Risiko und Ertrag unter einen Hut bringen

Anleger, die in der aktuellen Niedrigzinsphase noch Renditen erwirtschaften wollen, kommen kaum um Zertifikate herum. Wie aber schaut es mit dem Risiko aus?

Es war eigentlich eine erschreckende Nachricht: Eine große Schweizer Pensionskasse hat die Hälfte ihres Volumens in Papieren angelegt, die derzeit eine negative Rendite abwerfen. Sparbücher und Anleihen verlieren bereits seit geraumer Zeit an Wert, zumindest wenn man auch die Inflation hineinrechnet.

Muss man da, um sein Vermögen zu erhalten, in risikoreiche Anlagen investieren? „Nein“, ist Heike Arbter, Managing Director in der RCB und seit Mai Präsidentin des europäischen Dachverbandes für strukturierte Investmentprodukte, überzeugt. Zwar würden Zertifikate in der öffentlichen Wahrnehmung nach wie vor als Risikopapiere gesehen, weiß Arbter, in Wirklichkeit seien Bonus- und Expresszertifikate eine „echte, passende und renditestarke Alternative für konservativ ausgerichtete Portfolios“.

Und weil im Niedrigzinsumfeld der „zweifelsfreie Nutzen der Zertifikate“ feststehe, erleben besonders Teilschutzzertifikate einen wahren Boom und sind derzeit die am stärksten wachsende Kategorie auf dem österreichischen Zertifikatemarkt.

Wie sieht es nun aber wirklich mit der Sicherheit aus? Eine Analyse der RCB gibt darüber Aufschluss und kommt zu einem überraschenden Ergebnis.

Minimales Risiko
Zuvorderst stand die Frage: Kann man Teilschutzzertifikate so strukturieren, dass das verbleibende Risiko so gering wird, damit sie auch für sehr sicherheitsorientierte Investoren geeignet sind?

Dafür hat die RCB mögliche Bonus- und Expresszertifikate über einen Zeitraum von mehr als 25 Jahren rückgerechnet. Auch wenn Daten aus der Vergangenheit natürlich für die Zukunft keine Gültigkeit haben müssen, zeigt sich im Ergebnis der hohe Schutzmechanismus dieser Papiere.

Analysiert wurden Bonus- und Expresszertifikate auf den Euro Stoxx 50 Index im Zeitraum von 1.1.1990 bis 1.8.2016. Dabei wurde angenommen, dass täglich ein Zertifikat aufgelegt worden wäre. Ziel war es, das Risikoverhalten von Zertifikaten in Relation zum Basiswert festzustellen. Vor allem sollte verifiziert werden, dass das Risiko – also das Erreichen der Barriere – umso höher ist, je höher die Märkte sind. Dann würde Markt-Timing „eine zentrale Rolle spielen, wenn das verbleibende Marktrisiko ausgeschlossen werden soll“, so die RCB.

Das Ergebnis
Historisch gesehen haben Bonus Zertifikate mit einer Barriere von 33,81 % und Express Zertifikate mit einer Barriere von 47,08 % bei laufender Betrachtung in mehr als 25 Jahren niemals eine Barriere berührt. Wurden höhere Barrieren gewählt, kam es auf den jeweiligen Investitionszeitpunkt an: Je höher der Startwert (also der jeweils aktuelle Indexstand), umso niedriger muss man die Barriere wählen, um auf der sicheren Seite zu bleiben. So müsste man bei Bonuszertifikaten auf den Euro Stoxx 50 bei einem Indexstand von 5.464,43 Punkten eine Barriere von 33,81 % wählen, bei einem Stand von 3.532,65 Punkten eine von 50 %, damit diese bei einer Laufzeit von fünf Jahren in keinem Szenario berührt worden wäre.

Beim aktuellen Indexstand des Euro Stoxx 50 von weniger als 3.000 Punkten könnte man also, so die RCB, ohne Weiteres Barrieren von maximal 50 % wählen – sie wären „auch für sicherheitsorientierte Investoren“ eine Alternative zu kapitalgeschützten Anlagen wie Anleihen oder Garantiezertifikaten, und das mit Erträgen von mehr als 5 % pro Jahr.

Autor: Marius Perger (mp@boersen-kurier.at)

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