Trumps „Great America“ als Gewinnschub für Japans Unternehmen

Die US-Wirtschaft ist im Zentrum der Berichterstattung. Doch wie wirken sich Donald Trumps Ideen auf den Rest der Welt aus? Der Börsen-Kurier befragte dazu Chantana Lyvath-Ward, Japan-Expertin der Fondsgesellschaft Comgest, über die Auswirkungen auf Nippons Wirtschaft und Unternehmen.

Börsen-Kurier: Sehr geehrte Frau Lyvath-Ward, bevor wir auf den von  Ihnen gemanagten Fonds eingehen, möchten wir von Ihnen eine allgemeine

Einschätzung der wirtschaftlichen Lage Japans. Könnte ein „großes Amerika“, wie es Donald Trump vorschwebt, positiv oder negativ auf die  japanische Wirtschaftsentwicklung auswirken? Einen starken Dollar gegenüber dem Yen würden ja japanische Exportwerte bevorzugen.

Chantana Lyvath-Ward (am Bild unten): Die „Trump-Wirtschaft“ kann Japan sicherlich auf mehrere Arten helfen. Am offensichtlichsten ist hier die Währung, da die Fed die Zinsschraube lange vor der Bank
of Japan anziehen wird. Der nächste Punkt ist, dass ein gesundes Amerika ein starkes Plus für japanische Unternehmen ist, einfach weil die USA jenes Land ist, in das Japan am meisten exportiert. Dazu kommt noch, dass japanische Firmen sehr viele Arbeitskräfte in ihren Fabriken und Werken in den USA beschäftigen; das macht sie zu einem zentralen Punkt bei Trumps Plänen, Arbeitsplätze in den USA zu schaffen.

Börsen-Kurier: Ihr Kollege Richard Kaye hat bei den diesjährigen Investmenttagen von Yield in St. Johann in Tirol vor allem betont, dass japanische Investoren wieder verstärkt im eigenen Land investieren, somit das Vertrauen in die heimische Wirtschaft wieder gestiegen ist. Ist dies auch Ihre Wahrnehmung und womit könnte diese Entwicklung begründet sein? Hat auch Premierminister Shinzo Abe mit seiner Wirtschaftspolitik, beispielsweise mit seiner Reduktion der Unternehmenssteuern dazu beigetragen?

Lyvath-Ward: Die Rückkehr japanischer Investoren auf ihren Heimmarkt ist deutlich sichtbar und durch Daten vom Aktienmarkt seit dem Jahr 2013 belegt. Die größten Aktienkäufer sind staatsnahe Fonds, aber auch private institutionelle Investoren haben begonnen zurückzukommen. Dabei haben natürlich Steuersenkungen eine Rolle gespielt, aber viel wichtiger ist die Bereitschaft japanischer Unternehmen, sich mit Minderheitsaktionären auseinanderzusetzen. Dazu kommt noch die attraktive Kombination von Wert- und Profitsteigerungen auf dem japanischen Markt.

Börsen-Kurier: In Ihrer Broschüre „Japanese Equities, Comgest Growth Japan, October 2016“ ist uns besonders aufgefallen, wie stark sich die Managementebene in Japan scheinbar gewandelt hat. Waren 2004 lediglich 30 % der im TSE 1st „outside-directors“ hat sich der Prozentsatz bis 2015 auf rund 90 % erhöht. Ist dies eine typisch japanische Entwicklung und worauf könnte dies zurückzuführen sein?

Lyvath-Ward: Der kurzfristige Grund für diesen starken Wechsel war die Einführung eines Verwaltungs- und Governance-Kodex durch die Regierung. Der weitaus größere Faktor ist aber, dass Großaktionäre Kreuzbeteiligungen von Firmen untereinander aufgelöst haben, was die Bedeutung der Minderheitsaktionäre stärkt und die Managements zunehmend dazu zwingt, auf deren Bedürfnisse durch die Bestellung „auswärtiger Manager“ einzugehen.

Börsen-Kurier: Ebenfalls interessant erscheint uns die Grafik „Superior Growth in a low Growth Environment“. Hier heben sich japanische Unternehmen, gelistet im MSCI Japan, mit einem EPS-Wachstum im Jahr 2013 von 62,4 % doch deutlich von anderen Unternehmen beispielsweise im MSCI Europe (+1,5 %) und MSCI USA (+6,5 %) ab. Wie
ist diese Entwicklung zu erklären? Auch die Wachstumsrate für 2015 (+15,1 %) und die erwartete Wachstumsrate 2016 (+8,5 %) liegen noch deutlich über den anderen Raten. Was machen japanische Unternehmen besser?

Lyvath-Ward: Es gibt drei Gründe, warum das japanische Wachstum stärker ist. Erstens finden sich überall in der japanischen Wirtschaft Unternehmen, die sich auf ihre Kernkompetenz konzentrieren, periphere Unternehmensbereiche abstoßen und ihr Zentralgeschäft stärken. Zweitens haben niedrigere Unternehmenssteuern dazu geführt, dass keine Notwendigkeit mehr für übertriebene Ausgaben zu Steuerminimierung besteht. Und drittens hatte der kontinuierlich fallende Steuersatz einen deutlichen Einfluss auf die Nettogewinne.

Börsen-Kurier: Nun aber zu dem von Ihnen gemanagten Fonds „Comgest Growth Japan Yen ACC“: Sie sind überdurchschnittlich hoch in Unternehmen aus dem Bereich „Industrials“ und „Consumer Discretionary“ (Nicht-Basiskonsumgüter) investiert. Können wir daher ausgehen, dass Sie von einem weiterhin niedrigen Zinsfeld ausgehen, die Leute daher verstärkt ihr Erspartes für Consumer Discretinaries ausgeben? Gleichzeitig ist Ihr Engagement in Aktien aus dem Bereich „Energy“ auf Null zurückgefahren worden. Können Sie uns erklären warum?

Lyvath-Ward: Unsere „consumer“-Investments sind in spezifischen Nischenmärkten, wo Zinssätze kaum eine Rolle spielen. Ein Beispiel dafür ist Hautpflege, wo hochwertige Produkte klar die in Japan wachsende begüterte weibliche Mittelschicht als Zielgruppe hat. Ein anderes Beispiel sind „Ein-Euro-Shops“, die man als witzig ansieht und die in den letzten Jahren in allen wirtschaftlichen Umfeldern deutlich gewachsen sind.

Im Unterschied dazu ist Energie ein Sektor, bei dem wir kein Vertrauen und keinen Einblick in die Preisentwicklung haben und daher das „Qualitätswachstum“ für unsere Kunden, das ja unser Markenzeichen ist, nicht sicherstellen können.

Börsen-Kurier: Weiters ist uns aufgefallen, dass Ihre Engagement in Health Care mit knapp 10 % eigentlich nicht gerade sehr hoch ist. Aufgrund der demographischen Entwicklung in den meisten Industrieländern, Stichwort höhere Lebenserwartung, Überalterung der Bevölkerung, hätten wir uns eigentlich einen höheren Prozentsatz erwartet.

Lyvath-Ward: Diese Kategorie schließt eigentlich medizinische Geräte aus, wo wir sehr stark engagiert sind, so z. B. bei Sysmex, einem Hämatologiespezialisten, oder Olympus mit seinen Endoskopen oder Asahi Intecc, einem Hersteller für medizinische Drähte.

Börsen-Kurier: Nun eine abschließende Frage: Können Sie uns kurz skizzieren, nach welchen Parameter Sie die Unternehmen aussuchen, die in den Fonds aufgenommen werden?

Lyvath-Ward: Wir fokussieren uns auf ein stabiles Gewinnwachstum von rund 10 % und nur geringen Abweichungen in der Vergangenheit. Außerdem legen wir bei den Produkten Parameter an wie Technologie, Patente, loyaler Kundenstamm oder auch schwierige Nachahmung. Diese Filter erlauben es uns, effizient die Unternehmen herauszufiltern, die wir für ein Investment prüfen.

Das Interview führten Cornelius Pirch und Irene Privoznik (redaktion@boersen-kurier.at)

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