Ist die Lebensversicherung noch zeitgemäß?

Die Lebensversicherung ist in die Jahre gekommen und das ist ja auch gut so. Schließlich ist es die langfristigste Veranlagungsform. Aber ist die LV, wie sie von ihren Vermittlern liebevoll genannt wird, noch zeitgemäß? Wir machen uns auf die Reise, um hier Licht ins Dunkel zu bringen.

Die Lebensversicherung ist in die Jahre gekommen und das ist ja auch gut so. Schließlich ist es die langfristigste Veranlagungsform. Aber ist die LV, wie sie von ihren Vermittlern liebevoll genannt wird, noch zeitgemäß? Wir machen uns auf die Reise, um hier Licht ins Dunkel zu bringen.

Aber nach welchen Kriterien beurteilt man eine Lebensversicherung? Vor allem, weil sich ja über die Jahre die unterschiedlichsten Formen ausgeprägt haben, die auch sehr unterschiedliche Ziele haben. Von der klassischen LV über Kombi-Variationen mit Berufsunfähigkeit oder Krankenversicherung bis hin zu fondsgebundenen Varianten. Alleine das wäre ja schon einen eigenen Artikel wert.

Grenzen wir die LV als Ver-anlagungsform ab, so findet man Bewertungsparameter, die man grundsätzlich anwenden kann. Das „magische Anlagedreieck“, die steuerliche Bewertung oder die langfristige Bewährung sind Richtwerte, um eine möglichst objektive Beurteilung zu erlangen.

Das „magische Anlagedreieck“ definiert die Renditechancen, die Sicherheit und die Verfügbarkeit einer Veranlagung, bildet also eine Entscheidungsgrundlage für persönliche Veranlagungen.

Die Entwicklung der Lebensversicherung
Begonnen hat alles mit der klassischen Lebensversicherung, die mit einer vernünftigen garantierten Verzinsung einerseits im Todesfall eine Absicherung bieten sollte und andererseits im Erlebensfall das angesparte Kapital nach Ablauf der Laufzeit zur Verfügung stellt. Mit der Etablierung von Fonds kam die klassische Lebensversicherung unter Druck und es wurden fondsgebundene Lebensversicherungen auch ohne jegliche Garantie entwickelt, die vorrangig die Gewinnmaximierung im Fokus haben und den Absicherungsaspekt eher vernachlässigen.

Sicherheit
Hier bietet die Lebensversicherung mit den unterschiedlichen Varianten alle Möglichkeiten. Von der Garantie bis zu höchstem Risiko ist alles möglich. Teilweise sind diese Sicherheiten auch variabel veränderbar. Man kann also mit hohem Risiko einsteigen und mit der Zeit dieses Risiko minimieren bzw. an die Marktgegebenheiten anpassen. Die Garantie bietet je nach Zinslage auch eine garantierte Verzinsung, die zugegebenermaßen aktuell kaum Performance bietet. Aber mit einer klassischen Lebensversicherung und einer 3 %igen garantierten Verzinsung aus den Urzeiten der Versicherung konnte man in den vergangenen Jahren schon gut schlafen.

Aufgrund der gesetzlichen Vorgaben sind Versicherungen dazu angehalten, sich und ihre Kunden auch entsprechend abzusichern und damit das bestehende Risiko einer Insolvenz – offensichtlich mit Erfolg – zu minimieren. Einen Versicherungscrash hat es jeden-falls nicht gegeben.

Was also das Bewertungskriterium Sicherheit betrifft, haben Lebensversicherungen sicherlich sehr gute Karten.

Verfügbarkeit
Eine Lebensversicherung wird auf mindestens zehn Jahre abgeschlossen. Die meisten Verträge haben allerdings wesentlich längere Laufzeiten. In der Theorie. Im Durchschnitt wird eine LV aber bereits vor dem Laufzeitende storniert. Das hat unterschiedliche Gründe. Auch wenn es mittlerweile Möglichkeiten gibt, zumindest auf einen Teil des Kapitals zuzugreifen, so ist die Verfüg-barkeit nicht die Stärke einer LV. Vorzeitige Entnahmen oder Rückkäufe stören die Performance empfindlich und führen oft dazu, dass weniger Kapital ausgezahlt werden kann als insgesamt eingezahlt wurde. Das begründet sich einerseits mit der hohen Kostenstruktur der Versicherungen und andererseits damit, dass die Versicherung ihrerseits auch langfristige Verbindlichkeiten z.B. in Immobilienveranlagungen eingeht und somit schwer kurzfristig Kapital zur Verfügung hat. Auch wenn es mittlerweile möglich ist, Teilentnahmen aus einer Versicherung zu bekommen. Die Verfügbarkeit ist nicht zentral und sollte auch kein Abschlusskriterium sein.

Renditechancen
Je nach Variante sind unterschiedliche Renditemöglichkeiten vorhanden. Wichtig ist, dabei auch die Langfristigkeit zu beachten. Eine klassische LV mit einer vernünftigen Verzinsung hat in ihrer Laufzeit einiges durchgemacht. War sie doch lange der Prügelknabe der Nation, weil sie im Vergleich zum Markt viel zu wenig Verzinsung lieferte, wäre sie heute mit diesem Sicherheits-/Rendite-Verhältnis der Star unter den Veranlagungen.

Christoph Obererlacher, CEO von Swiss Life Select, ist gegenüber dem Börsen-Kurier der festen Überzeugung, dass die LV kein Auslaufmodell ist. Vor allem daran, dass die „Fondsgebundene“ der-zeit dank ihrer Flexibilität und auch der steuerlichen Vorteile große Chancen bietet, hegt er keinen Zweifel. Diese bietet seiner Meinung nach derzeit, aufgrund der Nutzungsmöglichkeiten von breit gestreuten Fonds, die notwendige Flexibilität für ein erfolgreiches Vermögensmanagement innerhalb eines Versicherungsmantels. Außerdem ist die fondsgebundene LV steuerlich äußerst vorteilhaft, da weder Kapitalertragssteuer noch Einkommensteuer anfallen. Weiters kann eine LV gerade bei der Vermögensübergabe sehr vorteilhaft sein.

Für Stefan Kunczier, Geschäftsführer der Pensionsexperten, ist die LV aufgrund der steuerlichen Situation ebenfalls attraktiv. Die klassische LV sieht er aber durchaus kritisch. Hier gilt es zu differenzieren: Bestehende Kunden mit hohen Garantiezinssätzen von mehr als 3 % können sich glücklich schätzen und sollten jedenfalls alles daran setzen, diese bis zum Ende der Laufzeit aufrecht zu erhalten. Ein derart gutes Ertrags-/Risiko-Verhältnis ist heute am Markt nicht zu bekommen. Der Markt hat sich in den vergangenen Jahren aber an das sinkende Zinsniveau angepasst. Moderne fondsgebundene Lebensversicherungen bieten beispielsweise ungezillmerte Kostenstrukturen, ermöglichen jederzeitigen Zugriff ohne Abschlag oder flexible Prämienpausen. Für Kunden, die bereit sind, auf Garantien zu verzichten, ergibt sich eine Vielfalt an attraktiven Sparmodellen.

Zusammenfassend kann man sagen: Die Lebensversicherung gehört noch lange nicht zum alten Eisen und bietet attraktive Möglichkeiten für ein langfristiges Investment.

Autor: Andreas Puchinger (redaktion@boersen-kurier.at)

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