Experten raten zu Aktien mit hoher Dividendenrendite und Ausschüttungssicherheit

Europäische Bankaktien wurden von Anlegern lange Zeit gemieden. Seit dem zweiten Halbjahr 2016 hat sich das Bild geändert. Lesen Sie hier, wo es noch Potenzial gibt.

Im Zuge des Comebacks zyklischer Aktien, das sich in der zweiten Jahreshälfte 2016 an den europäischen Börsen vollzogen hat, ist ein Sektor wachgeküsst worden, der sich seit längerem in einem Dornröschenschlaf befunden hatte: Der Bankensektor. Auch wenn Experten der US-amerikanischen Konkurrenz deutlich mehr Potenzial zusprechen, so sehen sie durchaus auch Chancen bei ausgewählten europäischen Bankaktien. Für sie würden etwa die deutlich attraktiveren Bewertungen sprechen, ebenso wie die Hoffnung auf eine Aufhellung der Ertragslage.

Hohe Dividendenrenditen
Auf der Rechnung hat europäische Bankaktien etwa Kian Abouhossein, Analyst bei JP Morgan – auch wenn die US-Konkurrenz das vergleichsweise bessere Risikoprofil aufweise. Für attraktiv hält er vor allem die Aktien von Playern mit hoher Dividendenrendite und Ausschüttungssicherheit wie etwa ING, KBC und Lloyds. Aber auch Credit Suisse, Santander und Société Générale wären eine Überlegung wert. Der Hintergrund: Sie würden nach Einschätzung des Experten in wichtigen Geschäftszweigen Verbesserungspotenzial aufweisen. „Finger weg“ lautet dagegen die Empfehlung bei Commerzbank und Deutsche Bank, was an ihrer vergleichsweise geringen Profitabilität sowie knapper Eigenkapitalausstattung liege.

Für Jan Schildbach, Bankanalyst bei Deutsche Bank Research, hängt der mittelfristige Ausblick für europäische Banken großteils von der Entwicklung politischer Risiken sowie der Geldpolitik der Zentralbanken ab. Zu diesen externen Faktoren komme allerdings noch ein dritter dazu, von dem die Performance des Bankensektors abhängen werde: Fortschritte bei der Restrukturierung. Wichtig wären in diesem Zusammenhang weitere Fortschritte bei der Kosteneinsparung, die Erschließung neuer Einnahmequellen, die erfolgreiche Repositionierung gegenüber aufstrebenden neuen Mitbewerbern sowie die Lösung verbliebener Rechtsstreitigkeiten.

Chancen bei europäischen Banken sieht Richard Woolnough, Manager des M&G Optimal Income Fund, im Übrigen auch im Anleihebereich. Der Experte hat zu Jahresbeginn die Gewichtung des Finanzsektors in seinem Fonds – hauptsächlich über europäische Banktitel – um rund 5 % erhöht. „Diese Papiere sind weiterhin historisch günstig, da sie nicht Teil des Anleihekaufprogramms der EZB sind und ihr relativer Wert daher nicht durch die Interventionen verzerrt wurde“, erklärt er.

Auch am Wiener Börseparkett sind Bankaktien im vergangenen Herbst in der Gunst der Anlager wieder deutlich gestiegen. Seitdem haben RBI und Erste Group um rund 60 bzw.
36 % zugelegt. „Wir betrachten das derzeitige Chancen-/Risikoprofil der RBI-Aktie als attraktiv, mit sehr hohem Kurspotenzial, aber auch erhöhtem Risiko und Volatilität“, meint
Erste-Group-Analyst Thomas Unger, der dem Papier, das „deutlich unter dem Buchwert notiert“, ein Potenzial von knapp 10 % zutraut.

Tipp: Russische Bankaktien
Aber auch ein Blick Richtung Osten könnte sich für Anleger bezahlt machen. Obwohl Experten nach der starken Vorjahresperformance russischer Aktien davon ausgehen, dass heuer kleinere Brötchen gebacken werden, könnte der Bankensektor dennoch positiv überraschen. Gregor Holek, Manager des Raiffeisen Russland Aktien, hält etwa eine Bewegung von 10 bis 15 % für möglich, wie er im Gespräch mit dem Börsen-Kurier verrät. „Der Bankensektor sollte vom anziehenden Wirtschaftswachstum in Russland profitieren“, sagt er. Im Vorjahr hätten noch Sorgen um notleidende Kredite den Sektor belastet.

Autor: Mag. Patrick Baldia (redaktion@boersen-kurier.at)

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