Flughafen Wien feiert gleich drei Rekorde

Die Flughafen-Vorstände Ofner und Jäger ziehen zufrieden Bilanz, stellen weiteres Wachstum in Aussicht – und haben auch einen Wunsch an die Politik parat.

Manchmal zahlt sich ein Blick in die Annalen aus und zeigt, wie sich die Zeiten ändern: „1955 wurden am Flughafen Wien im ganzen Jahr rund 90.000 Passagiere befördert. Heuer wurde diese Zahl an einem einzigen Tag, dem 16. September, bewerkstelligt! An einem durchschnittlichen Tag kommen wir auf mehr als 60.000 Passagiere“, so Julian Jäger, Vorstand der Flughafen Wien AG, bei der Präsentation der Verkehrsergebnisse seines Unternehmens für das Vorjahr. Beim 16. September handelt es sich somit um den stärksten Tag, beim vergangenen Juli um den stärksten Monat (2,4 Mio Passagiere) in der Geschichte des Flughafens.

Nicht die einzigen Rekorde, auch das Gesamtjahr verzeichnete ein All-Time-High: Der Flughafen Wien durchbrach 2016 erstmals die 23 Mio-Schwelle und verzeichnet 23,4 Mio Passagiere.

„Billig-Airlines“ im Anflug
Jäger und sein Vorstandskollege Günther Ofner zeigten sich somit mit der Passagierentwicklung „sehr zufrieden“. Als Wachstumstreiber identifizierten sie vor allem die Zuwächse bei Low-Cost-Carriern wie Eurowings und easyJet. Auf die günstigen Flieger setzt der Vorstand auch in Zukunft: „Das Jahr 2017 wird vor allem durch die Umstrukturierung der airberlin-Gruppe bzw. Niki sehr herausfordernd. Dadurch rechnen wir mit einem Verlust von 1,5 bis 1,6 Mio Passagieren. Das sollte aber durch andere Fluglinien wie Eurowings oder die AUA ausgeglichen werden“, so Jäger. Ofner hatte in diesem Zusammenhang einen Wunsch an die Politik parat: „Im Sinne der Standortsicherung sollte die Ticketsteuer abgeschafft oder zumindest halbiert werden. Vor allem Low Cost-Carrier sind hier sehr sensibel, wobei es etwa an den Flughäfen Laibach und Bratislava keine solchen Steuern gibt. Bei einer Reduktion der Besteuerung würden neue Jobs geschaffen und durch die Wertschöpfung für den Staat mehr Einnahmen generiert werden als durch die Steuer selbst.“ (In Wien fallen für die Kurzstrecke 7 Euro, für die Mittelstrecke 15 Euro und für die Langstrecke 35 Euro an Ticketsteuer an.)

Konservativer Ausblick
Was die weitere Entwicklung betrifft, sollen am Standort bis 2025 rund 1,6 Mrd Euro investiert werden. Für das Jahr 2017 rechnet die Flughafen-Wien-Gruppe inklusive der Beteiligungen Malta Airport und Flughafen Kosice mit einem Passagierzuwachs zwischen 1 und 3 %. Dementsprechend wird eine Steigerung beim Umsatz auf mehr als 740 Mio Euro erwartet und ein Wachstum beim EBITDA auf mehr als 315 Mio Euro angepeilt. In einem Conference Call des Flughafens wurde dabei die Guidance als „konservativ“ bezeichnet.

Bernd Maurer, Aktienanalyst bei der Raiffeisen Centrobank, weist im Gespräch mit dem Börsen-Kurier darauf hin, dass der Ausblick des Flughafens für 2017 eigentlich unter dem Markt-Consensus liegt. Trotzdem hat die Aktie in einer ersten Reaktion an Wert gewonnen – wie ist das zu erklären? „Wegen der Unsicherheiten rund um Airberlin und Niki war wohl die Furcht vor einem noch schwächeren Ausblick vorhanden. Angesichts der jetzt präsentierten Zahlen impliziert die Guidance eine positive Dynamik für 2017 gegenüber 2016“, analysiert Maurer. Er selbst hat die Aktien mit halten und dem Kursziel 28 Euro eingestuft.

Deutlich höhere Dividende
Positiv dürfte jedenfalls die Dividendenpolitik des Flughafens ausfallen: „Der Flughafen Wien hat sich im letzten Jahr hervorragend entwickelt und wird alle Finanzziele 2016 erreichen. Davon sollen auch unsere Aktionäre profitieren, denen wir eine deutliche Erhöhung der Dividende in Aussicht stellen. Wir gehen davon aus, dass die Anhebung rund ein Viertel betragen wird“, so Ofner. Zuletzt betrug die Ausschüttung 50 Cent pro Aktie.

Autor: Mag. Harald Kolerus (redaktion@boersen-kurier.at)

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