Experten sehen Investmentchancen in Wachstumsunternehmen aufrecht

Trotz der langen Outperformance glaubt man bei der Fondsgesellschaft Comgest weiter an ausgewählte Wachstumsunternehmen.

Nach einigen schwierigen Jahren befindet sich die US-Wirtschaft wieder auf Kurs. „Schaut man sich Rezessionsindikatoren wie Zinskurve, Einkaufsmanagerindizes des Institute for Supply Management (ISM), Wohnungsmarkt oder Arbeitsmarkt an, so zeigt sich nicht die rote Warnflagge“, sagt Peter Shapiro, Analyst bei der Fondsgesellschaft Comgest. Auch Inflationstrends und Kapitaleinsatz wären im neutralen Bereich. Positiv: Die Zahl der Menschen, die in den USA ihren Job kündigen, sei etwa derzeit etwa so hoch wie schon lange nicht mehr.

Trump liegt falsch
„Die USA haben eine sehr wettbewerbsfähige verarbeitende Wirtschaft“, so Shapiro. Er verweist auf Lohnstückkosten, die sich auf demselben Niveau wie in China befinden sowie die – im internationalen Vergleich – besonders hohe Fertigungsproduktivität. Daher wären die Gewinne der Unternehmen auch höher als anderswo. Dass in den USA nicht mehr produziert werde, wie es der neue US-Präsident Donald Trump wiederholt behauptet, sei schlichtweg falsch. Vielmehr werde jedes
einzelne Jahr mehr produziert – allerdings mit weniger Arbeitskräften. In diesem Zusammenhang stelle die USA die Speerspitze einer globalen Entwicklung – weg von einer industriellen und hin zu einer wissensbasierten Gesellschaft. Auch hätten bekanntlich viele internationale Unternehmen in den vergangenen Jahren ihre Fertigung in die USA verlegt.

„US-Unternehmen nehmen das Kapital der Investoren und machen daraus Gewinne“, sagt Shapiro weiter. Die besten Firmen wären in den vergangenen Jahren noch stärker geworden. Die lange Outperformance des US-Aktienmarkts beunruhigt Shapiro – im Gegensatz zu vielen Anlegern – keineswegs. Diese sei – neben dem zuvor schwachen US-Dollar – vor allem auf die gute Gewinnentwicklung zurückzuführen. „Angesichts der Gewinnsituation erscheinen auch die aktuellen Bewertungen nicht übermäßig hoch“, so der Comgest-Analyst. Vielmehr sollten sie aufgrund von Produktivität und Finanzstärke noch höher sein. „Die Revaluierung des Marktes ist allerdings mittlerweile vorbei“, hält Shapiro fest.

„Trump hat zwar die Probleme in den USA diagnostiziert, seine Lösungen machen aber keinen Sinn“, so Shapiro weiter. Die zur Diskussion stehende Border Adjustment Tax, die darauf abzielt, Importe zu besteuern, Exporte aber nicht, würde etwa US-Retailketten wie WalMart oder Costco unter Druck setzen, ihre Wertschöpfungsketten wieder in die USA zu verlegen. Dies sei aber nur schwer möglich, da dies unter anderem Preissteigerungen zur Folge hätte. Nachsatz des Experten: „Die Besteuerung der Unternehmen gehört zwar geändert, aber nicht so.“

Abwarten angesagt
Dennoch will man bei Comgest an der bestehenden Portfoliopositionierung – auch von Ketten wie Costco – festhalten. “Wir werden abwarten und schauen, was auf uns zukommt”, so Shapiro. Interessante Anlagechancen macht er bei ausgewählten Wachstumsunternehmen aus, die auch hinsichtlich Qualität bestechen. Auf diese Titel setzt im Übrigen auch der Comgest Growth America (ISIN: IE00 04791160). Die größte Sektorposition ist hier derzeit Technologie (Portfolioanteil fast 35 %) mit Unternehmen wie Cisco, Visa, Paycheck und Google, gefolgt von Healthcare (22 %), mit Namen wie Medtronic, Wright oder JohnsonJohnson. Wichtige Rollen im Portfolio spielen auch zyklischer Konsum (20 %) und Industrie (15 %). Im Bereich Konsum hebt Shapiro etwa Comcast, den größten US-Kabelnetzbetreiber, sowie die Cateringfirma Aramak hervor, im Sektor Industrie das Eisenbahnunternehmen Kansas City Southern.

Autor: Mag. Patrick Baldia (redaktion@boersen-kurier.at)

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