Handel mit Diamanten und Farbedelsteinen – Interessante Geldanlage hinter kitschigem Mythos

Filmemacher und Krimi-Autoren haben den Stoff schon vor langer Zeit für sich entdeckt. Doch was steckt wirklich hinter dem Thema und wie läuft der internationale Handel mit Diamanten und Farbedelsteinen ab? Der weltweit tätige Händler Thomas Schröck gibt Einblicke und räumt mit Mythen auf.

Börsen-Kurier: Eingangs gleich einmal die Frage, was spricht für Diamanten und Farbedelsteine als Anlage? Immerhin gibt es ja weder Zinsen noch eine Dividende?

Thomas Schröck: Für Farbedelsteine und Diamanten spricht, dass sie –  neben Silber und Gold – die wohl älteste Anlageform insgesamt darstellen: Schon alte Königshäuser in Ägypten und Indien investierten ihr Geld in Edelsteine. Dann sind die Steine klein, leicht zu transportieren und stellen die höchste Wertkonzentration pro Kubikzentimeter dar. Sie brauchen bei der Lagerung keine Aufmerksamkeit, also kein spezielles Licht, keine spezielle Luftfeuchtigkeit oder keine Konservierung insgesamt. Außerdem sind Edelsteine weltweit in jedem Land anerkannt.

Börsen-Kurier: Wie lassen sich die Objekte der Begierde kurz und bündig kategorisieren?

Schröck: Grundsätzlich unterscheidet man „weiße Ware“ – das sind die Diamanten – und Farbedelsteine. Beim Diamanten werden die „4 C“ herangezogen: Carat (das Gewicht, 0,2 g = 1 ct.), Clarity (die Reinheit), Color (die Farbe in Abstufungen von weiß) und Cut (die Qualität des Schliffs, noch einmal unterteilt in Symmetry, Polish und Cut selbst). Bei den Farbedelsteinen sind die wichtigsten jene aus der mineralogischen Korundgruppe (Rubin und Saphir) sowie jene aus der Beryllgruppe (vor allem Smaragd). Bei diesen drei, also bei Rubin, Saphir und Smaragd, ist das Wichtigste die Farbe (sie sollte strahlend und angenehm sein) und das Gewicht, dann die Reinheit. Ganz wichtig ist, dass sich für Anlagezwecke nur Edelsteine, die nicht „behandelt“ wurden (also vor allem nicht erhitzt zur Farbverbesserung), eignen.

Börsen-Kurier: Beim Thema Diamantenhandel schwingt immer etwas Mystisches mit. Bitte entzaubern Sie für unsere praxis- und anlageorientierten Leser den Begriff ein wenig.

Schröck: Der Mythos des Diamanten stammt einerseits aus der Tatsache seines hohen Werts, und auch daher, dass er in sehr unzugänglichen Weltgegenden gefunden wird (Südafrika, Sierra Leone, Simbabwe, Australien, Sibirien, Brasilien). Außerdem ist nur ein geringer Anteil der gefundenen Steine wirklich „weiß“.

Bis in die 1980er wurde der Handel mit Rohdiamanten übrigens von De Beers dominiert. Zu gewissen Zeiten hatte dieses Unternehmen einen Anteil von 70 % am Handel mit Rohdiamanten. Danach ist der Anteil geringer geworden. Und um gleich einen weiteren Mythos zu entzaubern: heute sind die wichtigsten Schleif- und Handelsplätze nicht mehr Antwerpen, Amsterdam oder Tel Aviv, sondern vor allem Indien. Rund 92 % aller Diamanten werden heute in der Stadt Surat, sechs Autostunden nördlich von Mumbai, geschliffen.

Der Handel mit Diamanten ist aber ursprünglich geblieben: Es gibt bis heute keine Derivate beim Diamanthandel, was zählt ist die Ware selbst. Eine sogenannte „Diamantbörse“, wie jene in Mumbai etwa, ist ein Haus mit vielen kleinen Kojen, in denen die Großhändler auf andere Händler warten. Das Geschäft ist dabei ein sehr schnelles: Ein Stein wird besichtigt, ausgesucht, „blockiert“ – das heißt fix gebucht – und muss am nächsten Tag bezahlt worden sein, es gibt keine Zahlungsfristen. Es gilt auch noch immer der Handschlag, da über die Steine keine Verträge abgeschlossen werden.

Börsen-Kurier: Und wie kommen Preise zustande?

Schröck: Die Preisbildung orientiert sich entweder an einem Verhandlungsergebnis oder immer mehr an der sogenannten „Rapaport“-Liste, die auf Basis der Großhandelspreise wöchentlich in New York publiziert wird. Mittlerweile verfügen die Händler allerdings auch schon über eine App, die die Preise von Steinen rasch berechnet.

Börsen-Kurier: Die Themen Sicherheit und Risiko sind beim Handel mit Diamanten von großer Bedeutung. Wer gewährt mir als Anleger, dass ich einerseits auf keine Fälschung reinfalle und andererseits mir auch kein sogenannter „Blutdiamant“ angeboten wird?

Schröck: Alle Edelsteine ab 0,33 ct. bzw. bei Farbedelsteinen ab 1 ct. werden mit einem internationalen Zertifikat verkauft. Bei Diamanten sind die wichtigsten Zertifizierungsstellen die GIA (Gemological Institute of America) und HRD. Der Stein wird untersucht, über das Ergebnis wird ein Zertifikat ausgestellt und die Nummer des Zertifikats wird winzig klein in den umlaufenden Rand des Diamanten eingeschrieben. Damit sind Diamant und Zertifikat untrennbar verbunden. Als Kunde kann ich dann beispielsweise auf die Homepage der GIA gehen (www.gia.edu) und dort im offenen Bereich die Nummer des Zertifikats eingeben und am Bildschirm erscheint mein Zertifikat; damit weiß ich nun auch, dass es echt ist.

Bei Farbedelsteinen sind die wichtigsten Zertifizierungsstellen Gübelin in Luzern, SSEF und GRS in der Schweiz und dann wieder die GIA. Das Zertifikat eines lokalen Auktionshauses oder eines lokalen Juweliers hat international keine Bedeutung.

Und dann ist mit dem Mythos des „Blutdiamanten“ aufzuräumen. Die Definition für diesen Begriff lautet: „Ein Edelstein, der dazu verwendet wird oder wurde, einen bewaffneten Konflikt zu finanzieren.“ Dies wird durch den „Kimberley-Prozess“ aber ausgeräumt: Jeder Rohdiamant muss ein „blue certificate“ haben, das seine Herkunft bestätigt. Ist etwa ein Land, wie es Sierra Leone war, in einen bewaffneten Konflikt verwickelt, dann werden Steine von dort nicht mehr gehandelt.

Börsen-Kurier: Und was empfehlen Sie mir bezüglich der Anlage in Diamanten und Farbedelsteine? Wo kann ich mir neben einem Werterhalt auch noch eine Steigerung erwarten?

Schröck: Ich würde Ihnen je nach verfügbarem Betrag empfehlen, zu splitten. Diamanten sind als wertstabil zu sehen, Rubine und Saphire steigen im Preis. Hätte jemand zum Beispiel 60.000 E zur Verfügung, dann würde ich die Hälfte in Diamanten anlegen, die zweite Hälfte in Rubine. Bei den Diamanten würde ich mit Schmuckqualität ab einem halben Karat beginnen und dann auch höherwertige Halbkaräter dazugeben. Bei den Rubinen würde ich nur naturfärbige Edelsteine ab 1,5 ct. Gewicht empfehlen.

Börsen-Kurier: Welche Gebühren beim Erwerb und Kosten für Transport und Sicherheit fallen eigentlich für mich an? Bzw. gibt es steuerlich etwas zu beachten?

Schröck: Es fallen keine Gebühren oder Kosten an bis auf die Notwendigkeit von zwei Safes oder Schließfächern für die Edelsteine und davon getrennt die Zertifikate. Denn beides darf nie gemeinsam aufbewahrt werden, da das Zertifikat auch einen Eigentumsnachweis darstellt.

Zum steuerlichen Teil: Edelsteine unterliegen in Österreich wie in den meisten Staaten der Erde der Besteuerung mit Umsatzsteuer. Diese kann ich nur vermeiden, indem ich Edelsteine in Österreich an eine GmbH verkaufe (Stichwort „gewillkürtes Vermögen“), was in Österreich viele meiner Kunden machen, oder indem ich die Steine in ein Drittland, das keine oder nur eine geringe Umsatzsteuer auf Edelsteine einhebt (z.B. Singapur oder Dubai), exportiere (und diese dort verbleiben).

Börsen-Kurier: Und abschließend: Da ich als Endkunde ja nicht am internationalen Börsenhandel teilnehmen kann, was ist, wenn ich meine Steine wieder verkaufen möchte?

Schröck: In jüngster Zeit haben die Auktionshäuser diesen Markt sehr stark für sich entdeckt, außerdem kommen Juweliere als Käufer in Frage. Ich bzw. mein Unternehmen bieten folgende Regelung an: ab einer Behaltedauer von drei Jahren kaufe ich durch mich verkaufte Farbedelsteine zu 100 % des Verkaufspreises (inkl. Ust.) zurück.

Das Interview führte Klaus Schweinegger (ks@boersen-kurier.at)

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