallende Kurse

Der prominente Investor verstärkt seine Wette auf fallende US-Indizes. Alle führenden Kursbarometer der Vereinigten Staaten brachen hingegen nach oben aus. Der September wird Klarheit schaffen.

Eine teure Bewertung der US-Aktienmärkte lässt ein potentielles Einbruchspotential größer erscheinen. – eine erhöhte Wahrscheinlichkeit eines bevorstehenden Ausverkaufs muss damit aber keinesfalls einhergehen. Im Gegenteil dazu ist eine Auffälligkeit klar gegeben: Wir befinden uns an den Aktienmärkten in einem Handelsmonat, das von einem dünnen Wertpapiergeschäft an den Weltbörsen geprägt ist. Die Kursentwicklungen weisen dazu im August und September die traditionell schwächste Tendenz der US-Aktienindizes auf. Doch auch dieses Muster bestätigte sich gerade in den vergangenen Jahren nicht generell. Die Aktivitäten der Notenbanken setzten bereits viele Börsenweisheiten außer Kraft.

Überraschend ist dennoch der erfolgte charttechnische Ausbruch, den die Familie der Spitzendrillinge der US-Indizes, Dow Jones, S&P 500 sowie der Nasdaq 100 kürzlich gemeinsam ausdrückte. Besonders der letztgenannte Indikator überwand die Spitze der Technologie-Hausse des Jahres 2000 mit mehr als 4.700 Punkten eindrucksvoll. Erst wenn, wie stets Mitte September, die Umsätze an den US-Börsen merklich zunehmen und damit keine Kursschwäche einhergeht, ist ein Anhalten des über sieben Jahre dauernden Bullenmarktes bestätigt, ebenso nicht ausgeschlossen ist bis dahin aber ein ausgelöstes tückisches Kauf-Fehlsignal.

Soros bevorzugt Put-Optionen – liegt er falsch?
Klar Position bezogen hat nun der legendäre Großinvestor George Soros. Ungeachtet nun etablierter, positiver Chartindikatoren und divergierender Stimmungsbilder verdoppelte Soros seine Verkaufspositionen auf die US-Indizes. Aus einer Meldung seines Anlagefonds geht hervor, dass er seit Beginn des 3. Quartals auf mehr als 4 Mio Put-Optionen auf einen S&P 500-ETF sitzt. Diese Position des gebürtigen Ungarn und Manager des Quantum-Fonds wurde nun nach fünf Monaten massiv angehoben. Bisher kann dies nur zu Verlusten geführt haben.

Diesem Pessimismus unreflektiert zu folgen, muss nicht zielführend sein. Bis zum legendären Anleihen-Fondmanager Bill Gross (ehemals Pimco), riss in jüngster Zeit die Erfolgsserie nach über einer Dekade bei einigen prominenten Investoren abrupt ab. Die „neue Welt“ der Notenbank-Geldschöpfungen hinterlässt Spuren.

Etablierter Glaube an Liquiditätsschübe
Die Stimmungslage von 211 befragten Fondmanagern hat sich zuletzt gebessert, meldete die Bank of America Merrill Lynch in der Vorwoche. Demnach ist der Anteil der Optimisten für die globale Konjunktur kürzlich auf 23 % angestiegen. Die gehaltenen Barmittel reduzierten sich binnen eines Monats weiter auf 5,4 %, liegen allerdings nach wie vor im historisch hohen Bereich. Im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt befinden sich dabei die gehaltenen Positionen bei US-Aktien und jene der bedeutenden Schwellenländer mit 11 % oberhalb des Messniveaus. Europäische Dividendentitel dagegen sind untergewichtet.

Grundlage des gewachsenen Optimismus ist vor allem die Tatsache, dass nicht einmal jeder Achte professionelle Finanzakteur an eine absehbare Beendigung der ultralockeren Geldpolitik in Japan und in der EU glaubt.

Diesen verstärkten Optimismus als Kontraindikator zu verwenden, fehlt aber die Grundlage. Denn es gibt kein Indiz dafür, dass sich die Aktien bereits in „schwachen“ Händen befinden, noch ist keine Euphorie beim „Mann auf der Straße“ wahrzunehmen.

Autor: Roman Steinbauer (redaktion@boersen-kurier.at)

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