Beteiligung an jungen Tech-Unternehmen? Worauf Investoren und Industrie achten

Start-ups sind in aller Munde. Die Politik will sie fördern, Investoren erwarten Überdurchschnittliches. Aber welche Einschätzungskriterien kann man anlegen?

Lage, Lage, Lage ist ein zentrales Bewertungskriterium für Immobilien. Bei Investments in Start-ups (junge Tech-Unternehmen mit hohem Wachstumsanspruch) heißt ein unverzichtbares Kriterium Team, Team, Team. Michael Schuster, Founder & Partner des bekannten Start-up-Investors Speedinvest (und gerade aus San Francisco zurückgekehrt) nennt im Gespräch mit dem Börsen-Kurier „fünf Dinge, die wir uns anschauen“: Erstens, das Produkt. Denn ein nicht-aussichtsreiches Produkt sei auch mit einem guten Team nicht investierbar. Kriterium zwei: eben das Gründerteam. Das müsse sich Know-how-mäßig ergänzen und „gut funktionieren“. 2er- bis 4er-Teams (Techniker, Verkaufs- und Geschäftsführungsgeeignete) seien „robust“, Ein-Mann-Gründer seien für ein Investment zu riskant, weil sie aus verschiedensten Gründen plötzlich ausfallen können. Drittes Kriterium: Markt und Konkurrenz des Kandidaten. Welches Marktpotenzial hat er, und wie erreicht er alle potenziellen Kunden? Kriterium vier: Die Technologie. Da brauche es einen „tiefen Check“, ob damit ein starker langfristiger Wettbewerbsvorteil entstehen kann. Und fünftens: Das Geschäftsmodell des Start-up und deren Rahmenbedingungen – etwa das Zinsniveau im Fintech-Sektor. Auf „Grün“ stehen die Zeichen für Speed­invest, wenn Kandidaten alle Kriterien zur Zufriedenheit erfüllen. „Orange“ werden Kandidaten eingestuft, wo man eventuell mithelfen kann, das Team zu optimieren oder das Geschäftsmodell zu stärken. „Rot“ heißt es, wenn das Produkt nicht taugt und/oder das Team nicht überzeugt, dass man mit ihm die erforderliche Größe und Marktbewertung erreiche kann.

Als zukunftsträchtige Branche sieht IT-Investor Schuster „InsurTechs“: Da könne man mit Vereinfachungsinnovationen die ganze Branche verändern. Denn Versicherung sei ein riesengroßer Markt, der noch „nach alten Mitteln“ funktioniert. Potenzial zwei: „DeepTech“ – technologische Innovationen aus Unis, von Doktoranden und Forscherteams, die innovieren, seien „spannend“. Hohe Renditen berge das B2C-Thema: Stichwort „Plattformen“.

Auch beim „Pitch im Paternoster“ werden konkrete Auswahlkriterien angelegt. Bei diesem Bewerb stellen sich Start-ups einer Profijury: in One-on-Ones im historischen Paternos­ter-Lift im Wiener Haus der Industrie (s. Foto). Organisiert wird dieser außergewöhnliche Pitch von der „Jungen Industrie“ und der Innovationsplattform & Accelerator What-AVenture. Die Jury, vor allem aus dem Kreis der Industriellenvereinigung, nahm dieser Tage 13 Start-ups unter die Lupe. Dabei wurde folgende Kriterienliste abgecheckt: Team, Market, Business Model, Innovation und Sustainability. Jurymitglied und stellvertretender Vorsitzender der Jungen Industrie NÖ Jakob Erber: „Ein ausgewogenes Team hat technisches und Vertriebs-Know- how.“ Weiters achtete er auf Kundenpotenzial, Produktverständlichkeit und Patente. Auch für den Managing Director von WhatAVenture Stefan Perkmann Berger ist ein technologisch und sales-kompetentes Team zentral. Denn davon hänge ab, wie es die Technologie (weiter-)entwickelt, deren Einzigartigkeit schützt, und wie viele Kunden man schon hat bzw. adressiert. Was zukunftsträchtige Branchen betrifft, setzte man beim „Pitch im Paternos­ter“ auf die rasanten Entwicklungen im Energie- und Umweltbereich, wo viel Potenzial in innovativen neuen Unternehmen stecke. Der Bundesvorsitzenden der Jungen Industrie Therese Niss ist „thinking outside the box“ wichtig: „Wir möchten den frischen Wind der Start-ups auch in die etablierten Unternehmen bringen.“

Autor: Mag. Manfred Kainz (redaktion@boersen-kurier.at)

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