Immobilien als weiteres Standbein des Pensionsfonds

Der global mächtigste Staatsfonds baut den Immobilien-Anteil deutlich aus. Die internationale Nachfrage nach Anlageformen in „Betongold“ hält an.

Für österreichische Anleger mit dem Fokus auf Wertpapiere der internationalen Immobilienbranche ist das Agieren des norwegischen GPFN (Government Pension Fund Norway) von Relevanz. Die Anlagestrategie des weltgrößten Staatsfonds bewegt zunehmend das Agieren weiterer Marktteilnehmer.

Mit aktuell exakt 800 Mrd. Euro und einem weltweiten Anteil von 1,3 % der Aktienkapitalisierung an mehr als 900 Gesellschaften, erregt der „Statens pensjonsfond Norge“ in der Führungsebene der Großkonzerne und der Mammut-Investoren, Aufmerksamkeit. Für Regierungen ist das Engagement der Skandinavier auch auf dem Anleihemarkt zunehmend von Bedeutung. Durch publizierte Anlageentscheidungen sind Verschiebungen an Segmenten der Kapitalmärkte absehbar.

Die Renditen des GPFN brillierten mit mehr als 6 % p.a. bis zum Jahr 2015. Die Nullzins-Notenbankpolitik der Industriestaaten gab den Renten- und Aktiennotierungen über Jahre hindurch Rückenwind. Für die Osloer Regierung des 5,26 Mio Einwohner zählenden Fjord-Landes ist die Entwicklung von Bedeutung, da 4 % der Jahreserträge dem Haushaltsbudget zukommen. Einen Bruch dieser Regel gab es aber erstmals zu Jahresbeginn, als aufgrund der Ölpreis-Erosion ein Griff in die Substanz erfolgte. 

Karsten Kallevig, für den Aufbau des Immo-Portfolios-der GPFN zuständig, soll binnen drei Jahren sukzessive den Anteil der Realitäten am Gesamtportfolio auf 5 % erhöhen. Büro-Immobilien befinden sich bereits an prominenten Plätzen in New York, Paris und London im Depot der Norweger. Die Immo-Präsenz der Objekte hat sich unterdessen auf 13 Länder ausgedehnt. Der Anteil am Gesamt-Fondvolumen liegt zum 30. Juni bei 3,1 %. Nach dem Brexit-Votum wurde der Immo-Wert in GB zwar um 5 % nach unten korrigiert, ein Trendbruch ist jedoch nicht in Sichtweite.

Für den GPFN ist es nun zulässig, jährlich 6 Mrd. USD breit angelegt, in Betongeld „einzubunkern“. Vor allem in Berlin, München und weiteren bedeutenden Metropolen wird in Geschäfts- und Einzelhandelshäuser investiert. Eine Expansion ist auch in asiatische Zentren wie Singapur, Tokio sowie in Großstädte an der Ostküste der USA und in Kalifornien vorgesehen.

Querdenker und Kritiker dieser preistreibenden Entwicklung beginnen aber ebenso ein Szenario zu entwerfen, das Immobilieninvestments generell in das Risikoprofil der Aktienkategorie einordnet – in jenem Fall in dem die Zinsen global zu steigen beginnen und eine überkaufte Situation auf ein depressives Umfeld trifft.

Die Vorjahres-Entscheidung des GPFN-Fondsmanagements, sich aus Kohle-Investments zurückzuziehen, hatte auf die Kursentwicklung der deutschen E.ON- und RWE-Aktie einen deutlichen Einfluss. Dieser Ausstieg, getrieben durch den Finanzausschuss im Osloer Parlament, betraf 2015 insgesamt mehr als 50 internationale Unternehmen mit einem Anlagekapital von 4 Mrd. Euro. Die Trennung von Beteiligungen an Palmöl-Herstellern, führte zu einem Verkaufsdruck an südkoreanischen Konglomerat-Werten. Ein offensives Agieren der nordischen Geldlenker zeigt dazu die im Juni eingebrachte Klage gegen den VW-Konzern im Zuge des Abgasskandals auf. Ebenso wird der Druck auf überzogene Managergehälter kontinuierlich erhöht.

Der Fonds, dem direkt die Erlöse der staatlichen Ölverkäufe zufließen, ist dem Finanzministerium und den Leitlinien der Norges Bank unterstellt. Die vorrangige Aufgabe ist es, die Öleinnahmen der aktuellen Epoche für künftige Generationen nachhaltig lukrativ zu verwalten um für die Post-Ära der fossilen Energie vorzusorgen. Ethisch vertretbare, soziale und umweltfreundliche Kriterien stehen auf der Agenda. Die medial verkündete Anlagestrategie des GPFN wirkt aber oft als reduzierte Betrachtungsweise einfacher Lösungen, um jeder Diffizilität auszuweichen.

Autor: Roman Steinbauer (redaktion@boersen-kurier.at)

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