Der Boom der Brennstoffzelle

Die Wasserstoff-Treibstoff-Infrastruktur wächst parallel zu den angebotenen Fahrzeugen. Europas Kfz-Perspektive bietet eine solide Anlagechance.

Die Erweiterung auf 100 Wasserstoff-Tankstellen in Deutschland bis zum Jahr 2018 schreitet voran. Nachdem in Österreich am 13. September in Asten bei Linz die dritte reguläre OMV-Wasserstofftankstelle eröffnet wurde, folgt bereits im November in Graz auch hierzulande der Infrastrukturaufbau.

Das Berliner Konsortium H2 Mobility zielt auf eine verzahnte Marktpräsenz des Kraftstoffangebots mit der Einführung der Brennstoffzellen-Automodelle ab. In Deutschland gab es immer wieder zur deutschen Subventionspolitik alternativer Antriebe Kritik. Klar ist: Die europäischen Kfz-Hersteller befinden sich in der Produktion für Elektro-Autos nicht mehr in Führungsposition. Die Chancen der Pkw-Industrie des Alten Kontinents liegen im Ausspielen der eigenen Stärken. Und diese untermauern mit der Brennstoffzellen-Entwicklung womöglich noch zukunftsweisende Pfade.

Es ist in der Branche nicht neu, dass der koreanische „Angreifer“ Hyundai (ISIN: USY384721251) den Germanen in dieser Technologie dicht auf den Fersen ist. Die Gegenüberstellung zum reinen Elektro-Auto spricht für die Brennstoffzelle. Die Vorteile sind eminent. Eine derart überdimensionierte Batterie, die beispielsweise beim Tesla S-Modell zu einem Leergewicht von mehr als 2t beiträgt, fällt weg. Die km-Reichweite der Fahrzeuge liegt auf gewohntem Niveau. Das Raumvolumen im Kfz wird nicht beschränkt. Einzig die Herstellungskosten und damit die Erschwinglichkeit für den Endverbraucher sind als Hürde zu nennen, die kurzfristig noch nicht zu überspringen ist.

Geballte Interessen eines Syndikates

Führt die Brennstoffzellentechnik in der Mobilität zum Durchbruch, sind klare Profiteure (ohne diverse Komponentenzulieferer) rasch zu benennen: Aufgrund der dominanten Marktstellung stehen die beiden französischen und deutschen Flüssiggas-Platzhirsche Air Liquide (FR0000120073) und Linde (DE000 6483001) an der Spitze einer langfristig „goldenen“ Zeitepoche. Für diese H2-Mobility-Gesellschafter, die als Industrielieferanten ein jahrzehntelanges Knowhow aufweisen, breitet sich hin zum Endverbraucher ein weiteres Geschäftsfeld aus. Mit Shell (GB00B03MLX29), Total (FR 0000120271) und der OMV sind zudem mächtige Gründungsmitglieder zu nennen. Vereint lässt sich der Aufbau und die Etablierung in Zentraleuropa bewerkstelligen. Für den Daimler-Konzern (als weiteren Gesellschafter, DE0007100000) könnten die Wagnis-Investitionen und das offensive Vorantreiben der Brennstoffzellentechnologie zu weit profitableren Geschäftsergebnissen führen. Für die zuletzt positive wirtschaftliche Entwicklung und die erfolgreiche Mercedes-Modellpolitik ein potenziell weiterer Schub. Mit dem GLC F-Cell (SUV) platzieren
die Stuttgarter bereits im kommenden Jahr das weltweit erste Plug-in Brennstoffzellen-Auto. Der Wasserstoff kann binnen drei Minuten betankt werden. Die komplette Antriebseinheit passt unter die Motorhaube, die Reichweite soll mehr als 500 km betragen.

Ernsthafte Konkurrenz für Elektroautos

Der reine Elektro-Bolide bekommt trotz des Tesla-Aktien-Hype (US88 160R1014) mit der Brennstoffzellentechnologie eine ernsthafte Konkurrenz, die vor der Marktreife und für Markenkontinuität steht. Gelingt den Kaliforniern mit Tesla nicht bald der Sprung in die Profitabilität, gehen deren Anteilseigner und Investoren als auch die Autokäufer (Verfügbarkeit der Ersatzteile) ein beträchtliches Risiko ein.

Autor: Roman Steinbauer (redaktion@boersen-kurier.at)

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