Innovationen sollen Telekom pushen

Alejandro Plater, der argentinische CEO und COO der Telekom Austria Group, im Gespräch über Geschäftsfelder der Zukunft, Performance, Dividende, Börse und Regulierung.

Warum sollte ein Anleger Telekom-Austria(TA)-Aktien kaufen? Diese für den Freefloat wesentliche Frage beantwortet Alejandro Plater, CEO des börsenotierten teilstaatlichen Konzerns im englischen Gespräch mit dem Börsen-Kurier mit Daten: Die Attraktivität eines Aktientitels ruhe auf drei Säulen: „Dividende, Liquidität und Performance“. Was die Dividende betrifft, werde die TA mit der Änderung ihrer Ausschüttungspolitik – Vervierfachung von 5 auf 20 Cent – sehr kompetitiv im Vergleich mit dem Markt. „Unsere Dividendenrendite von 3,8 bis 4 % ist im Niedrigstzinsumfeld sehr attraktiv.“ So sieht Plater die TA mit Cashflow und Ausschüttungspolitik auch langfristig sehr wettbewerbsfähig. Und performancemäßig würde die TA seit sechs Quartalen die Markterwartungen übertreffen und man arbeite hart daran, das fortzusetzen.

Wie es an der Wiener Börse weitergeht, beantwortet Plater, dass das Listungsthema eine Eigentümerentscheidung sei. Aber zur Frage, wie er mit dem „Kosten/Nutzen-Verhältnis“ der Börsepräsenz zufrieden sei, sieht er neben den Vorteilen, wie die Möglichkeit Anleihen zu platzieren und die transparenten Bedingungen, „nur einen Nachteil“: Dass man viele Informationen mitteilen müsse, was „unsere nichtgelisteten Mitbewerber nicht müssen“, die Konkurrenz also viel erfahre, aber nicht umgekehrt.

Kritisch ins Gericht geht Plater mit der Regulierung. „Die EU reguliert was sie kann, nicht was sie sollte.“ Da man der transatlantischen Player nicht habhaft werde, hätten diese in Europa keine Einschränkungen. „Die EU sollte weg von der Regulierung von Rechtsgebilden bzw. Unternehmen, hin zur Regulierung von Dienstleistungen.“ Heute sei Festnetztelefonie hochreguliert, WhatsApp hingegen gar nicht. „Bei wem können Sie sich beschweren, wenn WhatsApp nicht funktioniert?“

Was die Wachstumsfelder für die TA betrifft, setzt Plater auf zwei Säulen: Erstens, Innovationen für Unternehmenskunden, denn erst 9 % der Unternehmen seien „in die Cloud gewandert“. Die TA wolle bei Geschäftskunden mit „Spitzenleistungen in den Feldern Connectivity, Cloud und Data-Services“ punkten. Mit neuen Beratungstools wolle man mit den Unternehmen „Hand in Hand“ arbeiten, etwa was digital banking, digital insurance und auch data security betrifft. Da die TA selbst permanent Hackerziel sei, habe man „umfassende Kompetenz in allen Sicherheitsfragen“. Als zweite Säule wolle man die Integration bei den Haushaltskunden weiter entwickeln. Auch da gehe es um neue Sicherheits-, (Finanz-)Service- und Datenverkehrslösungen. Dabei werde der Einsatz von „big data“ forciert, in der Zusammenarbeit mit Transportunternehmen oder Supermarktketten gebe es viel Potenzial. Etwa herauszufinden, wie sensitiv Konsumenten auf gewisse Werbeaktionen seien. Dazu kämen noch Innovationen für die Effizienzsteigerung der Parkraumnutzung. Daher ist die TA am Start-up Parkbob beteiligt. Insgesamt sieht Plater viel Zukunft in „digital capitalism“: Software von der Cloud nutzen, mit der Cloud teilen, die Verarbeitungskapazitäten und die Profitabilität mittels Clouds erhöhen.

Der TA-CEO erwartet zwei „Revolutionen“: in Künstlicher Intelligenz und in der Sensorindustrie. „Milliarden von Sensoren werden Informationen senden und empfangen, und all das muss von jemandem verbunden werden“, ist er für das immer wichtiger werdende Geschäftsfeld Connectivity optimistisch. Im Jahr 2020 sieht er die TA als „den heimischen Digitalisierungs-Player“, als „best in class Performer“ und mit hochkompetitiven „Footprints“ in den CEE-Märkten Bulgarien, Weißrussland, Kroatien, Slowenien, Serbien und Mazedonien.

Autor: Mag. Manfred Kainz (redaktion@boersen-kurier.at)

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