In Zeiten von Marktmanipulationen und Cyber-Attacken

Für ein modernes Infrastrukturunternehmen wie die Wiener Börse steht Sicherheit in all ihren Ausprägungen im Mittelpunkt des Interesses. Rückgrat dieser Sicherheit ist die IT.

Rückgrat und Herz einer Börse ist heute die IT“, sagt Technik-Vorstand Ludwig Nießen im Gespräch mit dem Börsen-Kurier. Dabei gehe es vor allem darum, Kurse und Orders möglichst zeitnah und richtig zur Verfügung zu stellen.

Vor mehr als 25 Jahren hat die Digitalisierung an der Wiener Börse Einzug gehalten, seit 1998 gibt es – in Partnerschaft mit der Deutschen Börse – Xetra. Das hat die Transaktionskosten halbiert und die Tür des österreichischen Kapitalmarktes für ausländische Marktteilnehmer geöffnet. Noch im heurigen Sommer erfolgt der nächste Schritt: Der Xetra-Nachfolger „T7“ ist ein strukturell neues System und bringt „dramatische Unterschiede“ mit sich, was Performance und Geschwindigkeit betrifft, so Nießen. Ab August soll der Aktienhandel über T7 laufen, ein Jahr später auch jener mit Anleihen und Derivaten.

Durch die schlankere Struktur wird T7 auch noch sicherer sein als Xetra: „Je weniger komplex, desto besser überwachbar ist ein System“, betont Nießen.

Verfügbarkeit
Sicherer Handel bedeutet unter anderem, dass die Systeme ständig verfügbar sind – und das sind sie an der Wiener Börse seit vielen Jahren zu 100 %. „Das kann man nicht verbessern. Aber der Level muss gehalten werden, deshalb haben wir strenge Service-Level-Anforderungen“, erklärt Nießen. Dazu tragen hardwaretechnische Konzepte bei, die sicherstellen, dass es bei Ausfällen keine Unterbrechung gibt. „Wir haben eine redundante Infrastruktur mit zwei örtlich getrennten Rechenzentren, über die die Services gefahren werden.“

Missbrauch verhindern
Ebenfalls ein Sicherheitsthema: die Verhinderung von Manipulationen. Auch hier gibt es eine Reihe von Maßnahmen, wie Nießen erläutert.

Ein wichtiges Instrument hierbei ist das Marktüberwachungssystem, mit dem jede einzelne Order in Echtzeit überwacht wird und das für klassische Missbrauchsthemen standardisiert Alarm schlägt. Darüber hinaus können künstliche Engpässe („bottlenecks“) die Zahl der Transaktionen je Kunde beschränken, womit verhindert wird, dass eine Vielzahl extrem kleiner Transaktionen das System überlastet. Und auch die automatisierte Volatilitätsunterbrechung bei drohenden Preisabweichungen in unerwartetem Ausmaß verhindert Manipulationen. „Es ist eines der größten Assets der Wiener Börse, einen sicheren Handel zu gewährleisten“, ist Nießen stolz und ergänzt: „Bezüglich Marktmissbrauch sind wir laufend im Austausch mit der FMA.“

Cyber Security
Vorsätzliche Sabotage mit Hilfe von Software ist eine der großen Herausforderungen für die Wiener Börse geworden. Rund 2.000 Attacken prallen Monat für Monat an der Firewall ab, darunter zwei „kritische Einbruchsversuche “, wobei es auch gezielte Angriffe gibt.

Wichtig: Das Handelssystem der Börse wäre von etwaigen erfolgreichen Angriffen sowieso nicht betroffen, Office-System und Internet haben keine Verbindung zum Handel. Und „Moderne Handelssysteme sind sicher, wir schwimmen hier mit dem Schwarm der Marktführer“, weiß Nießen. „Selbstgestrickte“ Lösungen würden ein viel größeres Risiko darstellen. Permanentes Monitoring kontrolliert die Transaktionen, auch einzelne Datenpakete werden kontrolliert. Nießen: „Wir würden schnell merken, wenn Pakete einen unklaren Ursprung haben.“

Schließlich gehört auch die Mitarbeiterausbildung hierher: In Schulungsprogrammen werden die neuesten Methoden der Cyber-Kriminellen vermittelt.

Autor: Marius Perger (mp@boersen-kurier.at)

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