Luxemburg will Weltraum erobern

Mit einer Wirtschaftsmission an die US-amerikanische Westküste warb Luxemburg Mitte April für das Projekt „Space-Resources.lu“ zur friedlichen Nutzung von Weltraumressourcen.

Dazu will Luxemburg als Public-Private-Partnership (PPP) einen Fonds auflegen, der in Unternehmen investieren soll, die bei dem Projekt mitmachen. Drei gibt es schon: Das japanische Startup ispace, das unlängst in Luxemburg deswegen seine Europazentrale gründete, ähnlich wie das US-Unternehmen Planetary Resources, an dem sich Luxemburg mit einem Investment von 25 Mio Euro beteiligt, sowie Deep Space Industries (DSI). Der Fonds soll ein Volumen von 70 bis 100 Mio Euro haben; es steht aber noch nicht fest, wie viel Prozent dabei vom Staat und wie viel von privaten Investoren kommen soll. Gespräche mit großen Investmentfonds in Luxemburg gäbe es bereits, so Luxemburgs Wirtschaftsminister Etienne Schneider. Damit würde der Space-Sektor ein Investitionsobjekt werden – und mit den entsprechenden Zuflüssen kann er sich schnell entwickeln, so die Hoffnung. Es gehe darum, ein neues wirtschaftliches Umfeld aufzubauen, so Schneider in San Francisco zur mitgereisten Presse.

Als Beispiel dafür, wie das Großherzogtum bereits in der Vergangenheit im Bereich öffentlich-privater Kooperationen erfolgreich war, nannte Schneider das Satellitenunternehmen SES, das in seiner Branche weltweit führend ist. Diesem Beispiel folgend will er denn auch die Investition Luxemburgs in Planetary Resources verstanden wissen. Um Bewerber zu analysieren und auszuwählen, die bei der Initiative mitmachen wollen, gründet Luxemburg eine „Space Agency“.

Eigenes Gesetz erarbeitet
Mit der Initiative „SpaceResources. lu“, die Luxemburg in diesem Zusammenhang ergriffen hat und weswegen auch die Gesetzgebung angepasst wurde, will Luxemburg ein führendes Hub im Bereich der Weltraum-Technologie werden. Das vorgelegte Space-Gesetz, über das in zwei Monaten im luxemburgischen Parlament abgestimmt wird, gibt Investoren, die sich im Land niederlassen, eine Eigentumsgarantie bei Weltraumrohstoffen.

Weltweit gibt es nur ein ähnliches  Gesetz in den USA. Während dieses aber verlangt, dass das Kapital der jeweiligen Unternehmen und Investoren mindestens zu 50 % US-amerikanisch sein muss, ist das im luxemburgischen Gesetz nicht der Fall, wodurch es „einen viel globaleren Ansatz hat“, meint Simon Pete Wordan. Der ehemalige NASA-Direktor ist Berater im SpaceResource-Projekt.

Interesse daran gibt es von Unternehmen aus Deutschland, Frankreich, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Japan und Russland, wie Schneider sagte, der aber betont, er hoffe auf einen verbindlichen Rechtsrahmen bei Weltraum-Rohstoffen auf UN-Ebene.

Forschung wird forciert
Mit der Initiative will Luxemburg vor allem seinen Forschungsstandort ausbauen und zu einer wichtigen Adresse machen, wenn es um Raumfahrttechnologie geht. Als Mitglied der europäischen Weltraumagentur ESA kann Luxemburg wie alle anderen Mitglieder auch die eigenen Beiträge an die ESA zur Förderung der eigenen Industrie nutzen. Neben dem Satellitenbetreiber SES und der OHB-Tochter LuxSpace sind einige weitere Unternehmen wie Gradel, Euro-Composites, Hitec, Luxspace oder CTI Systems in Luxemburg  im Luft- und im Raumfahrtsektor aktiv. Mit „Blue Horizon“ hatte der deutsche Satellitenbauer OHB kürzlich eine weitere Tochtergesellschaft in Luxemburg angekündigt, bei der es vor allem um Weltraumforschung gehen soll. Im vergangenen Jahr setzte der luxemburgische Space-Sektor 2,1 Mrd Euro um, was etwa 2 % des BIP Luxemburgs entspricht.

Autor: Marco Meng, Luxemburg (redaktion@boersen-kurier.at)

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