„Vorteilhaft für alle Beteiligten“

Die Registrierung der künftigen RHI Magnesita in Holland und ihr Börselisting in London sollen, so RHI-Aufsichtsratschef Herbert Cordt, „enormen Mehrwert“ für alle Aktionäre schaffen.

Es war ein Paukenschlag: Als die RHI im Oktober 2016 bekannt gab, einen Zusammenschluss mit der brasilianischen Magnesita anzustreben. Das kombinierte Unternehmen soll den Namen RHI Magnesita tragen, seinen Hauptsitz in den Niederlanden haben und in London börsenotiert sein. Diese Ankündigungen sorgten für Unruhe unter heimischen Aktionären, es gab spontane Kritik an dem Plan der doppelten Abwanderung. Da die Verlegung des Sitzes aus Österreich und die Notierung in London die Zustimmung der RHI-Hauptversammlung benötigen, wird der Magnesita-Deal ein beherrschendes Thema einer notwendigen außerordentlichen Hauptversammlung sein. Diese wird erst nach Genehmigung der Transaktion durch die EU-Kartellbehörde angesetzt werden.

Zweifache Verstärkung
Der Börsen-Kurier sprach nun mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden der RHI Herbert Cordt über die Hintergründe und Argumente für den Magnesita-Plan: Mit dem Zusammenschluss werde man zum mit Abstand größten Feuerfestkonzern der Welt, einem wirklich globalen Unternehmen mit Produktionsstätten auf allen Kontinenten mit Ausnahme Australiens. Der neue Konzern wird einen Umsatz zwischen 2,5 und 2,7 MrdE und eine Marktkapitalisierung von 1,5 MrdE aufweisen, so Cordt. Magnesita helfe der RHI zweifach: Geographisch, weil die Brasilianer am südamerikanischen Markt eine führende Position innehaben und auch in Nordamerika stark vertreten sind. Und produktmäßig: als „komplementäre Verstärkung“ mit ihrem stark wachsenden Dolomitgeschäft. Die dolomitbasierten Produkte werden besonders stark in der Edelstahlindustrie verwendet. Dieser Industriezweig wächst wesentlich stärker als das normale Stahlgeschäft.

Österreich bleibt
Die Sitzverlegung der neuen RHI Magnesita nach Holland begründet Cordt pragmatisch: Die neue Gesellschaft wird in den Niederlanden registriert werden, denn das dortige Gesellschaftsrecht erlaubt die Entscheidung, ob man einen One-Tier-Board (gemeinsames Management- & Kontrollorgan) oder einen Two-Tier-Board (getrennter Vorstand & Aufsichtsrat) etablieren will. Für das Listing an der Londoner Börse brauche man einen One-Tier-Board, daher die Registrierung nach holländischem Recht. Cordt beruhigt: Trotz der formalen Sitzverlegung bleiben das Headoffice, die Standorte und die Forschung & Entwicklung des neugeschaffenen Weltkonzerns weiterhin in Österreich. Schon allein das steuertechnische Instrument „Place Of Effective Management (POEM)“ verlange, dass das Headoffice am Wienerberg bleibt.

„Das heißt, alle wichtigen Entscheidungen, die Forschung und auch die Steuern bleiben in Österreich.“ Der Vorteil des One-Tier-Boards gehe „Hand in Hand mit dem CEO-Prinzip“: In Österreich und Deutschland gebe es den Vorstandsvorsitzenden/Generaldirektor als „Vorstandsmitglied mit besonderen Agenden“, der den anderen Vorstandsmitgliedern keine Weisungen erteilen kann. Der Vorstand ist rechtlich nur dem Aufsichtsrat verantwortlich. Der CEO hingegen sei „am Ende des Tages Chef des ganzen operativen Geschäfts“. Der Vorstandsvorsitzende/Generaldirektor wird dadurch gestärkt – und das ist gewünscht.

Mehrwert für alle
Und warum der Börseplatz London, die Börsennotierung der Aktien von RHI Magnesita im Premiumsegment der Official List am Main Market der London Stock Exchange? Trotz Brexit hält Cordt London als Börseplatz für wesentlich attraktiver als Wien: In der Londoner Investorencommunity gebe es einfach viel mehr Know-how für die Businesses Bergbau, Rohstoffe und Industriegüter. Dafür sei London „the place to be“. Man werde in Pfund notieren, aber in Euro bilanzieren. Im „Footsie 250“-Index, in den man kommen werde, sei auch der größte Konkurrent von RHI Magnesita: „Vesuvius“. Der mache in etwa den gleichen Umsatz und ein ähnliches Ergebnis wie die RHI, habe aber eine wesentlich höhere Marktkapitalisierung. „Wir wollen mit dem dortigen Listing Mehrwert für alle Aktionäre schaffen und wir sind überzeugt, dass wir einen enormen Mehrwert schaffen werden“, so der RHI-Aufsichtsratschef. Sein Fazit: Der Deal sei „vorteilhaft für alle Beteiligten“ und er könne sich „nicht vorstellen, dass man sachliche Argumente dagegen vorbringen“ könne. „Ein jahrzehntelang gehegter Wunsch, mit Magnesita eine Verbindung einzugehen“, könne jetzt realisiert werden. Wer an RHI Interesse habe, werde den Zusammenschluss unterstützen, ist Cordt optimistisch. „Unsere Kleinaktionäre werden durch ein Listing am Dritten Markt der Wiener Börse die Möglichkeit bekommen, die neue Aktie in Euro zu handeln“, verspricht er. Auch die Analysten würden den Deal vorteilhaft sehen und durch die Bank positiv bewerten.

Großmärkte
Was die großen Märkte USA, Russland und China betrifft, gebe es unterschiedliche Perspektiven: In den USA ist die RHI seit dem Chapter Eleven feuerfestmäßig nicht mehr vertreten, mit der Magnesita habe man in York/Pennsylvania eine große Dolomitmine und ein Werk, das schon jetzt 200.000 Tonnen produziert. Russland und die GUS schützen sich durch hohe Zollbarrieren, aber sind mit 100 Mio Tonnen Stahlproduktion und einer sich modernisierenden Industrie ein Feuerfestmarkt mit Riesenpotenzial. Man habe ein Werk nahe Moskau und RHI liefert schon heute nach Russland, Ukraine und Kasachstan, so Cordt. Von den Russland-Sanktionen sei man nicht direkt betroffen. China dränge mit Feuerfest-Billigimporten nach Europa, „da müssen wir uns verstärken und wehren“. Denn Europa habe zwar Antidumpingregeln gegen Billigstahlimporte, aber nicht gegen Feuerfestimporte. China produziert 50 % des Weltstahlangebotes und kämpft mit Überkapazitäten. Dazu gebe es in China eine fragmentierte, teils ineffiziente und umweltbelastende Feuerfestproduktion.

Autor: Mag. Manfred Kainz (redaktion@boersen-kurier.at)

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