Neue Hausse beim Goldpreis

Politische Spannungen, Minuszinsen sowie die allmählich anziehende Inflation die wichtigsten Zutaten für eine neue Hausse beim Goldpreis.

Die Geduld der Goldanleger dürfte sich bezahlt machen. Heuer ist die Notierung von einem Zwischentief bei 1.061 USD je Feinunze Anfang Jänner immerhin schon auf gut 1.330 USD Ende Juli hinaufgeschnellt, auf Eurobasis war der Anstieg sogar noch kräftiger. Die Trendwende dürfte jedenfalls eingeläutet sein, ist James Butterfill, Chefanalyst bei ETF Securities in London, im Gespräch mit dem Börsen-Kurier überzeugt. Grund genug, auch die Prognose zu revidieren: „Bis Juli 2017 dürfte die Notierung auf 1.440 USD klettern.“

Allein in den USA kehre allmählich die Inflation zurück, das zeige sich etwa in den steigenden Löhnen. „Die US-Notenbank hätte schon im Juni die Zinsen anheben sollen“, so Butterfill. Der Goldpreis erleidet in der Regel schon bei der bloßen Ankündigung einer Zinserhöhung einen großen Rücksetzer. Derartige Reaktionen waren in der Vergangenheit aber meist von kurzer Dauer, so Butterfill. Danach habe der Preis sogar zugelegt. Der Grund: Während zuerst die Sorge vor steigenden Opportunitätskosten bei einer Goldanlage überwiege (dieses Investment wirft keine Zinsen ab), weicht die Sorge dann meist der Befürchtung, dass die Notenbank die Zinsen gar nicht rasch genug anheben könne, um mit der Inflation mitzuhalten. „Einzig 1994, da wurden die Zinsen stärker als die Inflationsrate nach oben geschraubt. Deshalb fiel der Goldpreis“, so Butterfill.

An diese Situation glaubt der Experte derzeit nicht. „Dazu sind die realen Zinsen zu sehr im negativen Bereich.“ Sprich, die nominale Rendite, die man mit Anleihen erzielt, abzüglich der Inflationsrate. Zugleich gebe sich die US-Notenbank vorsichtig zurückhaltend. „Das könnte den Dollar allmählich schwächen, was ebenfalls eine Stütze für den Goldpreis wäre.“ Schließlich werden Rohstoffe in der US-Währung gehandelt, sie sind dann günstiger für internationale Anleger.

Nun könnte die Inflationsrate auch vom steigenden Ölpreis angeheizt werden, so Butterfill. Umso mehr sei Gold dann eine gute Absicherung gegen Inflation – nebst seiner Rolle als Versicherung in turbulenten Zeiten. Diese Eigenschaft wurde mit dem Preisausschlag nach dem Brexit-Votum wieder bewiesen. Von diesem Preisauftrieb profitiere auch Silber: „Die Korrelation zum Goldpreis liegt bei 80 %.“

Autor: Mag. Raja Korinek (redaktion@boersen-kurier.at)

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